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Drums denken und produzieren [007]

INHALT

In unserer siebten Folge sprechen wir über das “Drum-Producing” und wir haben zum ersten Mal Interview-Gäste zu unserem Podcast eingeladen. Drei erfahrene Schlagzeuger (Daniel McLaine, Philip Coenen und Stefan Schoch), die sich im Bereich Rock, Pop, Funk bewegen und Tonmeister Holger Siedler haben uns “aus der Ferne” ihre Erfahrungen dargelegt. Die verschiedenen Blickwinkel der Gäste machen die Folge zu einem außergewöhnlichen Austausch über das Recorden und Produzieren von Drums.


SHOWNOTES


TRANSKRIPT

Markus: Hallo und herzlich willkommen zum Audio-Podcast des „rurtonproducing“-Teams. „Reingetackert!“. Heute auch wieder mit mir, Markus, am Start - mir hier gegenüber - der Marcel und natürlich auch der Denis.

Marcel: Heute haben wir ein schönes Thema für euch: Drum-Producing. Platzhirsch Drummer Denis Sarp aus dem “rurtonproducing”-Team bekommt heute Besuch. Audio-Nerd Markus bekommt heute Fragen und Philosophien um die Ohren gehauen. Ich bin schon sehr gespannt. Ich habe mir nämlich für diese Podcast-Folge Hilfe geholt, und zwar von vier ebenfalls professionellen Schlagzeuger/innen beziehungsweise einem Produzenten. Die haben uns ganz interessantes Material eingeschickt und ich habe dann zusammen mit Denis ein paar Fragen entwickelt, die wir den Schlagzeugern gestellt haben. Somit kommen wir auch zu unserer ersten Frage: Was ist denn das Wichtigste bei Drum-Producing?

Daniel: Feeling

Stefan: Schlagzeuger

Holger: Professionalität

Philip: 42

Denis: Persönlichkeit

Markus: Räume

Marcel: Und damit kommen wir auch schon zu unseren Gästen: Daniel, stell dich doch mal bitte kurz vor!

Daniel: Mein Name ist Daniel McClain. Ich spiele seit 29 Jahren Schlagzeug und wohne zurzeit in Berlin.

Marcel: Daniel McClain kenne ich daher, dass er auf derselben Schule am Conservatorium ArtEZ in Arnhem war, wo auch Denis studiert hat und ich habe ihn mal kennengelernt und hab auch ein paar Mal mit ihm gezockt - eine wirkliche Groove-Maschine! Denis, du kennst ihn auch, oder?

Denis: Ja genau und ich schätze ihn auch sehr.

Marcel: Unser nächster Gast ist…

Stefan: Hallo, ich bin Stefan Schoch - ich bin professioneller Schlagzeuger und seit ungefähr 20 Jahren im Business. Ich bin gebürtig aus Karlsruhe und lebe seit knapp zehn Jahren in Trier.

Marcel: Stefan und ich haben uns auf einem gemeinsamen Gig kennengelernt - ganz lieber Kerl, schöne Grüße an dieser Stelle, hat wahnsinnig Spaß gemacht mit dir zu spielen. Außerdem haben wir in der Runde einen Tonmeister, was mich sehr freut. Markus, nämlich…?

Markus: Das ist der Holger Siedler - das ist ein Kollege von mir, für den ich auch schon Mal bei Produktionen arbeiten durfte. Holger, stell dich doch mal bitte kurz vor.

Holger: Hallo, mein Name ist Holger Siedler. Ich betreibe seit 40 Jahren das THS Studio. Außer den Tonmeister Beruf, hauptsächlich im Klassik und Jazz-Bereich, habe ich noch eine Servicewerkstatt für Studiogeräte.

Marcel: Und zu guter Letzt in unserer Runde - fantastischer Schlagzeuger und mein ehemaliger Mitbewohner im Studium:

Philip: Ich bin Philip Coenen - Schlagzeuger.

Marcel: Und was haben diese Leute nun alle mit Drum-Producing zu tun? Fangen wir mit Daniel an.

Daniel: Das ich eigene Drum-Tracks produziere, ist für mich jetzt noch relativ neu. Seit Anfang 2020 habe ich aber die Möglichkeit in meinem kleinen Studio selber aufzunehmen und auch abzumischen.

Marcel: Daniel macht das übrigens - das habe ich im Gespräch mit ihm herausgefunden - in einem Raum, was ihn vor besondere Herausforderungen stellt, weil er auch in diesem Raum abhört. Da können wir vielleicht gleich nochmal darauf eingehen. Und das klingt so:

MUSIK (03:05-03:18)

Marcel: Steady Groove.

Denis: Auf jeden Fall. Man merkt, dass er von der Lautstärke her, sehr mittelmäßig unterwegs war - bis leise fast schon. Aber sehr groovy und sehr light gespielt.

Marcel: Sehr kontrolliert auch. Dann hat er uns noch ein Soundbeispiel geschickt, nämlich das hier.

MUSIK (03:39-03:55)

Denis: Ach so… Daher weht der Wind also. Da fügt sich dann der Song natürlich zusammen. Das war schon bei der “Drum-alone”-Spur zu merken.

Marcel: Ist auch ein geiler Drummer! Markus, was sagst du dazu?

Markus: Fügt sich auf jeden Fall super ein jetzt, mit dem Rest - mit der Musik. Ja, spannend. Hättet ihr gedacht, das es in diese Richtung hingeht? Ihr kennt ihn…

Marcel: Stilistisch schon, aber ich hatte jetzt tatsächlich etwas anderes erwartet. Wir haben den Mix vorher nicht gehört, wir wollten uns einfach überraschen lassen und es war jetzt einfach ein bisschen schön, unsere Gesichter zu sehen.

Denis: Allerdings war meine Vermutung, dass er mittelmäßige Lautstärke gespielt hat - oder leise. Und “light” hatte dann doch gepasst.

Marcel: Weiter geht es mit dem lieben Stefan Schoch. Auch der hat uns Antworten und Sound-Beispiele geschickt. Was hat Stefan mit Drum-Producing zu tun?

Stefan: Ich habe mein eigenes Home-Recording-Studio und produziere dort meine Schlagzeug-Tracks selbst. Ich habe beim Einrichten des Raumes darauf geachtet, dass er genauso klingt, wie ich es mir wünsche - also, auch sehr warm und natürlich - und dadurch das ich in verschiedenen Projekten und Bands spiele, habe ich immer mal wieder die Gelegenheit dafür dann Schlagzeug-Files aufzunehmen.

