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"Gitarren und Eier!" mit Felix Tersteegen [009]

INHALT

In Folge Nummer 9 haben wir uns zu einer Live-Konferenz mit einem Gast zusammengefunden, der sich hervorragend mit Gitarren und deren Produktion auskennt. Felix Tersteegen! Ein absoluter “Crack”, der neben seinen Fähigkeiten am Instrument auch über technisches Know-How verfügt und sogar selbst an Effekt-Pedalen schraubt.

Aber was der studierte Gitarrist am meisten liebt ist, wenn man “einfach mal in die Gitarre reinlangt” ;) Und das tut er mit Überzeugung in seinen Projekten und in seinem Homestudio. Und wir Drei hören uns das gerne an, ihr auch? Auf gehts!


SHOWNOTES


TRANSKRIPT

Markus: Hallo und herzlich willkommen zum Audio-Podcast des „rurtonproducing“-Teams. Heute geht es mal nur um Gitarren - das wird auch den Marcel hier in der Runde freuen. Hallo Marcel!

Marcel: Hi Markus. Ich grüße dich.

Markus: Und nicht zu vergessen, natürlich auch hier wieder in der Runde: unser Denis!

Denis: Hey Leute, ich freue mich!

Marcel: Unseren Podcast könnt ihr unterstützen, und zwar könnt ihr uns helfen, besser sichtbar zu sein. Das ist sehr wichtig für uns, indem ihr uns bei iTunes ein Abo gebt oder eine Bewertung schreibt. Das hilft und freut uns auf jeden Fall sehr. Vielen Dank dafür!

Denis: Du kannst dir sicherlich vorstellen, auch so ein Podcast kostet Zeit und Geld. Du kannst uns gerne unterstützen, wie folgt unter: PayPal - Betreff: Reingetackert! - an den Account: rurton@paypal.de. An dieser Stelle möchten wir uns auch sehr herzlich bei den Unterstützern, die wir bereits haben, bedanken. Vielen Dank!

Markus: In den Shownotes findest du auch heute wieder alle wichtigen Infos unserer Folge, unseren Live-Gästen und anderen Sachen, die wir erwähnen. Schau einfach mal rein.

Marcel: Heute geht es um die Gitarre. Ich habe ganz spontan einen ganz tollen Interview-Gast hier, nämlich Felix Tersteegen, den wir euch gleich mal vorstellen. Gitarre ist natürlich das wichtigste Instrument überhaupt. Drum reden wir auch mal etwas länger und ausgedehnter darüber. Was Felix nicht weiß, das habe ich ihm verschwiegen, dass es das erste Mal ist, das ein Live-Gast bei uns im Podcast ist. Deswegen probieren wir das mal heute aus. Wir hatten allerdings natürlich schon Gäste hier - haben das bisher aber durch Corona-Zeiten noch technisch ein bisschen anders gelöst. Wir hatten die Interview-Fragen immer geschickt und die Gäste haben uns die Antworten zu gesendet. Heute also alles mal ein bisschen flexibler und hoffentlich etwas “fluffiger” für euch. Felix Tersteegen: Gitarrist, schraubt gerne an Pedalen und Amps rum, ist “Arnheim-Conservatorium”-Absolvent. Da haben sich irgendwie über diesen Dunstkreis unsere Wege ein paar Mal gekreuzt. Denis kennt Felix auch. Dann haben wir uns auf Festivals und Shows getroffen. Früher mit seiner Band „Hands on Deck“ mit Karo Fruhner und haben dann mit „Die Versenker“ zusammen auf Festivals gespielt. Aktuell spielt er bei „Haynrich“ - sehr cooles Projekt, zeigen wir euch gleich nochmal - und in der 70er / 80er Coverband, auch mit Karo, mit dem Arbeitstitel „Deep Purples”. Hi Felix, wir grüßen dich aus dem „rurtonstudio!“ Wie geht’s dir?

Felix: Ich grüße euch. Mir geht es gut. Mir geht es tatsächlich sehr gut. Ich kann auch noch kurz eine schöne Nachricht verkünden, ich bin nämlich vor 7 Wochen Papa geworden. Das hält natürlich sehr auf Trab hier zu Hause! Und ich sage mal, der Lockdown ist für uns so ein bisschen „Glück im Unglück“ - man hat viel Zeit zusammen!

Marcel: Ja das ist schön. Wir haben uns ja schon ein bisschen ausgetauscht, sowieso gerade das bestimmende Thema in der ganzen Branche. Heute wollen wir mal ins „Recording und Producing“ von Gitarren reinhören. Alles ist willkommen in diesem Talk. Wir fangen einfach mal ganz allgemein mit der Frage an: Welche Erfahrungen hat Felix Tersteegen eigentlich beim Recording im Studio mit Gitarren gemacht?

Felix: Also, Recording von Gitarren im Studio ist ja einfach das Riesen-Thema, finde ich, weil man so viele Möglichkeiten hat. Man kann Gitarren direkt einspielen, man hat coole Amps zur Auswahl, verschiedene Gitarren - ich finde, das fängt in den Fingern an und hört in der letzten Stelle beim Mikrofon oder beim Preamp letztendlich auf. Da kann man so viel schrauben und so viel ausprobieren. Das ist natürlich für Leute, die sehr viel experimentieren wollen, besonders schön. Ich bin so jemand - ich mag das sehr gerne. Das sind schöne Erfahrungen, die man da machen kann, finde ich.

Marcel: Und du hast wahrscheinlich auch einige davon für heute mitgebracht. Ich glaube ein paar Studiosessions hat der Junge schon auf dem Buckel. Wie ist das - einfach mal so von Gitarrist zu Gitarrist: spielst du meistens in der Regie oder bist du noch so “oldschool” wie früher: Kopfhörer im Raum mit einem Amp, der einen anbrüllt?

