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Heute wird's abstrakt - Wer ist Jenny Wolf? [026]

INHALT

Hey Audionerd ;-),

unsere heutige Gästin ist ein echter Tausendsassa. Jenny Wolf ist Co-Writer bei marcel and the mess, schreibt außerdem Kinderlieder und beherrscht zahlreiche Instrumente, allen voran gehört ihr Herz dem Bass.

Sie reist heute im Gespräch mit Marcel nochmal durch die komplette Produktion von “matm”.

Vom ersten Treffen bis zur fertigen EP.

Wie kam Jenny ins Projekt?

Was hat es mit ihr gemacht?

Die zwei erinnern sich an tolle und auch an verwirrende Momente.

Zwischendurch schweifen die beiden Abstraktdenker schon mal in die verschiedensten Richtungen ab.

Eins ist sicher, es wird auf vielen Ebenen sehr unterhaltsam. Jenny bringt mit ihren positiven Vibes die Bude richtig in Schwung.

Was haben ein Videodreh und eine professionelle Zahnreinigung gemeinsam? Was?

Wie immer lernst du auch heute noch was dazu … #niemandlerntaus ;)

3…2…1… Reingetackert!

Marcel und Markus


SHOWNOTES

  • Dave Grohl
  • https://de.m.wikipedia.org/wiki/Dave_Grohl
  • Foo Fighters
  • https://de.m.wikipedia.org/wiki/Foo_Fighters
  • Foo Fighters - Learn to Fly
  • hhttps://www.youtube.com/watch?v=1VQ_3sBZEm0
  • Foo Fighters - I am a River
  • https://www.youtube.com/watch?v=9cqHAgnub_M
  • Foo Fighters - Tired of you
  • https://www.youtube.com/watch?v=L2mnoH1Fypo
  • Foo Fighters - On the mend
  • https://www.youtube.com/watch?v=aDVkO7FMvdk
  • Taylor Hawkins
  • hhttps://de.wikipedia.org/wiki/Taylor_Hawkins
  • Nirvana
  • https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nirvana_(US-amerikanische_Band)
  • Florence + the machine
  • hhttps://de.m.wikipedia.org/wiki/Florence_%2B_the_Machine
  • Jennifer Rostock - Schlaflos
  • https://open.spotify.com/album/3xAh42A8i7guteAfsv3naL?si=cgjoUhG-S2CUVHSYP0kLew
  • marcel and the mess
  • http://www.marcelandthemess.de
  • Learn to forgive
  • https://youtu.be/iEElgayt4sE
  • 160 characters
  • ttps://youtu.be/F7Nmrn7daUs
  • Fabi Bruemmer
  • https://de.m.wikipedia.org/wiki/Dave_Grohl
  • Mirjam von Eigen
  • hhttps://instagram.com/mirjam_von_eigen?utm_medium=copy_link
  • Enis Gülmen
  • https://instagram.com/enizguelmen?utm_medium=copy_link
  • TIL
  • https://til-official.com
  • The Walking Dead
  • https://de.m.wikipedia.org/wiki/The_Walking_Dead_(Fernsehserie)
  • Maikes Rappelkiste - Niemand lernt aus
  • https://www.youtube.com/watch?v=-kv-AFfjXGg


    TRANSKRIPT

    Marcel: Hallo ihr Lieben und herzlich willkommen zur ersten Folge „Reingetackert!“ 2022. Wir recorden natürlich wieder in der Vergangenheit. Es ist gerade kurz vor Weihnachten und wir haben eine ganz wunderbare Stimmung hier und sitzen am Weihnachtsbaum. Und ich habe heute jemand ganz besonderen für euch mitgebracht und es ist mir echt ein riesiges Anliegen, sie mal vorzustellen, weil wir hängen ganz eng miteinander verknüpft und man kriegt aber doch sehr wenig von ihr mit, und zwar ist das die Liebe Jenny Wolf. Erstmal, hallo Jenny! Schön, dass du dir Zeit genommen hast und hier bist.

