Das größte Kapital eines Tonstudios – Technik wechselt, Akustik bleibt

Was genau macht eigentlich ein Tonstudio aus? Ist es die Technik, die sorgsam ausgewählt und im Zusammenspiel optimiert wurde, oder sind es die darin arbeitenden Menschen mit ihren Erfahrungen und Fähigkeiten, oder vielleicht auch was ganz anderes?
Ich glaube zu jeder Zeit gab es darauf eine ganz andere Antwort. Das „Tonstudio“ hat sich über die letzten Jahrzehnte gehörig geändert, aber was macht es denn im Kern aus? Das Editorial von Fritz Fey im aktuellen „Studio Magazin“ hat mich dazu inspiriert aufzuzeigen, was für mich ein Tonstudio auszeichnet. Und das ist nicht die Kaffeemaschine, oder doch…?

 

TECHNIK

Früher war ein Tonstudio ein großer Gerätepark, den man für sein Projekt anmieten konnte. Dazu brauchte man natürlich auch noch das Personal, dass überhaupt in der Lage war das alles zu bedienen. Es gab aber auch gar keine andere Möglichkeit Tonaufnahmen herzustellen.
Heute sieht es etwas anders aus: Seit dem ersten Aufkommen der Digitaltechnik in den Achtzigern verschwanden diese klassischen „Mietstudios“ immer mehr und seitdem bevölkern kleine „Projektstudios“ den Markt. Bands und Künstler schaffen sich ihre eigene Arbeitsumgebung um ihre Musik festzuhalten. Heute ist sogar mit einem sogenannten „Laptop- Studio“ bestehend aus Laptop, Kopfhörer und Audio Interface, alles möglich.
Aber reicht es wirklich sich mit Technik einzudecken und damit zu beschäftigen, um ein Tonstudio zu betreiben? Für mich ist der absolute Klassiker, ich kaufe hochwertiges und teures Equipment und stelle es in einen „Büroraum“, so nenne ich jetzt einfach mal einen leeren Raum mit sechs reflektierenden Flächen, und nenne es dann „Tonstudio“. Ich finde das reicht eben nicht!
Klar benötigt man Technik und sie sollte auch eine gewisse Qualität haben. Das zu erreichen ist aber heute nicht mehr so schwierig und kostenaufwändig wie vor Jahren.
Vor allen Dingen darf die Technik nicht der Mittel zum Zweck werden. Als Betreiber eines Tonstudios sollte man das „Jäger-und-Sammler“-Phänomen ablegen und sich nicht nur mit dem Kauf von neuem Equipment beschäftigen. Das gilt sowohl für Hardware, als auch für Software. Also fasse ich zusammen: Klar, Technik wird benötigt, aber es ist nicht das einzige. Aber was macht denn jetzt ein Tonstudio aus?

 

RÄUME

Viele unterschätzen den Anteil der Raumakustik an Ihrer Arbeit im Tonstudio. Das scheint sich aber zu wandeln: In Zeiten wo man an jeder Ecke ein Konzept für seine Studioakustik in Form von sogenannten „Akustikmodul Bundles“ beim „PlugIn Download“ angepriesen bekommt, scheint es wohl wieder ein neues Bewusstsein für gutklingende Räume zu geben. Das ist eine sehr positive Entwicklung.
Zusätzlich zu gut klingenden Räumen, also der Akustik in Regie- oder Aufnahmeräumen gibt es auch noch den Schallschutz innerhalb des Tonstudios aber auch zu angrenzenden Gebäuden oder Räumen. Denn nichts ist unprofessioneller als wenn die Nachbarn oder der Zugfahrplan die Termine für die Aufnahmen im Kalender bestimmen.
Aber auch die Haustechnik wie Lüftungs- und Klimatechnik trägt dazu bei ein professionelles Umfeld zu schaffen. Ich denke jeder hat sich schonmal im Sommer in Räumen aufgehalten, die nicht genügend Frischluftzufuhr oder Kühlung hatten.
Weiterhin ist die Ausstattung des Tonstudios nicht zu unterschätzen. Jetzt kommt also auch die Kaffeemaschine ins Spiel.

Investiert man in seine Räume, dann ist das extrem gut investiertes Geld. Denn egal was sich alles in der Tonstudiowelt geändert hat, die Wichtigkeit gut klingender Räume, in denen man etwas aufnimmt oder wiedergibt, hat sich seit den Anfängen der Tontechnik nicht geändert.

 

MENSCHEN

Was nutzt ein perfektes Tonstudio wenn es nicht von Menschen genutzt wird? Manchmal ist dies der Musiker und Techniker als Kreativer in Personalunion, aber meistens sind es doch einzelne Personen auf beiden Seiten, die mit Ihrer jahrelangen Erfahrung und Ihrem angesammelten Wissen für die nötige Ruhe und Entspanntheit sorgen.

 

ZUSAMMENFASSUNG

Der Begriff „Tonstudio“ wird ja oft +ad absurdum geführt, denn es es ist ja irgendwie alles ein „Tonstudio“: ein Tisch, Lautsprecher, Computer und schwupp wird aus dem Schlafzimmer ein Studio. Doch in meinen Augen sollte man differenzierter mit der Bezeichnung umgehen und das Wort nicht so inflationär benutzen.
Eine gewisse Qualität der Technik sollte Grundvoraussetzung für ein professionelles Tonstudio sein, aber es sollte nicht im Vordergrund stehen. Denn dafür wechselt alles viel zu schnell, das kann man rückblickend auf jeden Fall sagen. Außer den Mikrofonen und den Lautsprechern hat sich in den letzten Jahrzehnten dazwischen so ziemlich alles verändert, was für die Signalbearbeitung nötig ist. Schlussendlich ist Technik also austauschbar.
Ein großes Kapital sind aber die Räume, in denen aufgenommen und gearbeitet wird. Letztendlich lassen Sie eine Aufnahme professionell werden. Das weiss jeder der schonmal ein Schlagzeug im Proberaum und in einem Tonstudio aufgenommen hat.
Akustik, Lüftung, Klimatechnik und überhaupt der ganze Wohlfühlcharakter eines Studios lassen die Menschen, die hier arbeiten, bessere Entscheidungen treffen. Und das ist doch sicherlich das wichtigste, Musiker und Techniker sollen sich wohlfühlen und gerne im Studio arbeiten.
Wie sind Deine Erfahrungen mit Tonstudios? Was macht für dich ein Tonstudio aus und was findest du das wichtigste? Schreibe es in die Kommentare!

 

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