Felix: Es kommt natürlich darauf an. Wenn man wirklich einen lauten Verstärker spielen möchte, dann im Aufnahmeraum zustehen, ist natürlich immer eine Herausforderung. Man möchte natürlich das pure Erlebnis haben: direkt auf die Ohren - das geht natürlich nicht ohne Kopfhörer. Natürlich für solche Sachen wie Interaktion mit dem Lautsprecher geht das nicht anders, finde ich. Also für Feedback-Sachen oder coole Slide. Die interagieren ja mit den Lautsprechern sehr schön dann. Da geht es natürlich nicht anders. Aber ich würde schon sagen, dass ich tendenziell lieber in einer Regie spiele. Ich finde der Amp hört sich natürlich letzten Endes, durch die ganze Kette an Geräten auf den Studiolautsprechern, immer anders an, als im Aufnahmeraum direkt 5 Meter von den Lautsprechern entfernt.

Marcel: Du hast ja auch nochmal dann auch ein ganz anderes ausgewogeneres Klangbild. Ich erinnere mich noch daran: „Versenker“-Produktion mit Jon Caffery - Amp aufgeknallt bis zum geht nicht mehr und du stehst da mit geschlossenen Kopfhörern da drin.

Markus: Hast aber keine Chance.

Marcel: Genau, du hast keine Chance, du wirst trotzdem weggeballert.

Markus: Aber das hattest du auch bei Jon in der Produktion auch in der Regie nicht!

Marcel: Stimmt.

Markus: Da war es auch laut. Ich erinnere mich daran, dass die Genelecs, und man muss dazu sagen wenn man das noch nicht gesehen hat, das sind relativ große Wandeinbaulautsprecher - 12 Zoll. Und die haben geclippt - während des Recordings. Habe ich seitdem auch nicht mehr gesehen. Und er saß ganz entspannt davor und hat abgehört.

Marcel: Felix, das war wirklich interessant. Der hat auch Overdubs dermaßen laut durch die Mitte gehört. Der fing gar nicht an irgendwie schon so Klangbild zu bauen oder zu gucken, für den war erst einmal wichtig „Ok, du spielst eine Bratgitarre, alles klar - dann machen wir jetzt drei Bratgitarren und gucken mal, wie es geht.“

Denis: Sein legendärer Satz, der auch immer wieder hier unter „rurton-Land“ fällt ist: „Ich muss das hören!“

Felix: Also zum Thema Lautstärke habe ich natürlich auch den ultimativen Tipp für jeden Gitarristen: Wenn man irgendwann mal einen “100-Watt-Plexi Marshal”l auf “10” spielen möchte, dann sollte man das unbedingt tun, weil das ist nicht nur laut, ich finde, das zerstört einen quasi. Aber es ist ein unglaubliches Erlebnis. Es ist ein Gefühl von Macht!

Marcel: Es ist wie ein Laserschwert in der Hand halten oder so was.

Felix: Ja, die dunkle Seite ist das quasi.

Marcel: So, bevor jetzt zu viele Männer-Vergleiche kommen...

Markus: Ja gut, aber du hast eben gesagt, du kannst das total gut nachvollziehen, im Aufnahmeraum aufzunehmen - klar, vor allem wenn du mit einer Band spielst oder schön zusammen einspielen willst, kommt ja fast nichts drum herum irgendwie im Aufnahmeraum zu stehen.

Felix: Vor allem, weil man da natürlich die Nuancen viel besser hört. Man hängt ja mit dem Ohr auch nicht direkt 5 cm vom Lautsprecher entfernt. Deswegen klingt es natürlich ganz anders als im Raum.

Denis: Ja cool. Felix, ganz kurz was: Welche Richtung spielst du denn am liebsten oder was ist dein Ding und darüber hinaus, was ist dann auch das wichtigste für dich beim Gitarren-Recording?

Felix: Ok, also erstmal was so mein Ding ist: Ich bin eigentlich auch so ein totaler Typ, der aus dem Punk-Rock kommt - aus den 90ern. Ich feiere das alles noch megamäßig und finde, dass es immer noch zu wenig Bands auf diesem Genre gibt. Das ist sehr schade. Ich habe tatsächlich mit einer meiner Bands früher mal Support von ”No use for a name” gespielt. Das war sagenhaft und wir haben natürlich direkt bei dem ersten Akkord alle verkackt.

Denis: So muss das sein für eine Punkband!

Marcel: Aber, moment mal, das macht ”No use for a name” ja auch.

Felix: Hat mich übrigens sehr getroffen, dass der Tony Sly gestorben ist. Ist ja schon ein paar Jahre her, glaube ich. Das ist glaube ich eigentlich immer noch so ein bisschen meine… Ich höre das auch im Auto immer noch gerne.

Marcel: Das ist interessant.

Felix: So alte NOFX Platte rein und laut und geil einfach nur.

Denis: Das ist echt interessant.

Marcel: Weil dann haben wir auch so in der ähnlichen Region rum gebuhlt damals. Ich hatte so eine Punk-Hardcore-Band: „Pencilcase“. Wir hatten damals auch immer Support-Shows für derlei Bands gespielt.

Felix: Ja, das war damals ja einfacher noch!

Marcel: “Myspace-Zeit”, Bands haben sich sehr unterstützt und haben sich ja gegenseitig auf Tourneen eingeladen.

Markus: Es gab solche Bands noch. Sowas wird ja weniger oder gibt es gar nicht mehr.

Felix: Das ist immer noch so eine Leidenschaft von mir und da finde ich nicht viele Gleichgesinnte, habe ich manchmal den Eindruck. Ich kenne auch viele Drummer, die sind sich auch zu fein, mal so einen Off-Beat-Groove zu spielen.

Marcel: Ich glaube, der Felix muss was näher zum „rurtonstudio“ ziehen.

