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Dezemberzeilen - Alle Jahre wieder eine außergewöhnliche Produktion! [013]

INHALT

In unserer aktuellen Podcast-Folge beschäftigen wir uns mit “Alle Jahre wieder”, einem Song aus unserem Weihnachtsalbum “Dezemberzeilen”, dass wir unter dem Projektnamen “vierdafür” geschrieben und produziert haben. Wir umreißen das Projekt und gehen tief in den Song rein, der inhaltlich und produktionstechnisch ein Aushängeschild des Albums ist. Wir beleuchten die verschiedenen Phasen, die „Alle Jahre wieder“ von der Idee über den Text, vom Layout über das Arrangement und von der Produktion bis zum Mastering durchlebte. 

Aber was hat „Alle Jahre wieder“ mit dem alten Weihnachtsklassiker zu tun? Hört mal rein!


SHOWNOTES


TRANSKRIPT

Marcel: Hallo und herzlich willkommen zum Audio-Podcast des „rurtonproducing“-Teams. Mit mir heute hier der Markus.

Markus: Moin.

Marcel: Und der Denis.

Denis: Ich freue mich, wie immer!

Marcel: Wir freuen uns, dass ihr wieder dabei seid. Heute geht es wieder um eine Hausproduktion. Wir freuen uns sehr über das eingesandte Feedback, super cool. Auch Teile unserer Gäste haben sich mal wieder gemeldet und haben mal „Hallo“ gesagt und uns ein Feedback gegeben, das freut uns sehr. Wir finden das sehr cool, deswegen: wenn ihr Anmerkungen habt, bitte her damit! Du unterstützt uns auf jeden Fall besser sichtbar zu sein, indem du uns bei iTunes abonnierst und uns da vielleicht auch eine Bewertung schreibst. Das hilft uns sehr und da wären wir sehr dankbar.

Markus: Du kannst dir vorstellen, so ein Podcast zu produzieren kostet natürlich Zeit und auch Geld. Wenn du uns ein bisschen unterstützen möchtest, dann lass uns was auf PayPal da. Unter PayPal@rurton.de mit dem Betreff „Reingetackert“.

Denis: In unseren Shownotes findest du alle wichtigen Infos zur Folge, unseren Gästen oder auch anderen Dingen, die wir erwähnen.

Marcel: Damit würde ich sagen, gehen wir mal in die Folge rein. Wir hatten es schon beim letzten Mal angedeutet — nackte Tatsachen aus dem rurtonstudio. Wir hören mit euch in eine Produktion rein. Wir haben euch den Song „Alle Jahre wieder“ vom Album „DEZEMBERZEILEN“ mitgebracht. Sagen wir sicherlich noch ein paar Zeilen zu und den hören wir uns heute einfach mal an. Da gibt es ganz coole Drum-Produktionen drin und alles, was ihr dann heute von dem Song hört, abgesehen vom Original, ist ungemischt und logischerweise auch nicht durch das Pult. Das Einzige, was ich gemacht habe, ist gerade mal einen Limiter darüber gejagt, damit man es ein bisschen kompakter hört. Markus, „DEZEMBERZEILEN“ war einer unserer größeren Angelegenheiten im Studio, hat eine Menge Spaß gemacht. Ich würde sagen, es hat eineinhalb Jahre gedauert, wenn ich so als Songwriter da mitrechne. Kannst du mal umreißen, wie das war? Wie hast du das erlebt? Was sind so die Stationen?

Markus: „DEZEMBERZEILEN“ war ein Album oder daraus ist ein Album entstanden, mit der lieben Maike Toussaint zusammen. Das heißt, wir drei und Maike als „VIERDAFÜR“ haben dieses Album produziert. Der Grundgedanke war eigentlich „Lass uns mal coole Kindermusik machen“. Der Gedanke war einfach schön, zwei von uns sind ja schon Vater und da ist viel Musik da draußen, die man nicht gerne hört — zu Weihnachten oder es ist auch immer die Gleiche, die man da dann hört. Da wollten wir einfach mal einen neuen Input geben, den wir gerne in die Familie oder zu unseren Freunden tragen. Daraus ist das Ganze entstanden. Es hat einen langen Weg genommen. Am Anfang war auch noch nicht so klar, wie das Gewicht zwischen Cover-Songs und eigenen Songs ist. Am Ende sind daraus zum Großteil eigene Songs geworden, was mich total freut, denn das ist natürlich etwas viel Tolleres, eigene Songs zu produzieren. Einer dieser Songs ist lustigerweise der, mit dem Namen „Alle Jahre wieder“. Erstmal denkt man natürlich „Alle Jahre wieder“ kenne ich — nächster Song. Stimmt aber nicht. Es ist halt nicht „Alle Jahre wieder“, so wie ihr es kennt, sondern es ist auch ein Song von uns. Zur Entstehung von dem Song kann Marcel dann noch mal mehr sagen. Das ist aber so ein bisschen die Einordnung in das Projekt und warum wir es gemacht haben.

Marcel: Ja genau, das war eine super schöne Sache. Markus, du kamst tatsächlich mit dieser Schnapsidee um die Ecke, sage ich mal. Und dann haben wir zwei uns überlegt, dass irgendwie zu machen und ich weiß noch: Ich hatte die ersten Songs oder Ideen geschrieben, die nicht dabei geblieben sind, und irgendwann haben wir ganz schnell gemerkt: Schreiben, Produzieren, Singen — das wird zu krass. Da lag der Schritt natürlich sehr nahe, den Denis zu fragen, der als Textexperte, sozusagen als „Textperte“ in die Notaufnahme musste. Für manche unserer Hörer, ihr kennt den Spruch ja schon: „Doktor Text, bitte in die Notaufnahme“. Das war dann super schön für mich, weil ich eine wahnsinnige Entlastung ab dem Zeitpunkt hatte. Da kamst du ins Spiel, Denis und hast dir die ersten zwei Demos angehört. Ich glaube, es war der „Frau Holle hat das Fenster dicht gemacht“-Song und „Komm und reich mir deine Hand“. Dann kamst du rein. Vielleicht kannst du unseren Hörern ja mal einen kleinen Abriss von der Songwriting-Phase geben. Maike, du, Story, wir zwei, Interaktionen — du weißt schon, was so dazu gehört.

