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"Komm wir machen ein Weihnachtsalbum" - Ein Rückblick auf die Produktion

“Komm wir machen ein Weihnachtsalbum, haben Sie gesagt. Das wird ein Spaß, haben Sie gesagt.”

Genau so zitiert mich eine(r) von “vierdafür” immer schmunzelnd. Das ist das Team um unser tolles Weihnachtsalbum “Dezemberzeilen”.

“vierdafür”, das sind:

- Denis Sarp (Schlagzeuger, Songtexter)

- Maike Toussaint (Kinderliedersängerin, Schauspielerin)

- Markus Wimmer (rurton, Audioengineer)

Und ich, Marcel Stoffels (Sänger, Songwriter, in diesem Fall auch der kreative Produzent).

“Dezemberzeilen” ist das dritte komplette Album von Markus und mir im rurtonstudio, gemeinsam mit Denis ist es sogar das fünfte.. Und obwohl die Jungs zu wissen scheinen, was das heißt, kam Markus dieses Mal selbst mit der Idee um die Ecke: “Komm, mir gehen die ganzen Weihnachtslieder auf den Keks” (im Kontext “Ich höre IMMER dieselben, weil ich Familienvater bin”), wir machen uns selbst ein Album. Und zwar so wie es uns gefällt!”

Sowas darf er mir nicht sagen… Da springen ja unzählige Kreativprozesse an, die mich dann nicht mehr schlafen lassen, bis es erledigt ist! ;-) Glücklicherweise konnte ich Denis für die Angelegenheit gewinnen! Damit war ein starker Texter mit an Board, mit dem ich mich austauschen konnte! Ganz zu Schweigen von seinem Schlagzeugspiel… Mit Maike wurde das ganze abgerundet, die auch noch mal Stimme, Story, Ideen und viele andere Qualitäten mitbrachte. “vierdafür” waren geboren.

Ich stürze mich hier mal nicht auf die Team-Aspekte, die Freundschaft, die Motivation, die Sinnhaftigkeit, sondern versuche euch einfach einen groben Einblick zu geben in diese Erfahrung “Dezemberzeilen im rurtonstudio”. Eine schöne Geschichte. Denn sie hat uns allen auch mal wieder ein paar Dinge beigebracht...


WARUM ÜBERHAUPT

“Dezemberzeilen” ist wie jedes Album eine kommunikative, kreative und emotionale Kraftleistung, zumindest aus meiner Perspektive. Hat man, wie wir, begrenzte Vertriebsstrukturen, und macht es wirklich zu einem Herzensprojekt voller Idealismus, muss man sich diese Frage irgendwann stellen. 

"Warum so ein Album?"

Ein ganzes Album, mit Story, mit Gaststängern, mit eigenen Songs, selbst produziert. Viele wissen es vielleicht, doch das Gros der Leute da draußen versteht das eider nicht mehr. Darum sagen wir auch immer “Klar, kannste auch streamen! Mit den 0,04 cent - ich hoffe das stimmt annähernd - unterstützt du uns allerdings relativ dürftig.” Besser man kauft das Album, unterstützt ne tolle Idee und fördert ein handgemachtes und echtes Projekt, an dem zugleich noch viele Amateure profitieren durften.

Überspringen wir das, und bringen das "Warum" einfach mal kurz und knapp auf den Punkt: Freundschaft, Spuren hinterlassen, viel Liebe dafür Menschen zusammenzubringen und einfach “weil man es kann”... Das alles hat zu "Dezemberzeilen" geführt.


RESSOURCEN

In aller Kürze, aber es sei erwähnt. Das angesetzte Budget wurde natürlich gesprengt! Wir unterscheiden intern immer über “weiche” und “harte” Kosten. "Harte" Kosten das ist ne Pizza, über Grafiker-Entwürfe bis hin zur Pressung. Also unvermeidliches. "Weiche" Kosten das sind Dinge, die wir uns untereinander nicht berechnen. Unterhalt Studio (Strom, Equipment), Fahrten, Arbeitszeit. Ich glaube das Album hätte ein halbes Haus gekostet würde man das auflisten. Aber jeder aus unserer Branche weiß, dass man das nicht machen darf ;-)

Grob über den Daumen kann man sagen:

- ¾ Jahr Songwriting (heißt 3-5 Stunden Calls und unzählige Stunden Nachdenken pro Woche)

- ½ Jahr Recording (2-3 Tage pro Woche im Studio Instrumente einspielen, aufnehmen, verwerfen, Singen, aufräumen, edit, quick&dirty Mix, etc…

- ¼ Jahr Edit, Mix, Mastering

Daneben fallen unzählige andere Aufgaben an, die es auch zu koordinieren gilt: Layout, Grafik, Fototermin, Pressetexte, Promotion, Social Media, Homepage inkl. Shop, Kontaktieren von Presse und Radios, Gast-SängerInnen koordinieren, usw.