Markus: Ja cool. Das war der Stefan. Auch der hat uns natürlich ein paar Files geschickt und wir hören erst einmal rein, wie es einfach unbearbeitet bei ihm klingt.

MUSIK (05:26-05:42)

Markus: Ja cool. Das war der unbearbeitete Track und er hat uns natürlich auch einen bearbeiteten - quasi im Mix mit anderen Instrumenten zusammen - geschickt. Das hören wir uns auch mal an.

MUSIK (05:54-06:08)

Marcel: Das war Stefan Schoch. Einmal in einem ungemischten Track und einmal im Kontext mit einem Song. Super cool. Gehen wir zum nächsten Gast. Holger - ein Arbeitskollege von Markus und Tomeister, der mit Sicherheit noch einmal eine ganz andere Sicht auf die Dinge hat und uns auch etwas aus einer ganz anderen Ecke präsentiert. Was hat Holger mit Drum-Producing zu tun?

Holger: Eigentlich gar nichts. Weil mir dieser Begriff bis dato unbekannt war. Ich verstehe Schlagzeugaufnahmen immer im Kontext mit der jeweiligen Produktion zusammen - aber einzeln weniger.

Marcel: Was super interessant ist und was wir gleich mal näher beleuchten werden. Denn Holger macht, glaube ich, zum Großteil Jazz-Aufnahmen. Ist das richtig Markus?

Markus: Genau. Der macht eigentlich nur Jazz und Klassik Produktionen. Eine witzige Seiten- Geschichte ist eigentlich: Holger hat einen ziemlich coolen eigenen Ü-Wagen und den habe ich mal für eine Live-Produktion für eine ziemlich harte Rockband gebucht. Da hat Holger das erste Mal eigentlich einer Rock-Produktion beigewohnt. Ansonsten kommt Holger halt aus einer ganz anderen Ecke. Dann versteht man das eben auch, was er sagt, denn da wird das Schlagzeug nicht produziert, sondern die Produktion besteht eben darin, das so vor Ort einzufangen oder den Raum dazu so auszuwählen, dass das Schlagzeug eben passend klingt.

Denis: Also eigentlich sehr „natural" wenn man es so will, oder?

Markus: Ja, genau.

Marcel: Total spannend. Gehen wir gleich nochmal darauf ein. Unser letzter Gast, der liebe Philip, mit dem wir schon ein paar Live-Gigs hinter uns haben - was hat der denn mit Drum-Producing zu tun?

Philip: Ich habe ein kleines Studio in Bochum, wo ich regelmäßig Schlagzeug für mich, für Freunde und für Kunden aufnehme und mische.

Marcel: Danke. Und wie Philipp das macht, das klingt dann ungefähr so.

MUSIK (08:13-08:42)

Marcel: Philipp ist einfach eine Groove-Maschine. Oder Denis?

Denis: Absolut. Super geil. Geiles Feeling. Musste man direkt eigentlich dazu tanzen.

Marcel: Ich bin mir nicht sicher, aber da erkenne ich noch den einen oder anderen Kommilitonen aus meinem Jahrgang, Philipp. Da ist doch glaube ich, noch der Bo mit dabei. Die Gitarre ist mir auch nicht ganz fremd. Ich würde wetten, das ist Henning. Was sagst du Denis?

Denis: Ja, das kann gut sein. Auf jeden Fall hat der Bass auch einiges zu tun. Das heißt Philipp war da sehr steady in seinem Groove - da hört man eigentlich schon fast mehr “Black-Drumming”.

Marcel: Wir haben also drei Schlagzeuger, die mehr oder minder in ihren Räumlichkeiten Drums aufnehmen und produzieren - für kleine bis große Zwecke, als Jobs oder für „Eigene-Band-Projekte” oder Freunde. Das war doch mal super interessant da herein zuschauen.

Markus: Außerdem haben wir den Holger gehört, den Tonmeister, der mit dem lieben Uli Bialas - ein Projekt gemacht hat, nämlich Solo-Drums, die für einen Workshop aufgenommen worden und dann in Surround gemischt wurden. Was wir hier hören ist natürlich ein Stereomix-Take, der extra für diesen Podcast gemacht wurde.

Denis: Lass mal hören!

MUSIK (09:55-10:17)

Denis: Ja, man hört auf jeden Fall am Sound, dass das Schlagzeug sehr “jazzy” gestimmt ist. Sehr hohe Toms und man hört, dass die Sounds einfach so ein bisschen präsentiert werden, denke ich. Ja, cool.

Marcel: Dann haben wir euch aus dem rurtonstudio auch was mitgebracht. Wie wir recorden erklärt euch technischerseits Markus und vom Produktions-Teil bin ich meistens mit in der Regie und Denis sitzt am Set. Wir haben euch heute da mal eine Stelle von unserem letzten Album „Dezemberzeilen“ aus dem Song „Alle Jahre wieder“ mitgebracht. Hört mal rein!

MUSIK (10:53-11:15)

Marcel: Das war die Drum-Spur solo aus „Alle Jahre wieder“. Wir geben euch kurz noch ein paar Sekunden, damit ihr auch den Kontext versteht, indem das Set wirken soll. Hier nochmal „Alle Jahre wieder“ mit allem drum und dran.

MUSIK (11:29-11:54)

Marcel: „Alle Jahre wieder“ - Markus, kannst du uns ganz kurz irgendwie das Set-Up erklären? Dann würden wir da mal technischerseits so ein bisschen anknüpfen. Wie wurde dieses Drumset recorded?

Markus: Ich erzähle einfach mal kurz darüber, wie es räumlich hier ist: Wir haben eigentlich eine klassische Studio-Aufteilung: Regie und Aufnahmeraum voneinander getrennt. Unser Aufnahmeraum ist nicht besonders groß, das heißt er hat keine große Nachhallzeit, weil er auch sehr bedämpft ist, damit er eben auch für alles passend ist - also für Gesangsaufnahmen und Sprachaufnahmen. So nutzen wir grundsätzlich für den Effekt eines größeren Raumes auch unseren Flur mit, als Hallraumraum. Den mikrofonieren wir also immer mit. Und auf die Details, wie wir das Schlagzeug mikrofonieren, gehen wir vielleicht gleich nochmal ein.

Marcel: Unseren letzten Schlagzeuger in der Runde wollen wir natürlich auch nicht vergessen. Denis kennt ihr aus unseren vorangegangenen Folgen. Denis, was hast du, abgesehen vom rurtonstudio, mit Drum-Producing zu tun?

