Audionetzwerke im Überblick - Endlich keine dicken Multicores mehr

Seit mehr als 20 Jahren gibt es nun schon Netzwerke für Audio im professionellen Broadcast Bereich. Dann folgte sehr breit aufgestellt der gesamte Live Bereich und mittlerweile sind Netzwerkkabel, Switch und RJ45 Port auch nicht mehr aus dem Studiobereich wegzudenken. Aber leider ist es damit nicht so einfach wie mit einer analogen Audioverbindung. Vieles muss beachtet werden und die meisten am Markt erhältlichen System sind völlig inkompatibel untereinander. Das macht es für den Endanwender nicht unbedingt einfacher.

Ich möchte hiermit mal ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und sowohl den Hintergrund der Audionetzwerke beleuchten als auch die gängigen Systeme mal auflisten.


GRUNDLAGEN

Man unterscheidet bei der Audio Übertragung in Netzwerken grundsätzlich zwischen zwei Arten von Systemen:

Die proprietären Lösungen, die jegliche weitere Kommunikation in ihrem Netzwerk von vornherein komplett ausschliessen sind schon lange auf dem Markt. Dazu gehören solche Systeme wie das Behringer’s Ultranet oder Riedel’s Rocknet, oder auch das Soundgrid von Waves. Es kommen hierbei Standard Hardware wie Netzwerkkabel, Switches und Hardware zum Einsatz, aber jede Lösungen nutzt halt ihr ganz eigenes Protokoll. Die Performance solcher Systeme ist ultra stabil, zumal alles komplett vorhersehbar abläuft, nichts von aussen stört und nur Layer 1 und 2 aus der Netzwerkübertragungstechnik hier zum Einsatz komme. Der größte Nachteil ist dass man nicht auf ein vorhandenes Netzwerk zurückgreifen kann, sondern ein eigenes parallel aufbauen muss.

Auf der anderen Seite gibt es die neueren Lösungen, die alle auf dem Layer 3 aufsetzen und Audio in vorhandenen Netzwerkstrukturen übertragen können. Das ist auch ihr größter Vorteil gegenüber den proprietären Systemen. Schließlich möchte man ja alles miteinander im Netzwerk miteinander verbinden. Den DAW Rechner mit dem Server, mit dem Backup Rechner und natürlich mit dem Internet. Zu ihnen gehören Dante von Audinate, AVB (TNS) und Ravenna.


FORMATE

Ich möchte hiermit nur auf die moderneren Formate, basierend auf  dem Layer 3, eingehen, da die proprietären Formate nicht so interessant sind:


DANTE

Dante wurde bereits im Jahr 2006 von der australischen Firma Audinate entwickelt. Innerhalb einer Gigabit Topologie können hier über 500 Kanäle samt Wordclock Synchronisation auf einem einzigen Netzwerkkabel über lange Distanzen und mit extrem geringer Latenz übertragen werden.

Die gängigen Hersteller auf dem Markt haben in ihrer Hardware alle Dante integriert. Zu Ihnen gehören so illustre Namen wie Yamaha, SSL, Focusrite, Stagetec, DAD und noch einige mehr. Insgesamt prangt auf über 1000 Produkten der Dante Schriftzug. Dies macht es zum erfolgreichsten und am weitesten verbreiteten System auf dem Markt zum Marktführer unter den Audionetzwerken.

Eine tolle Möglichkeit den DAW Rechner mal eben mit ins Dante Netzwerk einzubinden ist die sogenannte DVS „Dante Virtual Soundcard“. Die Software macht aus einem Rechner mit Netzwerkport ein vollwertiges Audio Interface mit bis zu 64 Ein- und Ausgängen.


AVB

Das Open Source Protokoll AVB (Audio Video Bridging) wurde 2012 in TSN (Time Sensitive Networking) umbenannt. AVB setzt spezielle Switches voraus, da sie für die Taktung des Systems verantwortlich sind. Einige managed Switches können aber so konfiguriert werden, so dass man auch andere Netzwerkanwendungen parallel nutzen kann.

Es können mit diesem Format, so wie der Name schon sagt, sowohl Audio als auch Video Daten parallel übertragen werden.

Im Studiobereich ist der Hersteller Motu, der mittlerweile eine riesige Palette an AVB Geräten im Portfolio hat, Vorreiter. AVB Wandler werden auch hier im rurtonstudio schon seit über 4 Jahren zuverlässig eingesetzt.

Im Livebereich setzt vor allen Dingen Avid auf das Format und nutzt es bei der Kommunikation zwischen seinen Mischpulten und Stageboxes.


RAVENNA

Das System Ravenna wurde vom deutschen Hersteller Lawo „ALC Networx“ entwickelt.

Genauso wie bei Dante ist es möglich via Software „Standard Virtual Audio Device) einen DAW Rechner in ein Ravenna Netzwerk einzubinden.

Vor allen Dingen im Radio und Fernsehbereich ist Ravenna aufzufinden. Zusätzlich zum Hersteller Lawo findet es bei Merging (Pyramix), Riedel und Neumann seinen Einsatz in Geräten.


AES67

Das Format AES67 hat sich auf die Fahnen geschrieben die „Sprachprobleme“ zwischen allen Layer 3 Formaten zu lösen. So setzt sich die AES (Audio Engineering Society) schon seit Jahren dafür ein, alle Hersteller und Anwender an einen Tisch zu bekommen, um irgendwann mal ein einheitliches Protokoll präsentieren zu können. Das wäre ein Traum. Noch ist man davon aber meilenweit entfernt, denn bisher bleibt man in seiner „Welt“ und es gibt keinen Austausch zwischen den Systemen.


ZUSAMMENFASSUNG

Die Vorteile von Audionetzwerken liegen ganz klar auf der Hand: analoge Multicores, die schwer und teuer sind, werden hiermit "digital" und somit wesentlich kostengünstiger. Komplexes Routing von Signalen wird viel einfacher und übersichtlicher und ausserdem lassen sich Setups einfach und kostengünstig, je nach Anforderung, skalieren.

Einziger Wermutstropfen ist die Inkompatibilität der einzelnen Formate untereinander. Kauft man neue Hardware, die ein bestimmtes Format unterstützt, legt man sich damit fest und startet eine Insellösung, die nur durch passende Hardware erweitert werden kann.
Momentan hat hier das Dante Format klar die Nase vorn, da der Markt hier die meisten Hardware-Lösungen bietet.

Bleibt für die Zukunft zu hoffen, dass irgendwann mal eine RJ45 Buchse genauso einfach "steckbar" ist wie eine XLR Buchse. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg und das AES67 Format, was genau das anstrebt, steckt noch komplett in den Kinderschuhen.

Die Zukunft gehört dem Netzwerk, wohl auch im Studiobereich! Hast du schon ein Audionetzwerk im Einsatz? Wenn ja, welches Format und bist du damit auch zufrieden? Schreib uns doch bitte einfach in die Kommentare.

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