Videoschnitt mit dem iPad Pro – 4K Videos mit Lumafusion

Ich habe mich mal selbst der Herausforderung gestellt, ein komplettes Video nur auf einem iPad Pro zu schneiden. Funktioniert das oder ist alles eher umständlich und bringt es nur Probleme mit sich. Ich möchte Dir hier meine Erfahrungen dazu aufzeigen. Ganz unvoreingenommen schauen wir uns nicht nur das positive, sondern auch das negative an.

 

WELCHE SOFTWARE

Bisher habe ich Videos ausschließlich auf Desktop Rechnern, wie zum Beispiel auf einem MacBook Pro oder MacPro, geschnitten. Also der ganz klassische Weg mit einer Schnittsoftware wie Final Cut Pro oder manchmal, wenn es schnell gehen musste, auch mit iMovie.
Dieses Mal möchte ich aber auf einem Tablet schneiden. Zugegeben es ist ein relativ neues Tablet, nämlich das aktuelle iPad Pro von Apple.
Die erste Frage, die ich mir dann gestellt habe, mit welcher App wirst du es versuchen? Naheliegend ist da natürlich erstmal die Wahl auf iMovie für iOS von Apple fallen zu lassen. Ein kurzes Googeln hat mich dann aber motiviert, eine andere App auszuprobieren, Luma Fusion. An jeder „Ecke“ im Internet trifft man auf diese App. Sie soll echte Profi Features aufs iPad holen. Also auf in den AppStore und flott die App LumaFusion von LumaTouch heruntergeladen und installiert. Sie kostet stolze 21,99€, das ist für eine ausgereifte Videoschnitt Software extrem günstig , für eine App aber schon eher hochpreisig.

 

WIE KOMMT DAS MATERIAL AUFS IPAD

Jetzt sitze ich vor meinem iPad, habe eine App mit der ich loslegen könnte, aber wie bekomme ich jetzt mein Rohmaterial auf das iPad? Hier gibt es mehrere Möglichkeiten, aber schon vorab gesagt, keine davon ist wirklich komfortabel.


Der naheliegende Weg, nämlich einfach mal eine externe Festplatte mit meinem Material an den USB-C Port anzuschliessen, führt hier überhaupt nicht zum Erfolg. Zwar hat sich Apple endlich von dem seit 2012 eingesetzten proprietären „Lightning Anschluss“ der Vorgängermodelle getrennt, aber wirklich „offener“ ist der jetzige USB-C Anschluss auch noch nicht. Außer dem Aufladen des Geräts und dem Anschluss eines externen Displays wird noch nichts weiter unterstützt. Hier muss Apple nachliefern um dem „Pro“ im Namen gerecht zu werden.


Ich habe mir alle Alternativen angeschaut: Import aus Cloud Diensten wie iCloud, Dropbox, Google Drive, Box oder OneDrive sind für mich kein Weg. Ich finde es einfach zu umständlich erst meine Videodaten in einen Cloud Speicher hochladen zu müssen. Zu der Import Option über den Weg mit WLAN Festplatten, wie der WD Wireless Pro oder der Gnarbox kann ich nur sagen, dass die Festplatte von WD viel zu langsam ist und keine wirkliche Option darstellt. Zur Performance der Gnarbox kann ich leider nichts sagen, aber die ersten Ankündigungen lassen vermuten, dass die neue Version der Gnarbox die perfekte Lösung werden könnte.


Bleibt also nur noch der Direkt Import von der Speicherkarte aus der Kamera. Das war für mich die beste Option. Einfach einen klassischen USB-C Hub an das iPad angeschlossen, SD Karte rein und schon kann man die Videodaten in LumaFusion importieren. Voila.