Denis: Ich bin im Laufe der Zeit in sehr vielen Studios deutschlandweit gelandet - bei verschiedenen Produzenten, Engineers - und habe da meine Erfahrungen herausgezogen. Was mir in Kürze sehr wichtig ist, dass derjenige, der mein Drumset produziert oder aufnimmt, Ahnung von dem hat, was er da tut - also der da wirklich professionell ist, dass ich mich absolut auf ihn verlassen kann und das die Zusammenarbeit einfach super funktioniert.

Marcel: Nachdem wir jetzt so ein bisschen geschaut haben, was hier so die einzelnen Leute mitbringen und was wir super interessant finden, wollen wir mit euch versuchen, so einen kleinen Diskurs zu erarbeiten und mal zuschauen, ob es da einen Konsens gibt - findet man vielleicht keinen, ist das vielleicht abhängig von der Musikrichtung oder vom Budget - da schauen wir gleich mal rein. Nächste Frage, mit der wir uns befassen wollen: Was ist denn das Wichtigste? Da hatte ich die Jungs alle mal in mehreren Punkten gefragt. Und zwar war mir erstmal wichtig: Was ist denn vor dem Set das Relevanteste beim Drum-Recording?

Daniel: Das wichtigste ist für mich zunächst, dass das Drumset an sich im Raum schonmal gut klingt. Das heißt, ich suche mir im Raum die beste Position aus, wo das Set sich am besten anfühlt, sehe zu, dass das Schlagzeug gut gestimmt ist und dann hat man noch durch verschiedene Becken oder verschiedene Snares auch sehr großen Einfluss auf den Sound. Da sollte man sich ruhig ein bisschen Zeit zum Experimentieren nehmen, weil es ist so, dass das Equipment unter dem Mikrofon sich doch ein bisschen anders anhören, als im Raum. Welche Mikrofone man jetzt zum Aufnehmen benutzt, finde ich erstmal nicht so wichtig, aber ich denke mal, mit der Zeit ist es so, dass man sich hier und da schöne Mikrofone mit einem speziellen Sound dazu kaufen kann. Unterm Strich ist aber letztendlich das allerwichtigste, dass man mental weiß, dass man im Studio ein bisschen anders Schlagzeug spielt, als zum Beispiel live.

Marcel: Sagt Daniel McClain zu dieser Frage und ich glaube, da trifft er sich ganz gut mit unserer Philosophie auf. Vor allem auch was das Stimmen vom Drumset, dem Equipment, der Drummer wie er klingt und vielleicht sogar auch diese interessante Frage, die wir öfter mal aufkeimen haben, auch wie teuer das Equipment ist. Wollt ihr das so ein bisschen kommentieren, Jungs?

Denis: Ich glaube der Preis spielt erstmal nicht so wirklich eine Rolle. Marcel, du es weißt ja, dass wir auf verschiedene Bühnen, wo irgendwie auch ein Drumset stand, was aber auch mit unter null gestimmt war oder absolut nicht meinen Vorstellungen entsprach. Aber ich habe innerhalb von kürzester Zeit gewusst, dass ich hier paar Stellschrauben mache und ich versuche, was zu ändern. Durch die Erfahrung und durch das Know-how, kann man natürlich vieles erreichen und zu einem guten Ergebnis kommen.

Markus: Genau und das Gleiche gilt eigentlich auch für das Studio oder für die Arbeit im Studio. Klar, kann man lange darüber diskutieren - welches Mikrofon für welche Trommel oder Aufstellungen - aber ich glaube, und das bestätigt mich auch eigentlich fast bei jeder Produktion, dass das nicht das Wichtigste ist. Denn du musst das Gefühl einfangen, was passiert - das gilt für jedes Instrument. Aber ich finde beim Schlagzeug ist es noch mal ein bisschen spezieller, weil das auch einfach sehr viele Signale sind, die man zusammenbringen muss. Man hat da 15 - 20 Mikrofone, die man aufstellt und …

Marcel: Und ganz kurz: Du darfst das trotzdem nicht als einzelne Instrumente betrachten.

Markus: Absolut nicht! Das ist auch total Genre-abhängig, wie man da rangeht - ob man sie als reine Stützinstrumente sieht und nur den Raum vielleicht als Wichtigstes sieht. Bei uns in der Pop-Rock-Produktion, darauf wollte ich eigentlich eingehen: wir experimentieren auch viel mit verschiedenen Mikrofonen. Und das ist eigentlich so zu sehen, wie, wenn wir sagen die Snare passt uns noch nicht, die muss vielleicht höher oder tiefer gestimmt werden, nehmen wir mal das Mikrofon.

Denn bevor Denis - jetzt in unserem Fall angefangen hat zu spielen - weiß ich nicht, ob es das richtige Mikrofon ist. Deswegen ist es immer wichtig, sich da dann davon zu befreien und zu sagen: „Das ist das Mikrofon!“, für die Snare. Das hast du ja beim Instrument eben auch nicht so.

Denis: Was wir natürlich immer machen: Du bist ja mit mir im Aufnahmeraum und du hörst dir natürlich erstmal akustisch an, wie das Set klingt.

Marcel: Das erinnert mich an diesen Live-Studio-Unterschied, den Daniel auch gerade nochmal gemacht hatte. Das man im Studio anders spielt, würden wir glaube ich alle unterschreiben. Denis hat es kurz angerissen: Bühnen und Sound. Ich erinnere mich an vielen Live-Auftritte, wo wir drei auf die Bühne gegangen sind und entgegen der Stage-Manager und Leute und oft mit ein klein bisschen Ärger, die Bühne umgebaut haben. Eiskalt die Amps gedreht haben und gesagt haben „Nö, so können und wollen wir nicht spielen! Wir wollen uns hören!“. Als Band haben wir dann erst einmal auf der Bühne im Dreieck sozusagen unseren Sound kreiert. Und da kommst du ja wieder ins Spiel, was ich auch immer sehr faszinierend finde, weil Markus stellt sich auch immer erstmal rein und hört sich das Ganze erst einmal mit Bedacht an. Daniel, da können wir viel von unterschreiben - ich glaube, da haben wir schon mal ganz schön Konsens gefunden und ich schätze dich auch so ein, dass du im Studio dann auch nochmal das Mindset wahrscheinlich total relevant findest beim Trommeln. Ich glaube, das gilt wahrscheinlich für alle Schlagzeuger. Schauen wir uns mal an, was Stefan dazu sagt!