    Jenny: Hallo! Danke, dass ich vorbeikommen durfte.

    Marcel: Oh, wir freuen uns! Jenny, du kommst gebürtig aus dem Umfeld rund um Bitburg. Vielleicht greifen wir das auch nochmal auf, wie wir uns da kennengelernt haben, weil wir haben ja irgendwie zusammen Gesangsunterricht gemacht. Und dabei kam ich dann irgendwann auf dich zu mit einer verrückten Idee, aber dazu später mal mehr. Sag mal, Jenny, du spielst wie viele Instrumente? Oder was spielst du alles?

    Jenny: Was spiele ich alles? Also, ich habe angefangen mit Querflöte mit sechs Jahren und davor noch Glockenspiel. Und dann war ich irgendwann zu cool für Querflöte und habe ich dann angefangen Bass zu spielen. Und das ist auch eigentlich mein Hauptinstrument. Ich spiele Ukulele und so, aber Bass ist eigentlich mein Hauptding.

    Marcel: Und wir wissen beide, dass Bass das wichtigste Instrument ist.

    Jenny: Auf jeden Fall, Fundament und so.

    Marcel: Fundament. Ist krass, ne, dass der Bass irgendwie so in den Augen der Leute – ist ja manchmal so auch im Band-Kontext – oft ein bisschen unterschätzt, aber er ist so wichtig.

    Jenny: Ja, wobei ich mag das auch ganz gerne, weil ich finde, das passt auch oft zu der Persönlichkeit von Bassisten, wenn man sich diese anguckt…

    Marcel: Das stimmt.

    Jenny: Auf den Bühnen. Die sind oft so die Gechillten im Hintergrund. Die anderen kennen die.

    Marcel: Die Coolen.

    Jenny: Ja, danke. Sehe ich auch so.

    Marcel: Also, ich finde Bassisten tatsächlich auch, ja, auf eine gewisse Art und Weise sexy. Das klingt jetzt wieder komisch, aber findest du nicht auch… Ich glaube, wir hören beide Foo Fighters.

    Jenny: Yes.

    Marcel: So, und gerade bei denen finde ich, es ist ein Phänomen. Das finde ich… also, es ist mir wirklich oft in Musikproduktion aufgefallen, dass der Bass ganz oft zu viel machen kann. Ein richtig cooler Bassist ist auch einer, der sich in den Song einfühlt, oder?

    Jenny: Ja. Also, ich finde, ein richtig cooler Bassist, da kommt natürlich auch immer aufs Band-Setting an, wenn du als Bassist im Vordergrund stehen sollst, von der Musiker her, zum Beispiel Red Hot Chili Peppers finde ich…

    Marcel: Richtig.

    Jenny: Das ist schon geil. Aber ansonsten, finde ich tatsächlich, muss man als Bassist sein Ego zurücknehmen und seinen Job machen. Und das ist halt die Basis darzustellen zusammen mit dem Drummer und so und die Verbindung irgendwie zwischen Beat und Melodie irgendwie hinzukriegen.

    Marcel: Würde das mal der eine oder andere Gitarrist verstehen! Das darf ich ja sagen als Gitarrist.

    Jenny: Ach so!

    Marcel: Weil wir drehen ja immer lauter im Gig und haben immer dieses Hört-ihr-was-ich-spiele-Phänomen.

    Jenny: Ja, das mache ich wohl auch.