Denis: Ja. Ich erinnere mich auf jeden Fall, dass du, wie gesagt, mit dem Song „Frau Holle“ und „Komm und reiche mir deine Hand“, dass später daraus geworden ist, am Anfang war es noch „Der Moment“. Irgendwie ein Entwurf von dir. Damals hast du glaube ich noch nicht vermutet, zu dem Zeitpunkt, dass ich Texte von vorne bis hinten auseinandernehme. Dann kam „Doktor Text“ sozusagen. Wie du mich immer so schön nennst. Ich nenne mich nicht selber so, aber gut.

Marcel: Man muss das vielleicht mal ganz kurz kommentieren. Ich meine, ich kenne deine Akribie natürlich durch das Jahrelange arbeiten. Das war aber tatsächlich interessanterweise nach „Die Versenker“, nach einer langen Pause, so ziemlich das erste Mal, dass wir zwei nochmal zusammen geschrieben haben. Das heißt, ich habe dich so ein bisschen nochmal neu kennengelernt. Man muss kurz dazu sagen, damit unsere Hörer das einordnen können: Bei uns im Team hat jeder so ein bisschen seine Kernkompetenz. Oder wir sagen immer das letzte Wort, damit es nicht zu viel Diskussionen oder Hin und Her gibt. Es ist einfach so, meistens bin ich Musik, Markus Technik-Sound, Denis ganz klar Text. Ohne die große Klammer aufzumachen, was du da alles rein investiert hast, aber das ist einfach Wahnsinn, wenn man Denis einen Text gibt. Man kann sich darauf verlassen. Der wird von oben bis unten geprüft.

Denis: Genau. Ich erinnere mich noch, ganz am Anfang hatten wir diverse Skype-Sessions. Dann haben wir bei dem einem Song quasi (es war ja in der Anfangsphase von dem Ganzen) das Credo für das ganze gesamte Album gehabt in drei Zeilen. Nämlich die Anfangszeilen von „Komm und reich mir deine Hand“: „Was wär wenn es nur Liebe gäb, wenn täglich Heilig Abend wär, lass den Gedanken einmal zu.“ Diese Botschaft — die hatte den Ursprung des Ganzen. Diese Botschaft findet sich eigentlich auf dem ganzen Album wieder. Darum dreht sich auch diese ganzen Gedanken oder dieses ganze Konzept des Songwritings und das Songtextens. Weil dann gehen natürlich Prozesse los: „Wie schaffen wir das daraus ein ganzes Konzept draus zu machen?“

Marcel: Total interessant auch. Weil man wirklich da sieht, dass alles immer so gefühlt eine andere Metaebene nochmal bekommt. Weil dann durch diese Zeile auch wirklich was geboren wurde, was den ganzen Spirit von dem Team dann auch letztlich ausgemacht hat. Eine wirklich unglaublich spannende Geschichte.

Denis: Was wir bei dem Album ja auf jeden Fall machen wollten, ist die Sache zu Ende denken von vorne bis hinten. Das sagen wir ja immer ganz oft und sehr gerne und das ist auch beim Texten so. Wenn du mir einen ersten Entwurf schickst und dann paar Ideen hast, das stelle ich übrigens ganz oft fest, dann sind da immer sehr gute Parts mit sehr guten Ideen, sehr starken Zeilen, aber das dann irgendwie strukturiert zusammenzukriegen, das ist dann immer so, habe ich das Gefühl, immer so ein bisschen mein „Point“ und dann gucken, wo die Reise hingeht und ob wir das zu Ende gedacht bekommen. Ich denke, wir haben das mit dem Album echt geschafft. Dann kam ja noch die Story von Maike mit hinzu, das ist auch ganz wichtig. Die sie auch ungefähr drei- oder viermal umgeschrieben hat. Aber am Ende war es rund.

Marcel: Wegen der Songs. Aber was natürlich auch klar ist, wenn man zu viele Prämissen einschränkt und so weiter. Lass uns auf jeden Fall noch mal in einer Podcast-Folge auf diese Zusammenarbeit eingehen. Es ist einfach super interessant. Denis ist eigentlich wie ein Sparringspartner in dieser Hinsicht. Wir kommen dann kurz zum Song. Ich erinnere mich noch ein bisschen daran — wisst ihr noch wie es war, als ich mit der Demo von „Alle Jahre wieder“ kam? Wem habe ich die zuerst gezeigt?

Denis: Ich meine, du bist damit auf mich zugekommen und da habe ich doch glatt einen rappenden Marcel gehört.

Markus: An die Situation kann ich mich auch erinnern. Wir haben es glaube ich zusammen eines Morgens in der Küche hier im Studio gehört. War mein persönliches Highlight an diesem Tag: Marcels Rap. Aber gar nicht blöd gesagt, sondern ich fand das ziemlich cool und ich fand die Kombination bei dem Song so super. Das da drin versteckt „Alle Jahre wieder“ drin vorkommt, da kann Marcel mehr zu sagen, wer genau hinhört, hört es im Chorus raus. Aber ich fand das super. Den Ansatz und so einen Song zu haben, und es war ja einer der frühen Songs, da waren wir uns noch nicht sicher, ob wir es wollen, aber war voll die richtige Entscheidung.

Marcel: Letztlich auch die Single.