Denis: Genau, also du bist hier herzlich willkommen!

Marcel: Was ist denn los in Oberhausen?

Felix: Aber, nach wie vor, ich steh auch unglaublich auf Classic-Rock. Ich stehe unglaublich auf AC/DC. Auch diese ganzen 70er Jahre Hardrock-Bands wie Led Zeppelin, das finde ich mega gut. Ich sammle auch Schallplatten, da habe ich ganz viele Sachen, die ich sehr groß finde. Ich sag mal, natürlich kommt man da nicht drum rum, wenn man Gitarre studieren will, dass man da so ein bisschen mit Jazz in Berührung kommen muss. In der Jazz-Ecke bin ich Richtung Blues eher so unterwegs. Ich stehe eher auf Robben Ford oder solche Sachen halt. Diese ganzen 80er Jahre Blues- und Fusion-Gitarristen auch. Das mag ich sehr gerne. Das ist auch ein Einfluss, den ich habe, würde ich sagen.

Denis: Ja cool. Nochmal auf die Eingangsfrage kurz zurückgekommen: Ist das dann auch so, dass du beim Gitarren-Recording deine Sachen oder deine Stile da sozusagen „durchsetzt“ oder gibt es dann auch einfach andere Sachen, die du dann machen musst?

Felix: Natürlich muss man sich immer Songdienlich verhalten, sage ich mal. Aber wenn ich jetzt natürlich Songs schreibe, dann fällt mir das natürlich, in dem Hintergrund wo ich halt herkomme, schon einfacher. Ich glaube, ich kann das auch besser in Studiosessions beisteuern, würde ich fast sagen. Ich könnte jetzt mal irgendwie Funky spielen, aber das gibt mir jetzt auch nicht so viel, wie etwas, wo man Vollgas geben kann. Das gibt mir mehr.

Marcel: Felix, wenn du es ganz plakativ für unsere HörerInnen ausdrücken würdest - da mussten auch die Drummer und Bassisten durch - was ist das Wichtigste? Ein Wort. Was ist das Allerwichtigste beim Gitarren-Recording?

Felix: Eier! Ich finde tatsächlich, es gibt unglaublich viele Gitarristen, die die Gitarre streicheln. Eigentlich finde ich, braucht so ein geiler Amp auch wirklich Eier. Und das kriegt man echt nur hin, indem man reinlangt, finde ich.

Markus: Sehr gut.

Marcel: Wir mussten gerade so lachen, weil wir eben noch beim Soundcheck so ein Bundesliga-Tor gefaked haben und da haben wir Bundesliga-Charaktere gefaked - Lothar Matthäus, Franz Beckenbauer und dann kam natürlich Oli Kahn. „Wir brauchen Eier!“

Denis: Das passt gerade natürlich wie die Faust aufs Auge.

Markus: Da höre ich natürlich auch schon raus, wir haben im Vorgespräch mal angeklopft, wir sind ja hier oft aus Zeitgründen oder wir haben so dahin entwickelt, dass wir bei eigenen Produktionen tatsächlich viel mit dem Kemper arbeiten - den haben wir, glaube ich, schon vier/fünf Jahre, relativ schon zu Anfangsstunden angeschafft. Wo wir noch am Anfang viel mit Amps aufgenommen haben, haben wir festgestellt, wir bräuchten eine riesen Armada an Amps um halt verschiedene Styles bedienen zu können, war das irgendwie für uns wirtschaftlich und platzmäßig das Sinnvollste. Trotzdem mit dem Hintergedanken, wir sind uns dessen bewusst, dass natürlich ein paar coole Amps, die optimiert sind, zu den Speaker natürlich das Coolste sind. Da habe ich doch schon bei dir so ein bisschen was rausgehört gerade eben. Wie stehst du dazu? Erzähl doch mal.

Felix: Also erstmal: Kemper ist natürlich eine super Erfindung und ich denke, das ist für Leute, die viel auf Tour sind und viele verschiedene Sounds direkt, kompakt auf Abruf haben wollen, genial. Auch, dass man die Möglichkeit hat, seine eigenen Amps da zu „kempern“ und halbwegs mit dem Speaker direkt auf dem Ohr zu haben für viele In-Ear-Spieler ist das ja sicherlich auch die einfachste Lösung. Ich persönlich bin da eher so ein Vintage-Typ, da ich ja auch selber so ein bisschen rumschraube und eigentlich immer auf der Suche bin. Wenn ich das Gefühl habe, gerade den einen Sound gefunden zu haben, dann muss ich schon wieder gucken, was ich alles brauche und dann muss das noch optimiert werden. Finde ich natürlich das spannender. Ich drehe lieber an einem Knopf, an einem Gerät, wo das nach Elektro riecht irgendwie, als an so einem Computer!

Denis: Ich nenne das immer „die alten Haptiker“.

Markus: Genau, ich kann das verstehen, weil, ich bin jetzt nicht der Gitarrist, ich bin hier der Tontechniker und mir geht das genauso mit Outboard und Pult. Also dessen bewusst, dass viel in der DAW geht, viel mit Plug-ins, wenn nicht beim Mischen sogar alles möglich ist damit - beim Recording würde ich das noch nicht so unterschreiben, aber das ist eine eigene Folge - kann ich aber halt total nachvollziehen, weil mir geht das auch so, einen 1176 im Rack zu drehen, macht mir einfach mehr Spaß, als Potis auf dem Display zu schieben. Da brauchen wir noch gar nicht über den Sound zu reden, es ist erstmal nur ein besseres Gefühl beim Mischen und beim Arbeiten. Kann ich voll nachvollziehen!

