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Das „Low-Cut Gerücht“ oder wie wichtig ist der Low-Cut-Filter

Oft lese oder höre ich von Kollegen oder Musikern, dass man grundsätzlich bei der Mischung eines Songs in jedem Kanal einen Low-Cut-Filter einsetzen sollte um aufzuräumen. Ich halte selbstverständlich nie was von solchen Wahrheiten! Vor allen Dingen nicht in der Tontechnik. Aber stimmt das wirklich und wie setzt man jetzt am besten einen solchen Filter ein?

Um tiefer in das Thema einzusteigen möchte ich mal kurz beleuchten was ein Low-Cut-Filter eigentlich ist und wo man ihn so antrifft. Grundsätzlich bearbeitet dieser Filter, durch Absenken tiefer Signalanteile, den Bassbereich und hilft damit eben diesen aufzuräumen. Oft ist er nur schaltbar und hat eine feste, sogenannte Grenzfrequenz. Du kennst ihn sicher von Mikrofonen oder Mischpulten als sogenannten „Trittschallfilter“, der, wie der Name schon vermuten lässt, Trittschall entfernt oder auch mit variabler Frequenz in PlugIns als „Hochpassfilter“, der hohe Signalanteile passieren lässt!


TECHNISCHES

Grundsätzlich arbeitet der Low-Cut-Filter immer mit zwei möglichen Parametern. Das ist auf der einen Seite die sogenannte Grenz- oder Eckfrequenz, ab der der Filter arbeitet und auf der anderen Seite die Flankensteilheit des Filters, der die Stärke der Dämpfung beschreibt.

Die Grenzfrequenz, angegeben in Hz, ist definiert als die Frequenz, bei dessen Überschreitung die Signalamplitude bereits -3dB bedämpft wird. Die Flankensteilheit, angegeben in dB/ Oktave, definiert welcher Dämpfungswert bereits bei der Hälfte der Grenzfrequenz vorliegt. Hierzu ein kleines Beispiel: Hat ein Low-Cut-Filter die Flankensteilheit 6 dB/ Okt. bei 80 Hz bedeutet dies, dass er bei 40 Hz schon 6 dB bedämpft wurde. Man spricht hier von einem Filter 1. Ordnung. Bei der Angabe 12dB/ Okt. von einem Filter 2. Ordnung, bei der Dämpfung 18 dB/Okt. von 3. Ordnung usw. Das ganze ist auch schaltungstechnisch in der Elektrotechnik begründet, würde aber jetzt hier zu weit gehen.

Wichtig ist nur, dass um so höher die Flankensteilheit, desto höher die Artefakte, die sich in Phasenverschiebungen und auch deutlichen Veränderungen des Klangs außerhalb des Filterarbeitsbereichs bemerkbar machen. Deswegen findest du auch in analogen Geräten meist keine Filter über 12 dB/ Okt.! Anders sieht die Sache bei PlugIns aus, hier gibt es auch sehr effektive Flankensteilheiten bis zu 48 dB/Okt., allerdings bedienen sich die Entwickler da auch alternativer Filterkurven für den jeweiligen Einsatzbereich in phasenlinearen Modi um die Artefakte zu mindern.


WO FINDET MAN LOW CUT FILTER

Low-Cut-Filter findet man im Studiobereich an allen „Ecken und Enden“! Vor allen Dingen in der analogen Welt oft ausgeführt als schaltbarer Filter in Mikrofonen, Vorverstärkern, Channel Strips oder Mischpulten. Sowie auch oft als zusätzlicher Filter bei Equalizern oder Kompressor PlugIns in der DAW.

Die digitale Variante ist, wie oben im Absatz „Technisches“ der analogen Ausführung bei weitem überlegen. Insbesondere was die Phasentreue und die Beibehaltung des Klangs angeht.


EINSATZ

Wenn du musikalisch ausdünnen möchtest, musst du aufpassen dass du nicht zu viel machst, sondern nur gezielt einen Einsatz von Lo-Cut-Filtern erwägst.

Denn deine einzelnen Sounds müssen sich auch tatsächlich verbinden können zu einem neuen ganzen. Und dazu gehört eben auch das tiefe Frequenzanteile deiner Signale den Gesamtsound bestimmen.

Arbeite lieber mit Shelf- oder Bellfiltern oder dynamischen Equalizern.


PROBLEME

Setzt du einfach grundsätzlich in der Mischung überall auf allen deinen Einzelspuren Lo-Cut-Filter ein, vielleicht sogar noch mit hoher Ordnung, dann kann es sein das sich die Filter gegenseitig beeinflussen und deine Mischung nicht transparenter, sondern intransparenter wird. Deine Mischung erhält durch Phasenprobleme merkwürdige Artefakte und wirkt plötzlich leblos.


ZIEL

Zwischen all den Werkzeugen, die du im Studiobereich einsetzen kann um dein gewünschtes Ziel zu erreichen, ist der Low-Cut-Filter ein effektives und zugleich einfaches Tool.

Es kann deine Produktion aufräumen und deutlich klanglich eingreifen.

Mir ist wichtig, dass du weisst, es gibt nicht nur den einen vorgegeben Weg einen Filter bei Aufnahmen oder Mischungen zu nutzen. Höre und entscheide welches Signal durch den Einsatz eines Filters profitiert oder besser herausgearbeitet werden kann.

Das setzt natürlich auch gute Abhörbedingungen voraus und vor allen Dingen, dass du weisst wo du bei deiner Produktion hin willst.

Lass aber grundsätzlich jedem Instrument seine Wurzeln, denn nur so wird deine Mischung Emotionen beim Hörer hervorrufen und nicht steril wirken!

Schreib mir doch mal von Deinen Erfahrungen mit Lo-Cut-Filtern in den Kommentaren.

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