Geplantes Budget:

“Lasst uns mal schauen wie weit wir kommen, wenn Markus und Marcel das Ganze vorfinanzieren.”

Tatsächliches Budget:

Stand November 2020: weit über 10.000 Euro (nur harte) Kosten.

Die Zahlen führen immer zu Fragen, ich kann sie euch gern beantworten. Ein Album kostet Kraft und Geld. Wir kennen das bereits, haben doch vor allem Denis und ich es schon erlebt dass wir locker nen guten Neuwagen in jedes unserer Alben gesteckt haben, mitsamt Promotion und Layout. Mich wundert es immer wieder was manche Bands für Erwartungen haben: “Soll klingen wie Kasalla!” - Ah, dann vielleicht so hier? - “Uuuhhh, ne…kein Geld! (Keine Idee, keinen Plan)”. Und wir reden von Bands, die ihre Zukunft darauf aufbauen wollen und ins Radio wollen (also einen Anspruch an einen gewissen Standart haben). Solche Bands geben Tausende Euro für Equipment pro Jahr aus, allerdings kriegen sie keine 2.500-4000 EUR für ne vernünftige Single zusammen, die ihnen unter Umständen echt weiterhelfen würde und ihnen Türen öffnen kann. Ich darf das an dieser Stelle mal sagen, ich habe die andere Seite als Band- und Live-Sänger oft genug erlebt.


WIE ES LOS GING

Bereits im April 2019 begannen Gespräche und Planungen, Ideen und Songwriting. Das komplexe an so einer Sache ist ja, dass sich die vier Leute am Ende des Tages auch einig sein sollten über Inhaltliches. Und da haben wir ja noch keinen Ton gespielt! Und so wurde viel “gefetzt” über Kreatives, telefoniert über Textansätze und Story Entwürfe und es passierte das was nicht passieren sollte: Jeder hatte erstmal sein eigenes Bild im Kopf. Der/die eine wollte es Kinder-lastiger, ein anderer tiefgründiger. Mit jedem Entwurf und jedem Songlayout kamen wir der Sache aber Schritt für Schritt näher. Das Tauziehen war beinahe… doch da kam Corona!

Trotz einer guten Struktur und Planung, wir arbeiten ja mit MeisterTask wie ihr vielleicht wisst, hat die Corona Krise zu Schwierigkeiten in der Durchführung geführt. Vor allem kommunikativ. Denis, Markus und ich kannten uns bereits. Man weiß ja nach ein paar Jahren, wie die Kollegen ticken. Maike war völlig neu im Team, hatte noch keine Albumproduktion erlebt und kannte viele Prozesse nicht. Auf einmal war ich nicht mehr systemrelevant und die anderen drei waren im "Familien-Überlebens-Modus". Die erste Krise hatte somit ich. Denn ich war mitten in der Phase, in der ich eigentlich permanent mit Song-Entwürfen (Sound, Hooklines, Arrangement-Ideen, Melodien, erste Ansätze) um die Ecke kommen sollte. 

Doch das Team hielt, wir führten ein paar gute Gespräche und ich hatte noch mal Kraft. Es folgten über die Monate mehrere Tiefs bei eigentlich allen. Und das ist im Übrigen ohnehin bei so einer Kraftleistung völlig normal, nach meiner Erfahrung. Nur machte die Krise natürlich viele Treffen nicht mehr möglich. Und für mich persönlich ist das relevant: Ich will auch gerade bei Team-Arbeit die Leute mal sehen, erleben und spüren, um einschätzen zu können was sie gerade brauchen oder wo wir stehen. Aber viel Team-Liebe und Verständnis, und die richtigen Worte an den richtigen Stellen fingen alles immer wieder ein. Großes Lob an Maike, neu im Team und doch so schnell so wichtig.


