Folge mir:
Switch to:

Heute gibt's Kasalla! - Im Gespräch mit Florian "Flo" Peil [024]

INHALT

Hey Audionerd ;),

unser heutiger Gast ist Gitarrist, Gründungsmitglied der Band Kasalla, Songwriter und Produzent.

Flo Peil ist Gewinner des Musikautorenpreis und bekam für das Album „In diesem Moment” von Roger Cicero in Deutschland Gold.

Er erzählt uns heute, wie er zum Songwriting kam und wir bekommen Einblicke in den Alltag der Band „Kasalla“.

Außerdem verrät er uns, worauf es für ihn beim Songwriting ankommt und wie er, als Kreativkopf, seine Kollegen manchmal ganz schön ins Schwitzen bringt.

Woher weiß man, ob ein Song ein Hit wird? Weiß man das überhaupt? Gibt es ein Rezept?

Wie entstehen die Songs für Kasalla?

Wer hätte gedacht, dass „Stadt met K” seinen Ursprung im „Gangsterrap“ hatte?

Was hat es damit auf sich? Lass es dir von Flo Peil erklären…

3...2...1… Reingetacktert!

Marcel und Markus 


(Foto Credit: Ben Wolf)


SHOWNOTES

  • Kasalla
  • https://www.kasallamusik.de
    https://instagram.com/kasallamusik?utm_medium=copy_link
  • Florian "Flo" Peil
  • https://instagram.com/flopeil79?utm_medium=copy_link
  • SAE
  • https://www.sae.edu/deu/de
  • Roger Cicero - In diesem Moment
  • https://www.amazon.de/Diesem-Moment-Roger-Cicero/dp/B005PROXSS
  • Tinseltown Music
  • https://tinseltown-music.com/
  • Deutscher Musikautorenpreis
  • https://www.musikautorenpreis.de/
  • Peilomat
  • https://de.m.wikipedia.org/wiki/Peilomat
  • Celler Schule
  • https://www.celler-schule.de
  • Tobias Reitz
  • https://instagram.com/tobiasreitz?utm_medium=copy_link
    https://www.rurton.de/podcasts/denis-trifft-auf-textdichter-tobias-reitz/
  • Scala 
  • https://www.scala-leverkusen.de/
  • Kölner Jugendchor
  • https://koelner-jugendchor.com/kjc/
  • Jan Delay
  • https://instagram.com/jandelayofficial?utm_medium=copy_link
  • Dezemberzeilen 
  • https://vierdafuer.de/
  • Henrike Tönnes 
  • https://www.henriketoennes.de
    https://instagram.com/henriketoennes?utm_medium=copy_link
  • Kasalla, Stadt met K
  • https://www.youtube.com/watch?v=LrudFMBPCIs
  • Kasalla, Rudeldiere
  • https://www.youtube.com/watch?v=Tm0LMPNNrws
  • Rockemarieche
  • https://www.rockemarieche.de/
  • Toni Cottura
  • https://de.m.wikipedia.org/wiki/Toni_Cottura
  • Fun Factory
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Fun_Factory_(Band)
  • Backstreet Boys
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Backstreet_Boys
  • Universal
  • https://www.universal-music.de/
  • Peppermint Park Studios
  • https://www.peppermint-park.com
  • Mousse T.
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Mousse_T.
  • Scorpions
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Scorpions
  • Vanilla Ninja
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Vanilla_Ninja
  • Bläck Fööss
  • https://www.blaeckfoeoess.de
  • Wolfgang Stach
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Stach


    TRANSKRIPT

    Markus: Hallo und herzlich willkommen zum Audio Podcast des rurtonproducing - Teams. Heute ein ganz besonderer Gast zugeschaltet per Zoom, der liebe Flo Peil aus Köln.

    Flo: Guten Tag.

    Markus: Ja, Flo Peil, Songwriter, Gitarrist und Produzent. Er ist außerdem Gründungsmitglied der Kölner Band Kasalla, Teil des Songwriter und Produzentenpools Tinseltown Music, richtig Flo? 

    Flo: Das ist korrekt!

    Markus: Die befinden sich in Köln in den Maarwegstudios, die kennt man wahrscheinlich auch. Und ich habe herausgefunden, bestimmt ganz wichtig, denke ich, der die Auszeichnung des deutschen Musikautoren-Preises 2014 und für das Album "In diesem Moment" von Roger Cicero Gold in Deutschland bekam. Ja, wie kommt das überhaupt zustande, dass du bei uns im Podcast bist? Wir kennen uns über meinen Freund André Lehner, der ist bei euch in der Kasalla Familie mit unterwegs. Und ich habe mich noch mal daran erinnert, dass wir auch schon 2000 und zwar so flüchtig gesehen haben, ich glaube, das war aber nur in einer Session und ist auch schon zwei drei Tage her.

    Flo: Ach, echt okay, das habe ich tatsächlich gar nicht mehr auf dem Schirm gehabt. Das heißt, du hast aufgenommen in der SAE, oder?

    Markus: Also ich glaube, du warst, kann das sein, ich habe 99 angefangen und du dann ein Jahr danach, kann das sein?

    Flo: Ich glaube 2000, ja, 2000 habe ich angefangen.

    Markus: Und irgendwie, ich weiß gar nicht, über meinen Freund Marc Häfner damals, glaube ich, da hatten Marc und Arne zusammen eine Session und da warst du auch dabei.

    Flo: War das dieses Lied, wo meine Schwester auch gesungen hat?

    Markus: Ja, genau, ja, richtig.

    Flo: Ich erinnere mich. Das hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm, dass du da dabei warst, ist ja lustig.

    Markus: Lustig ist auch, jetzt sitzen wir hier wieder und jetzt ist Marcel auch eingefallen, dass 2007 gab es hier ein kleines Konzert und da habt ihr mit Peilomat gespielt und ich weiß nicht, Marcel, ob ihr euch da getroffen habt?

    Marcel: Ich weiß nicht, ob du dich noch an mich erinnern kannst. Wir haben uns ein paarmal gesehen, da hast du mal bei Extension, bist du mal mit auf die Bühne gesprungen und ich war in dieser anderen Coverband.

    Flo: Wie hieß deine Coverband?

    Marcel: Die hieß Splendid. Und das war ja die vom Andre.

    Flo: Splendid, das sagt mir aber noch was.

    Marcel: Und wir hatten nämlich, glaube ich, jetzt kommen gerade noch viel mehr Bilder zurück, denn hinter dieser Bühne, an dem Kindergartengebäude oder so, da war dieser BackstageBereich und da kam ich von meiner Aufnahmeprüfung. von der Musikhochschule rein und da habe ich Flo kennengelernt tatsächlich. Da haben wir uns irgendwie auf jeden Fall das erste Mal unterhalten, sodass ich das noch auf dem Schirm hab.

    Markus: Genau, das ist quasi der Grund, warum wir überhaupt zusammengefunden haben. Wir fanden es halt super interessant, mal mit dir zu sprechen, weil du bist ja Songwriter, bist ja auch ein Teil der Zeller Schule.

    Flo: Genau. Der Tobi war auch bei euch, habe ich mal quer gehört.

    Markus: Genau, welche Folge müsst ihr nachschauen, auf jeden Fall, ich glaube, eine der ersten, so sechste oder siebte Folge. Was steht denn gerade so für dich an und wie gestaltet sich die gesamte Session gerade in der jetzigen Situation, wo es gerade wieder angelaufen ist und jetzt wieder so ein bisschen wieder geht? Ja, was machst du so?