Stefan: Das Wichtigste meiner Meinung nach ist, dass das Schlagzeug an sich schon mal super klingt. Bestenfalls beziehe ich das Set mit neuen Fällen und lass mir auch beim Tuning entsprechend viel Zeit - dass keine schiefen Töne entstehen, das alles sauber klingt und keine Störgeräusche auftreten. Denn wenn ich da alles richtig mache, dann habe ich auch in der Nachbearbeitung weniger zu tun.

Marcel: Sagt Stefan Schoch. Das finde ich auch immer super interessant - ich höre Markus oft auch, der ja auch immer viele Schlagzeuger abnimmt, sehr verwundert, dass eben nicht im professionellen Bereich das Stimmen und so überhaupt gar nicht ernst genommen wird. Das ist doch wahnsinnig interessant, dass wir bisher ganz viel auf Räume, Stimmung und Felle kommen, Denis.

Denis: Ja absolut! Einerseits kann ich das auf jeden Fall unterschreiben, dass man gute Fälle benutzen sollte. Auf der anderen Seite ist das aber auch manchmal irgendwie eine Geschmacks- oder SoundFrage - es kann auch mal sein, dass ich ein “abgeranztes” Fell haben will, weil ich einen bestimmten Sound haben will. Also, das kann man nicht so allgemein sagen. Von daher ist das, würde ich sagen, verschieden. Je nachdem was gerade gebraucht wird.

Markus: Da würde ich ja nochmal eine Rückfrage stellen. Ich finde den Spruch einfach super gut: „Jeder Gitarrist kann ja auch seine Gitarre stimmen.“ Ich finde es sehr verrückt - oder ich erlebe das immer wieder - das man denkt, dass man sein Schlagzeug zu Hause oder im Proberaum gestimmt hat, dann transportiere ich das bei - 4° Grad durch die Gegend, stell das hier ins Studio und wunder mich - da kommen ja viele Faktoren dazu - dass das dann hier anders klingt. Finde ich immer wieder verrückt und bestätigt mich natürlich dann auch immer, dass man das hier nochmal stimmen muss und ich helfe dann auch gerne dabei - jetzt bin ich vielleicht nicht so ein guter Stimmer wie du das bist, Denis, aber mir ist das einfach total bewusst, dass das ultra wichtig ist, dass das Schlagzeug passend zum Song gestimmt ist oder zum Style, den man da dann halt, aufnehmen möchte.

Denis: Ja absolut. Und das ist ja auch hochinteressant, wie ein Set, je nachdem wo man es jetzt hin schiebt, völlig anders klingen kann oder anders resoniert oder wie auch immer.

Marcel: Da sind sich die drei also schon mal einig. Stefan sagt weiterhin…

Stefan: Das nächste, was sehr wichtig ist bei der Schlagzeug-Aufnahme, sind die Mikrofone, beziehungsweise die Positionierung der Mikrofone. Dabei gehe ich so vor, dass ich versuche den Klang einzufangen, den man hört, wenn man sich neben das Schlagzeug stellt. Also wenn ich jetzt einem Schlagzeuger beim Spielen zuhöre, möchte ich genau diesen Klang einfangen. Das gelingt mir am ehesten mit Raummikrofonen. Der Abstand der Mikrofone hängt auch ein Stück weit vom Raum ab. Die Direktheit und den Attack der einzelnen Trommel, den hole ich mir über die Nahmikrofonierung - wobei ich da auch nicht zu dicht an die Fälle dran gehe, weil ich rausgefunden habe, wenn man ein bisschen Abstand lässt (ungefähr 5-10cm), dann erhält man noch etwas mehr Resonanz und Ton von den einzelnen Instrumenten. Das finde ich eigentlich sehr schön.

Marcel: Total richtig. Markus, es würde mich kurz interessieren, wie du „Mikrofonie - Nähe und Distanz“ da irgendwie kommentierst. Finde ich auch total spannend, weil hier prallen ja Sichten von Musikern und von Technikern aufeinander. Was ja vielleicht für dich tägliches Brot ist und wo du ganz viel drüber weißt, über physikalische Zusammenhänge oder so. Das macht ein Musiker ja eher mit dem Ohr. Super spannend.

Markus: Genau. Aber - ich habe ja eben schon mal gesagt - diese räumliche Sache ist halt wichtig, das hat ja Stefan auch angesprochen, also ein guter Overhead-Set ist halt wichtig. Da gibt es immer verschiedene Ansätze: Möchte ich damit nur die Becken aufnehmen oder bildet das Overhead-Set wirklich räumlich das Schlagzeug ab. Das ist so ein bisschen Stil-Frage, finde ich. Das wird Holger wahrscheinlich bestätigen können: Bei einem Jazz-Set ist sowas zum Beispiel wichtiger, dass die Overheads das Schlagzeug abbilden bei der Pop-Produktion geht es um die Becken.

Marcel: Erinnerst du dich noch an diesen Facebook-Post? Wir hatten mal irgendwann eine Drum-Aufnahme gepostet und das finde ich immer so witzig, weil ich halt kein Techniker bin und dann schrieb einfach irgendjemand darunter - völlig unvermittelt - und wir haben dann auch festgestellt, dass es ein Chemiker war, also kein Schlagzeuger und auch kein Audio Engineer, er schrieb drunter: „So macht man das aber nicht!“. Wahrheiten bei der Musik - das ist auch immer so ein Ding,ne!

Markus: Wahrheiten gibt es auch überhaupt auf der technischen Seite nicht. Das ist das, worauf ich hinauswollte. Es ist natürlich super wichtig, eine coole Raumaufnahme zu machen - dann kommen ja zum Overhead auch noch eben Raummikrofone dazu. Normalerweise haben wir verschiedene Abstände, Raummikrofone, die was näher, direkter klingen. Bisschen weiter weg im Aufnahmeraum, dass es schon mal ein bisschen räumlicher klingt und dann der Flur, der dann, sag ich mal, eigentlich so einen richtigen Hallraum ersetzt. Die Kombination bestimmt dann halt den Raum, der Rest sind dann halt nahe Mikrofone und da geht es dann halt um den Attack.. Der Abstand ist wieder so ein bisschen Style-abhängig: Was für Fälle, was will man erreichen? Da gibt es so kein Allheilmittel - da muss man halt führen. Also man startet natürlich mal mit einem Set, also mit einer Anordnung, mit der man sich gut vorstellen kann und dann muss man hören und variieren.

Marcel: Ja genau, aber dennoch genau darum geht es ja. Vielleicht ist es ja für viele unserer Hörer/innen relevant, die vielleicht selber Homerecording machen und sich da den einen oder anderen “Move” von euch allen irgendwie abgucken können. Schauen wir mal weiter, was der Holger anzubieten hat.