Felix: Im Studio hat man natürlich schon die Möglichkeit diese Amp-Armada aufzubauen, ist ja irgendwie auch geil, wenn man da so Fotos von hat, ist schon cool finde ich. Das ist aber natürlich viel mehr Arbeit, welchen Amp nimmt man jetzt, welchen Speaker und welches Mikrofon nimmt man, nochmal Mikrofonposition checken und all das ist natürlich viel mehr Arbeit, als Kemper rein, zweimal klicken - fertig. Aber ich finde, das macht für mich eigentlich auch den Reiz aus beim Aufnehmen. Einfach zu schrauben, sage ich mal. Zu gucken, was da überhaupt passiert. Wir nehmen jetzt einfach mal einen anderen Lautsprecher. Weil, das ist ja auch der Punkt. Viele Gitarristen kaufen sich den mega Amp oder haben das früher gemacht und haben dann so eine, weiss ich nicht, Harley Benton Box für 100 € da drunter gestellt. Da ist natürlich klar, dass das irgendwie nicht geht. Man muss sich schon Gedanken machen, welchen Lautsprecher nimmt man für welchen Amp und welchen nicht. Was für einen Lautsprecher stecke ich an welchen Verstärker dran, weil das Lichtjahre Unterschied macht. Ich habe auch so einen kleinen Digital-Punkt: Ich finde zum Beispiel die Sachen von „Universal Audio“ ziemlich geil. Ich habe mir diese Ox Box, die sieht man ja auch hier, die habe ich mir damals geholt. Man hat auch nicht einfach 20 Lautsprecher zu Hause. Und auch nicht alte Lautsprecher. Und auch nicht Lautsprecher, die schon tausende Stunden gespielt wurden und das finde ich, kann man mit diesem Gerät sehr gut umsetzen und das ist für mich eigentlich so, das es das beste Tool mittlerweile ist, um richtige Röhren-Amps im Studio oder in der Studio Umgebung zu spielen. Man kann ja auch gleichzeitig noch einen Amp miken und dann noch dazu mischen. Das geht ja auch.

Markus: Das kenne ich tatsächlich jetzt nur in der Theorie - also ich habe davon gelesen und schon von gehört, aber habe es tatsächlich noch nicht in der Hand gehabt. Guter Tipp.

Marcel: Ich finde ja Kemper ist ja auch irgendwie so ein bisschen wie Netflix. Du kannst alles anklicken. Ich hatte darüber eine schöne Unterhaltung neulich, dass das auch diesen Effekt hat, dass es dich eigentlich so ein bisschen davon wegbewegt, wie du eigentlich klingst.

Felix: Genau und was noch geil ist, es gibt, zum Beispiel für mich, so viele Amps, mit denen man alles aufnehmen kann, finde ich. So ein “JCM 800” klingt auch einigermaßen gut, wenn man den einfach clean macht. Mit einem Pedal davor. Geht auch. Man kann auch mit einem Plexi, meiner Meinung nach, alles aufnehmen. Von Jazz bis Blues bis Funk bis Metal, wenn man einfach nur genug Booster davor macht, dann geht das auch, finde ich. Man muss nicht immer sagen, dass man das braucht. „Ich muss jetzt Jazz spielen, also muss ich jetzt unbedingt einen Fender Deluxe Reverb haben“ - das ist doch Quatsch! Das ist für mich ‘ne Ausrede.

Markus: Ja, das haut gerade genau in die Kerbe, was du gerade gesagt hast.

Marcel: Ich ertappe mich auch oft dabei, dass man dann denkt „Wir müssen jetzt so und so schichten mit den Amps“.

Markus: So “Sparten-Denken” ein bisschen.

Marcel: Ja genau. Das entwickelt sich dann, meiner Meinung nach, auch viel von deinem eigenen Sound und so ein bisschen manchmal weg. Du würdest ja gewisse Präferenzen wählen.

Felix: Genau. Man darf auch nicht vergessen: Es kommt natürlich auch auf die Gitarre an. Was für eine Gitarre steckt man in den Verstärker rein? Klingt alles anders.

Marcel: Richtig.

Markus: Und dann nochmal wie sie gespielt wird, Attitude, Finger, Plektrum, .... Und das ist auch nicht zu vernachlässigen.

Felix: Und auch welches Mike steht vor dem Speaker letztendlich.

Markus: Total. Ich kann mich an den Nachmittag erinnern, da war es tatsächlich so, dass ich gesagt habe „Komm, lass mal einen Kemper checken.“ Marcel war natürlich eher skeptisch - zurecht, damals auch, weil der Standard damals war fürchterlich, für mich die ganzen Avid, Line6,...-Sachen waren alles nur mäßig. Das war halt immer cool, wenn du das alleine gehört hast. Dann dachtest du dir „super Sound“. Hast es irgendwie in die Produktion reingebracht oder später in den Mix, das hat nicht mehr funktioniert. Nie! Und da ist ein Kemper für mich zum ersten Mal anders. Weißt du noch, so ein Nachmittag bei uns damals? Wir haben Marcel’s Amp damals, was war das für einer?

Marcel: 140T irgendwas. Weißt du was ich meine? So ein dickes Schlachtschiff auf jeden Fall von Marshall.

Markus: Dann haben wir den aufwendig mikrofoniert und haben das auch schön über das Pult komprimiert und Marcel hatte halt die Haltung „Ich höre das.“ Und dann haben wir den halt ge-kempert und dann haben wir wirklich so Blindtest-mäßig hat Marcel an dem Pult gesessen, also in der Regie, und er hat dann gespielt. Wir sind dann an den Punkt gekommen, dass wir beide nicht mehr wussten, was wir jetzt hören. Hören wir jetzt das Originale oder…? Ich rede natürlich auch nicht nur vom Amp, sondern mehrere Mikrofone, Raummikrofone, komprimiert, eqed, so, wie wir es haben wollten. Das war so, dass konnte man dann so hin und her schalten. Was man natürlich auch sagen muss, es ist immer nur der Moment. Also, dieser Sound dann. Eigentlich müsstest du für den Amp dann halt 50 Sounds machen.