    Flo: Ja, gerade ist tatsächlich eine sehr komische Zeit, nachdem man irgendwie so Ende des Sommers dachte: Ja, wir haben es geschafft, alle sind geimpft oder zumindest viele und die Konzerte gehen wieder los. Wir planen wieder und wir waren sogar auf Tour im Oktober noch, wirklich einmal so durch Deutschland gefahren im Nightliner und hatten kleine Clubs gebucht, weil die Leute noch so ein bisschen zurückhaltender sind. Aber da waren immer so 500 Leute und wir sind so einmal durch Deutschland gefahren und hatten so das Gefühl: Geil, es geht wieder los und es ist überwunden. Und jetzt gerade hat man ja das Gefühl, es geht schon wieder los. Und das ist tatsächlich, ehrlich gesagt. ziemlich frustrierend. Ja, es ist halt so, man denkt halt so: Jetzt ist die Impfung da, jetzt sind viele geimpft, leider natürlich nicht genug und man hat das Gefühl, jetzt geht das schon wieder von vorne los. Und vor allem stell ich mir grad auch die Frage: Okay, wenn jetzt schon so viele geimpft sind und es trotzdem immer so weitergeht, wo ist denn mal ein Ende in Sicht? Es fühlt sich gerade komisch an. Wir haben halt jetzt noch viele Konzerte geplant. Also im Dezember geht noch eine Menge eigentlich, wir haben auch unsere eigenen Jahresabschluss Konzerte im Gloria und auch im Scala in Leverkusen und wir machen auch immer so eine kleine Weihnachts- Rutsche. Da merken wir aber jetzt schon, wir haben da auch normalerweise immer fünf Termine, die in ein paar Wochen immer komplett ratzeputz ausverkauft sind und wir sind jetzt mal ganz vorsichtig mit dreien gestartet und der erste ist jetzt auch ausverkauft und die anderen werden auch gut voll werden, vielleicht auch ausverkauft sein. Man merkt auf jeden Fall auch, die Leute sind sehr zurückhaltend und ich glaube, gerade in diesem Moment, wo wir das ja aufnehmen, ist auch die Ministerpräsidentenkonferenz und ich bin sehr gespannt. Es würde mich nicht überraschen, wenn es jetzt plötzlich wieder heißt: Veranstaltungen sind jetzt gerade mal nicht mehr angesagt. Ja, das ist eine wirklich frustrierende Zeit, finde ich.

    Markus: Und das ist so die Auftrittsseite aber wie findest du da die Motivation weiter Songs zu schreiben, für dich selbst und auch mit der Band?

    Flo: Ich habe jetzt, nachdem das Gefühl da gerade da war, ist es wieder vorbei, habe ich auf die Coronazeit zurück geschaut und dachte: "Och man ey, eigentlich hatte ich so viel Zeit, da hätte man noch so viel schaffen können und Album fertig machen können!" Aber es war tatsächlich zum einen gar nicht so viel Zeit, weil man da dann auch die Kinder zu Hause hat. Ich habe drei Kinder und die waren dann auch teilweise nicht in der Schule und meine Frau ist Lehrerin und musste von zu Hause per Zoom unterrichten. Ich war hier teilweise der Netzwerkadministrator, der geguckt hat, dass alle iPads und Rechner hier laufen, das Netz nicht zusammenbricht, damit jeder irgendwie seinen Online-Unterricht machen konnte. Ich muss auch sagen, es ist irgendwie dieses, also das drückt schon einfach auf die Stimmung, dass man irgendwie ins Ungewisse losstürmt und irgendwie ist das für mich nicht so die kreativste Zeit. Ich habe schon irgendwie geschrieben, ich habe auch für Kasalla geschrieben. Ich habe auch tatsächlich mit dem Tobi bisschen hin und her geschickt, ein paar Sachen, wir haben ein paar Sachen geschrieben zusammen oder ich habe auch noch mal wieder so ein paar Fühler ausgestreckt in die Richtung: Ich habe früher, vor Kasalla, neben meinen eigenen Projekten auch sehr viel für andere Leute geschrieben und habe das jetzt in der Corona-Zeit auch noch mal so ein bisschen angepackt, weil ich dachte: Komm, wenn schon mal Zeit ist, kann man das mal machen. Ich habe zum Beispiel für den Kölner Jugendchor so einen Chor-Song geschrieben, ich habe bei so einem Kinofilm bei der Musik mitgemacht. Das läuft auch immer noch weiter und habe schon so ein bisschen gemacht. Aber ich merk so, es ist irgendwie, Kreativität hat ja auch viel mit der mit der Stimmung zu tun und das drückt gerade so auf die Stimmung, dass es für mich keine richtig kreative Zeit ist. Ich kriege dann so mit, es gibt ja so Künstler, Jan Delay haut irgendwie ein echt geiles Album raus, finde ich und hat die Zeit so genutzt, wo ich denke: Mist, wenn man irgendwie so entspannt wäre und einfach ins Studio geht jeden Tag und einfach arbeiten könnte, das wäre echt cool. Aber ich merke: irgendwie ist da eine Bremse drin.

    Markus: Das hängt ja auch total am Background. Ich kenne das so ein bisschen, weil so sind wir beide ganz unterschiedlich. Ich habe auch meine Family und jetzt geht es natürlich wieder, weil das, was du eben beschrieben hast, das Gefühl hatte ich halt auch. Kinder zu Hause, alle zu Hause und irgendwie muss das irgendwie funktionieren und Marcel hatte , du hattest am Anfang ja auch so das Gefühl: "Wo seid ihr alle?"

    Marcel: Ja, ich bin völlig in Bedeutungslosigkeit gefallen.

    Markus: Und er war dann so: "Jetzt sitze ich hier alleine im Studio und was macht ihr?"

    Marcel: Ich habe das dann irgendwie, in der ersten Welle habe ich das noch ganz gut geschafft. Da habe ich dann, wir hatten dann dieses Weihnachtsalbum Dezemberzeilen noch gemacht, da konnte ich dann mich nach Herzenslust irgendwie hier austoben und das echt zu Ende machen. Aber das nagte dann auch schon nach kurzer Zeit, weil wenn du immer nur allein rum hängst und mit keinem irgendwie das reflektieren kannst wirklich gut und die anderen waren halt einfach im Familienbusiness. Das kann man auch voll verstehen, das ist bestimmt schrecklich, wenn auf einmal diese ganzen Strukturen so zusammenfallen. Aber ja, kann ich dann auch auf jeden Fall insofern total unterschreiben, als das irgendwie so diese, du hast es eben so schön auf den Punkt gebracht, diese Unplanbarkeiten, die nehmen so ganz viel Drive raus, finde ich. Und ja, da fängt man schon an, sich Gedanken zu machen. Viele Kollegen, viele Kommilitonen von damals, die machen keine Musik mehr zum Teil, die haben einfach aufgehört. Was da in unserer Branche passiert, na ja, das wollen wir jetzt wahrscheinlich nicht in diesem Podcast so vertiefen aber das hat schon reingehauen

    Flo: Ja, ich finde halt auch, Kreativität hat so viel mit der Stimmung zu tun. Damit man gut arbeiten kann, muss man irgendwie echt total locker und befreit sein und Bock haben und das kann man auch machen. Also ich habe zum Beispiel auch bei uns im Studio mich mit ein paar Leuten ab und zu zusammengesetzt, wie haben uns dann alle getestet und teilweise mit Maske und so. Aber haben dann auch gesagt: Wir treffen uns einmal die Woche. Wir haben uns auch teilweise mit Künstlern getroffen und haben wirklich so gearbeitet und das ging auch ganz gut. Aber ich merke so generell hängt irgendwie so was im Nacken und so richtig locker ist das nicht. Und wie gesagt, auch mit den Kindern die Zeit, so schön Zeit mit Kindern ist, es ja jetzt nicht so, dass man in den Urlaub fährt zusammen, sondern dass man im Prinzip dann auch teilweise in so einer Lockdown Situation war, wo die Kinder nicht raus durften, wo die keine anderen Freunde treffen konnten und wo man auch jetzt nichts unternehmen konnte. Man saß halt so in der Bude und ist vielleicht mal im Garten rausgegangen. Also klar, wenn man sich andere Leute anguckt und andere Gegenden, wo die ganz andere Probleme haben aber es drückt schon irgendwie und es ist nicht die beste Zeit, zumindest für mich persönlich, gewesen.

    Marcel: Aber lass uns doch auch mal das Gegenbild zeichnen. Das fände ich eigentlich auch mal voll spannend. So, ich habe nicht viel Einblick in die Kasalla Welt. Ich hab aber so ein bisschen das Gefühl, du bist schon so ja ein Hauptdenker, Lenker, Songwriter, wahrscheinlich arrangierst du auch Demos, bis sie produziert werden und so Sachen. Ist das richtig?