Holger: Das Wichtigste ist eigentlich das Set selber. Dass es technisch sauber gestimmt ist - das wiederum hängt vom Schlagzeug-Menschen ab, wie professionell er sein Musik-Instrument im Griff hat. Das zweitwichtigste ist in der Tat der Raum. Und auch natürlich auch die Fähigkeit des Musikers / des Künstlers einfach professionell zu spielen. Das ist wie bei einem Pianisten, der Anschlag an den Klaviertasten. Wenn ich als Klavier-Laie einen Steinway spiele, werde ich nie einen zauberhaften Klang herausbekommen, wie ein Künstler, der zwölf Semester Musik studiert hat. Und das ist, glaube ich auch in dem Bereich Drummer genauso.

Marcel: Das ist eine schöne Sichtweise, vor allem, was das Künstlerische angeht. Das freut uns Musiker sehr. Dass natürlich auch ein Sound davon abhängig ist, was da hinter dem Instrument auch geboten wird. Ja, das sagt der Holger zu den Drum-Producing, super interessant, oder?

Denis: Ja absolut. Die Persönlichkeit, die am Instrument sitzt - das ist auch so ein bisschen mein Credo - sag ich mal - ist natürlich maßgeblich, für was, was da am Ende rauskommt. Wir kennen ja alle das berühmte „Shit in - Shit out“-Prinzip. Das ist natürlich im Studio auch so. Also, wenn ein Musiker, sagen wir mal, ein Drummer, dass nicht so auf die Reihe kriegt und sein Instrument nicht im Griff hat, dann kann der Engineer oder der Producer halt auch nicht mehr viel machen. Sagen wir es mal so.

Markus: Ich finde das schön, wie Holger das so selbstverständlich sagt. Weil für ihn ist das einfach klar.

Marcel: Genau das wollte ich auch gerade sagen!

Markus: Das Werkzeug muss gelernt sein - also, das Werkzeug muss einsetzbar sein und es muss gelernt sein, wie man damit umgeht. Ich finde auch so schön, und das kann ich komplett unterstreichen, ich relativiere meinen Job komplett damit dann. Klar, muss ich mir auch noch ein paar Gedanken machen, aber wenn da vor dem Mikrofon nicht was Ordentliches passiert, dann kann ich die tollsten Mikrofone, das tollste Studio und das beste technische Know-how haben, am Ende wird da keine coole Produktion bei rauskommen.

Marcel: Das finde ich wieder total spannend, dass er das sagt und wie klar er das sieht - weil wir prallen ja jetzt nicht selbstverständlich auf solche Settings. In den Pop-Produktionen oder so ist es einfach mal gang und gäbe, dass es nicht immer nur zwingend studierte Schlagzeuger gibt.

Denis: Ja absolut. Und das interessante ist, heutzutage ist es halt tatsächlich technisch auch möglich, sehr viel noch herauszuholen aus jemanden, der vielleicht nicht nach den Vorstellungen spielt. Das ist halt das Interessante heutzutage. Du kannst wirklich was zaubern. Das dauert seine Zeit, aber man kann es technisch irgendwie hinbekommen, dass es halbwegs gut klingt.

Markus: Aber schön finde ich wirklich, das Holger das, glaube ich, einfach nicht kennen muss, weil er in einer Welt arbeitet, wo es das nicht gibt. Das ist einfach sehr sympathisch. Das kann ich auch verstehen und wertschätzen, dass er halt im Jazz-Bereich überhaupt nicht auf solche Umgebungen stößt. Das heißt, er bekommt immer jemanden vors Mikrofon gesetzt, der einfach sein Handwerk versteht und weiß, was er da tut.

Marcel: Wir hingegen landen im Laden “Rattenloch” und haben Becken und Toms auf dem Monitor so laut, dass alles piept und alles auf der Bühne zerstört wird.

Markus: Da seid ihr dann auf jemanden getroffen, der sein Handwerk nicht konnte. Das kommt natürlich genauso vor.

Marcel: Das war glaube ich das erste Mal das Tobi fast eingesehen hat, dass wir hier abbrechen sollten. Wir haben noch jemanden in der Leitung - Philip Coenen - hat auch noch was zu dieser Thematik zusagen. Ich bin gespannt.

Philip: Das ist eine schwierige Frage. Und zwar einmal, weil ich den Eindruck habe, das unterschiedliche Sachen mal wichtig sind. Es gibt ja sehr unterschiedliche Produktionen. Und zweitens - also ich fasse jetzt mal mit “vor dem Set, vor dem Schlagzeug” in der Fragestellung, fasse ich jetzt mal auf, dass vor allem die Studio-Seite und damit auch die technische Seite zum Großteil gemeint ist und das ist eine Signalkette und wenn in der Kette ein Glied schwach ist, dann ist die ganze Kette schwach. Deswegen würde ich sagen, das Wichtigste ist der Blick aufs Ganze.

Marcel: Sagt Philipp Coenen. Markus, eine “Kette”.

Markus: Ja gut die Kette, kann ich ihm nur beipflichten, da hat er komplett recht. Es fängt an beim Musiker, der halt sein Handwerk verstehen muss; das Set was gestimmt sein muss, die Mikrofone und ich gehe natürlich, dass wenn man eine Aufnahme macht, dass da auch ordentliche Mikrofone sind - damit meine ich jetzt nicht besonders teurere, aber einfach eine gute Qualität der Mikrofone schon mal vorausgesetzt. Dann weiter natürlich auch die Kabel, Preamps und auf der anderen Seite natürlich auch die Regie so technisch ausgestattet ist, dass man es abhören und beurteilen kann und das derjenige der da sitzt und es beurteilt, sollte oder muss das auch können. Er muss es können und Erfahrungen haben und er muss auch in einem Setting sitzen, wo er das kann. Das heißt dann entweder mit Kopfhörern oder in einer Regie, die halt dementsprechend gebaut ist.

Denis: Genau. Und am Ende spricht natürlich auch die Kommunikation eine große Rolle. Das muss Hand in Hand dann gehen. Auch eine Kette.

Markus: Absolut. Das gehört mit dazu.