ORGANISATION UND KREATIVES

Ohne Markus organisatorische Fähigkeiten wären wir untergegangen. Unzählige Calls und Studiotermine wurden im iCal angelegt und aufgrund von Kontaktbeschränkungen wieder über den Haufen geworfen oder umgeplant. Unzählige kreative Ideen wurden strukturiert und reflektiert. Unzählige Entwürfe wurden nachts von ihm in der DAW aufgeräumt und “quick&dirty” gemischt, so dass das Team die Ideen auch hören und nachvollziehen konnte… Jeder Stand jedes einzelnen Songs - teilweise mit Irrwegen - ist noch nachvollziehbar. Das ist ein unglaublicher Luxus, wenn man bedenkt, dass man früher in ein Studio ging und als Bandmitglieder frühestens den ersten Mix hören konnte. Für mich als Produzent ist es Gold wert, wenn ich Entwürfe oder Layouts immer wieder im Auto hören kann und es in verschiedenen Stimmungen auf mich wirken lassen kann… All das machte Platz im Kopf, und das ist so unglaublich wichtig in der Kreativphase. So konnten Denis und ich mit Maikes Unterstützung das Album zu Ende texten. Und nach und nach kamen dann auch die Songlayouts von mir. Ein paar wenige konnten wir tatsächlich zusammen im Studio entwickeln, das wäre ja der ohnehin normale Weg gewesen. Maike rundete das ganze mit einer tollen Story ab. Diese verbindet nun Hörspiel-artig jeden Song mit dem nächsten und erzählt somit wie eine Familie die Adventszeit bis Heiligabend erlebt.

Auch wenn die Wochen im ersten Lockdown etwas einsam waren im Studio, konnten wir nach und nach wieder anfangen uns in kleinen Teams zu sehen und auch schließlich im Sommer 2020 mit den ersten Gesangsaufnahmen starten. Schön, Weihnachtslieder singen bei 35 Grad. Das war dann wirklich ein Spaß! Abends ging’s zum Pool, es wurde gelacht, geplant, nachgedacht… Es entstanden Ideen für noch fünf Alben als Denis abends die Sterne im Eifelhimmel am Pool deutete, aber lasst uns erstmal das hier zu Ende bringen... Kreative Köpfe… Aber, ich bin ja selbst einer.


RECORDING

Wir haben alles selbst gemacht. Aber was heißt das eigentlich?

Drums: Wir haben uns dazu entschieden ein komplettes Drumset auf diesem Album aufzunehmen und es hat sich mal wieder gelohnt. Denis ist ein wahnsinnig flexibler Schlagzeuger, der in jedem Song auch nach dem passenden Sound sucht. Absoluter Fokus, absoluter Luxus. Ein Schlagzeuger, der im Raum schon so gut klingt. Und das hat Gründe. Markus mit viel Ruhe und Erfahrung hinterm Pult, gut klingenden Räume und einer Bandbreite an Strategien um Sounds umzusetzen… Hier gehe ich an dieser Stelle nicht technisch ins Detail. Aber so viel zu eurem Verständnis, die Dialoge gehen ungefähr so: “Ich will dass das Drumset bei diesem Song so ne Limp-Bizkit Snare hat und so und so klingt.” Seine Reaktion: “Denis? Haste gehört? Wir probieren folgendes…”. Und es springt ein Prozess an, den ich als kreativer Produzent auch nicht immer bis ins letzte Detail verstehe. Andere Snare, Kabel, Kompressoren, neue Positionen, Mikrofone, Distanz zu Raummikros… Aber das muss ich auch nicht verstehen. Viel wichtiger ist, dass Markus und Denis umsetzen können was ein Produzent braucht. Und das ist wirklich was tolles in unserem Team.

Bass und Gitarren: Haben wir in der Regie aufgenommen. Funfact: Mit nem 200 EUR Thomann Hausmarke Bass. Ich überlasse es Euch zu beurteilen wie ihr den Bass auf dem Album findet und was ihr mit dieser Information anfangt. Gitarren hatten wir viele im Einsatz: LesPaul, Strat, Tele, Taylor und Martin Akustikgitarren. Alles wurde über nen Kemper recorded außer die akustischen Gitarren. Markus hat getrackt, ich habe gespielt, gespielt, gespielt.

Klavier und Keys: Wir haben seit einigen Monaten ein neues Klavier im Studio. Und das ist Gold wert. Es ist nicht nur ein Ort der kreativen Zusammenkunft sondern auch für’s Songwriting und Produzieren ne ganz wichtige Grundlage auf diesem Album. Viele Songs habe ich “vom Klavier her” gedacht. Und diese Produktion war gleichzeitig als Studiomusiker meine erste wirklich intensive Erfahrung mit Klavier. Interessant daran war dass ein Klavier ja ein relativ träges Instrument ist und ich es vor allem als Vocalcoach gewohnt bin immer den Takt anzugeben. Hier aber in einem Toto-ähnlichen Arrangement mit nem Drummer wie Denis das Mikrotiming nageln, wenn er mit Dreiergruppierungen ankommt und ich 16tel Fills im Kopf habe, das ist schon ne interessante Herausforderung an nem “echten” Klavier. Den Rest, vor allem Streicher, haben wir programmiert bzw. in der Regie gespielt und mit den entsprechenden Plugins versehen. Fragt mich nicht welche, ich habe probiert, gehört, manchmal auch gestaunt und mir eins zeigen lassen. Unser Praktikant Marc Rohles - wahnsinnig talentierter Keyboarder - hat mir auch noch den ein oder anderen Kniff beigebracht.