 

SCHNITT UND FARBKORREKTUR

Die reichhaltige Erfahrung der Entwickler von LumaFusion, die sie in die Software haben einfließen lassen, merkt man sofort. Denn sie waren die Väter der alten Pinnacle Schnittsoftware, die vor Jahren von Avid aufgekauft wurde.
Ich habe überhaupt keine Features beim Schnitt vermisst. Alle wichtigen Tools, die beim nonlinearen Schnitt benötigt werden, sind mit einer sehr kurzer Einarbeitungszeit, komplett
selbsterklärend, nutzbar. A/B Schnitt, Anker Clips, Übergänge, Tolle Audio Funktionen, alles ist direkt an Bord.
Sogar eine Farbkorrektur des geschnittenen Materials ist möglich und es lassen sich LUTs (Lookup Tables für Colo Grading) mitsamt Abfolgelisten selber erstellen oder aus externen Programmen wie Premiere Pro, usw. importieren und sofort nutzen.
Unglaublich ist, dass es keine Wartzeiten gibt und das iPad Pro überhaupt nicht angestrengt wirkt. Es funktioniert alles sofort auf Knopfdruck, ohne Warten und vor allen Dingen ohne einsetzendes Lüftergeräusch.

 

VORTEILE

Hier meine einzelne Auflistung der Vorteile vom Schnitt auf einem iPad Pro gegenüber dem Schnitt auf einem Desktop Rechner:
– Die Performance auf dem iPad ist mehr als fantastisch! Kein „Lag“ während Leertaste drücken und Starten eines Videos. Alles läuft komplett ohne Rendering in Echtzeit ab.
– Die Touch-Bedienung ist sehr gelungen und der Apple Pencil ist beim Schieben von Clips oder einstellen von Werten eine echte Bereicherung.
– Mit dem Display des iPads zu schneiden macht einfach Freude. Selbst unterwegs in der Bahn oder draußen bei Sonneneinstrahlung ist alles gut zu erkennen und ablesbar.
– Die Laufzeit des iPad Pros ist selbst mit der Nutzung einer App wie Lumafusion immer noch überzeugend. Mehrere Stunden arbeiten ist gar kein Problem.
– Gegenüber einem Laptop hat ein iPad Pro keine Lüfter, somit ist es dauerhaft während der Bearbeitung einfach nur leise. Großartig!
– Alles in allem hat man ein schönes mobiles Setup für den Schnitt von Videomaterial. Die Mobiliät ist einfach bemerkenswert.

 

NACHTEILE

Hier nun meine Auflistung der Nachteile:
– Für den Im- und Export von Dateien gibt es keine wirklich coole Lösung. Auch die WLAN HDD Idee mit einer „WD Wireless Pro“ ist unbrauchbar, da viel zu langsam! Einfach mal eine Platte via USB-C anschliessen wäre schon topp!
– Das Arbeiten von einem Speichermedium (Festplatte oder Speicherkarte) ist leider gar nicht möglich. Alle Dateien müssen in den internen Speicher des iPads kopiert werden und auch die Projektdateien werden ausschließlich auf dem iPad abgelegt. Daher ist es ratsam ein Pad mit relativ großem Speicherplatz zu nutzen.
– Eine Backup Lösung ist leider auch nur komfortabel via Cloud möglich und nicht auf ein angeschlossenes Speichermedium, da der USB-C Anschluss des iPad nicht „offen“ für externe Speicherlösungen ist.
– Leider sind nur 3 Video und 3 Audio Spuren möglich. Man denkt zunächst, ach das reicht, erstellt man aber zum Ende auch noch Titel und Texteinblendungen „frisst“ das ja leider auch schon eine der Spuren. Also eine oder zwei mehr wären schon toll.
– Es gibt leider kein echtes „Multi Cam Editing“ wie aus Final Cut oder Premiere bekannt.

 

ZUSAMMENFASSUNG

Es sind zwar zahlenmäßig fast genauso viele Nachteile wie Vorteile, aber wenn ich die einzelnen Punkte mal abwäge und ein bisschen gewichte, bin ich der Meinung, dass die Vorteile klar überwiegen.
Für jeden Videographen, „Social Media-Warrior“ oder Hobby-Enthusiasten ist diese Lösung die beste um Videomaterial nachzubearbeiten und zu veröffentlichen.
Echte Pro-Anwender werden wohl hier nicht glücklich werden, denn es fehlt einfach an den nötigen Import- und Exportmöglichkeiten, die eine Kollaboration mit anderen in der Postproduktion möglich machen würde.
Womit schneidest du deine Videos? Wie ist dein Workflow? Lass es mich wissen und schreibe es in die Kommentare.

 

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