    Flo: Bei Kasalla ist es so, dass ich schon in den meisten Fällen der Haupt-Ideengeber bin, anfangs war es sogar so, beim ersten Album waren die Songs im Prinzip so gut wie fertig, als die anderen Jungs dazu kamen, bzw. ich habe mit Basti und teilweise auch mit dem Claudio, das ist ein Studio-Kollege von mir. zusammen diese Songs erarbeitet und da kamen dann die anderen Jungs dazu und wir haben die noch so ein bisschen arrangiert. Das hat sich dann immer weiter entwickelt. Es gibt Songs, die ich tatsächlich, wo ich ein Demo mitbringe, was eigentlich schon fast so klingt, wie es am Ende ist. Es gibt aber auch Sachen, wo man wirklich auch so zusammen, also das erarbeitet. Da kommt schon dann meistens so eine Idee von mir. Aber es ist dann so, dass wir dann teilweise auch das komplett durch den Wolf drehen und auch die Jungs dann Input geben und teilweise auch ganz andere Ideen haben als ich. Und wir haben bei Kasalla tatsächlich so eine Regel, die heißt: Wenn einer eine Idee hat, probieren wir es aus. Selbst wenn dann jemand mit einer Idee um die Ecke kommt und man denkt: "Ach du Scheiße, das ist doch totaler Quatsch!" Dann sagen wir: "Okay, lass ausprobieren, wenn es scheiße ist, kann man es immer noch lassen!" Und das ist tatsächlich ganz spannend. Und da sind lustige Sachen passiert. Also zum Beispiel, der Song "Stadt mit K" von uns, der war ursprünglich mal ein Gangsta Rap Song. Ich hatte ursprünglich gerappt: "Ich komme aus der Stadt mit K!" Und hatte da so ein Hip Hop Beat drunter gemacht, dann kam der Nils zum Beispiel mit der Idee und sagte: "Nee Leute, eigentlich ist das eine super geile Zeile, ich würde das aber eher so 90er Jahre mäßig angehen. Und dann haben wir das probiert und haben gemerkt: Oh, das ist ziemlich gut, dann ist das halt so im Proberaum so ein bisschen mehr entstanden und ist dann auch wie gesagt noch mal so komplett durch den Wolf gedreht worden und mittlerweile ist es tatsächlich einer unserer erfolgreichsten Songs geworden und das ist dann auch ganz schön. Also wir haben jetzt auch bei der neuen Nummer, wir haben auch eine neue Single gerade raus, die heißt Rudeltiere. Da war es zum Beispiel auch das allererste Mal in der Bandgeschichte so, dass der Song quasi im Proberaum größtenteils entstanden ist. Der Basti kam mit der Titelidee "Rudeltiere" um die Ecke, weil Basti und ich haben uns beide einen Hund angeschafft in der Coronazeit. Und dann kam er mit der Idee, dass man sagt: Wir werden Rudeltiere, weil Menschen sind ja irgendwie Rudeltiere und das wär doch irgendwie ein schöner Titel. Und dann sind wir, wir fahren immer kreativ weg mit der Band, dann mieten wir uns so für ein, zwei Wochen irgendwo ein Ferienhäuschen, meistens in der Eifel oder im Bergischen oder wir waren auch schon mal in Holland und da bauen wir dann quasi alles auf. Wir haben so einen Proberaum, der komplett verkabelt ist mit so einem Behringer Mischpult, wo jeder sich seinen Monitor Mix machen kann, wo wir aber auch einfach schnell den Computer stecken können und direkt Multi Track Mitschnitt machen können. Das bauen wir dann alles irgendwo auf und dann sind wir einfach zwei Wochen da und machen eigentlich nichts anderes als Musik. Das haben wir da auch gemacht und sind mit dieser Idee schwanger gegangen. Das hat tatsächlich relativ lange gedauert, wir hatten bestimmt fünf oder sechs oder sieben Entwürfe und die waren teilweise völlig, dass wir dann da standen und dachten: Vielleicht ist das doch eine scheiß Idee mit Rudeltiere. Irgendwann kam der Nils mit einer Idee. "Guck mal, ich habe hier diesen Song gehört, wenn wir so in die Richtung den Refrain machen würden..." Und dann hatte ich eine Strophe und dann kam der Sebi mit einer Bridge-Idee und der Ene hatte noch so eine Idee für dieses Riff, was wir da gespielt haben. Am Ende war das tatsächlich das erste Mal, dass wir da doch wirklich so gemeinsam dran geschrieben haben. Das fühlt sich auch ganz cool an, dass man dann mal so andere Wege geht.

    Marcel: Also das finde ich total spannend, wenn du das so erzählst. Weil da ist ja einerseits so ein ganz funktionierendes System und auf der anderen Seite dann halt so ein cooles Experiment. Und ich finde übrigens, wenn ich das an der Stelle mal sagen darf, ich bin großer Fan, ich hatte es wirklich unterschätzt, ich habe das erste Mal euch live gesehen mit Markus zusammen und ich finde, ihr seid auch so facettenreich. Was mich wirklich total umgehauen hat, weiß du es noch, Fleisch und Blut, glaube ich, war dann sofort mein favorite one und den hab ich dann auch echt ein paar Mal auf Repeat gehört in der Woche. Und was ich einfach total abgefeiert habe, bei euch, war auch so Klangbild, Bass, E-Gitarre und so richtig cool zu Ende gedacht und wenn man sich das halt so aus den Augen von einem Musiker halt mal so reinzieht, da hab ich echt gedacht: Cool, da sind so viele Facetten drin und das finde ich schon schon stark und dann seid ihr ja irgendwie beides. Wie bist du, wenn ich mal fragen darf, wenn du so eine Druckphase erlebst, also hast du so das auch, dass du irgendwie weißt, in drei Monaten muss das Ding da liegen und jetzt muss ich hier echt Vollgas geben?

    Flo: Also ich habe tatsächlich das Problem, wenn ich keinen Druck habe, bin ich eine faule Sau. Das ist tatsächlich ganz blöd, weil man eigentlich, wie gesagt, jetzt so Zeiten wie jetzt, wo wenig los ist oder wo man so Zwangspause macht, eigentlich super nutzen könnte. Wenn ich aber keine Abgabefrist habe und jetzt nicht so denke: Scheiße, das muss jetzt fertig werden! Dann kriege ich irgendwie oft den Arsch nicht hoch oder zumindest nicht so richtig. Und ich bin tatsächlich ein ganz schlimmer, in letzter Minute dann zwei Wochen durcharbeiten und nur drei Stunden schlafen Typ.

    Marcel: Also brauche ich nicht fragen, ob du irgendwie eine Morgenroutine hast oder meditierst und dann legst du los.

    Flo: Ich habe so verschiedene Morgenroutinen. Ich bin da aber auch mal so, mal so. Weil gerade mit Kindern ist ja auch nicht jeder Morgen gleich und manchmal bleibt keine Zeit für eine Morgenroutine. Aber ja, es ist schon bei mir so, also wir haben in der Band so den Spruch: "Unter Druck entstehen Diamanten." Ich habe irgendwie das Gefühl, dass der Druck so dazugehört.

    Markus: Man sagt ja immer erst zwei Wochen vor dem Abgabetermin Bescheid.

    Flo: Nee, ich weiß das ja, ich weiß ja, dass da Abgabetermine sind. Aber es ist wirklich, ich meine, wir machen es jetzt 10 Jahre und ich kann es ja ganz gut beobachten und es funktioniert ja auch immer. Ich bin auch so ein Typ, ich fange teilweise an, wir sind dann schon im Mix und ich höre dann die Nummer und sage: "Leute, sorry, wir müssen die Strophentexte nochmal überarbeiten!" Und dann ruf ich den Mischer an und sage: "Warte mal kurz, ich schick dir noch mal einen neuen Vocal take." Es ist manchmal ganz schrecklich, weil ich bis zur letzten Sekunde da auch noch sehr kritisch immer probiere, alles zu hinterfragen und zu sagen: "Ist die Zeile gut ist der Refrain gut?" Und wenn ich merke, irgendwas ist da noch nicht cool, dann haben wir es wirklich schon gehabt, dass der Mix eigentlich schon in den letzten Zügen war und dann haben wir noch mal eine neue Strophe geschickt aber rückblickend war das meistens auch ein gute Idee. Aber natürlich bringt man da alle seine, seine Kollegen und auch die Mischer, die das dann mischen, natürlich ein bisschen ins Schwimmen. Und die sagen mir auch manchmal: "Boah, alter, ihr hattet doch genug Zeit!" Das passiert dann auch schon mal.

    Marcel: Aber das finde ich cool. Also wie machst du das dann? Also ich finde das wirklich faszinierend, weil ich kenne das irgendwie so ein bisschen selbst, wenn man produziert, dann hat man so ein Fokus und dann hat man die Instrumente und hat man dies gemacht und das gemacht und da noch verbessert und dann noch irgendwas getan und dann wieder raus zu zoomen und echt noch mal zu schauen: Wow, okay, was ist das jetzt für ein Ding hier? Was passiert da in der Strophe? Wie du gerade sagtest, so einen Strophen take noch mal rausschmeißen. Das finde ich echt eine beeindruckende Fähigkeit, da noch mal so komplett raus zu zoomen, weil du ja mit der erste Ideengeber dann zumindest meistens bist.