Marcel: Sagt Philip Coenen zu dieser Sache. Die Kette ist wichtig und er sagt weiterhin…

Philip: Ich finde das Wichtigste ist die Idee und die Performance und wenn man jetzt nur indirekten Einfluss darauf hat, weil man zum Beispiel Recording-Engineer ist oder so, dann ist eigentlich am wichtigsten all das, was es indirekt unterstützen kann. Das die Musiker sich wohlfühlen, dass sie einen guten Sound haben - und, ich könnte jetzt eine lange Liste machen, aber das nach Richtigkeit zu ordnen, das ist halt auch immer nach Situationen mal anders. Deswegen würde ich sagen, das Wichtigste ist einfach generell die Performance irgendwie zu unterstützen.

Marcel: Absolut. Mindset - ganz wichtige Sache. Kommunikation - unglaublich wichtige Sache. Vor allem, wenn man in zwei Räumen arbeitet, finde ich auch bei Denis immer faszinierend, irgendwie der Klick läuft, der Track fängt an und Denis ist in einer anderen Welt. Denk ich auch, ein ganz wichtiger Punkt für Musiker, dass man sich überhaupt wohlfühlt.

Denis: Ja, genau., kann ich nur unterschreiben. Im besten Fall passiert das sehr schnell und wird nicht irgendwie nervend. Dass man relativ schnell zum Punkt kommen kann, seinen Take spielen kann, weil es gibt ja auch so eine gewisse Fokus-Spanne, die jetzt nicht über zwei Stunden läuft für einen Track. Also in meinem Fall, da kann ich jetzt nur von mir persönlich von sprechen, drei - vier Takes dann ist das Ding gegessen. Oder sollte es gegessen sein.

Markus: Stimmt. Gehört auch dazu, dass man als Engineer nicht auf die Idee kommt, jetzt irgendwie 80-mal den Track anzuspielen und Soundcheck zu machen. Weil dann ist die Spannung weg. Ich meine, das gilt nicht nur für das Schlagzeug-Aufnahmen, ich glaube, das gilt für alle Aufnahmen.

Marcel: Hatten wir auch bei der Vocal-Recording-Folge mal länger drüber diskutiert. Das war sehr spannend.

Markus: Aber ich habe natürlich auch noch was ganz Wichtiges, weil ihr von Settings spricht. Ein guter Kaffee ist natürlich auch ultra wichtig.

Marcel: Ganz wichtiger Ort im Studio: Die Kaffeemaschine. Unsere Gäste. Richtig cool. Wir haben ihnen auch noch eine kritische Frage gestellt. Ich bin mal sehr gespannt, wie die unterschiedlichen Ausgangssituationen da jetzt wieder aufeinanderprallen. Denn die Frage war, ob Schlagzeugproduktionen manchmal wirklich notwendig sind. Und das bezog sich vor allem auf Budgets, auf Pop-Produktionen, auf Single-Denken und ihr wisst schon, den “kapitalistischeren” Teil, der Musik-Branche. Schauen wir doch einfach mal, was unsere Gäste dazu antworten.

Daniel: Ob man jetzt Drums live aufnimmt oder nicht, ist natürlich abhängig vom Projekt und ist eine Zeit- und Budget-Frage. Es ist ja immer mit einem relativ hohen Aufwand verbunden, ein Schlagzeug richtig zu mikrofonieren und aufzunehmen. Auf der anderen Seite gibt es natürlich unter perfekten Umständen produzierte Sound-Samples, die man relativ preiswert kaufen kann. Ich selbst bin sehr großer Fan von handgemachter Musik und finde eigentlich, dass Drum-Beats immer von einem Menschen eingespielt werden sollen, weil das einfach viel lebhafter ist, besser rollt und einfach ein viel besseres Feeling hat.

Marcel: Finden wir auch. Absolut auch unsere Sicht der Dinge. Daniel McClain hat das schön auf den Punkt gebracht. Was sagt ihr dazu, Jungs?

Markus: Ja, ich finde das super wichtig. In den meisten Produktionen, wo wir dann eben Drums aufnehmen, wenn wir aus diesem Status Vorproduktion, die mit Samples arbeitet, dann eben diesen Schritt gehen und dann Schlagzeug recorden. Boah, da sind so viele Faktoren, die es dann einfach nach vorne bringen. Ein Beispiel ist eben das auch ganz viele Ideen noch von einem Schlagzeuger wieder mit darein kommen. Wie wird dieses Fill gespielt - das Fill gehört gar nicht dahin - lass uns sowas machen… Das bringt jede Produktion nach vorne. Das unterschätzt man glaube ich. Klar, kann man stundenlang das einprogrammieren, aber das ist nicht, wie wenn ich mit den Musikern zusammen daran arbeite und der seinen Style damit reinbringt. Finde ich super wichtig. Wie siehst du das Denis?

Denis: Ja gut, ich meine, ich bin ja selber Schlagzeuger.

Markus: Du kennst ja trotzdem die Vor- und Nachteile.

Denis: Es ist tatsächlich so - darüber macht man natürlich auch viele Gedanken. Ob das jetzt wirklich notwendig ist, dass ich das spiele. Also in unserem Fall kann ich hier mal von der rurton-Umgebung oder von unseren Produktionen sprechen: Wir sind halt sehr schnell und das ist sehr wichtig. Wenn ich jetzt einen da drüben einen in die Regie hinsetze und sage: „Programmiere mal das Schlagzeug auf den Track oder ich sitze hier und spiele drei Tracks, dann habe ich das Ding in einer Viertelstunde drin und bis der fertig programmiert ist, kann es mit unter Umständen dauern.

Markus: Das ist jetzt vielleicht ein Spezialfall, weil wir so als Team eingespielt sind. Wir sind sehr effektiv. Aber ich glaube, das ist nicht immer die Grundvoraussetzung und wenn du Studiobesitzer bist oder vielleicht in einem anderen Set-Up einen Studiomusiker buchst, Schlagzeug aufbauen, Schlagzeug mikrofonieren, erstmal eingrooven, Sound-Check. Dann sind schnell mal drei - vier Stunden vorbei, bevor man überhaupt einen Take aufgenommen hat.

Denis: Absolut. Eine Sache, die schwebt natürlich über dem Ganzen: Was braucht man? Was braucht die Produktion? Braucht sie ein Live-Drum-Set, braucht sie es vielleicht nicht? Das ist natürlich heutzutage ganz oft, wenn du jetzt, sagen wir mal, durch die “Radio-Landschaft” beispielsweise gehst, da brauchen nicht viele ein Drum-Set.