Marcel: Oder 500.

Markus: Genau, es ist halt der eine Punkt, vielleicht, was du gerade cool findest, wie du sagst, in dem Amp. Ein Monat später findest du wieder was anderes cool an dem Amp. Das verstehe ich total.

Felix: Was natürlich eine super Alternative ist, ist für mich, diese Firma von dem Thomas Blug. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt „Bluguitar“. Da gibt es diesen Amp1. Das ist für mich so schon eigentlich eher das, was ich machen würde, wenn ich jetzt Platz bräuchte oder sagen wir mal wenig transportieren möchte.

Markus: Erzähl mal was dazu.

Felix: Amp1 heißt das Ding, das ist tierisch gut, finde ich. Also ich kenne auch ziemlich viele Leute, die das benutzen. Das ist im Prinzip eigentlich ein Verstärker, der auf einer Nanoröhre basiert. Aber ich kenne mich da jetzt auch nicht genau aus. Der Typ ist einfach geil, der Thomas Blug. Der ist auch ein mega Gitarrist und der hat das halt selber entwickelt. Der geht da überall hin und macht Promo ohne Ende, stellt das Ding überall vor und das ist einfach eine unglaublich gute Erfindung. Ich glaube, der arbeitet gerade an so etwas, wie, ich sag jetzt mal Kemper, aber nicht auf digitaler Ebene, sondern Analog.

Marcel: Da bin ich aber echt gespannt darauf.

Felix: MX heißt das glaube ich. Das soll, glaube ich, sogar noch dieses Jahr rauskommen und da bin ich echt gespannt.

Denis: Ja cool Felix. Jetzt haben wir schon einiges über dein Style und über deine Vorgehensweise gehört, vielleicht hören wir mal in ein Soundbeispiel rein.

Marcel: Ja können wir machen. Zum Thema „Gitarren-Arranging“. Felix hat ein paar Schnipsel geschickt: „Durch die Nacht - Haynrich“.

[MUSIK]

Marcel: Super schön. Kannst du dazu was sagen? Arranging-mäßig?

Felix: Ja sicher. Die Aufnahme ist schon ein bisschen älter - 2018 haben wir das Album gemacht. Ich habe das ganze Album - jetzt kommt auch der Punkt, den wir gerade hatten, man braucht mehrere Amps, braucht man nicht, denn ich habe das ganze Album mit diesem Verstärker gespielt. [Zeigt auf einen Verstärker im Hintergrund.]

Marcel: Da haben wir es wieder.

Felix: Ballade bis „Richtig auf’s Maul“ - alles. Der Song jetzt gerade ist einfach nur der Amp, alles auf 10, Tubescreamer davor - fertig, das war’s.

Denis: Sag nochmal, was das für ein Amp ist.

Felix: Den habe ich selber gebaut. Es gab früher, ich glaube 1965, gab es von Marshall so ein Übungs-Amp, das war so ein “18-Watt-Plexi”. Das haben die damals als Übungs-Amp deklariert, weil keiner konnte zu Hause seinen 100 Watt-Marshall auf 10 stellen. Das ging nicht.

Marcel: Full Stack, natürlich im Wohnzimmer.

Felix: Das war damals ein Combo, der hatte damals so ‘nen eingebauten Tremolo noch - Marshall 18 Watt Tremolo - dieser Verstärker sind übrigens heutzutage unbezahlbar. Die kriegt man nicht mehr. Die sind natürlich heute, 18 Watt, genau die richtige Lautstärke für: wenn der Drummer ausgeschlafen hat und die Snare knallt gut - dann ist der Amp genau richtig laut, sage ich mal. Natürlich jetzt nicht der optimalste Amp für Clean Headroom, besonders lauter Clean-Sound, nein. Der schmatzt immer ein bisschen, auch wenn du ihn laut machst, aber ist eigentlich für mich so der perfekte Paddle-Amp. Also die beste Paddle Plattform überhaupt, finde ich. Und ich habe den damals gebaut und es gibt so eine ziemlich große Community im Internet “18watt.com“ heißt die, das ist eine Modding-Community. Da gibt es alles Mögliche, Schaltpläne usw. Man kriegt auch Bausätze von den Verstärkern überall und so. Und den gibt es umgebaut, also nicht mit Tremolo-Einheit, sondern wir haben den Tremolo ausgebaut und dann mit Tremolo Base davor - mit einer Klangregelung rein und das macht den Amp halt viel flexibler. Ich habe den halt gebaut mit einem echten 1965er Ausgangsübertrager, den hatte ich ergattern können und nur deswegen habe ich den Verstärker haben wollen. Der Ausgangsübertrager macht natürlich auch sehr viel am Sound.

Markus: Das heißt, ein Übertrager war zuerst da und dann kam die Bauidee.

Felix: Genau. Alles andere drum herum. Das finde ich witzig. Die Holzverarbeitung, das kann ich nicht. Da kaufe ich mir so ein fertiges Ding. Da habe ich auch keine Geduld für.

Marcel: Interessant.

Felix: Aber das ganze Album ist mit dem Verstärker gespielt. Ich habe mir so einen IsoCab für zu Hause, das ist ganz praktisch. Da kann ich dann verschiedene Lautsprecher reinhängen, zwei Mikrofone rein, fertig! So habe ich das gemacht mit dem IsoCab. Ich glaube, das ganze Album ist auch mit einem Greenback Lautsprecher gespielt. Der Song ist dann Strat in den Amp mit einem Tubescreamer davor - das war’s!

Denis: Also wirklich auch zu Hause aufgenommen?