Denis: Ja auf jeden Fall. Allerdings gab es ja auch eine Situation, ich weiß nicht, ob ihr euch erinnert, als wir alles plötzlich komplett alles wieder infrage gestellt haben und daraus irgendwie eine komplett andere Version daraus machen wollten.

Marcel: Ja, wir hatten die Alicia Keys Nummer gehört.

Markus: Stimmt.

Marcel: Das war das Problem. Die finde ich aber auch super geil.

Markus: Das war auch eine Situation in der Regie, wo ich dazu kam und dachte: „Warum stellt ihr das jetzt in frage?“, aber der Aufhänger war glaube ich „Hey, wer rappt das denn für uns?“. Uns war natürlich klar, dass Marcel nicht Rappen wird. Wir brauchen jetzt also natürlich jemanden, der das „cool“ macht und da waren wir ein so bisschen überfordert, weil es ja nicht so unser Genre ist. Das war, glaube ich, der Punkt, wo ich angefangen habe, zu überlegen, was ganz anderes zu machen. Ich glaube, da war ich so ein bisschen vor den Kopf gestoßen.

Marcel: Aber wisst ihr was? Hören wir da doch einfach mal rein.

Markus: Genau.

(00:11:08) - (00:12:30): Musik

Markus: Das war ein kleiner Ausschnitt aus dem Song. Das war tatsächlich die gemasterte Version, die auch auf dem Album drauf ist. Nur ein kleiner Ausschnitt, damit ihr so ein bisschen eine Vorstellung bekommt. Wen es interessiert, natürlich in den Shownotes der Link, auch zu unserem Album — auf Spotify und bei Amazon. Ihr könnt natürlich auch am Ende gerne mal reinhören. Da hänge ich es hinten ran, nach der Verabschiedung und dann könnt ihr weiterlaufen lassen. Jetzt können wir vielleicht damit starten, wie Marcel auf diese Idee gekommen ist. Da muss er uns mal einen Einblick geben, weil ich glaube, auch Denis war da bei der ersten Idee nicht dabei.

Denis: Richtig.

Markus: Ja, kannst du uns mal erzählen.

Marcel: Also, ganz ehrlich, weiß ich es gar nicht mehr so genau, aber ich hatte eine Nummer von einem anderen Weihnachtsalbum gehört und fand diesen Halftime Groove total cool und hatte da irgendwie mit rumgespielt und fand das auch mit diesen gezupften Gitarren. Ich glaube, ich bin mir nicht mehr sicher, wir hatten in unserer Liste ein paar ausgewählte Traditionals drin. Maike hatte sich ein paar gewünscht, unter anderem war da „Alle Jahre wieder“ glaube ich drin, ich weiß es nicht mehr. Oder ich fand „Alle Jahre wieder“ cool — keine Ahnung. Auf jeden Fall saß ich da und hatte so einen Drum-Loop an, der natürlich nicht mal annähernd so klang, wie das gerade. Irgendwann habe ich dann „Alle Jahre wieder“ drüber geklimpert — das war’s. Dann habe ich das arrangiert, und zwar so, dass der Bass immer mitläuft. Ich fand das mit diesen klassischen Bewegungen auch sehr charmant, was man da so ein bisschen mit aufgreift — was ja auch total geil ist an dem Song, finde ich. So ergab sich das dann, dass das „Alle Jahre wieder“ Playback die Basis bot. Dann musste ich immer wieder an diesen Song denken, der natürlich jetzt weit weg ist, aber vom Feeling her, dachte ich die ganze Zeit an „Tag am Meer“ von Die Fantastischen Vier.

Markus: Ja stimmt, das hattest du mir glaube ich beim ersten Vorspielen gesagt.

Denis: Und dann das es im Refrain halt aufgeht.

Marcel: Genau. Und mit meinen Epic-Rap-Skills konnte ich, das weiß ich noch, euch das nicht so geil abbilden und Maike, die damals noch nie bei einer CD-Produktion dabei war, saß nur da und, ich weiß es noch, ihr Gesichtsausdruck war sowas wie…

Markus: „Ernsthaft“?

Marcel: „Wollten wir nicht coole Weihnachtslieder“? — und so kamen wir dann darein. Ich glaube, nachdem diese ersten Textzeilen dann standen, habe ich es wieder an Denis rüber gespielt. Dann haben wir zwei den Text glaube ich sehr lange dran rumgedoktert du hast ihn dann nochmal raffiniert sozusagen.

Denis: Ja, das war bei dem Text gar nicht so einfach, muss ich sagen. Weil es erstmal sehr viel Text war, sehr schnell und das muss ja auch irgendwie verständlich bleiben und später haben wir uns oft mit Rapper Helm darüber ausgetauscht — da muss ja auch jemand sein, das war ja unser Rapper dann, der das dann auch umsetzen kann und sich irgendwie dabei wohlfühlt. Das ist ja auch immer sehr wichtig. Das heißt, du schreibst ja den Text für jemanden und der sollte natürlich auch umsetzbar sein. Genauso wie im Refrain muss es dann auch passen. Da haben wir die Lotti für gefunden und das hat alles wunderbar geklappt. Und nochmal zurück zu dem Drum-Groove, den du in der Demo hattest, das ist immer irgendwie interessant, wenn ein „Nicht-Drummer“ sowas programmiert, was aber gar nicht schlimm ist. Ich finde das sogar geil, weil das irgendwie was anderes ist — der denkt anders. Dieses Halftime-Ding war halt weit weg von Standard, sage ich mal.

Marcel: Ich habe eine gute Idee. Lass uns doch auch hier mal ganz kurz in das Layout reinhören.

Denis: Gerne.

Marcel: Ich verlasse mich darauf, dass Markus das Layout ohne Rap abspielt bitte.

Markus: Ach komm.

Marcel: Wir hören mal kurz rein.