    Marcel: Hey, Band Members, hört ihr, was ich spiele? Ja, geil! Und wenn man sich das so anhört, ich finde das wirklich beeindruckend bei, was weiß ich, so coole Foo-Fighters-Songs irgendwie, sage ich mal, die jetzt nicht komplex sind, wie „Learn To Fly“ oder sowas. Da spielt der Bass so eine Basic-Rolle, aber so eine wichtige. Und ich habe mich damit wirklich mal so ein bisschen beschäftigt. Und oft ist es ja auch so, dass der Bass halt genau den Kontrapunkt zu den Vocals bildet. Insofern ich würde es voll unterschreiben, was du sagst, denn in Rock, oder Singer-Songwriter, oder Pop-Musik, es ist wirklich so, hey, du bist ja verlängerter Arm des Schlagzeugers, aber du bist auch der emotionale Unterbau des Sängers. Finde ich faszinierend an diesem Instrument.

    Jenny: Ja. Ja, ich liebe Bass, also generell die Aufgabe des Bassisten. Ich finde die ist total vielseitig, total wichtig.

    Marcel: Hätte ich früher verstanden, wie ich bin, wäre ich wahrscheinlich lieber Bassist geworden also, weil ich gehöre ja zu den Introvertierten unter den Sängern und… na ja, gut. Aber genug von mir. Deine Instrumente… Wie ist das mit Texten? Wie kommst du zum Texten?

    Jenny: Wie komme ich zum Texten? Interessant, dass du fragst, Marcel. Zum Texten komme ich durch dich tatsächlich.

    Marcel: Das finde ich echt verrückt.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Da müssen wir auch gleich noch mal die eine oder andere Zeile darüber austauschen. Also, wir gucken uns vielleicht auch gleich noch mal einen von unseren Texten an. Das finde ich sehr schön. Ernsthaft?

    Jenny: Ja.

    Marcel: Ich habe es schon völlig verdrängt. Also…

    Jenny: Ja, ernsthaft, ja.

    Marcel: Also, dein erster geschriebener Text war „Learn To Forgive“?

    Jenny: Mein erster geschriebener Text war „Learn To Forgive“, ja.

    Marcel: Das gibt’s doch nicht!

    Jenny: Ja, ja, stimmt.

    Marcel: Okay, das ist Wahnsinn.

    Jenny: Geil, ne, dafür?

    Marcel: Ich find’s Hammer. Also, das sagt mal wieder so viel über Momente und Menschen und Zusammenkommen und… echt verrückt! Und wie ist das mit der Kindermusik?

    Jenny: Die kam kurz danach.

    Marcel: Okay.

    Jenny: Also, ich habe, ehrlich gesagt, auch nie daran gedacht, dass ich überhaupt Texte schreiben könnte, würde, sollte. Ich habe auch nie irgendwie Tagebuch geschrieben oder so. Und als du mich dann gefragt hast, ob ich das mal machen würde, da habe ich gedacht, ja, geile Idee eigentlich. Also, ich habe schon öfters mal so Gedanken, wo ich denke, so falsch sind die vielleicht gar nicht, aber ich habe nie gedacht, die irgendwie aufzuschreiben. Und als das dann so ein bisschen weiterging mit uns und die Texte auch irgendwie tatsächlich ziemlich geil waren so, jedenfalls meiner Meinung nach…

    Marcel: Ja.

    Jenny: Kam dann die Idee, weil ich ja auch eigene Kinder habe und halt Themen gibt, die so wichtig sind oder auch sehr witzig sind, kam dann der Gedanke, vielleicht kann ich das auch für Kinder machen, so Dinge zu sagen, die ich wichtig finde.

    Marcel: Ich finde das total faszinierend, weil… also, die Texte… du machst ja auch phonetisch oder metrisch machst du wahnsinnig viel so absolut richtig direkt. Und da ist halt… das ist für mich mal wieder ein Beweis dafür, dass… ja, man lernt da einfach nicht aus. Und wenn man, weißt du, vor so 10 Jahren oder so, da kommst du aus so einem Musikhochschulkontext und dann denkst du immer, die besten Spieler machen das beste Team. Also, die müssen alle voll was drauf haben um dich herum und dann kommen gute Ergebnisse raus. Und ich finde das ist also in Bezug auf Erfahrung absolut falsch, weil immer wieder fällt’s mir auf, dass Leute total unbedarft an etwas rangehen. Die sind dann… zum Beispiel du bist ja nicht unmusikalisch. Du hast ja ein super krasses Verständnis für Musik durch die Instrumente. Das heißt, deine Metrik und dein Phonetikverständnis kommt ja einfach davon, dass du sehr viel Musik machst und sehr viel Musik hörst, nur gehst du halt total unbedarft an sowas ran. Das finde ich echt Wahnsinn. Finde ich total crazy. Cool! So, erzähl uns, was sind so deine Haupteinflüsse musikalisch? Was willst du sagen?