Felix: Ich habe das hier in meinem Home Studio gemacht, die ganzen Gitarren. Und ich habe so einen kleinen Neve Preamp hier, nicht so einen originalen, sondern von … habe ich jetzt vergessen. Habe ich mal nachgebaut. Es gibt im Internet so eine Seite, die heisst „soundskulpter“, da kannst du so Sachen zusammenlöten und fertig. Ich hatte damals noch nicht so ein cooles Interface, einfach in so ein Focusrite-Teil, fertig!

Marcel: Das erübrigt so ein bisschen die nächste Frage, die übrigens hier auch über unsere Social-Kanäle reingeflattert ist, weil da kam eine Frage zum „Arranging im stillen Kämmerlein“, das heißt also, du brütest da schon in Ruhe drüber und experimentierst mit den Overdubs und sowas rum und was du da noch so machst.

Felix: Natürlich.

Marcel: Ist ja ganz spannend. Manchmal hast du da ja auch einen Produzenten dasitzen oder machst es ein bisschen „on the fly“ - das passiert bei mir oft. Manchmal hast du gar nicht so viel Zeit und mal gucken was passiert. Aber du bist da schon eher so sehr akribisch und mit viel Ruhe zu Werke bei dir?

Felix: Auf jeden Fall. Natürlich ist das auch total geil, dass man heutzutage mit einem Laptop ein Album machen kann. Das ist natürlich super gut. Überall theoretisch. Aber, wenn zum Beispiel - das war bei uns mit dem Songwriting ein bisschen kompliziert, wir hatten erst irgendwie das Schlagzeug aufgenommen, hatten dann auch den Bass schon aufgenommen und haben dann noch mal irgendwie die Gitarren komplett verändert und da mussten wir wieder alles schnipseln und so, weil wir einfach nicht zufrieden waren mit dem Song an sich oder weil die Songs auch teilweise noch nicht fertig waren. Das war ein ziemlich abenteuerlicher Entstehungsprozess von diesem Album. Aber es hat ziemlich gut funktioniert letztendlich. Dieser Song ist dann echt gut geworden, finde ich. Ist auch eigentlich mein favourite Song auf dem ganzen Album.

Markus: Das heißt, damals habt ihr jeder für sich quasi recorded oder seid ihr schon zusammen gestartet am Anfang irgendwie?

Felix: Ja natürlich. Wir haben viel Vorproduktion gemacht und überlegt. Und dann haben wir die Drums aufgenommen. Ich glaube das ganze Album ist auch in einem Zeitabstand von einem Jahr entstanden. Wir haben Schlagzeug ganz am Anfang gemacht und die Gitarren ganz am Ende. Und dazwischen ist so viel verändert worden, dass wir letztendlich aber auch keine Lust hatten und keine Zeit dann nochmal das Schlagzeug neu aufzunehmen. Deswegen mussten wir irgendwie gucken, wie wir das jetzt cutten. Wenn ich jetzt heutzutage das nochmal machen würde, würde ich es vermeiden, dass so nochmal so aufzunehmen natürlich. Aber das ging jetzt nicht anders und ich finde das Ergebnis ist trotzdem ganz gut geworden. Nochmal zu der Frage vorhin: Ich finde das sehr wichtig, dass man sich da Zeit nimmt und auch mal für sich in Ruhe darüber nachdenkt. Ich finde, wenn da zu viele Leute drum herumstehen und werkeln, dann kommt man nicht weiter.

Marcel: Nein, du hast ja auch im Gegensatz zu Drums und Bass mehrere Ebenen, die du dir als Gitarrist überlegst. Das heißt, wenn du jetzt anfängst, weißt du vielleicht schon im Kopf, wo deine Komposition mal landet, aber das wissen leider halt alle drum herum noch nicht.

Felix: Das ist manchmal schwer den anderen zu erklären. Meistens muss man da schnell mal was aufnehmen, um das zu verdeutlichen - wie man sich das vorstellt.

Markus: Ich finde es übrigens super schön, was du in diesem Track auch arrangiert hast. Weil das fliegt auch schön. Das mag ich, wenn sich da so ein paar Harmonien miteinander schichten, die du jetzt nicht jeden Tag hörst.

Felix: Das Witzige beim Gitarrensolo: Das Gitarrensolo habe ich gespielt und dann habe ich das gleiche Gitarren-Solo, was ich eingespielt habe, geübt und habe das dann mit einem Octaver eine Oktave höher nochmal drüber gespielt. Man hört das so ne Idee raus. Man hätte es natürlich auch direkt mit einem Octaver zusammen spielen können, aber das hat irgendwie nicht so geklungen, wie es jetzt klingt.

Markus: So ein bisschen wie Dubs bei Vocals halt. Du hast dann wahrscheinlich Abweichungen, die es dann eben interessant machen.

Marcel: Wollen wir mal in den anderen Track von Haynrich reinhören kurz?

Felix: Ja gerne!

[MUSIK]

Marcel: Total lebendig alles! Auch vom Sound sehr lebendig.

Felix: Da ist aber auch noch ein Drumcomputer.

Denis: Ich wollte gerade sagen… na ja, eigentlich wollte ich es runterschlucken. Das habe ich natürlich sofort gehört. Sehr, sehr cool.

Felix: Zu dem Song muss man sagen, diese Corona-Zeit nutzen wir gerade, um eine neue EP zu machen. Und das ist ein Song davon. Wir sind da gerade am Aufnehmen. Wir haben schon die Drums recorded, aber die müssen noch geschoben werden so ein bisschen. Da meinte der Kai „Nimm mal lieber den Drum-Computer.“ Das ist ihm dann peinlich. Und der hatte keine Zeit das zu cutten, deswegen habe ich das einfach so genommen. Da sind die Vocals noch nicht recorded, aber die Gitarren sind fertig, der Bass ist fertig.

