Ein Mischpult im Tonstudio braucht niemand mehr – Was ist denn die Alternative und ist das besser?

Bei einem Treffen mit Kollegen aus dem VDT, dem Verband Deutscher Tonmeister, sitzen wir nach dem offiziellen Teil gemütlich bei einem Bier zusammen beim Mexikaner.

Mit einem halben Ohr schnappe ich in dieser Runde die Aussage auf „Ein Mischpult im Tonstudio braucht ja heute keiner mehr!“ Ist das wirklich so und wenn ja, was ist denn die Alternative zu einem Mischpult und was macht es besser?

Da wir im rurtonstudio in der Regie immer noch alles rund um ein Mischpult aufgebaut haben, möchte ich mal beleuchten warum wir das beim Neubau des Studios vor 6 Jahren so entschieden haben und auch bis heute immer noch hinter dieser Entscheidung stehen.

Was wären denn die Alternativen dazu und würde es unsere Arbeit oder unser Endprodukt besser machen?


BESTANDSAUFNAHME

Früher gab es zu einem Mischpult gar keine Alternative. Wollte man etwas aufnehmen oder mischen, also viele Einzelsignale verwalten und/ oder zusammenfügen, musste man das mit einem Mischpult machen.

Mit den ersten Digital Audio Workstations (DAW) kamen auch die ersten Audio Interfaces, die erstmal nur Ein- und Ausgänge für Line Signale zur Verfügung stellten. Sie waren also zunächst die Verbindung zwischen klassischer Studiokonsole und der Software auf dem Rechner. Heutzutage sind die Interfaces so vollgepackt mit Möglichkeiten, dass sie ein Mischpult und sogar eine komplette DAW ersetzen können. Sie haben jede Menge Mikrofonvorverstärker, Kopfhörerverstärker samt komplexer Monitoring Lösung und sogar genügend DSP Leistung um Signale zu bearbeiten und zu mischen.

Warum dann also noch ein Mischpult, externe Hardware und eine aufwendige Verkabelung samt Patchbay? Das ist alles viel teurer in der Anschaffung, teurer im Unterhalt durch und nicht so flexibel und schnell. Ja?


NACHTEILE

Der in einer Diskussion am meisten genannte Punkt ist die fehlende Flexibilität und die daraus resultierende Trägheit. Geht man bei einem Mischpult von einem analogen Modell ohne Automation, insbesondere statischer Snapshot Automation aus, bedeutet ja jeder Projektwechsel erstmal ein sogenanntes „Recall Sheet“ abzuarbeiten. Je nach Branche für die man arbeitet muss man am Tag oft und schnell zwischen mehreren Projekten wechseln können. Das ist mit einem analogen Mischpult sehr schwierig bis nahezu unmöglich, bedeutet dies doch stundenlanges einstellen der vorherigen Parameter.

Der zweitgenannte Kritikpunkt sind immer die hohen Kosten, sowohl in der Anschaffung und Installation als auch die später entstehenden Strom- und Servicekosten. Die können je nach Modell auch ganz schön hoch ausfallen und schrauben auch die Unterhaltskosten teilweise in exorbitante Höhen. Das sollte natürlich bei einer Wirtschaftlichkeitsberechnung mit einkalkuliert werden.


VORTEILE

Welche Vorteile hat denn ein Mischpult in einem Tonstudio? Ich finde es bietet eine wahnsinnig gute Übersichtlichkeit und gute Bedienbarkeit in jeder Situation, sei es während einer Aufnahme oder während einer Mischung. Interfaces und DAWs sind sehr flexibel und können tausende erdenkliche Szenarien bedienen, aber intuitiv und schnell bedienbar sind, zumindest ohne einen zusätzlichen Controller, keine.

Wenn man den Signalfluss eines Tonstudios von Grund auf lernen und verstehen möchte, hilft einem ein Mischpult auch sehr dabei. Auswege, Send und Returns, Gruppen, VCAs, DCAs sind in einer DAW doch meistens etwas kryptisch und haben das Mischpult als ihr großes Vorbild. Warum nicht dann mit dem Ursprung arbeiten und ein guten Überblick bekommen?

Auch das Monitoring für die Künstler ist mit einem Mischpult sehr unkompliziert zu lösen und man braucht keine speziellen DSP Systeme um mit niedriger Latenz arbeiten zu können.

Und nicht zuletzt zählt natürlich der Sound eines analogen Mischpults! Denn warum werden wohl sonst vermehrt analoge Summierer, externe EQs und Filter im „In the Box“ Studio eingesetzt? Ein Mischpult ist ein großer Summierer und hat nebenbei all diese Tools für die Signalbearbeitung von Hause an Bord. Voraussetzung ist natürlich eine gewisse Qualität des Mischpults!

Und für manche Studios zählt auch vielleicht bis heute immer noch die Optik eines Mischpultes in der Regie, ist es doch repräsentativer ein Mischpult im Zentrum stehen zu haben als nur ein Tisch mit Tastatur, Maus und Display.


ALTERNATIVEN

Möchte man kein Mischpult benutzen, dann bleibt nur noch die Möglichkeit des „Studios in a Box“! Entweder man arbeitet nur in einer DAW (Digital Audio Workstation) und bedient alles mit der Maus oder man benutzt zusätzlich einen externen, universellen oder ganz speziell auf die DAW zugeschnittenen, Controller.

Beides ruft aber, je nach Ausrichtung des Tonstudios, einige zusätzliche Investitionen an Outboard hervor. Denn möchte man ein Mischpult zum Beispiel während einer Aufnahme ersetzen benötigt man doch einige Mikrofonvorverstärker und vielleicht auch analoge Signalprozessoren.


BEIDE WELTEN

Die sogenannte hybride Lösung ist ein Mix aus beiden Welten. Es gibt ein Mischpult, aber man nutzt auch die DAW samt ihrer Audiointerfaces für die Signalbearbeitung.

Hier im rurtonstudio bauen wir genau auf diese Lösung. Wir haben ein digital gesteuertes Analogmischpult mit vielen Mikrofonvorverstärkern und vielen Ein- und Ausgängen, sowie Equalizer und Dynamikprozessoren in jedem Kanal. Außerdem bietet unser Mischpult die Fähigkeit alles auf einen Knopfdruck wiederherzustellen. Es umgeht damit eines der größten Nachteile der meisten analogen Mischpulte. Und nicht zuletzt hat unser Mischpult natürlich eine sehr hohe Audioqualität. Den hohen Stromverbrauch kompensieren wir durch unsere studioeigene Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Auf der anderen Seite nutzen wir auch unsere DAW um Signale schon vor der Übergabe zum Mischpult zusammenzufassen oder zu bearbeiten.


ZUSAMMENFASSUNG

Als Tonstudio für Musikproduktion arbeiten wir sehr viel mit Musikern zusammen, die wir in unserem Aufnahmeraum aufnehmen und unser Hybrid Konzept ist für uns die unschlagbare Lösung in der heutigen Zeit.

Wir sind schnell, flexibel und nutzen die jeweiligen Vorteile aus der digitalen und der analogen Welt. Für uns ist der Verzicht auf ein „echtes“ Mischpult nicht vorstellbar, überwiegen für uns doch noch klar die Vorteile. Man soll ja niemals „nie“ sagen, deshalb beobachten wir den Markt und lassen uns gerne auch vom Gegenteil überzeugen.

Was ist besser? Das möchte ich nicht abschliessend beurteilen, da sollte sich jeder sein eigenes Bild aufgrund seiner Präferenzen machen! Wie siehst du das denn? Arbeitest du noch mit einem Mischpult oder schon rein in der DAW oder mit zusätzlichem Controller? Mich würde interessieren was du davon hälst, freue mich auf deinen Kommentar!


#rurtonstudio #rurton #tonstudio #markuswimmer #marcelstoffels #schulbuch #lehrbuch #hörbuch #audiomaterialien #audiomaterial #bildungsbereich #musikproduktion #sprachproduktion #hörspielproduktion #hörbuchproduktion #rurtonblog #blog #bloggen #mischpult #unnoetigesmischpult #controller #daw #mischpultesindtot

Trete jetzt unserer Community von 12.634 Unternehmern bei, 

die bereits Erfolg mit unseren Tipps und Inspirationen haben:

Erhalte kostenlose Marketing Tipps und Kurse direkt in dein Postfach.

Kostenlos für dich. Du kannst dich jederzeit wieder abmelden.

1 Kommentar

  • ich bin ein Analog freg und stehe dazu.und bin da wohl nicht alleine wenn ich mir die letzten Alben von Lenny Grawitz, Peter Gabriel durch sehe.

Was denkst du?