    Jenny: Musikalisch? Sehr verschieden, aber ich würde jetzt sagen, jetzt für die Texte zum Beispiel, wenn wir beim Texten bleiben, da würde ich sagen, was ich ultra interessant finde, weil die ganz abstrakt, meiner Meinung nach, die Texte schreiben... wenn ich dann im Nachhinein höre, worum es eigentlich ging, habe ich gedacht, boah, krass, ich habe das ganz anders interpretiert, das wären zum Beispiel Foo Fighters oder Nirvana.

    Marcel: Ja.

    Jenny: Also, Dave Grohl hat mal gesagt, er hat davon viel gelernt. Die finde ich mega von den Texten her. Könnte ich mir ewig anhören, immer wieder interessant. Dadurch, dass die auch so abstrakt bleiben, kann man ultra viele verschiedene Sachen rein interpretieren und die in ganz vielen verschiedenen Lebenslagen hören und sie passen trotzdem. Und wen ich unfassbar gut finde von den Texten her ist Florence and the Machine.

    Marcel: Ja.

    Jenny: Ich bin ein riesen Florence-and-the-Machine-Fan. Die sind ultra gut einfach.

    Marcel: Ja, echt abgefahren! Hast du ein Textbeispiel, einen Foo-Fighters-Song, den wir vielleicht beide kennen, jetzt so ganz spontane Frage?

    Jenny: Ganz spontan…

    Marcel: Oder einen Nirvana-Song?

    Jenny: Beim Foo Fighters ein Text, den ich halt völlig anders interpretiert hätte, war… ich glaube er heißt „I Am A River“. Das wäre so ein Beispiel.

    Marcel: Ja.

    Jenny: Und „Tired Of You“ finde ich auch, vom Anfang und wie der Text sich entwickelt, extrem interessant gemacht.

    Marcel: Ja, es gibt echt abgefahrene Texte. Ich habe auch mal gelesen… Kennst du den Song „On The Mend“, so ein ganz ruhigerer von der echoes. silence, patience…

    Jenny: Ja, ja.

    Marcel: Glaube ich. Da geht’s irgendwie… das habe ich auch völlig nicht verstanden. Ich glaube es ging darum, dass Taylor Hawkins sich irgendwie eine Überdosis gesetzt hat. Und Dave Grohl hat diesen Text geschrieben als er im Krankenbett saß oder so. Ich habe das zumindest mal in so einer Song-Meaning-Interpretation oder sowas gelesen. Und ich hatte den auch immer völlig falsch verstanden. Und ich dachte so, wo… es ist schon sehr abstrakt, aber, ja, verrückt. Und gerade als jemand, der auf Deutsch viel textet, aber auch ein Abstract-Denker ist und auch ein Anhänger von solchen Texten, finde ich das so cool, dass wir da auch eine Schnittmenge haben, weil ich finde das ganz toll, wenn Texte auf verschiedene Art und Weise gedeutet werden können. Probleme sind Deutsch leider auch oft, so meiner Erfahrung, so ein bisschen… Deutsch ist halt sehr direkt und es ist manchmal sehr schwer rumzuschwurbeln auf Deutsch, aber trotzdem irgendwie deutlich zu bleiben. Das gelingt, glaube ich, nicht so vielen deutschen Textern. Das ist echt krass. Da wäre zum Beispiel ein Beispiel, kennst du Jennifer Rostock? Die Schlaflos-Platte finde ich wahnsinnig gut auf Deutsch. Aber, ja, so was Rock-Lyrics angeht, hänge ich dann doch auch phonetisch im Englischen. So, wir zwei Abstract-Denker haben schon wieder alle Struktur hier verlassen. Ich wollte dich eigentlich eingangs gefragt, aber ich mache es jetzt trotzdem. Ich stelle die schwierigste aller Fragen. Wer ist Jenny Wolf? Jenny Wolf ist ja die Jenny, die Musik-Jenny.