Marcel: Auch sehr cool. Ja, die Drummer mit ihrem “flexen”.

Markus: Danke, dass du uns da mal einen Einblick mitten in der Produktion gibst. War sehr cool.

Felix: Witzig bei dem Song ist natürlich - es geht immer nach Dur. „Was machen die denn da?“ “Die machen eine Modulation!”n

Marcel: Ja, das erinnert mich an unseren Song „Schrei“.

Denis: Oh ja, stimmt.

Marcel: Harmonisch sind sie sich sehr ähnlich. Das ist lustig. Finde ich auch extrem cool. So, jetzt gucken wir mal eine ganz andere Seite von dir rein. ”Dumble Clone” - du bist also Harry Potter Fan. Willst du kurz was dazu sagen?

Felix: Das ist ein Backing-Track einfach nur. Das ist ein Solo von einem Song und für mich ist das eins der geilsten Gitarren-Solos ever recorded quasi.

Marcel: Wenn du das so geil findest, dann sollten wir uns das mal anhören.

Felix: Aber ich habe das natürlich jetzt von mir gespielt. Original ist besser.

[MUSIK]

Marcel: Die letzten fünf Töne sind genau die, die ich immer hören will. Also ich muss dir mal ein Kompliment machen. Ich finde es ja immer schön, wenn Ton nicht nur durch Gain entsteht. Finde ich super cool.

Felix: Das finde ich auch. Ich spiele auch immer mit sehr wenig Gain!

Marcel: Der Markus kennt diesen Satz auch von 'nem Gitarristen. Der Gitarrist ist nicht ganz so gut wie du, aber…

Felix: Ich finde, wenn da zu viel Gain ist, dann matscht das so. Ich finde das auch immer komisch, wenn die Leute so mit ganz viel Gain spielen, dann denke ich mir immer so „Warum macht ihr das?“ - die können das doch auch ohne. Also, es tut dem Sound ja nicht immer Gutes. Klar, wenn man jetzt irgendwie Black Metal spielt. Natürlich - da kannst du nicht mit so einem Clean Ton da kommen. Das geht ja nicht.

Marcel: Nein, er muss einen gedämpften Ton Akkord auch 8 Sekunden lang sein.

Markus: Aber ich finde auch gerade bei Rhythmus-Sachen - dann wird es einfach sehr undefiniert schnell und dann groovt es auch nicht mehr. Das ist glaube ich auch das Problem. Reden wir oft drüber.

Marcel: Ja das stimmt. Verliert Impact und es kann natürlich auch was kaschieren.

Felix: Ich finde der Amp muss halt gut kompressen. Das ist wichtig. Das muss drücken. Und dann ist das egal, ob das viel Gain hat oder nicht. Wenn das drückt, dann ist das gut.

Marcel: Das ist schön, also ich bin auf jeden Fall mal gespannt. Normalerweise werden all unsere Gäste noch gefragt, was sie so für Erfahrungen mit dem „rurtonstudio“ haben - du hast leider noch keine, aber wir wollen auf jeden Fall eine mit dir machen!

Felix: Das würde mich freuen.

Marcel: Nach dieser Folge auf jeden Fall schon klar. Felix, wir haben noch eine Frage für dich.

Felix: Schieß los!

Denis: Wir haben jetzt so ein bisschen deine Philosophie mitbekommen und du baust also auch selber Amps und Pedale. Warum?

Felix: Warum? Das ist eine gute Frage! Ich sag mal bei Pedalen hat damals alles angefangen, weil, wenn du jetzt mal guckst, du schraubst einen Tubescreamer auf und dann denkt man sich „Wieso bezahlen die Leute dafür 200€?“ Da denkt man sich so „Sind die doof?“ Schraubst das auf und da sind Bauteile drin, die kosten, weiß ich nicht, ein Bruchteil davon. Es kostet nur so viel, weil der Name darauf steht. Oder halt, weil es ein Vintage-Ding ist - dann kann ich das verstehen, das ist aber eine andere Geschichte, finde ich. Aber das ist nicht die große Kunst, sag ich mal, sowas zu bauen und das ist wie Kochen eigentlich. Viele sagen, dass das schwer ist und das sie es nicht können, aber man muss ja einfach nur Sachen zusammen werfen. Und ob es dann schmeckt, guckt man dann.

Denis: Hast du denn auch zukünftig vor dann irgendwie sowas mal rauszuhauen oder machst du das nur so für dich?

Felix: Das weiß ich noch nicht. Das ist natürlich alles ziemlich viel Arbeit und vor allem jetzt bei Pedals ist das jetzt nicht so, aber bei Verstärkern. Und wenn man dann irgendwo einen Fehler hat, dann baut man das ganze Ding wieder auseinander, wieder zusammen. Dann hat man wieder einen Fehler und baut es wieder auseinander und so weiter. Das ist halt natürlich eine schwierige Kiste auch. Das ist nicht mal eben so gemacht. Deswegen kosten solche handgebauten Boutique Amps, sag ich mal, auch so viel Geld, weil da hat sich jemand Gedanken gemacht, hat vielleicht was Neues gemacht, was es noch nicht so gab und hat es dann zusammen aus eigener Hand, selber von irgendjemand gebaut, das ist einfach auch unfassbar viel Arbeit. Deswegen kostet das auch so viel Geld. Ob ich mich da irgendwann mal verwirklichen möchte, ich weiß es nicht - jetzt jedenfalls noch nicht, weil ich auch einfach nicht die Geduld und Lust hätte, auch wenn du jetzt zehn Amps bauen würdest, da habe ich keine Lust darauf. Wäre mir zu viel Arbeit. Sage ich ganz ehrlich.

Marcel: Ja, ich wollte gerade fragen. In unserem Vorgespräch hast du auch ein bisschen was darüber erzählt. Wo ist Felix Tersteegen in 20 Jahren? Was macht der?

