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Ordnung in der DAW - Musikproduktion auf einem neuen Level

Ich habe schon ganz früh gelernt, dass Ordnung und eine gute Organisation in und um eine Produktion herum eine gute Sache sind. Da ich lange Zeit bei der Torus in Köln, in einem großen Team von Sound Designern, Technikern und Mischtonmeistern arbeiten durfte, gehörte es einfach zu meinen Pflichtaufgaben seine eigene Arbeit zum Austausch vorzubereiten, mit anderen zusammenzubringen und natürlich das Backup seiner eigenen Arbeit “zu fahren“ um immer auf der sicheren Seite zu sein!

Das war eine gute “Schule” für mich, denn gerade in so einem großen Team und wenn man gemeinsam an Projekten arbeitet musste ich zu Anfang auch schon mal schmerzlich Lehrgeld für meine schlechte Vor.- und Nachbereitung bei Aufnahme-, Edit- oder Mix-Sessions bezahlen.

Dich möchte ich davor bewahren und dir hier ein paar Tipps zusammenstellen, die Dir helfen werden gut organisiert durch eine Produktion zu gelangen. Ich möchte hier nicht spezifisch auf eine DAW oder eine Produktionsumgebung mit Mischpult und Outboard eingehen, sondern alles so allgemein besprechen dass es für jede Produktionsumgebung, auf Basis irgendeiner DAW, Gültigkeit hat.


VORBEREITUNG

Der wichtigste Part ist natürlich die Vorbereitung. Ich weiss du wirst jetzt denken, damit möchte ich mich nicht beschäftigen, meine Kreativität braucht keine künstlichen Grenzen. Ja, und genau da ist der Ansatz! Wenn du nämlich dauernd in deinem kreativen Fluss gestört wirst, weil du wieder das eine Hall PlugIn suchst oder dich wunderst warum du jetzt gerade wieder keinen Klick hörst, ist das alles andere als cool und wird dich erst gar nicht kreativ arbeiten lassen können. Nimm Dir also die Zeit für ein wenig Vorbereitung.

Wenn du in Deiner DAW eine Session anlegst gibt es schon mal zwei wichtige Vorgaben, die du zu Beginn festlegen musst, einmal den Speicherort und einmal das Audioformat. Du solltest einen festen Speicherort für alle Deine Sessions wählen, den du immer wieder wählst. Im Idealfall ist das eine eigene, schnelle Festplatte in deinem Rechner. Beim Audioformat solltest du dich grundlegend auch immer nur auf eins festlegen und das auch auf keinen Fall von Projekt zu Projekt ändern. Im rurtonstudio sind meine Sessions immer in dem Format 24 Bit Wortbreite und 48 kHz Abtastrate angelegt, da mein Haustakt fest auf 48 kHz voreingestellt ist und somit alle digitalen Geräte, samt der AD/DA Wandler der DAW so extern getaktet werden.

Du solltest Dir für die verschiedenen Szenarien wie Komposition, Aufnahme, Nachbearbeitung und Mischung eine Vorlage anlegen. In der sind einfach alle wichtigen Sachen schon definiert und du musst Dir dann dazu gar keine Gedanken mehr machen. Dazu gehören:

  • Tracks
  • Reihenfolge Tracks
  • Farbkodierung Tracks
  • I/Os mit entsprechenden Bussen für Summierung
  • Ordner
  • PlugIns Instrumente
  • PlugIns Zumischeffekte (Hall, Room, Delay)
  • Plugins Einschleifeffekte (EQ, Filter, Kompressor)
  • Klick

Das ist einmal wirklich viel Arbeit, aber bei jeder Session oder bei jedem Projekt Neustart profitierst du und dein Team natürlich sofort von dieser Vorarbeit. Plane Dir da auf jeden Fall genügend Zeit für ein. Und es muss auch überhaupt nicht perfekt sein, du kannst ja jederzeit nachjustieren und mit deiner Erfahrung aus den vergangenen Projekten die Templates immer weiter optimieren.