    Jenny: Die Musik-Jenny, ja.

    Marcel: Die Musik-Jenny. Da tauchst du auch auf, wenn es um Gema Meldung oder sonst irgendwas geht...

    Jenny: Genau.

    Marcel: Weiß ich noch. Und wer ist Jenny Wolf? Darfst du rückfragen nachher, keine Angst.

    Jenny: Ja, da… ja, dann werde ich. Ja, Jenny Wolf ist jemand, die als allererstes morgens, bevor die Kinder wach werden, meditiert, damit ich klarkomme durch den Tag, vor den Kindern, mit allen… nee, vor einigen erstmal mit mir selber. Dann komme ich auch super mit den Kindern klar. Wenn die Kinder dann wach sind, dann tanzen wir normalerweise erstmal durch die Küche und sagen dem neuen Tag guten Morgen, so positive Vibes und so. Und, ja, ansonsten bin ich extremst verpeilt… extrem verpeilt und verliere auch ständig den Faden, so wie jetzt gerade. Und… nee, ich habe es wieder, okay. Ja, ich mache natürlich viel Musik immer mal wieder, jeden Tag irgendwas, egal was es ist, und wenn ich ans Klavier gehe oder…

    Marcel: Ja.

    Jenny: Oder den Bass in die Hand nehme oder so und denke zu viel nach…

    Marcel: Ja, Amen. Ich auch.

    Jenny: Und habe immer mal wieder… werde ich von diesem Weltschmerz überrollt, aber dann geht's auch wieder. Also, das sind immer so Phasen. Kennt wahrscheinlich jeder.

    Marcel: Also, hast du so ein bisschen so ein Achterbahnerlebnis von dem Tag.

    Jenny: Von dem Tag?

    Marcel: Also, ist das… ist das so auf… also, Weltschmerz, dann dies, dann das, dann muss ich wieder Mutter sein. Dann musst du viel umschalten wahrscheinlich auch.

    Jenny: Ja, viel umschalten, ja, aber das geht mittlerweile auch sehr gut. Das hat natürlich auch was gedauert bis man so sein Groove gefunden hat, aber dann…

    Marcel: Cool!

    Jenny: Dann passt das.

    Marcel: Okay, also, Jenny, du machst wahnsinnig viel Musik. Willst du uns mal kurz mitnehmen? Die Jenny Wolf, die Musikerin, was macht die denn so das ganze Jahr? Weil ich meine, du spielst ja dann… du spielst ja Bass, auch in Bands und so weiter. Erzähl uns mal ein bisschen.

    Jenny: Ja, das ist immer so, was ich so mache, das ist stetig veränderbar. Ja, also ich spiele in verschiedenen Bands. Auch das ändert sich immer mal wieder, weil ich ja auch als Aushilfe natürlich gerne unterstütze, wenn ich irgendwo angefragt werde. Im Moment fest spiele ich in einer Kölschrockband in einer Akustik-, so Rockabilly-Country-Formation. Dann schreibe ich noch Texte mit marcel and the Mess…

    Marcel: Yeah!

    Jenny: Und Kinderlieder und helfe auch immer wieder in Orchestern aus oder auch mal in Bigbands.