    Flo: Man steht ja auch am Ende so davor, dass man irgendwie gar kein Gefühl mehr hat. Meistens ist es ja so, wenn man so einen Song hat, der vielleicht später mal eine Single wird, hat man ja am Anfang irgendwann mal so ein Gefühl: Boah geil, das ist der Hammer. Dann gibt es irgendwann das Gefühl, dass man denkt: Nee, ist total scheiße! Und am Ende hat man irgendwie so gar kein Gefühl mehr, denn habe ich ja immer so, ich merk das irgendwie, das ist schon irgendwie gut, aber ich meine, am Ende weiß man es ja eh nicht. Also es gibt ja, wir haben ja jetzt mittlerweile auch ein paar "Hits", die ganz gut funktionieren und die Leute gerne hören. Aber vorher wissen, was dann Hit wird und was nicht, das tun wir halt auch nicht und das ist auch glaube ich ganz gut, dass das keiner eigentlich weiß, was ein Hit wird und was nicht. Man kann halt nur so ein Gefühl haben und der Rest passiert halt da draußen. Aber es ist halt manchmal wirklich so, dass man gerade am Ende von so einer Produktionsphase überhaupt, also ich habe dann überhaupt keine Beziehung mehr so richtig dazu. Ich muss dann erst mal paar Wochen das ruhen lassen und dann irgendwann dreht man auch mal ein Video und dann geht es raus und dann kriegt man Feedback von Leuten. Dann merkt man so: Ich glaube, das war doch ganz gut. Aber es ist, finde ich, psychologisch absurd, was da so für eine Stimmungskurve passiert und ich versuche mir auch, weil wie gesagt, wir machen es ja jedes Jahr. Wir haben ja bei Kasalla das Gute, dass es so eine Regelmäßigkeit gibt, durch diesen Karneval, für den wir ja auch immer eine neue Single oder meistens auch zwei im Jahr machen müssen, deswegen kommt das jedes Jahr wieder. Ich denke mal so, nach zehn Jahren müsste man ja eigentlich mal so langsam eine Routine haben und ich erwische mich halt immer wieder, wie ich so denke: Jetzt haben wir die Nummer fertig, ist das wirklich was? Es ist ja auch total unterschiedlich, es gibt Nummern, die funktionieren einfach sofort. Also "Stadt mit K" war so eine Nummer, die haben wir tatsächlich als Band überhaupt nicht so richtig gesehen, weil wir dachten, wir haben immer sehr viel Wert auf Texte gelegt und dann hatten wir so ein Riff mit "Schalala, Stadt mit K", also wir haben wirklich diskutiert: "Kann man das machen? Das ist doch echt ein bisschen assi..." Wir haben es dann aber irgendwann gemacht und unser Label Chef sagte damals: "Ja, ich glaube, das ist eine gute Nummer" Da hatten wir damals das Glück, wir hatten im selben Jahr noch "Alle Jläser Huh" als als zweite Nummer, die ja auch sehr erfolgreich geworden ist. Dann sind wir mit "Jläser Huh" in die Session gegangen und "Stadt mit K" haben wir nicht gespielt und irgendwann riefen die Leute irgendwie bei unserer Plattenfirma an und meinten: "Eh, was ist mit der Nummer da?" Und dann hatten wir wirklich so zwei Nummern, die total abgegangen sind und "Stadt mit K" haben wir wirklich gar nicht gespielt. Also manchmal passiert dann einfach irgendwas mit der Nummer, was man selber gar nicht erwartet und dann merkt man: Ach so, ich glaube, die Leute finden das vielleicht sogar besser als die andere Nummer. Ja, das ist spannend auf jeden Fall. Aber wie gesagt, das beruhigende, finde ich ja immer, man weiß einfach selber nicht und alle kochen so ein bisschen mit Wasser und am Ende muss man einfach gucken und hoffen, dass am Ende was Gutes dabei rauskommt.

    Marcel: Ja, total. Und ja, so was wie "Stadt mit K" ist auch einfach so ein Ding, wo die Idee einfach cool ist dann, also das überwiegt dann manchmal auch gegen den Anspruch, einen komplexen Text zu haben oder so was. Und das kann ja auch gewinnen, das meine ich damit, dass du einfach nie weißt, was dabei rauskommt letztlich.

    Flo: Ich probier halt schon, das ist mir bei "Stadt mit K" hoffentlich auch gelungen, dass man in den Strophen und auch in der Bridge dann noch so ein bisschen Gefühl auch rein bekommt.

    Marcel: Um Gottes Willen, also das wollte ich jetzt nicht damit sagen!

    Flo: Nee alles gut aber "Stadt mit K" zum Beispiel, wenn man das erstmal so hört, hört man "Schalala, Stadt mit K", das ist natürlich sehr einfach, hat aber natürlich dieses Grundgefühl: "Ich komme aus einer Stadt mit K." War natürlich auch ein frisches Wort, das Wort "Stadt mit K" gab es vorher tatsächlich so nicht. Das hat irgendwie keiner benutzt und es hat sich mittlerweile zu so was entwickelt, mittlerweile hat der Stadt-Anzeiger ein eigenes eigenes Konzept, was "Stadt mit K" heißt und das ist eigentlich ganz cool, dass das so passiert ist. Wir haben dann auch probiert, in den Strophen einfach eine Geschichte zu erzählen. Mir hat letztens mal jemand gesagt, der aus der Gegend um Stuttgart kommt und der Liebe wegen nach Köln gezogen ist und hier länger lebt, der meinte: "Weißt du was? Die Bridge von "Stadt mit K" irgendwie, das packt mich so! An der Stelle habt ihr mich gekriegt!" Der meint, er fand das so schön, dieses Gefühl, die Stadt adoptiert alle und egal wo du herkommst, du kommst auch aus der Stadt mit K. Und da hab ich gedacht: Okay, cool, ich glaube, wir haben es schon hinbekommen, dass die Nummer jetzt nicht so ganz ohne Gefühl ist, sondern, dass da schon auch ein bisschen Herz drin steckt.

    Marcel: Das stimmt und was ich vor allem immer cool finde, auch bei den Texten, mir fallen ein paar Beispiele jetzt ein, Gemeinschaft spielt ja oft eine Rolle und das das finde ich irgendwie cool. Wie mir scheint, ich habe da nicht so den tiefsten Einblick in diese kölsche Mundart Musik aber es scheint mir ja schon immer sehr clevere und durchaus coole Blickwinkel darauf zu geben. Wie heißt die Ballade noch? Markus mir kurz oder Flo hilft mir kurz, du hast sie wahrscheinlich geschrieben..

    Flo: "Mer Sen Eins" vielleicht?

    Marcel: Ja, super, da ist es ja auch, dass finde ich auch einfach schön und dieses Gemeinschaftsgefühl spielt oft, glaube ich, auch eine Rolle bei euch und das ist schon cool.

    Flo: Ich habe das Ziel, egal, was man für eine Musik macht, dass man schon irgendwie probiert, dass man es irgendwie anders und neu macht. Es gibt gerade, in der Popmusik gibt es das ja auch und in der Kulturszene gibt es das auch ganz krass, dass viele Leute so Songs schreiben, die man so hört und denkt: Das habe ich schon 30 Mal gehört und die gleichen Sätze und die gleichen Phrasen und so. Und das funktioniert ja auch zu einem gewissen Maß aber ich habe das Gefühl, das Ziel ist eigentlich, zumindest unser persönliches Ziel auch in der Band, ist natürlich, dass man schon ein ähnliches Gefühl beschreibt, aber irgendwie dann doch so, dass man es so noch nicht gehört hat, weil das natürlich das ist, was es so ein bisschen besonders macht. Und das ist natürlich extrem schwer, weil es natürlich auch gerade von den Themen her natürlich nicht so viele gibt. Ich meine, man kann immer wieder mal neue Facetten sich raussuchen, aber es ist auch, je länger man schreibt und unterwegs ist, immer schwieriger, finde ich, etwas zu finden, was es noch nicht gab. Das ist in der Popmusik genauso, ich glaube, die Sachen, die da erfolgreich sind, sind oft Zeilen oder oder irgendwas, was überrascht und wo man sagt: "Okay, kenne ich aber habe ich so noch nicht gehört!" Das ist total wichtig, dass man da immer weiter probiert, bis man was hat, wo man nicht das Gefühl hat, das kennen jetzt alle schon.

    Marcel: Finde ich aber trotzdem echt cool, dass das so ein Ziel ist, finde ich super.

    Markus: Sag mal, neben Kasalla, das wird ja sicher den größten Teil deiner Zeit in Anspruch nehmen, findest du denn da überhaupt noch Zeit für andere Sachen? Also du hast eben mal angesprochen, jetzt in dem Jahr hast du mit anderen Künstlern gearbeitet. Passiert das noch regelmäßig oder schaffst du das eigentlich gar nicht mehr?