(00:16:33) - (00:17:29): Musik

Marcel: Bevor wir da nochmal im Detail reinhacken, lass uns doch mal ein paar Sekunden in das Original-Drum-Sound reinhören. Vom Track, wie er dann nachher arrangiert war.

(00:17:40) - (00:18:04) Musik

Denis: Da merkt man schon, finde ich, wie schwierig auch dieses Tempo irgendwie ist und wie tragend das eigentlich ist. Wie wenig Sanres eigentlich gespielt werden. Das war gar nicht so einfach zu adaptieren und was zu finden, dass das irgendwie ins Rollen bringt. Was ganz wichtig auch in diesem Song ist, was dann hinterher kam, sind die Percussion die drumherum laufen und deine Gitarre, die das dann ins Rollen bringen. Wenn man das so trocken hört, denkt man „Ja, ok…“

Marcel: Dann hören wir uns doch mal an, was Bass und Akustik-Gitarren jetzt hinzufügen.

(00:18:46) - (00:19:00): Musik

Marcel: Hier hört man jetzt super, dass dieses Mikro-timing total von den Akustik-Gitarren unterstützt wird. Da kommt noch ein Shaker. Und ganz wichtig: Wo ist die Triangel? Da gibt es eine wunderschöne Geschichte zu der Triangel. Denis, die Triangel — da erinnere ich mich an etwas super Lustiges. Bis zum Mastering erinnere ich mich daran, dass ich dir zwei-dreimal geschrieben habe und mich gefragt habe, warum du nicht darauf reagierst. Dann habe ich ihm geschrieben „Hast du eigentlich die Triangel bei „Alle Jahre wieder“ gehört?“, weil ich das nicht mitbekommen hatte, als ihr es aufgenommen habt. Wer genau aufpasst: In der Produktion, also im Mastering von „Alle Jahre wieder“ gibt es wirklich so völlig „random“ Triangel-Kicks, die so durch den ganzen Song durchgehen und kein Mensch konnte mir erklären, was das ist und ich dachte Anfangs, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe und dachte „Was höre ich denn da?“, weil Denis reagierte immer so darauf „Ja gut, ist eine Triangel drin.“ Letztlich hat er sich da irgendwann in Ruhe angehört und hat dann festgestellt…

Denis: …, dass die da irgendwie „random“ rumlief im Refrain.

Marcel: Ganz anderes Tempo.

Denis: Ja völlig. Es ist auf jeden Fall immer witzig, wenn so „Unfälle“ passieren, das kommt ja oft vor. „Oh, ich habe mich irgendwie vergriffen“.

Marcel: Und in diesem Fall war es dann, dass ich dir gesagt habe, dass ich das total genial finde, dass die Triangel Quatsch macht. Und ihr habt überhaupt nicht verstanden, was ich von euch will. Das war schon lustig. Wie ist das passiert Markus?

Markus: Ich sehe es auch gerade vor mir. Das war tatsächlich keine Aufnahme von uns, dann hätten wir es uns wahrscheinlich Pro-Aktiver angeschaut und das war tatsächlich ein Apple-Loop. Ich vermute, wir haben ja mal das Tempo verändert. Das hast du ja auch eben angesprochen und der ist einfach nicht mitgegangen. Der ist einfach steady so geblieben und dadurch ist das passiert. Dadurch dass das geloopt ist, wurde das auch immer verrückter hinten raus…

Denis: Das ist das, was es besonders macht. Das ist verrückt.

Marcel: Ok, lasst uns das mal anhören. Wir schmeißen nochmal das Klavier dazu, damit das „Alle Jahre wieder“ -Thema dann eigentlich komplett ist. Hören wir nochmal rein, wie es dann rollt.

(00:22:05) - (00:22:27): Musik

Marcel: Ja witzig. Lange nicht mehr so gehört. Jungs, wir hatten dann Drum-Recording-Tag und da ging es ja dann so ein bisschen ans Eingemachte. Ich erinnere mich an zwei Sachen: Tempo. Tempo hatte dazu geführt, dass wir den Groove ab und zu umarrangiert haben. Ich weiß noch, wir haben mit einer Limp-Bizkir herumhantiert, mit einer Open Hi-Hat mit ganz vielen „Dead-Notes“. Und ich erinnere mich an die zweite Sache: Sound. Ich wollte so eine „Bahnggg-Snare“ haben und ihr wusstet, wie man dahin kommt. Wer will mal anfangen?

Denis: Also erstmal zu dem Groove: Den Groove da ins Rollen zu bringen, quasi in der Demo, war mal nicht eine relativ gerade Hi-Hat, sondern logischerweise etwas Roboter-mäßiger. Da dieses Feeling reinzubringen, durch eine dynamische Hi-Hat, die eher so in die Richtung mit dem Shaker läuft, das war erstmal interessant das auszubaldowern, dass es irgendwie läuft. Und da so wenig Snares natürlich in diesem Song Platz finden, in diesem Halftime-Groove, war es natürlich dann wichtig, da kannst du Markus gleich nochmal was dazu sagen, dass er auch den Platz beim Klingen kriegt. Wir wollten schon eine Snare mit Ton, die dann den Raum, den sie hat, bis zur nächsten Bass Drum — da wollten wir sowas und dann haben wir uns natürlich sehr viel damit beschäftigt.

Markus: Genau. Ich kann mich daran erinnern, dass wir viele Snares durchprobiert und gestimmt haben und als der dann da war, habe ich dann noch ein bisschen mit EQ gefeatured. Also quasi nochmal reingedreht so ein bisschen. Und das auch mit dem Kompressor nochmal gemacht. Ist natürlich ein bisschen gewagt, aber wir waren uns sicher, dass es der richtige Sound und die richtige Herangehensweise ist, was der Song braucht.