Gesang: Auf die besonderen Herausforderungen von Vocal-Recording gehe ich an dieser Stelle nicht ein. Viele Gastsänger = Viel Kommunikation. Sowohl terminlich, wie auch in der Aufnahmesituation. Kinder oder Amateure heißt auch viel Arbeit aus der Regie. Ideen pflanzen, Ängste nehmen, aber es war ein Riesenspaß! Und passt ganz zum Geist von Dezemberzeilen: Leute, die mit dem Herzen dabei sind, sollten unsere Songs singen. Und eins hatten sie alle gemeinsam: Sie haben für die Sache gebrannt.

Chor: Ich hab mich entschieden dass wir, um Masse zu erzeugen, immer zu dritt unisono (bzw. oktaviert) singen. Bei mehreren Songs kann man das hören. Dadurch entsteht - auch durch die Konstellation der Stimmen (Mezzo, Tenor, Baritone) ein schönes breites und fröhliches Klangbild. Die Stimmen passten super: Maike, Denis und ich haben das gemacht. Arrangiert habe ich es dann live oder die Idee gab es schon mal in einem Layout.

Backingvocals: Mit der Trierer Sängerin Julia Olk habe ich den Rest eingesungen. Zweite Stimmen, oder hier und da mal eine Dopplung. Wir mussten ja aufgrund von Arrangements und den Gastsängern dann doch die ein oder andere Stelle etwas pushen. Mal hatte ich was ausnotiert (wie etwa den Chor bei “Komm und reich mir deine Hand”), mal am Klavier entwickelt, mal ergab sich ne zweite Stimme von selbst… Das hat riesig Spaß gemacht. Julias Klangfarbe war optimal dafür!


MISCHUNG UND MASTERING

Markus hatte dann die letzte Mammutleistung vor sich. Ich möchte hier nicht noch mal auf die einzelnen Prozesse eingehen. Aber es ist mir doch äußerst selten passiert dass ich so viel in das Endprodukt retten konnte. Als Kreativer oder auch Produzent ist es oft so, dass man sich fragt warum gewissen Entscheidungen im Mix nun so oder so getroffen wurden. Es kommt vor dass in diesem wahnsinnig komplexen Prozess “Musikproduktion” ein Song am Ende nicht mehr derselbe ist, man ihn nicht mehr fühlen kann. Und da auf ne Fehlersuche zu gehen kann manchmal auch nicht mehr helfen, da das eben alles Prozesse sind. Menschen denken sich ja an vielen Stellen was bei ihren Entscheidungen. Und die Kreativen haben natürlich auch eine Vision von der Sache. Und auch wenn es immer Dinge gibt, die man vielleicht jetzt schon wieder anders machen würde: Dezemberzeilen ist unglaublich rund geworden. Es ist wirklich kaum was verloren gegangen in diesen Prozessen. Das mag “halb leer” formuliert klingen, ich meine das aber äußerst positiv. Es ist nämlich ne Seltenheit das man am Ende da sitzt und sagt “Wow, das ist zu 98 % GENAU DAS, was ich haben wollte”. Und das in ner Teamleistung? Ich finde das ne tolle Bilanz! Das Album klingt mega! Und das verdanken wir Markus Mixing und dem Mastering Von Alex Kloss.


ZUSAMMENFASSUNG

Ich hätte mich gern kürzer gefasst, aber das wird dieser Herzensangelegenheit dann auch irgendwie nicht gerecht. Dezemberzeilen war eine Kraftleistung. Sie hat uns an Grenzen gebracht und viel gelehrt. Vor allem zwei Dinge: Die richtigen Leute auszuwählen, die auch miteinander wachsen wollen, ist das elementarste für eine solche Sache. Unser Team hat funktioniert und alle Schwierigkeiten überwinden können. Das macht mich echt stolz.

Die zweite Sache ist wohl mal wieder die Kommunikation. Ob nun die Tatsache dass alle Gäste und Mitwirkenden total dankbar sind, oder auch dass intern alles funktioniert hat: Kommunikation und viele Gespräche sind wahnsinnig wichtig. Ich habe für mich auch noch mal gelernt: Reden hilft immer! Und nur um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Reden ist keine Sprachnachricht!

In diesem Sinne.. Ich liebe das Ergebnis, dieses Team und die Arbeit im rurtonstudio. Dezemberzeilen ist wirklich hörenswert! Schreibt uns gern, was ihr denkt!


mehr über „vierdafür“: www.vierdafuer.de
das Album kaufen: www.dezemberzeilen.de

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