    Flo: Also ich mache das sehr gerne, vor allem dann auch gerne mal in so Teams. Also ich komme ja, wie gesagt, aus dieser Tinseltown Community, das ist eigentlich ein produzierender Musikverlag, der in den Maarwegstudios ist und wir haben da quasi auf einer Studioetage einige Räume und auch ein großes Studio und sind halt mehrere Songwriter und da gibt es halt so einige Leute, mit denen ich tatsächlich auch seit mittlerweile 20 Jahren zusammenarbeite. Und ich genieße das eigentlich ab und zu mal mit denen mich zu treffen und Songs zu schreiben. Und wenn man dann noch einen Künstler hat, wo man sagen kann, der sucht jetzt gerade was und der kommt vielleicht dazu, dann ist das tatsächlich ganz schön und das versuche ich zu machen. Das ist tatsächlich im Kasalla Alltag mittlerweile sehr, sehr schwer, sich da die Zeit zu nehmen, in der Coronazeit jetzt ging es tatsächlich ein bisschen besser und da haben wir das tatsächlich ein bisschen gemacht. Wir haben einige Sachen geschrieben mit einigen Künstlern und das macht tatsächlich total Bock, weil man halt mal so ein bisschen raus ist. Wenn man es immer nur in dieser Kölsch Welt zum Beispiel ist und schreibt, dann ist es natürlich auch irgendwann ein bisschen ermüdend. Und es ist natürlich ganz gut, wenn man da ab und zu mal mal ausbricht und mal über den Tellerrand guckt. Das versuche ich schon immer wieder zu mache, wie gesagt, in der Zeit, wo mit Kasalla wirklich viel los ist, ist es manchmal sehr schwierig. Das große Glück ist natürlich, dass ich es auch jetzt rein wirtschaftlich nicht mehr machen muss. Also Kasalla ist tatsächlich mein Hauptjob und davon kann ich gut leben und das ist natürlich ein großes Glück, dass ich nichts mehr nebenbei machen muss. Aber ich würde es einfach auch gerne aus künstlerischer Sicht, ab und zu gern öfters schaffen. Und natürlich, was auch manchmal schwierig ist, weil es kommen auch immer wieder Leute, gerade aus der kölschen Szene, die sagen: "Ey, hast du nicht mal Bock für uns einen Song zu schreiben?" Wo ich immer sah: Ganz ehrlich, die richtig guten Nummern, die gebe ich halt nicht raus. Ich wäre ja bescheuert, wenn ich eine Nummer, wo ich denke, das könnte richtig gut werden, wenn ich das irgendwie einem anderen Künstler gebe, natürlich würde ich das dann bei Kasalla verbraten. Ausnahmen sind natürlich, wenn, es gab mal so einen Song, den haben wir für die Rocker Mariechen geschrieben, das ist so eine eine Rockabilly Band, die aus Mädels besteht. Und da hatte ich mit Claudio eine Idee und da haben wir dann eine Nummer geschrieben, wo wir gesagt haben: Okay, wenn das ein Mann singt, ist es langweilig aber wenn es eine Frau singt, ist es wieder spannend. Und das ist dann so eine Ausnahme, wenn es Nummern sind, die einfach für Kasalla überhaupt nicht passen und trotzdem gut sind, dann kann man das schon mal machen. Aber es ist manchmal auch schwierig, weil ich will jetzt auch nicht für andere Leute nur irgendwelche B-Seiten raushauen, das macht ja auch wenig Sinn.

    Markus: Ich verstehe, was mich mal interessieren würde: Du sagst, es ist schon 20 Jahre her, wie bist du damals so da reingekommen überhaupt zu schreiben oder überhaupt bei Tinseltown, wie waren da deine ersten Schritte?

    Flo: Also ich habe, es ist es so ein bisschen interessant, weil meine Kinder ja gerade größer werden und auch teilweise Musik machen und ich da so Sachen beobachte, wo ich denke: Das war bei mir glaube ich genauso. Also ich habe als Kind schon immer gerne so, wir hatten zu Hause immer mehrere Instrumente. Mein Bruder ist Schlagzeuger, da stand ein Schlagzeug im Keller, meine Schwester und mein Vater haben Klavier gespielt, da stand ein Klavier und es wurde immer viel gesungen und Musik gemacht. Es war so ein musikalischer Haushalt und ich hatte auch Klavierunterricht und Schlagzeugunterricht und im Orchester gespielt und habe nebenbei aber immer schon gerne so rum gebastelt. Ich habe dann irgendwann mir so einen Atari gekauft und hatte dann so ein 4 Spur Gerät und habe dann so meine ersten Demos geschraubt und völlig unbedarft, einfach drauflos komponiert. Ich hatte noch immer so Bands, also ich kann mich erinnern, dass meine erste Band hatte ich so mit 10 oder so, ich kann mich sogar an die Lieder erinnern, wir haben da wirklich Songs geschrieben. Also das war alles sehr einfach und so, aber das war irgendwie immer schon so drin. Das war auch nichts, wo ich groß drüber nachgedacht habe. Ich kann mich auch erinnern, dass ich so als Kind durch die Gegend gelatscht bin und einfach so eine Idee plötzlich im Kopf hatte. Und ich glaube, das ist schon so was, was drin war und dann habe ich das so peu à peu immer ein bisschen weiter betrieben. Also ich hatte dann so mit 15-16 so meine erste ernsthafte Band, das war damals tatsächlich so eine Metal Band, wo wir in Düren, die hatte wahrscheinlich drei oder vier Auftritte in der Karriere, aber es waren so meine Kumpels. Da war es dann so, dass wir oft, mein bester Kumpel und ich, wir konnten halt unsere Instrumente beherrschen. Er hat Gitarre gespielt, ich Schlagzeug damals und die anderen haben wir dann aus Freunden einfach rekrutiert, und gesagt: "Spiele mal die E-Seite und dann haben die halt mehr schlecht als recht ihr Ding gemacht aber es war lustig und dann ging das auch so. Ende der 90er hatte ich dann einfach mal so einen PC gekauft, der sogar ein CD Brenner hatte. Das war damals eine totale Sensation, weil ich dann quasi so ein Studio mit 8 Spuren hatte und ich konnte CDs brennen. Und das führte dann dazu, dass direkt einige Bands bei mir im Proberaum standen und unbedingt eine Demo aufnehmen wollten, weil natürlich man dann eine CD davon hatte. Irgendwann, ganz Ende der 90er war das dann relativ offen aber ich glaub damals, das war so 95/96, das war wirklich mega special, dass man da CDs selber machen konnte. Ich hab dann so immer auch so ein bisschen "produziert", so gut das mit 8 Spuren ohne Plugins und so geht. Ich habe dann so gemerkt, dass es irgendwie so was gibt, was irgendwie Songs gut macht. Also hab ich gemerkt, es gibt gute Songs und schlechte Songs. Ich hab mich dafür interessiert, wenn man selber Songs schreibt, dass man merkt, dass manche funktionieren und manche funktionieren nicht. Und ich wollte irgendwie immer wissen, woran das liegt und habe dann probiert, mich da so ein bisschen fortzubilden. Ich habe Ende der 90er angefangen, auch so poppigere Sachen zu machen. Da habe ich irgendwann mal schwer das Herz gebrochen gehabt und habe ich quasi so ein paar Liebeslieder geschrieben und meine Schwester, die war fünf Jahre älter als ich, die war damals im Musikbusiness unterwegs. Die hatte vorher bei einer Booking Agentur gearbeitet und war dann irgendwann damals bei Buja Music. Das ist so eine kleine, das war dieser Tony Cottura, das war so ein Produzent. Der hat damals so Nana und Papa Bär und so komische, das klang immer wie amerikanischer Hip-Hop, war aber aus Hamburg und der hatte auch so eine Band - Fun Factory hießen die. Der hat auch so für die Backstreet Boys glaube ich mal so eine Nummer produziert, wo er auch mitgerappt hat. Und sie war halt damals in dieser Firma von ihm seine Assistentin, war so im Musikbusiness unterwegs und ich habe ihr immer meine Demos geschickt und dann hat sie irgendwann gesagt: "Das ist glaube ich ganz cool, jetzt so, was du da gemacht hast. Ich würde das mal ein paar Leuten anbieten!" Dann hat sie so Kontakte geknüpft und die Plattenfirmen waren alle nicht so begeistert aber es gab dann einen Musik Verleger tatsächlich, der bei Universal war und der hat mich dann damals quasi unter Vertrag genommen und hat mir damals einen kleinen Vorschuss gezahlt. Und davon habe ich mir dann quasi mein erstes Studio gekauft. Das war dann relativ zeitgleich auch so mit dieser SAE Zeit, das war dann so 2000er, wo ich dann quasi auch so ein bisschen mein Handwerk gelernt habe fürs Studio. Also noch mal so richtig, weil das, weil ich da im Keller geschraubt habe, war natürlich alles gefährliches Halbwissen. In der SAE kriegt man dann schon so ein bisschen bei Handwerk gezeigt. SAE, da könnte man jetzt auch länger darüber sprechen, was da positiv und negativ ist aber ich habe da schon ein bisschen was mitgenommen. Dann hatten wir diesen Verlags Deal und über diesen Verlagsdeal bin ich dann zu Songwriter Meetings geschickt worden. Also damals hat Universal immer viele Songwriter irgendwo versammelt in einem Studio und hat gesagt: "Hier setzt euch mal hin und der und der Künstler sucht Songs, schreibt mal!" Ich bin da so mit Anfang 20 hingekommen und da waren halt teilweise super alte Hasen. Das war damals in Hannover im Peppermint Park Studio, das ist das Studio, wo auch die Scorpions früher mal aufgenommen haben. Da waren dann plötzlich Leute, die man so aus dem Fernsehen kannte und auch Sänger und Sängerinnen. Ich stand da mit Anfang 20: "Boah krass! Jetzt bin ich hier voll im Zentrum des Musikbusiness angekommen" Ich habe dann da mit verschiedenen Songwritern gearbeitet und das war irgendwie ganz geil. Also auch mit Leuten, die einfach seit 10-20 Jahren unterwegs waren, die auch teilweise schon Hits hatten und habe da sehr viel gelernt von denen, was seinen Song ausmacht, wie man auch ans Songwriting mal so konstruktiv rangeht, wirklich zu sagen: "Hey, da ist jetzt der Künstler und der ist jetzt im Studio und der will jetzt mit uns einen Song schreiben." Das ist ja auch eine spezielle Situation und habe dann angefangen mich da ein bisschen rein zu arbeiten und da habe ich tatsächlich jemanden von Tinseltown kennengelernt, bei diesem ersten Songwriter Meeting und bin dann zu Tinseltown gekommen und da ging das dann so richtig los. Also die hatten damals dieses Maarwegstudio übernommen und dann waren wir da, ein relativ junges Team, also es waren so einige Leute Anfang 20 und wir haben einfach drauflos gemacht. Wir haben geschrieben und dann kamen plötzlich irgendwelche Bands vorbei. Dann hatte der Manager vom Verlag dann plötzlich Kontakt zu Vanilla Ninja hergestellt, das ist ja so eine estländische Mädchenband, die damals in der Bravo war. Die standen dann plötzlich da und wir wollten ein Album machen und dann haben wir mit denen ein Album gemacht. Wir hatten jetzt nicht nur so Jungspunde dabei. Wir hatten auch so zwei, drei erfahrene Produzenten im Team, die wirklich auch schon was am Buckel hatten, die auch wirklich was konnten. Und dann diese Kombi aus den jungen Leuten, die total Bock haben, die haben da schon auch ganz gut die Leute sich ausgesucht. Da waren sehr talentierte Leute dabei, die auch mittlerweile alle sehr erfolgreich sind. Und das war eine unheimlich geile Zeit, weil wir da einfach jeden Tag im Studio waren und einfach geschrieben haben, geschrieben haben, geschrieben haben. Und natürlich kam eine Menge Grütze bei rum, aber irgendwann fing dann so die ersten Veröffentlichung an und ja, so bin ich da so reingerutscht. Ich habe damals lustigerweise auch schon meine Finger so im kölschen Bereich ausgestreckt. Also ich habe auf irgendeinem Gig von meiner Band damals die Frau von jemandem von den Bläck Fööss kennengelernt und die hatte mich so angequatscht. Und dann habe ich ihren Mann da auch kennengelernt und habe den direkt mal angequatscht, ob er nicht Bock hätte, dass ich mal einen Song für ihn auf Kölsch schreibe. Ich habe damals dann tatsächlich auch so eine Nummer bei den Jungs untergebracht und das war so der Anfang auch zu meinem Kontakt zu dieser kölschen Szene dann damals schon.