Denis: Wenn man sich das Ding ohne langen Ton vorstellt, dann ist es irgendwie strange.

Markus: Und ein Raum wäre unlustig. Wäre schon irgendwie komisch. Das ist schon cool. Das ist was Besonderes. Gefällt mir immer noch sehr gut. Selbst wenn man hier die rohe Aufnahme hört, ist es immer noch interessant, wie die Snare halt klingt.

Marcel: Geben wir uns nochmal den Drum-Sound solo und reißt uns nochmal ganz kurz die Mikrofonie ab.

(00:25:25) - (00:25:45): Musik

Denis: Da durfte ich mal einen Roll spielen auf der Hi-Hat.

Marcel: Ja, du weißt doch, wenn ich einen Song produziere und du drumst, dann wirst du von der Leine gelassen: „Rastlos!“

Denis: Das ist das Schöne. Das ist auch das Schöne ganz oft bei dem Album. Sehr viele Freiheiten haben wir uns da genommen und wollten wir uns auch nehmen.

Markus: Ich weiß auf jeden Fall, dass die Overheads waren auf jeden Fall Bändchen, hört man finde ich auch in dem Becken jetzt sehr gut. Und auch die Hi-Hat ist nicht sehr spitz, das war glaube ich ein SM7. Da haben wir ein dynamisches Mikrofon genutzt. Das geht mir auch oft so: Du hast schon coole Becken, die von Sabian, kannst du vielleicht auch was zu sagen wie die heißen, die sind aber wirklich nicht so „HiFi-mäßig“. Was mich immer so ein bisschen nervt, kommt natürlich immer auf den Song an oder auch den Sound, den man möchte. Aber die kriegt man gar nicht eingefangen wenn du da irgendwie mit einem Kondensator heran gehst.

Denis: Der Klang ist das Natural-Finish, wie man so schön sagt. Also es ist kein brillantes Finish oder keine brillanten Becken, sondern eher, wie der Name schon sagt, etwas natürlicher.

Markus: Man hört super, wenn du im Raum stehst. Checkst es direkt. Du hörst die Becken und denkst dir, super — Wahnsinn was das ausmacht.

Denis: Sind auch nicht nervig dann.

Markus: Genau. Was eben auch hilft, ist Bändchen zu benutzen, die das Helle dann auch nicht unterstützen. Oder ein dynamisches Mikrofon an der Hi-Hat ist halt auch super. Das geht dann halt genau in die Richtung. Würde man vielleicht das andere haben wollen, also mehr „HiFi-mäßig“, dann könnte man das genau anders machen: andere Becken nehmen, die das featuren, und auch andere Mikrofone.

Marcel: Wo wir gerade dabei sind, Markus, wie war es mit der Akustik-Gitarre. Da erinnere ich mich nicht mehr daran, Akustik-Gitarre und Klavier sind vielleicht noch relativ interessant für die Audio-Nerds unter euch.

Markus: Beim Klavier bin ich mir ziemlich sicher, dass wir auch da nichts gemacht haben. Wir haben einmal ganz normal A/B nah mikrofoniert am Klavier mit Bändchen und dann haben wir noch so einen Raum aufgenommen, können wir mal herein hören, das war aber ein reiner Mono-Raum, weil ich das Klavier gar nicht so breit haben wollte und an den Bass-Saiten glaube da habe ich einen U87 benutzt. Das können wir uns mal anhören. Einmal hier das direkte Signal.

(00:28:15) - (00:28:26) Musik

Markus: Einmal das Raumsignal. Ah, das ist doch stereo gewesen.

(00:28:30) - (00:28:39) Musik

Markus: Das waren zwei Kleinmembranen als Stereo und dann gibt es nochmal das U87 unten am Bass.

(00:28:43) - (00:28:53) Musik

Denis: Ganz wichtig ist natürlich der quietschende Hocker. Damit man auch weiß, dass das ein Original-Klavier gewesen ist.

Markus: Das ist eine wirklich schöne Geschichte, weil das Klavier ist ja relativ neu, das haben wir erst ein Jahr und das waren eigentlich so die ersten Recordings für das Album und Marcel und ich haben gar nicht darüber nachgedacht. Also ich wollte tatsächlich nicht so eine hässliche Bank, als wir das kaufen waren. Der stand da halt rum und ich fand den sehr schön. Marcel fand das auch vom Sitzen her ok. Nachher fiel uns dann auf, dass es total dämlich ist, weil es so ein Hocker ist, den man so in die Höhe einstellen kann und der quietscht halt wirklich manchmal. Es gibt halt wirklich Stellen auf dem Album, wo wir keine Alternative hatten, beim Editing und deswegen — na gut. Aber das stimmt, als nochmal der Stimmer hier war vom Klavierhaus, meinte er auch, dass es vielleicht nicht so eine gute Idee war so ein Hocker zu kaufen für ein Studio.

Marcel: Sehr schön. Die Summe des Klaviers, kannst du uns vielleicht nochmal ganz kurz zeigen, damit man abschätzen kann, was du dir dabei gedacht hast. Klingt nämlich fantastisch.

(00:30:03) - (00:30:14) Musik

Marcel: Markus, Akustik-Gitarren, ich erinnere mich nicht so genau daran

(00:30:22) - (00:30:45): Musik

Markus: Hier haben wir sie auf jeden Fall ganz breit gemacht. Das ist kein Stereo-Set-Up, sondern quasi einfach ein Mikrofon quasi am Hals und eines am …

Denis: War da nicht dieser Akkord? Dieser eine Akkord?

Marcel: Achso.

Markus: Also quasi oben einer am Griffbrett und unten an der Gitarre. Quasi Stereo, deshalb klingt es auch so breit. Und das waren Kleinmembran auf jeden Fall. Bin ich mir ziemlich sicher. Oktavas.