AUFNAHME

Was Aufnahmen angeht habe ich noch ein paar spezielle Tipps für Dich! Deine Aufnahmen werden ja immer in einen bestimmten Ordner abgelegt. Solltest du mal mit einer Session Kopie gestartet sein kann es passieren dass die Audio Files noch in den „Audio Files“-Ordner der alten Session abgespeichert werden. Das ist natürlich fatal, denn damit hast du deine Dateien nicht mehr zusammen im Projektordner und bei Weitergabe an jemand anderen oder beim Backup würden deine Aufnahme Files nun fehlen und könnten im schlimmsten Fall sogar komplett verloren gehen.

Also immer checken wo isst dein Aufnahmepfad, der Ordner in den deine Audio Dateien bei Aufnahmen gelegt werden, definiert!

Ein weiterer Klassiker bei der Übernahme von DAW Sessions hier im Studio ist dass keine einzige Spur so beschriftet ist dass man auf einen Blick weiss was einen da erwartet. Alles ist mit „Audio 1“, „Audio 2“ oder so ähnlich beschriftet. Das bringt absolut keinen Überblick und man muss sich dadurch dann einmal zu Beginn durch alle Spuren einzeln „durchhören“. Aber noch viel schlimmer ist, dass die Audio Files auf der Festplatte auch alle mit diesen nichtssagenden Beschriftung versehen sind.

Spuren immer eindeutig beschriften, so dass auch bei der Aufnahme die Audio Files direkt richtig benannt sind!

Ein weiterer Tipp deine DAW Session aufgeräumt zu halten ist bei der Aufnahme Entscheidungen zu treffen. Für und gegen eine Aufnahme. Behalte nicht noch mehrere Alternativen der Aufnahmen auf weiteren Spuren. Das macht die Session unübersichtlich und vor allen Dingen immer größer. Schmeiß einfach direkt etwas weg, bei dem du dir sicher bist dass du es nicht mehr brauchst.

Entscheidungen treffen bei der Aufnahme. Nicht unzählige Alternativen in den Spuren oder der Session liegen lassen!


NACHBEARBEITUNG

Bei der Nachbearbeitung von Aufnahmen habe ich mir auch einige Dinge angewöhnt,

die eine Session, trotz steigender Größe, weiter übersichtlich halten!

Bevor ich eine Spur nondestruktiv bearbeite, lege ich immer vorher ein Duplikat der Spur an und Stelle ein „EDIT“ hinten an die Spurbeschriftung an. So habe ich immer die Möglichkeit innerhalb der Session noch an die unbearbeitete Version zu kommen.

Genauso verfahre ich bei der destruktiven Änderung eines Audio Files, zum Beispiel beim „Klicks“ oder „Knackser“ rausmalen aus einer Aufnahme. Vorher dupliziere ich das Audiofile immer, so dass ich weiterhin Zugriff auf das Original behalte.


BACKUP

Das Backup sollte einen sehr hohen Stellenwert bei der Organisation deiner Arbeit einnehmen. Im Idealfall erreichst du den Status dass das Backup komplett automatisch erfolgt! Sogenannte „Schuh-Backups“, nämlich komplett manuelle Backups, die du händisch auslösen musst oder die du „zu Fuß“ irgendwo hintragen musst um sie zu erstellen, werden auf die Dauer nicht zuverlässig laufen...

Auf den rein technischen Aspekt möchte ich hier gar nicht eingehen, dazu werde ich in Zukunft nochmal einen separaten Artikel schreiben.

Grundsätzlich solltest du jedoch beim Backup beachten, dass du nicht nur auf ein Medium sicherst, sondern die Medien ständig wechselst. Und am besten lagerst du zusätzlich die genutzten Medien an zwei voneinander entfernt liegenden Orten.


ZUSAMMENFASSUNG

Alle angesprochenen Aspekte vereinfachen es total wenn du über eine längere Zeit oder aber mit einem Team an Projekten arbeitest. Dich alleine im „kreativen Chaos“ zurechtzufinden ist vielleicht möglich wenn du nur an einem Projekt oder ganz alleine arbeitest, aber sobald du viele Projekte hast oder mit anderen gemeinsam an Sachen arbeitest hilft dir Organisation und „Aufgeräumtheit“ mehr und besseres zu erschaffen!

Ein ganz klares Votum für mehr Selbstdisziplin bei Ordnung und Organisation in der Musikproduktion!

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