    Markus: Hast du denn auch damals schon Kölsch getextet, hast du da gar keine Probleme mit Kölsch. Also ich meine, ich weiß, du kommst aus Düren, aber du sprichst ja selber kein Dialekt.

    Flo: Ich habe tatsächlich, also meine Eltern haben mit mir überhaupt keinen Dialekt gesprochen, das war ja auch damals so ein Ding, das hat man halt nicht gemacht. Ich hatte natürlich so ein Dürener Slang, also ich habe letztens so alte Videos gesehen, wo ich mich gewundert habe, was ich da für einen krassen Singsang drauf habe, sehr lustig zu hören. Ich hatte aber tatsächlich einen Kumpel, von gegenüber, der Eisenhart und der hat mit seinen Eltern und mit der Oma und so gesprochen. Und ich war halt immer bei denen und hing viel mit dem rum und ich habe das schon sehr viel mitbekommen. Mein Vater hat auch mit seinem Schwager immer eisenhart Kölsch gesprochen oder Platt gesprochen, aber mit den Kindern halt nicht. Ich habe das aber dann schon irgendwie mitgenommen, als kannte die Sprache und den Rest haben dann tatsächlich glaube ich auch die Bläck Fööss besorgt, weil ich habe als Kind sehr viel Bläck Fööss gehört und habe die Sprache da natürlich auch irgendwie aufgesogen. Ich habe das immer irgendwie verstanden. Als ich dann angefangen habe, selber zu texten, das war erst mal...

    Markus: Das ist ja noch mal was anderes.

    Flo: Ja, total! Das war so Gewöhnungssache. Ich hab dann auch anfangs ganz schön viele Kölsch Fehler gemacht, es gibt da sehr viele Sachen, die eigentlich oft passieren. Und da musste ich mich ein bisschen rein fuchsen. Aber da waren dann auch die Bläck Fööss, also bei mir selber oder auch der, der Christoph Groß von unserer Plattenfirma, wo wir jetzt auch mit Kasalla sind, der hat da immer sehr wohlwollend drüber geguckt und auch immer ein bisschen gecoacht, damit da keine Kölsch Fehler drin waren.

    Marcel: Was ich total spannend finde, wir haben so ein paar Songwriter tatsächlich in unserem Hörerkreis, tauschen uns auch immer schön aus und manche von denen stecken völlig am Anfang, andere machen schon so in ihren eigenen Bands und Sachen rum und wir haben auch immer einen regen Austausch über so ein bisschen so Philosophien wir tauschen uns das schon mal aus. Der Tobias Reitz war ja zum Beispiel auch schon mal da, der hat auch sehr viel Resonanz ausgelöst. Ich weiß, das ist immer schwierig, Dinge, die so komplex sind und so wunderschön sind wie Musik und Songwriting, so auf so ein paar Phrasen runter zu dreschen. Aber wenn du einem jungen Songwriter einen Tipp geben würdest, was wirklich aus deiner Perspektive wichtig ist oder worauf man achten kann oder vielleicht auch zwei, drei, was würdest du jemandem mitgeben?

    Marcel: Erkläre uns kurz das Geheimnis, wie man einen Hit macht!

    Flo: Das Problem ist ja, dass es einfach keiner so richtig weiß und dass es auch keine Formel gibt. Und es gibt auch einfach sehr unterschiedliche Arten, Songs zu schreiben und es gibt auch sehr unterschiedliche Geschmäcker. Ich habe auch Songwriter erlebt, mit denen ich in der Session war, wo ich gemerkt habe: Okay, das ist ein super erfolgreicher Typ und bei mir, ich habe auch ein paar gute Veröffentlichungen und habe so mein Ding aber wir passen überhaupt nicht zusammen. Da hat man so gemerkt, da gibt es auch sehr unterschiedliche Wege. Ich kann da glaube ich, dann immer nur von meinem persönlichen Weg sprechen. Ich glaube, das Wichtigste ist, man muss einfach mit dem Herzen dabei sein. Ich glaube, dass die Leute merken, ob man da jetzt einfach nur schnell irgendwie eine Nummer schreiben will, damit sie fertig wird oder ob man irgendwie was sagen möchte und was ausdrücken möchte. Ich habe das Gefühl, man muss wissen, was man sagen will und muss ein Bauchgefühl haben und sagen: Das ist das, was ich jetzt gerade loswerden muss!

    Markus: Ja, ich finde, das klingt, man mag das irgendwie so einordnen, als wäre das fast schon irgendwie logisch aber ich finde das super, super wichtig. Ich finde, das ist ein ganz, ganz elementarer Punkt, dass man das fühlt und dass man da auch versucht, an die an die Substanz dessen, was man da aussagen will, auch ran zu kommen. Deswegen finde ich es echt ganz wichtig, finde ich ganz, ganz toll, die Aussage dahinter.