Marcel: Und da kommt nochmal eine andere Ebene auch hinzu, das ist der Schlagzeuger. Wir haben ja den großen Luxus, dass wir aus der Warte heraus produzieren. Also ich sehe das einfach mal aus der Produzenten- und Songwriter Sicht. Da ist es halt oft so, dass ich bei einer Pop-Produktion, wenn ich Gitarre oder so mache, schneller ans Ergebnis komme, als wenn ich es einfach gerade mache, anstatt das ich es vier Stunden irgendjemanden erkläre. Bei euch Schlagzeugern weiß ich, wen ich auswählen würde, weil ich euch aus unserem Netzwerk kenne. Ich habe mit euch gespielt, ich weiß, wer was kann und wer wie flexibel ist. Und das ist natürlich auch eine absolute Luxusposition. Wir reden hier auch mit vier Profis, die du auch wirklich auf alle Situationen loslassen kannst. Das ist auch ein riesiger Luxus. Das darf man nicht vergessen. Da wieder voll an Holgers Argument angeknüpft: Skill ist da, immens relevant, du kannst nicht einfach, irgendjemanden der eine Homepage hat, ins Studio als Drummer buchen und den hinholen und sagen: „Ja, lass mal einfach probieren!“. Kannst du Glück haben, kann aber auch total in die Hose gehen.

Markus: Auf jeden Fall nicht unter der Voraussetzung, dass es ein eng getimtes Projekt mit festgesetzten Zeiten, wann du fertig sein musst oder auch definierten Budgets.

Marcel: Ich wollte gerade noch sagen, seien wir doch mal ehrlich, Ressourcen sind immer knapp!

Markus: Genau, sind immer knapp und die Budgets sind definiert. Aber dann verstehe ich, dass man das dann natürlich auch gerne infrage stellt. Umso mehr feiere ich es halt, das wir das nicht machen oder das wir halt immer versuchen Live-Drums aufzunehmen, weil das einfach unser Markenzeichen ist, dass wir in unseren Produktionen Live-Drums haben.

Marcel: Total. Schauen wir doch mal was der Stefan dazu sagt.

Stefan: Als Schlagzeuger muss ich natürlich darauf antworten, dass es notwendig ist, Schlagzeug Produktionen zu machen. Nein, aber ganz im Ernst, ich finde, das kann man so pauschal halt auch nicht beantworten, denn letztendlich ist es von der Musikrichtung abhängig und ich sehe das auch ein Stück weit auch so wie bei einem Streichorchester. Es gibt unzählig viele Produktionen, wo das Streicherarrangement am Computer mit Midi gebastelt wurde und dann gibt es natürlich auch noch ganz viele, wo es ein echtes Streicherensemble in einem großen Studio aufgenommen wurde. Und man kann dann auch nicht sagen, das eine ist auf jeden Fall besser oder das andere ist schlechter. Und genauso ist es beim Schlagzeug auch oder bei den Schlagzeug-Produktionen. Ich finde, dass beides sehr reizvoll ist und es hängt wie gesagt von der Musikrichtung ab, meiner Meinung nach. Man hat halt bei einem echten aufgenommenen Schlagzeug einfach mehr Feeling. Und ich glaube, das ist etwas, was man am Ende auch irgendwo hört. Also mit Sicherheit kann jetzt der Otto-Normal-Verbraucher zwischen einem aufgenommenen und einem programmierten Schlagzeug vermutlich keinen großen Unterschied hören, aber das Gefühl, was bei einem echten Schlagzeug rüberkommt, das spürt man einfach.

Marcel: Unterschreiben wir total. Ihr könnt aus der Antwort vielleicht auch nochmal herausziehen, dass das total Fallabhängig ist. Ob Drummer oder nicht, mag vielleicht auch mal eine Budget-Frage sein. Fest steht, wenn es um ein “Natural-Drum-Sound” geht, dann ist ein echter Schlagzeuger auf jeden Fall die Wahl - weil, er wird die Sache ins Rollen bringen und andere Feelings einbringen.

Markus: Im wahrsten Sinne des Wortes.

Marcel: Er wird ja auch vielleicht die Instrumentalisten, unter Umständen, einfangen oder wird sie in die Linie bringen. Ein guter Schlagzeuger kann unfassbar viel bewirken. Das sehen wir ganz genauso. Schauen wir mal in die andere Sichtweise vom Holger rein.

Holger: Ob Schlagzeug-Produktionen wirklich notwendig sind kann ich wahrscheinlich aus meiner Sicht gar nicht so klar beurteilen, weil ich damit weniger zu tun habe. Es ist halt die Frage, was man damit erreichen will. Schlagzeug-Produktion heißt ja auch, Samples zu benutzen, ”Klötzchen” zu schieben, am Computer irgendwelche Spiele Ungenauigkeiten auszugleichen, Samples nur zu nehmen - gar nicht mehr. Natürlich ist Schlagzeug ist eine Riesenbrandbreite, wo ich von hoch begeistert zu naserümpfend vielleicht ein Statement geben kann. Aber halt aus dem Jazz-Bereich, mit dem ich sehr viel zu tun habe, kann ich sagen, ob jetzt auch bei Rock-Live-Mitschnitten oder einer Big Band oder eines Jazz-Trios Live Musik, auch beim Schlagzeug, ist immer noch das A und O. Alles andere ergibt sich aus der Aufgabe, die man hat. Und aus dem Ziel, was man machen muss und dann ist das natürlich auch sicherlich legitim das Schlagzeug als eigenständige Produktion zu beurteilen.

Marcel: Sehr schöne Antwort von Holger und ja, lass uns darauf kurz mal darauf eingehen. Denis, Thema Flex. Thema Programming. Thema Rumschieben - “Klötzchen” rumschieben, hat er es gerade genannt. Wo wird das gemacht? Wann sollte es gemacht werden? Was denkst du?

Denis: Wie eigentlich auch schon gesagt, von Fall zu Fall unterschiedlich. Also das habe ich ja auch ganz oft erlebt, dass man sagt, wir brauchen das so natürlich wie möglich. Es ist vielleicht mal angesagt, dass es “late back”sein muss.

Marcel: Versuch mal ein Statement zu machen. Versuch mal wirklich ein Beispiel zu bringen. Wo brauchst du “Flex”? Und wo brauchst du “Flex” zum beispielsweise nicht.

Markus: Ihr müsst erklären, was “Flex” bedeutet, nur weil wir das immer sagen: also “quantisiertes” Schlagzeug.

Marcel: Entschuldigung, ja.

Markus: “Flex” ist ja einfach nur eine Bezeichnung von der DAW Logic.

Marcel: Ich gehe immer davon aus, dass ich die Fachbegriffe nicht kenne und deswegen denke ich, dass alle Hörer und alle, die mitmachen die Fachbegriffe kennen.