Marcel: Klingt schön.

Markus: Weil wir das ja gerade so haben wollten. Wir wollten nichts Mittiges, so ein „Rolling“, sondern wir wollten gerade dieses Unterstützende für die Percussions und was du eben gesagt hast, dass du quasi dieses Rolling bekommen hast.

Denis: Was ist das für eine Gitarre?

Marcel: Das ist eine ganz kleine — ist es die Martin oder die Taylor gewesen? Ich glaube die Martin sogar. Diese Ed Sheeran-Größe.

Markus: Vom Sound her würde ich das jetzt so sagen, ja.

Marcel: Also ganz kleine Gitarre und ich finde einfach, dass die sich so schön zupfen lässt und die klingt so ein bisschen unsauber. Ich mag das. Also, dass sie so ein bisschen scheppert irgendwie.

Markus: Was können wir denn noch zum Bass-Sound sagen? Wollen wir da auch nochmal gerade Solo reinhören?

(00:31:46) - (00:32:20): Musik

Marcel: Jetzt hört ihr das „Alle Jahre wieder“-Thema.

Denis: Und das ist, finde ich, das Unique an dem Bass-Track eigentlich. Das ist ja eigentlich nicht unbedingt das, was man da Standardmäßig spielen würde.

Marcel: Vielleicht das, was ein Cello und ein Kontrabass tatsächlich im Orchester machen würden.

Markus: So ein Kontrapunkt. Also interessant — Sound mäßig. Wenn ich das Solo hören, ist das halt krass, dass wir nur auf Schub quasi gesetzt haben. Da sind ja wirklich gar keine Mitten und Höhen drinnen, sondern wir wollten einfach Bass.

Marcel: Klingt auch nicht wie selten und bei unseren Bass-Sounds, kriegen wir einfach nicht schön.

Markus: Einzeln gehört nicht, nein. Vor allem das und auch super komprimiert. Deshalb funktioniert er auch so gut. Wir haben keine Plugins drauf, das ist wirklich so recordet, dass wir das schon sehr krass komprimiert haben, aber zusammen mit dem Schlagzeug funktioniert es halt einfach super gut. Wir können ja vielleicht einmal die gleiche Stelle einmal zusammen mit den Drums hören.

(00:33:17) - Musik

Denis: Wie ist das vom Anschlag gewesen? Ist es Daumen oder…

Marcel: Ja ich glaube wirklich Daumen und ich glaube, wir wollten es ganz weich. Ich rutsche immer sehr viel beim Spielen und wir wollten ja genau, dass der so Rein wird. Das ergänzt sich glaube ich sehr gut, wenn wir jetzt nochmal die Instrumente anmachen, Gitarre und Klavier, dann kapiert ihr, was ich eigentlich wollte — macht ein bisschen Sinn.

Markus: Macht ein bisschen Sinn, auch was eben den Sound angeht. Der Sound passt genau zum Spielen. Wie du eben sagtest, dass da keine Mitten sind, dass er quasi nur unten nochmal featured. Ich habe jetzt Klavier, Akustik-Gitarre.

(00:34:20) - (00:34:45): Musik

Markus: Vielleicht wäre es nochmal interessant für die Zuhörer zu verstehen, warum oder was es mir auch immer einfach macht, den richtigen Sound zu finden. Ist wie eben bei der Vorproduktion schon eben, da ist schon viel passiert bei dir — von den Gedanken, in welche Richtung was geht und wie funktioniert das Klavier, wie funktioniert ein Bass, wie funktioniert das in dem Song. Das ist meistens eben schon sehr in die richtigen Richtungen gelegt, bei der Vorproduktion. Und dann ist es eigentlich nur ein i-Tüpfelchen, es gut zu Recorden und dann nochmal krasser in den Sound zu bringen, der dann eben für das Instrument Platz macht.

Marcel: Die Stelle, die wir gerade gehört haben, ist ja nach dem ersten ruhigen Refrain, da, wo es in das Moll-Voicing herein geht, wo diese ganzen Tensions entstehen, das ist auch genauso gewollt, dass sich das aufbaut, fast unerträglich wird und dann sich einfach in der klassischen Dur-Voicing auflöst. Ich bin ja jemand, weißt du ja, ich kann ja ganz schlecht Loslassen, wenn ich am Produzieren bin. Ich nehme das ja mit und höre das zu Hause nochmal und nochmal und nochmal. Um 22.30 Uhr bei der einzigen Songwriter-Zigarette höre ich es nochmal. Im Layout habe ich Bass mitgespielt im Klavier. Sowas fliegt dann alles raus aber generell finde ich das immer sehr wichtig, das kommt so ein bisschen vom Band-Denken bei mir — Denis wird das noch kennen. Wir hatten eigentlich immer einen guten Live-Sound und ich glaube das kommt daher, dass Tobi, Denis und ich damals auch schon immer diese Sound-Vision von „Instrument - wir müssen aneinander Platz lassen und müssen einander ergänzen“ hatten. Tobi und ich auf der Bühne haben uns funktional und frequentiell immer ergänzt.

Markus: Ergänzt und Platz gelassen. Das ist beides gut.

Marcel: Und diese Denkweise aus dem Trio — das Maximalste aus der Minimalisten Besetzung herauszuholen ist glaube ich immer noch auch in meinem Produktions-Denken so ein bisschen kleben geblieben. Ganz „DEZEMBERZEILEN“ ist ja ein bisschen wie eine Live-Session-Band arrangiert. Es gibt einen Pianisten, einen Bassisten und einen Gitarristen — so ist die Platte gedacht.

Denis: Ich glaube, es ist auch ein bisschen so eine Handschrift-Sache bei uns, dass wir aus diesem Band-Denken, das liegt auch an unserer musikalischen Vergangenheit, womit wir aufgewachsen sind — Hörgewohnheiten und alles sowas.