    Flo: Ich glaube, es ist tatsächlich einfach wichtig, ich habe manchmal das Gefühl, es gibt Songs, die man hört, wo man das Gefühl hat, was wollen die mir jetzt gerade sagen. Ich habe auch Songs selber schon geschrieben, wo ich gar nicht so richtig wusste, was ich sagen will und am Ende kommt auch beim Hörer irgendwie nichts an. Also ich habe immer das Gefühl, wenn es etwas gibt, wo ich wirklich sage Ich habe jetzt so ein Bauchgefühl, das muss ich loswerden!" Und dann schreibt man den Song irgendwie, dann kommt das am Ende auch irgendwie, wenn man dann auch einfach da dran arbeitet und vielleicht auch irgendwann das nötige Handwerkszeug hat, um das umzusetzen, dann kommt am Ende ein Song rum, wo man dann auch bei den Leuten irgendwie was erreicht. Das ist das Schönste, was passieren kann, wenn Leute zu mir kommen und sagen: "Krass bei dem Song, da habt ihr mich so gekriegt!" Und das finde ich dann sehr schön. Es ist auch manchmal sehr lustig, man hat manchmal so ein Bauchgefühl und hat eine Geschichte und erzählt einen Song und dann kommen aber Leute und haben eine ganz andere Geschichte. Aber da passt der Song dann auch wieder drauf und dann erzählen die einem das und dann haben so ein Leuchten in den Augen. Das die schönsten Momente, wenn man so das Gefühl hat: Das ist ein Lied, was mir was bedeutet, was dem anderen auch was bedeutet, obwohl wir völlig unterschiedliche Sachen erlebt haben aber es kommt irgendwie was rüber. Das finde ich auch das Magische an Musik, das kann man ja auch keinem erklären, was da was da passiert. Man schreibt irgendwie was, dann legt man sein Herz rein und und das kommt dann irgendwie bei dem anderen an und erzeugt da was. Das ist ja schon irgendwie auch was was Magisches und das finde ich immer noch total spannend, weil

    Marcel: Ja, das ist eine ganz tolle Sache

    Markus: Geht ihr denn mit Kasalla, produziert ihr gemeinsam im Studio oder passiert das eher so in dieser Zeit, wo ihr irgendwie in ein Ferienhaus geht oder nehmt ihr euch auch dann noch mal die Zeit, am Ende, wenn der Song fertig ist, noch mal alles dann einzeln aufzunehmen im Studio oder wie läuft das?

    Flo: Also bei Kasalla ist es so, dass die Band sich im Prinzip schon auch selber zumindest sehr arrangiert. Wir sind mittlerweile glaube ich ein sehr eingespieltes Team und jeder beherrscht sein Instrument und wir basteln da, was wir eh am meisten machen, eigentlich im Proberaum, dass wir arrangieren. Also da gibt es eine Songidee, da gibt es eine Melodie und ein Text oder zumindest ein paar Fragmente und dann setzen wir uns halt hin und probieren das, was man musikalisch, in welche Richtung man das auch biegen kann. Aber das Arrangement, da passiert schon relativ viel Band-seitig. Also wir gehen dann ins Studio und dann steht eigentlich das Arrangement. Dann nehmen wir eigentlich erst mal Drums und Bass meistens gemeinsam auf. Das machen wir meistens beim Wolfgang Stach im Maarwegstudio, das ist auch bei uns auf der Etage, wo wir mit Tinseltown sitzen. Und den Rest mache ich dann eigentlich meistens so bei mir. Ich habe, das nennt sich Studio, ist aber ein 25qm Räumchen aber ich habe da alles, was ich brauche. Ich kann da meine Gitarren aufnehmen und ich kann da Gesänge aufnehmen und manchmal nehmen wir auch noch Streicher auf oder arrangieren Streicher im Studio, je nachdem, wie es passt. Ich habe manchmal auch noch Leute, die so ein bisschen Editional Production machen, wenn es da um Effekte geht oder so. Dann probiere ich manchmal selber, manchmal frage ich auch Leute aus dem Studio. Es gibt ja auch Leute, die z.B. jetzt gerade erst so 20 sind und nicht über 40, wie wir, die dann manchmal auch noch einen bisschen anderen Background haben und so ein bisschen frischeren Einfluss haben. Das tut manchmal auch ganz gut, wenn man sich einfach mal mit anderen zusammentut und die Leute finden es wiederum geil, einfach mal bei einer Sache mitzuarbeiten, die halt gerade natürlich dann vielleicht auch eine gewisse Reichweite hat und das ist tatsächlich immer ganz, ganz fruchtbar, wenn man da auch noch ein bisschen Leute reinholt. Wobei wir auch tatsächlich als Band da sehr unterschiedliche Backgrounds haben und auch sehr unterschiedliche Herangehensweisen und dadurch passiert auch in der Band schon eine Menge. Bei uns ist der Nils zum Beispiel, unser Schlagzeuger, jemand, der extrem viel Musik hört und auch so immer auf irgendwelche Underground Konzerte geht oder fährt dann, wenn da mal die Zeit für ist, fährt er zum Seagate Festival nach Ungarn und guckt sich fünf Tage irgendwelche Bands aus der ganzen Welt an, die irgendwas abgefahrenes machen und kommt dann wieder mit so Ideen: "Ich habe da was gehört und guck mal da" Das ist ganz spannend. Der Ene ist ja bei uns jemand, der hat irgendwie Kirchenmusik studiert und auch Jazz studiert und ist ja eigentlich auch ausgebildeter Jazz Pianist, der dann auch manchmal wieder komplett andere Ideen und hat auch klassisches Klavier sogar auch noch studiert und kann auch Orchester arrangieren. Da kommt dann wieder eine ganz andere Farbe rein. Der Basti hatte ja früher eigentlich eine Phunkband und hört gerne Foo Fighters, wobei Foo Fighters eine der Bands ist, auf die wir uns alle ganz gut einigen können. Aber der hat wieder auch eine ganz andere Sichtweise drauf. Ich habe früher viel Metal gehört, aber hör auch gerne Hip-Ho. Und der Sebi ist auch jemand, also unserer Basser, der sehr viel Musik hört und auch teilweise, der hat ja früher bei der Band "The Intersphere" gespielt, was ja so eine sehr krasse Band ist, die so extrem musikalisch härtere Gitarrenmusik machen, die aber sehr ausgefuchst ist. Und der hat auch wieder eine ganz andere Herangehensweise. Das ist tatsächlich ganz, ganz spannend, weil da allein im Proberaum schon so viele Welten aufeinanderprallen und und dann ergibt das irgendwie so immer was, was ganz gut funktioniert. Wenn wir ins Studio gehen, ist da schon sehr viel passiert, es ist jetzt nicht so, dass wir mit einer ganz hohen Ideen ins Studio gehen.

    Marcel: Das erinnert mich an eine total lustige Sache: Ich war mal mit einer Freundin in diesem Backstage-Bereich vom FC und da standet ihr alle in einer Gruppe und es kam auch immer so wieder so ein paar Leute zu euch, die dann irgendwie mit euch sprechen wollten, Autogramme haben wollten und so. Und ich habe natürlich zwei, drei Kölsch getrunken und dachte mir, da ist der Sebi und jetzt gehst du da rein und sagst einfach mal: "Hey, du bist doch der Bassist von The Intersphere!" Weil halt jeder da hin ging und sagte: "Ey, Kasalla, Kasalla!" Und es war so lustig, einer von euch meinte dann nur so ganz trocken zu Sebi: "Wie, du hast noch ne Band?" Ich fand es so witzig! "The Intersphere" finde ich auch super cool, den Sebi hatten wir ja auch schon im Podcast, fällt mir gerade so ein. Das war auch sehr spannend, da haben wir mal über Bass gesprochen mit ihm, war auch ganz spannend, was er da so zu erzählen hatte.