Markus: Kann sein, aber “Flex” ist einfach nur eine Bezeichnung von Logic und in Pro Tools oder in Cubase heißt es ja immer wieder anders. Aber wir meinen halt das Quantisieren von Live-Drums.

Denis: Also ein ganz gutes Beispiel ist, wo auf jeden Fall “Flex” oder andere Quantisier - Geschichten nicht benutzt werden. Das ist Musik, die wirklich davon lebt, dass das quasi Live klingt und dreckig klingt und manchmal ist halt ein Schlag einfach mal so ein bisschen daneben. Zu 100 % wird dort kein “Flex” benutzt, weil es die Musik einfach nicht braucht. Aber es kann manchmal sein, dass man es wirklich zu 100% “tight” haben will, bei einem Song, und das ist ja auch das Schöne, beim Flexen kann man ja einstellen lassen, das es jetzt nicht 100 % flext und alles klingt nach programmierten Drums, sondern es gibt die Abstufung, dass du es halt leicht verschieben kannst, wenn hier und da es nicht zu 100 % mega “tight” gespielt ist. Aber der Take zum Beispiel, das ist ja so ein Fall - der Take alles war super geil, alle sind mega zufrieden vom Feeling her einfach. Und dann passt es.

Markus: Ich wollte gerade das Beispiel geben. Oft wäre sowas auch klassisch früher mit einem Editing möglich gewesen oder man hätte es früher so gelöst, als es noch nicht so cool funktionierte. ”Multi-Channel-Quantisieren” zumal, das ist einfach seit Jahren kein Thema mehr in den DAW’s. Früher hätte man vielleicht, wenn eine Snare nicht ganz sauber auf der Zählzeit war, dann hat man es einfach von irgendwo anders genommen und hat es dann dahin kopiert. Heute macht man da einfach “Flex” und zieht vielleicht diese Snare dann über alle Spuren “gerade”.

Marcel: Und auch wieder eine Budgetsache.

Markus: Aber es ist halt auch ein Range. Also es gibt eben auch eine Range. Das hat Holger so schön gesagt. Es ist alles möglich. Also, von “ich tacker das jetzt auf alle Zählzeiten” - dieses komplette Feeling ist weg, bis zu „wir ziehen hier mal was“.

Denis: Natürlich ist das für einen Schlagzeuger, der würde am liebsten eine Woche lang die ganze Zeit nur irgendwie einen Song - bis der beste Take rauskommt - spielen. Das würden die anderen wahrscheinlich auch unterschreiben, aber “Time is running” manchmal auch.

Marcel: So wie hier auch. Und deswegen hören wir uns hier mal Philip Coenens Statement zu dieser Sache an.

Philip: Ja ich meine, wenn die Frage so gestellt ist, dann muss man natürlich Nein sagen. Man kann sich immer etwas konstruieren, wo echtes Schlagzeug aufnehmen nicht notwendig ist, aber man kann sich auch fragen, ob eine frisch zubereitete Pizza immer notwendig ist, wenn man stattdessen eine günstige Tiefkühlpizza in den Ofen schmeißen kann. Also ich esse lieber frische Pizza!

Marcel: Sagt Philip Coenen zu diesem Thema. Mal deutlich angeknüpft an unsere Philosophie: “Wertschätzung und Handgemacht”. Wir mögen auch frische Pizza. Am liebsten mit Pilzen darauf. Ja, das war so ein bisschen unser Interview-Teil, war super spannend eure Sichtweisen zu hören. Viele von euch waren sich in manchen Punkten einig. Es gibt aber auch ganz deutliche Unterschiede, die dann super oft irgendwie mit dem Zweck oder dem Budget oder sonst irgendwas zu begründen sind. Uns ist natürlich beim Stellen dieser Fragen auch klar, dass wir über ein Thema reden, was größer nicht sein könnte. Es ist einfach wahnsinnig komplex diese ganze Angelegenheit Musikproduktion. Viele, die sich mit dem Thema intensiv beschäftigen, wissen sicherlich auch, eine gute Produktion immer zu schätzen. Wie wir uns dann irgendwie eine Platte von Dave Weckl anhören und einfach stundenlang im Auto darüber abgehen und uns darüber freuen und finden das sicherlich auch hier und da mal ein bisschen schade, dass diese Kultur klein-bisschen verloren geht.

Diskurs, Konsens - was können wir zusammenfassend sagen, Markus? Was haust du raus zu dieser Folge?

Markus: Genau, ich glaube, dass für uns drei das extrem wichtig ist das hochzuhalten und dass das für uns, eben dem Schlagzeug aufnehmen so viel Beachtung schenken, ganz wichtig ist. Denn das ist ein großer Bestandteil unserer Produktionsqualität. Ich für meinen Teil finde das auch total schön, weil, würden wir sowas nicht aufnehmen, also würden wir das alles nur aus der “Dose” nehmen oder würden wir das nur programmieren, dann kann man ja auch so einen Studiobau komplett infrage stellen und könnten uns eigentlich vor den Laptop setzen. Jetzt ganz läppisch gesagt. Ich finde es gut, dass wir das hochhalten und mir macht das unheimlich viel Spaß, in unserem Setting mit Denis sowas halt zusammen zu erarbeiten und ich kann das nur jedem empfehlen, traut euch daran, egal auf welchem Niveau - es wird euch weiterbringen, sowohl musikalisch als auch technisch. Traut euch. Macht das! Live-Drums.

Denis: Ja, ich möchte abschließend einfach erstmal eigentlich nur ein Dankeschön sagen - an die Kollegen, die ich sehr schätze und ich habe mich sehr gefreut über deren Antworten und deren Mühe, die sie sich gemacht haben und das ich mich da einreihen darf. Ist einfach eine wunderbare Sache. Es ist einfach schön, hier in diesem Kontext miteinander gesprochen zu haben.

Marcel: Sagt Denis Sarp mit großer Dankbarkeit - das sehen wir wohl alle drei so. Drums sind was Tolles. Traut euch an Live-Drums ran. Das war’s von „Reingetackert!“. Was denkt ihr, liebe Hörerinnen und Hörer über Drum-Producing? Was sind eure Erfahrungen? Habt ihr Homerecording, arbeitet ihr professionell? Schreibt uns bitte Kommentare zum Artikel oder zum Podcast. Wir freuen uns über jedes Feedback. Und auch wenn ihr Fragen habt, Kritik oder Anmerkungen - die ist herzlich willkommen.

Markus: Und damit kommen wir wieder zu unserem obligatorischen Ende, nämlich: 

Alle: Reingetackert!

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