Marcel: Absolut.

Markus: Dann können wir vielleicht abschließend noch zum Klavier ergänzend noch ein E-Piano, das ist aber tatsächlich aus der Retorte.

Marcel: Markus, zwei Sachen interessieren mich noch, an die ich mich gut erinnern kann: Mischung. Es war einer der ersten Songs, die du gemischt hast — war sofort ein bomben Mix. Was war da los? Warum hat das gut geklappt?

Markus: Das war einer der Songs, der auf jeden Fall sehr von sich aus irgendwie definiert war. Das heißt, das Mischen wird dann ein bisschen das i-Tüpfelchen. Es gibt ja auch Songs, wo man dann merkt, wenn man anfängt zu mischen, dass nicht alles so seinen Spot hat und wenn man anfängt, dass in die Richtung zu bringen und das es einem dann zerfällt, man fängt wieder von vorne an — das passiert halt schon mal. Das war bei dem Song halt nicht. Das Rohmaterial, was halt da war, hat es einem total einfach gemacht. Der war einfach durchdacht und „on point“. Da macht Mischen total Spaß und das geht total schnell.

Denis: An dieser Sache sieht man natürlich das Arranging, der letzten Endes die halbe Miete ist.

Markus: Total.

Denis: Du musst dein i-Tüpfelchen da draufsetzen.

Markus: Genau und halt viele Entscheidungen treffen. Das ist auch etwas Riesiges, weil du kannst natürlich dahin gehen und 20 Spuren Gitarre stapeln und es in die Mischung verschieben, was es aber nicht besser macht. Also cool ist halt, die Entscheidungen beim Recorden zu treffen. Das ist super.

Marcel: Ich finde immer Orchester ist ein gutes Beispiel, weil, wenn sich zu viele Sachen stapeln, passiert zu viel, wenn du am Arrangieren bist und wenn du aber nur die Spots aufmachst, wo du frequenziell hinwillst, dann passt das ganz gut. Wenn du jetzt zum Beispiel diese gezupfte Akustik-Gitarre hast: Du hast einfach nichts davon, noch irgendein Mikro-Timing-Element in diesen Frequenzgang reinzuballern, sagen wir mal in etwa eine Sequenz von einem Synthie.

Markus: Und ihr habt ja jetzt alles einzeln gehört. Die Gitarre spielt halt genau das, was man halt braucht. Da ist kein Mumpf unten, den ich wegmachen muss. Die ist nicht zu akzentuiert, dass man sie stark komprimieren muss. Die ist so, wie sie da liegt, erstmal gut. Die fährst du hoch und dann ist cool. Das ist halt für jedes Signal das Wichtige.

Denis: Bei „Alle Jahre wieder“ war ja vieles besonders, sagen wir mal. Eine Besonderheit ist auch, dass wir doch nochmal den Gesang irgendwie neu aufgenommen haben, den Refrain-Gesang meine ich.

Markus: Stimmt, das war ein krasser Move, aber zeigt eigentlich, dass man nie alles in Beton gemeißelt sehen sollte. Das war schon gemischt und wir haben einfach alle zusammen beschlossen, dass es so nicht funktioniert. Wir müssen da nochmal ran. Es hatte einfach ganz viele Gründe. So, wie wir es gedacht hatten, funktioniert es nicht mit Backings und auch technisch war es einfach ein bisschen in die falsche Richtung recorded. Dann hat es uns einfach gezeigt, dass wir einen halben Tag länger rein investieren in neue Aufnahmen. Das hat alles nochmal viel besser gemacht als ewig vielleicht in einem Mix oder nochmal in einem Editing zu gehen. Das muss man sich oft leider schon mal eingestehen. Dieses „Fix in the Mix“ oder durch das Editing — manchmal hilft es, es nochmal aufzunehmen.

Marcel: Und auch Personal. Ich erinnere mich an dem Tag dran: viele Lotti-Stellen. Lotti war damals die Sängerin. Ganz tolle Stimme. Ganz tolle junge Amateur-Sängerin, die in dem Pool von meinen Gesangs-Schülern war. Und man muss es ja auch mal so sehen: Jemand, der da dann zum ersten Mal im Tonstudio den ganzen Tag an drei verschiedenen Songs schon gearbeitet hat, da werden irgendwann die Köpfe was „zuer“. Wir saßen zu viert in der Regie, das muss ja auch alles relativ effizient laufen, weil es weite Strecken waren. Man wollte die Leute nicht immer wahnsinnig belasten. Wir hatten das erste Mal auch mit Julia Olk auch diese Background-Stimme, die das in sich super gut schließen konnte. Die aber wiederum nicht gut mit Lotti matchte, was nachher im Mix auffiel.

Markus: Stimmt.

Marcel: Dann kam natürlich auch nochmal der Faktor, dass Lotti es jetzt konnte und jetzt mit dem Feedback, ein paar Wochen später, einfach hereinkam und das war wirklich total faszinierend, sie stellte sich an das Mikro und wir haben ihr glaube ich noch eine Anweisung gegeben: „Du musst das Breiter hinkriegen.“, und sie knallte sofort diesen Refrain raus. Wir brauchten keine Dopplung und nichts mehr.

Markus: Du kannst das natürlich nicht bei jedem Song, passiert auch nicht bei jedem Song, dass man es hinterfragt, aber was es zeigt, dass man es schon mal machen sollte und nicht sich ausruhen und sagen, dass es jetzt halt so ist.

Marcel: Ja, es ist halt super interessant und was ich immer wieder bei solchen Situationen merke, dass es nicht „the way to go“ gibt. Den gibt es nicht. Es ist einfach so.

Markus: Wäre ja auch zu langweilig.