    Flo: Der ist ja auch ein sehr, sehr spezieller Bassist. Ja, es gibt ja so Bassisten, die so drei Noten spielen und das funktioniert auch super, aber der Sebi ist ja jemand, der sich unheimlich viel Gedanken über Sound macht und über Effekte und Arrangements, der probiert ja immer, alles dann sehr besonders zu machen. Das macht natürlich auch den Sound aus von Kasalla, weil er da sehr in seiner Welt ist und da sehr besondere Einflüsse einbringt. Ich glaube, es gibt sehr viele Bausteine, die am Ende dazu führen, dass das so so klingt, wie es klingt. Das ist sehr spannend und wir probieren natürlich auch immer, uns irgendwie wieder neu zu erfinden und was Neues zu probieren. Und dann kommt der Sebi plötzlich mit einem Synth Bass um die Ecke und sagt: "Ich spiele jetzt mal nur Synthesizer!" Vor ein paar Jahren hat er sich ein Kontrabass gekauft und hat angefangen, Kontrabass zu spielen. Das ist schon ganz cool und ich glaube, es ist auch wichtig, dass man als Band probiert, sich nicht darauf auszuruhen, wo man gerade ist. Das ist natürlich einfach und natürlich kann man auch, es gibt ja auch Bands, die da gut mit fahren, immer wieder das gleiche zu machen, ACDC oder so klingen halt wie sie klingen. Das ist auch cool, aber ich glaube, dass es auch für einen als Band wichtig ist, dass man immer so ein bisschen weitergeht, man muss jetzt nicht komplett sich neu erfinden. Aber ich glaube, wenn man immer das gleiche macht, das wird dann irgendwann auch langweilig. Das ist natürlich der Tod der Kreativität, wenn man irgendwie denkt: "Ja, machen wir wie immer!"

    Marcel: Da ist ja auch noch ein Tipp hinten runtergefallen. Also macht es vielleicht auch ab und zu mal anders.

    Flo: Ja, manchmal ist es ja auch spannend. Es ist ja auch spannend, einfach mal was anders zu machen oder mal ganz bewusst zu sagen: Ich mach es jetzt mal nicht so wie immer, sondern probiere mal etwas völlig anderes!

    Markus: Wie hast du eben gesagt, jede Idee auch umzusetzen, das fand ich auch ein cooler Ansatz.

    Flo: Das ist ein sehr simpler Ansatz, aber der ist tatsächlich ganz gut, wenn man einfach alles, was im Raum ist, einfach mal ausprobiert und das ist manchmal völlig absurd. Und manchmal gibt es auch Sachen, wo man denkt: Ach du Scheiße! Aber ich bin selber immer überrascht, weil es gibt manchmal auch Ideen, da kommt der Sebi zum Beispiel um die Ecke und sagt: "Komm, wir machen mal das!" Und ich denke so: "Ach nee, Alter, das ist doch..." Also ich bin mir ganz sicher, dass das totaler Käse ist. Und dann machen wir das mal, dann spielen wir dann und dann denken wir: "Ach stimmt, eigentlich ganz geil!" Das finde ich immer wieder das Spannende, dass man versucht, alles erst mal zuzulassen, weil nein sagen kann man am Ende immer noch. Wir haben tatsächlich das Glück, wie gesagt, dass wir als Band, glaube ich, am Ende immer ein ganz gutes gemeinschaftliches Gefühl haben. Ich kenne das auch aus Songwriting Sessions komplett anders. Also, dass man einfach sehr unterschiedliche Gefühle hat und dann am Ende auch der eine das sagt und der andere das und das bleibt aber dann auch dabei. Ist nicht so, dass man am Ende sich darauf einigt, was wer gut finde und was nicht, sondern dass man einfach nicht zusammen kommt. Und das ist halt auch manchmal so, dann ist es aber vielleicht auch beim Songwriting so, dass man sagen muss, das passt dann vielleicht auch nicht so gut mit uns.

    Markus: Wo verschiedene Philosophien aufeinandertreffen.

    Flo: Ja und über Geschmack kann man streiten. Es gibt Sachen, die die einen super finden, die die anderen furchtbar finden. Das ist sowohl beim Texten als auch beim Arrangement, als auch bei der Musik so. Und das ist auch gut, das das so ist. Aber das kann halt manchmal dazu führen ,in der Songwriting Session, ich merke dann manchmal so: Okay, ich bin dann professionell genug mittlerweile, dass ich das dann irgendwie zu Ende bringe und dann auch einfach dann für mich sag: Komm, dann machen wir es jetzt so! Das ist dann meistens auch was, das verläuft im Sande und der Song ist dann auch nicht so gut. Das muss man halt einfach für sich finden, wo da der Weg ist und ich habe immer das Gefühl, man hat so ein Bauchgefühl. Wenn das bei mehreren Leuten ähnlich ist, dann kann man da ganz gut auf einander vertrauen und dann hat man irgendwie das Gefühl, das ist jetzt cool oder das ist auch nicht cool. Das ist auf jeden Fall total wichtig, man muss ja immer wieder Entscheidungen treffen, in welche Richtung man weitergeht. Und da ist es ganz gut, wenn man irgendwie ein gemeinsames Gefühl hat, das was cool ist oder nicht. Wobei auch in der Band, wir hatten auch Songs bei uns, da hatten vier Leute ein super Gefühl und einer fand es total furchtbar. Und dann haben wir aber demokratisch entschieden, wir machen es jetzt und, dass das dann am Ende eine Single wurde, die dann auch mittlerweile bei uns echt immer so der letzte Song im Set ist, das große Finale, das ist natürlich total lustig, wenn man das damals überhaupt nicht erwartet hat. Also der Ene war das damals, der meinte: "Mir gibt das so gar nichts gerade." Mittlerweile fühlt er das aber auch irgendwie, hat sich daran gewöhnt und sein Frieden damit gemacht aber es ist halt lustig. Manchmal tickt man einfach unterschiedlich und das ist einfach so. Aber es gibt auch Momente, wo wir alle fünf sagen: "Ah, geil, ist cool!" Und dann hat man das gemeinsame Bauchgefühl.

    Markus: Hey Flo, dann würde ich sagen, wir sind ja schon fast so ungefähr einer Stunde. Dann sage ich danke, für die coolen Einblicke, das war super spannend.

    Marcel: Du hast es uns echt nicht leicht gemacht, also es war nicht wirklich sehr interessant.

    Markus: Du scheinst das öfters zu machen.

    Flo: Ich laber auch gerne viel.

    Markus: Hat sehr viel Spaß gemacht. Magst du noch irgendwie raushauen, wo man euch findet - Webadresse oder vielleicht wo man was über dich findet, kannst du uns auch noch mal mitgeben, dann können wir das natürlich auch in den Beitrag schreiben.

    Flo: Also man findet auf jeden Fall Kasalla Musik bei Facebook oder auch bei Insta. Ich glaube, wenn man bei mir mich eingibt, findet man mich auch bei Insta. Wobei da eher meine privaten Urlaubsfotos teile, das ist wahrscheinlich nicht so interessant. Aber Kasalla Musik und Tinseltown findet man natürlich auch.

    Marcel: Verlinken wir euch auch alles noch mal in den Show Notes. Wir haben eine kleine Tradition, der Markus besteht darauf, dass wir immer runter zählen, drei, zwei, eins und dann reingetackert rufen. Also Markus, ich überlasse dir, wie immer, diese Ehre.

    Alle: 3... 2... 1... Reingetackert!

    Marcel: Sehr vielen Dank und bis bald.

    Flo: Ja, sehr gerne.

    Flo: Boah, das ist schon ein Traum, wenn du so ein Team hast, oder?

    Markus: Ich meine aber, man hört ja auch, was dabei rauskommt. Das ist schon der Hammer. Und ganz viel was Flo erzählt hat, gibt einem auch den Einblick, dass man checkt, warum Kasalla so cool ist. Diese Stadion Nummer, war das wirklich so, hast du das echt gebracht?

    Marcel: Das war kein Scherz, ich bin da wirklich hin und ich fand es richtig cool. Die Jungs fanden das auch in dem Moment lustig, weil Alle nur: "Kasalla, Kasalla" Und ich komme an: "Ey, du bist doch der Bassist von The Intersphere?" Markus: Und du musst jetzt wieder...

    Marcel: Es geht wieder Reifen wechseln!

    Markus: Hat dein Reifen noch volle Füllung oder ist der schon wieder leer?

    Marcel: Nee, ich habe da so einen Kleber reingetackert.

    Markus: Das Auto hat jetzt so eine harte Grundhaltung, durch ein bisschen Bauschaum.

    Marcel: Ich habe ja so viel Ahnung von Autos.

    Markus: Oder hast du es direkt in alle vier Reifen rein gemacht?

    Marcel: Natürlich, klar. War auch eben beim Reifen Service, der meinte, ich hätte das nicht direkt machen sollen, weil der Reifen ist jetzt kaputt.

    Markus: Aber macht schon Sinn so, hast du dir gedacht?

    Marcel: Ja, also ich muss sagen, er war so leer, dass man auch wirklich nicht mehr fahren konnte.

    Markus, da bin ich einmal ohne dich unterwegs, dann passieren solche Sachen.

    Markus: Bis zum nächsten Mal.

    Marcel: Macht's gut, ich geh mal Reifen wechseln.

    Noch keine Kommentare vorhanden

    Was denkst du?


    © rurton              

    Newsletter? E-Mail eintragen: