Ins Tonstudio oder doch selbst aufnehmen? - Was macht Sinn?

Du spielst in einer Band oder du bist Singer/-Songwriter, allein oder im Duo? Egal, du warst bestimmt auch schon an dem Punkt, für dich zu entscheiden, wie du deine eigene Musik festhalten möchtest. Vielleicht planst du ja auch in naher Zukunft eine EP oder ein Album zu veröffentlichen. Die Frage der Fragen ist dann, mache ich das alles selber in meinem Proberaum oder plane ich dafür einen Studioaufenthalt ein.

Viele denken sicher „Ach, für einen Bruchteil der Studiokosten schaffe ich mir einfach ein bisschen Technik an und starte selbst durch. Ja, gut ich habe bisher gar keine Ahnung vom Aufnehmen und Mischen, aber das ist nicht so schlimm, schliesslich gibt es doch für alles Tipps und Tricks im Internet. Da werde ich mir helfen.“

Ein Tonstudio ist aber nicht nur eine Ansammlung von Technik, sondern eben viel mehr. Dort arbeiten Menschen mit Erfahrung und Skills und es ist ein Ort mit guter Akustik und einem angenehmen Ambiente.

Das Aufnehmen in Eigenregie und das Aufnehmen im Tonstudio hat beides seine Vor- und Nachteile. Lass uns das mal näher betrachten.


KOSTEN

Oft werden die Kosten für eine Musikproduktion als wichtigstes Kriterium angesehen, sich für oder gegen einen Studioaufenthalt zu entscheiden. Zu recht? Ich denke nein, aber meistens geht es ja erstmal immer ums Geld.

Die Kosten für ein paar Mikrofone und ein Interface werden gern gegen die Studiokosten gerechnet. Damit bist du dann natürlich schnell bei der Idee alles in Eigenregie zu produzieren. Die Zeit für die Einarbeitung und die Weiterbildung in das Thema muss man aber auch mit einrechnen und das sollte man sich nicht schön rechnen! Das machen die wenigsten. 

Ich sehe oft, dass wie selbstverständlich hohe vierstellige Beträge in die Instrumente investiert werden, aber die Aufnahme davon im Gegensatz dazu viele weniger Wert hat. Das alles ist erstmal nicht so offensichtlich, aber auch beim Homerecording entstehen mehr Kosten als die Hardware zu kaufen.


SKILLS

Wenn du ein Tonstudio suchst ist Dir ja besonders wichtig, dass das Studio viele Referenzen hat und der Techniker vor Ort eine lange Erfahrung und vielleicht seinen Beruf erlernt hat. 

Wenn du selbst aufnehmen möchtest, wirst du viel ausprobieren müssen und viel neues lernen über Technik, Produzieren, Akustik und auch Psychologie. Das alles ist sehr zeitaufwändig aber natürlich nicht nur für die erste Produktion, sondern auch für spätere Produktionen immer wieder abrufbar und nutzbar.


PRODUKTION

Die Klangqualität deiner Aufnahmen sollte schon mit anderen Produktionen aus Deinem Genre vergleichbar sein. Ein Label oder Veranstalter bekommt sehr viel Material auf seinen Tisch und da musst du herausstechen. Das Problem wird aber sein, dass selbst aufgenommenes am Anfang einfach nicht so klingen kann wie aus einem etablierten Studio.

Dazu kommt noch dass eine zusätzliche Meinung oder neue Ideen durch einen Produzenten oder Tontechniker eher im Studio entstehen. Denn ein ungetrübter Blick und frische Ideeń bleiben oft beim Homerecording in deinen eigenen vier Wänden auf der Strecke. Das kennst du doch sicherlich, dass nach langer Arbeit an einem Song die Objektivität verloren geht.

Im Studio bleibt auch der Fokus mehr auf der Musik, denn du kannst dich als Musiker nur auf das Musikmachen konzentrieren. Nicht zu vergessen ist auch, dass der Aufenthalt in einem Tonstudio ein echt cooles Feeling hat. Das ist natürlich relativ, denn jeder hat da ein anderes Empfinden.


TECHNIK UND AKUSTIK

Für manche Aufnahmen ist die Akustik vielleicht gar nicht so wichtig, aber gerade für Aufnahmen von Schlagzeug, Gesang oder anderen akustischen Instrumenten ist ein gut klingender Raum extrem wichtig. In einem Tonstudio ist die Akustik einfach perfekt, beim Homerecording muss man sich schon einiger Tricks, wie Reflexionsfilter oder ähnliches, bedienen um annähernd so einen Sound hinzubekommen.

Technik ist sicher nicht das wichtigste, aber in einem Tonstudio ist alles machbar und du hast jede Option: Nicht nur ein Mikrofon für Gesangsaufnahmen, sondern jede Menge zur Auswahl, die man testen kann, viele verschiedene Software PlugIns, die helfen beim aufnehmen und mischen, alles an Kabel und Adapter, usw. 


ZEIT

Wie wichtig ist für dich der Faktor Zeit? Ein Homerecording wird definitiv länger dauern, denn du wirst oft mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein startest dann wieder von vorn. Ein anderer Grund kann sein, dass du nicht so komprimiert und konzentriert wie im Studio arbeiten wirst. Denn ein festes Ziel mit vorab vereinbarten Terminen im Studio stehen der Haltung „wir haben doch Zeit“ beim selber aufnehmen gegenüber. Gerne werden Homerecording Produktionen nie fertig und landen dann hier halb fertig im Studio.

Ein großer Vorteil beim Homerecording ist, dass du zu jeder Zeit an deiner Produktion arbeiten kannst, so wie es dir passt. Du musst also entscheiden, ob das für dich wichtiger ist und wie lange du brauchst eher in den Hintergrund tritt.


ZUSAMMENFASSUNG

Jeder hat sicherlich eine andere Sichtweise auf die aufgeführten Argumente, aber am Ende musst du für dich entscheiden welchen Weg du gehen möchtest. 

Denk dran, dass ein zu knappes Budget fürs Tonstudio, wie zum Beispiel ca. 2000€ für ein Album, kein professionelles Ergebnis liefern kann. Es muss auch in einem Verhältnis stehen, gehe eher mal von ungefähr 700€/ Song aus. Lieber weniger Songs aufnehmen, die aber auf einem gutem Niveau denn „Demos“ gibt es eigentlich nicht mehr, alle erwarten heute eine Produktion!

Vielleicht macht auch eine Kombination aus beiden Optionen Sinn um ein wenig Geld zu sparen? Zunächst die Drums im Studio aufnehmen, dann den Rest im Proberaum und am Ende den Gesang wieder im Studio. Mischung und Mastering dann entweder selbst machen oder vom Studio übernehmen lassen.

Was ist dein Plan? Und warum? Lass es uns wissen, schreib uns einfach in die Kommentare.

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