Marcel: Es gibt nicht die und die Kompressor-Einstellung und es gibt auch nicht genau die und die Anweisung an eine Sängerin in einem solchen Song oder in einem solchen Set-up. Du musst experimentieren. Gerade wie Lotti auch singt, ist es ja eine recht junge Art. Sie hört selber ziemlich viel Billie Eilish und solche Sachen. Da muss man auch wirklich gucken, was sie machen will, was wir brauchen und wo der Kompromiss dazwischen ist. Das hat super viele Ebenen. Das passierte dann einfach sehr schön, oder?

Markus: Ja total. Das Ergebnis ist, finde ich, perfekt geworden. Passt sich schön in den Song ein.

Denis: Wo wir gerade bei dem Thema sind: Anweisungen oder Anleitungen, du hattest mit Lotti ja auch diese Coaching-Situation so ein bisschen, das war eine deiner Rollen. Und dann hattest du noch die ganzen Rollen des Multi-Instrumentalisten sozusagen. Wie ist da deine Strategie? Muss am Ende der künstlerische Anspruch auch mal Anstehen?

Marcel: Das ist Fluch und Segen zugleich. Krass belastend für mich in so einer Situation, ist, während ich zum Beispiel Klavier spiele und ich weiß, dass das Audio-Recording ist, das heißt, das ist jetzt schon mal was Wertvolleres, das ist jetzt nicht etwas, was wir nächste Woche in die Tonne kloppen, sondern wenn dann irgendein anderes Set-up aufgebaut ist, dann rollen wir nicht wieder das Klavier rein. Es gibt so einen gewissen Druck „Ich muss jetzt schon mal denken, wo eine Pause ist oder wo Platz ist für ein anderes Instrument“ — das mache ich natürlich auch wahnsinnig gerne und der Lohn dafür ist, dass ich mich total austoben kann. In Abstimmung mit meinen Leuten und natürlich auch mit euch, mich dann im gewissen Sinne, total frei austoben darf und das macht mich total froh und auch stolz. Dieser künstlerische Anspruch, der geht natürlich immens zurück, weil ich einfach spielen und weitermachen muss. Wenn ich jetzt eine Gitarre gespielt habe, dann lass uns mal gucken, dass da jetzt nichts Schlimmes ist, weil wir haben das ja alles immer in einem relativ hohen Tempo aufgenommen. Dann haben wir einen Tag Akustik-Gitarre gemacht.

Markus: Weil wir das so ein bisschen „bundlen“ wollten. Man muss sagen, wir haben das dann nicht für einen Song das Klavier aufgenommen und dann halt die Gitarre, sondern wir haben versucht, zwei Tage Klavier-Recording zu machen. So haben wir das dann für alle Songs gemacht.

Marcel: Dann ist das schon so, dass ich die Zeit für den Perfektionismus einfach nicht habe. Ich finde das aber eigentlich auch ganz okay. Ich frage mich halt, ob das besser ist unterm Strich für mich oder ob es schlechter ist.

Denis: Genau das würde ich für die ganze Sache würde ich das schonmal infrage stellen. Ob es das dann gewesen wäre die Lösung?

Marcel: Sicherlich oft, aber du hättest dann wieder „tons and lots of communication“ gehabt…

Denis: Ich für meinen Teil sage unterm Strich, es braucht nicht mehr, als das, was es war, weil es einfach sehr geil geworden ist — so wie es ist.

Marcel: Genau. „DEZEMBERZEILEN“, tolles Projekt von „VIERDAFÜR“. Da wurde doch die Teamarbeit ganz schön hochgehalten und das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, dass wir da irgendwie zusammenkommen. Ich glaube, auf dieses Projekt gehen wir auch nochmal gesondert ein und zeigen nochmal ein Querschnitt aus den ganzen Produktionen. Da kann man hier nochmal was zum Thema Kosten, Aufwand und alles sagen. Wir reißen das hier immer so kurz an, klingt immer so einfach, aber tatsächlich wollen wir ja auch, sowohl mit Liebe ein ganz tolles Album machen, wie auch uns dann dadurch selber beschränken und sagen „Leute, es kann jetzt hier nicht völlig eskalieren, wir müssen alle noch andere Sachen machen“. Das war glaube ich jetzt heute das eine oder andere Mal zu hören, dass es dann ein bisschen effektiver läuft und Drums irgendwie in zwei Tagen rein getrommelt werden.

Denis: „Reingetackert!“

Markus: Da sind wir doch wieder beim Schlusswort, Jungs oder? Dann würde ich sagen, das hat euch einen schönen Überblick gegeben. Klar, vielleicht haben wir auch etwas vergessen. Wenn euch irgendetwas mehr interessiert oder ihr mal etwas genauer wissen wollt, wie wir da rangehen oder ob wir da einen Weg haben und vielleicht schon Lösungen gefunden haben, weil es mal nicht geklappt hat oder das es sich so ergeben hat über die Jahre, in denen wir jetzt zusammenarbeiten, dann stellt uns doch einfach die Frage per Mail an reingetackert@rurton.de. Wir freuen uns auf jeden Fall über jede Idee und jede Kritik.

Marcel: Vielen Dank fürs Zuhören. Es war uns mal wieder eine große Freude. Wir freuen uns auf euer Feedback. Du findest uns unter www.rurton.de, auf www.reingetackert.de oder auf Instagram bzw. Facebook über rurton.de.

Denis: Wir freuen uns über ein Abo, über Kommentare, die helfen uns auch sehr bei der Sichtbarkeit unseres Podcast. Wenn du uns unterstützen möchtest, kannst du das gerne unter PayPal@rurton.de machen. Auch hierzu findest du alle Infos in unseren Shownotes.

Markus: Dann würde ich hiermit sagen, sind wir für heute durch. Und jetzt kommt das berühmte: 3…2…1…

Alle: Reingetackert!

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