Felix: Das ist eine gute Frage. Hoffentlich weiter. Man weiß es ja nicht. Was macht man mit, sagen wir mal, mit 50-60?

Marcel: Baust du dann Amps und Gitarristen rufen bei dir an und sagen „Ey du, kannst du das…?“

Felix: Ganz cool eigentlich. Vielleicht. Wäre cool. Vor allem, wenn man genug Leute kennt, die dann die Sachen so spielen. Das ist natürlich auch ein schönes Gefühl, kann ich mir vorstellen. Aber ich kann da jetzt noch nichts dazu sagen. Also ich würde jetzt nicht hingehen wollen und das nur noch machen. Ich will halt spielen und nicht bauen. Da habe ich keine Lust darauf.

Marcel: Verstehe ich.

Denis: Ok, dann noch eine kurze abschließende Frage von mir noch - aus dem Bauch heraus. Was ist geiler: Live oder Studio?

Felix: Live-Studio!

Marcel: Also „rurtonsession“.

Felix: Ja - Studio ist anders. Ich kann es nicht sagen. Also Live ist natürlich eigentlich geiler, für jeden „Mukker“, sage ich mal. Aber Studio befriedigt dann die experimentierfreudige Seite, sage ich mal. Also man braucht das Studio, meiner Meinung nach, um cool Live zu spielen, finde ich. Weil der Song entsteht nicht im Proberaum. Meiner Meinung nach finde ich es sehr schwierig für einen Song. Bands sagen „Wir treffen uns jetzt und wir schreiben jetzt einen Song.“ - das geht nicht, finde ich. Es funktioniert nicht. Ich finde Band-Musik ist keine Demokratie. Da muss einer sagen „Nein, wir machen das jetzt so.“ Sonst geht das nicht. Sonst diskutiert man da zu lange.

Denis: Übernimmst du auch gerne diese Rolle?

Felix: Ich sage mal was Arrangement-Songwriting angeht, mache ich das schon gerne. Aber ich habe jetzt auch kein Problem, mich da einfach mal irgendwo anzuschließen und einfach mal nur zu spielen. Das ist ein anderes Spielen dann, als wenn man immer nur hören muss, was man verändern könnte. Das ist dann was anderes, finde ich. Aber wenn man so sein eigenes Ding macht, dann habe ich da auch schon Lust darauf, so eine Rolle zu übernehmen. Aber mir macht es auch nichts aus, mich einfach nur anzuhängen.

Markus: Das ist interessant, weil wir auch oft darüber sprechen, dass es auch im Studio keine Demokratie gibt, weil du brauchst halt den Einen, der die Visionen hat. Ich rede jetzt von „Komplett“, also wo das halt hingehen soll. Selbst wenn du drei Kreative zusammen hast - die Richtung hat Einer und der muss die den anderen vielleicht vermitteln oder mit ihren Skills und ihrem Können dahin kommen, aber Einer muss den Hut aufhaben. Das ist in einer Studiosession, finde ich, genauso.

Felix: Das ist auch ein guter Produzent für mich. Jemand, der die Vision hat, aber trotzdem irgendwie aus jedem, der da mitwirkt, dann noch raus zu kitzeln und das ist auch nicht einfach. Sowas will ich nicht übernehmen. Das finde ich glaube ich anstrengend.

Marcel: Ist nicht immer dankbar, wahrscheinlich. Aber, sehr schön, wir bedanken uns bei Felix Tersteegen - nicht zu verwechseln mit…

Denis: Marc André. Ja ist klar - der Witz musste auch noch raus...

Felix: Der wird anders geschrieben.

Marcel: Es war wirklich eine große Freude. Jetzt hat uns quasi eine Krise wieder zusammengeführt. Wir hatten auch ein cooles Telefonat und einen sehr schönen Talk. Ich hoffe auch für „Homerecording“ bis „Studioproduzenten“ und „Gitarren-Freaks“ ist genug hinten über gefallen. Ich denke auf jeden Fall. Das “rurtonproducing”-Team sagt vielen Dank, Felix. Und damit wollen wir uns für diese Folge von dir verabschieden.

Markus: Ich habe noch eine Bitte an dich. Kannst du nochmal kurz raushauen, wo unsere Hörer dich finden können. Das heißt auf Facebook oder hast du eine eigene Homepage? Hau das doch mal gerade raus und dann verlinken wir das auch.

Felix: Ich hatte lange eine eigene Homepage, die ist tatsächlich gerade Offline. Ihr findet mich auf jeden Fall auf Facebook „Felix Tersteegen“. Mit „Haynrich“ findet ihr mich auch - also wenn ihr einfach auf Facebook oder Instagram „Haynrich“ guckt, da seht ihr wahrscheinlich auch Sachen von mir.

Markus: Ja cool. Dankeschön.

Marcel: Felix, vielen Dank!

Felix: Ich danke euch!

Denis: Du findest uns unter www.rurtonproducing.de, auf www.reingetackert.de oder auf Insta und Facebook über rurton.de.

Marcel: Wir sind immer offen für Anmerkungen, Kritik oder auch Ideen für unseren Podcast. Wenn du ein Thema hast - immer gerne her damit. Das kannst du uns gerne einfach über reingetackert@rurton.de zukommen lassen. Wir freuen uns, wie gesagt, über ein Abo oder Kommentare bei iTunes - die helfen unserer Sichtbarkeit sehr. Da sind wir wirklich sehr dankbar für.

Marcel: Wenn du uns unterstützen möchtest „rurton@paypal.de“ - auch hierzu findest du alle Infos in den Shownotes.

Markus: Dann bleibt es wieder mir übrig zu sagen: Vielen Dank auch heute wieder fürs Zuhören und jetzt heißt es wieder: 3…2…1…

Alle: Reingetackert!

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