    Marcel: So, jetzt muss ich mal eine Frage stellen. Ich finde nämlich witzig. Wenn du nicht Musikerin bist, wie war noch mal deine Job-Bezeichnung?

    Jenny: Lean Management.

    Marcel: Und das ist das Verbessern von Prozessen?

    Jenny: Ja, Lean Management ist… ja, man versucht… also, alles ist ja irgendwie verbesserbar. Und im Lean Management geht es um die stetige Verbesserung. Also, das heißt, ich mache das jetzt auch nicht als Berater, als externer Berater, sondern ich bin in der Firma fest angestellt und dort schaue ich mir mit meinen Kollegen gemeinsam die Arbeitsprozesse an und dann gucken wir, was können wir verbessern, also wo… wie können wir, ja, effizienter werden, weniger Fehler machen und auch vor einigen, dass es für die Mitarbeit auch leichter wird. Und am Anfang, wenn man sowas einführt, ist das natürlich immer sehr schwierig, weil Veränderung…

    Marcel: Klar!

    Jenny: Da sträubt sich jeder erstmal gegen. Mittlerweile ist es aber total toll. Die… meine Kollegen kommen auch freiwillig auf mich zu und die melden sich dann und sagen, hey, hier haben wir ein Problem, oder hier ist abteilungsübergreifend, bei Schnittstellen haben wir hier ein Problem mit der Zusammenarbeit oder dem Verständnis, oder hier treten immer wieder Fehler auf oder so, und dann schauen wir uns das gemeinsam an und verbessern dann die Prozesse.

    Marcel: Das finde ich total spannend, weil dann zoomst du ja auch viel raus und versuchst Teile zu verbinden.

    Jenny: Ja, ja, und ich darf das machen, was ich am allerliebsten mache, und zwar immer wieder Fragen stellen bis ich es verstanden habe.

    Marcel: Ach, okay.

    Jenny: Weil ich ja selber nicht an den Prozessen arbeite. Und das heißt, ich bin so ein Außenstehender, der keine Ahnung hat, und komme dann da rein. Und um den helfen zu können, muss ich ja den Prozess verstehen. Und weil ich gar keine Ahnung habe, darf ich so unglaublich viele Fragen stellen und… was den Kollegen dann natürlich auch hilft, weil wenn man so in seinem Trott ist und die Arbeit immer wieder macht…

    Marcel: Ja.

    Jenny: Hinterfragt man natürlich auch viel nicht mehr.

    Marcel: Richtig.

    Jenny: Weil man das einfach schon immer so gemacht hat. Und wenn dann jemand außenstehendes reinkommt und sagt, hey, aber warum, warum, das verstehe ich nicht, und, hey, das verstehe ich auch noch nicht, dann fängt man noch mal an zu überlegen und kommt… die kommen ja dann auch selber auf Lösungen. Ist ja nicht so, dass ich jetzt die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, sondern ich komme da rein und weiß gar nichts und helfe nur so, den Weg zu finden.

    Marcel: Ja, aber da gibt’s eine schöne Parallele zu dem, was wir eingangs gesagt haben, dass einfach von außen noch mal ein anderer Blick kommt. Weil für mich als Songwriter ist es ja auch so. Ich habe die Dinge immer irgendwie gemacht. Und natürlich versucht man sich immer Fragen zu stellen oder dann noch mal Prozesse irgendwie noch mal anders zu beleuchten, aber unsere Zusammenarbeit ist ja quasi ein Sinnbild dafür. Und ich finde das so witzig, verpeilt, zwangsorganisiert, dann doch irgendwie so ein Projekt-, Prozessoptimierer, und gleichzeitig so ein fühl-abstrakt-Mensch. Kind zweier Welten, oder?

    Jenny: Auf jeden Fall, ja.

    Marcel: Schön, da bin ich mal nicht alleine.

    Jenny: Ja, Gegensätze, ja.

    Marcel: Das finde ich echt cool. Ja, jetzt kam diese Geschichte. Auf einmal stand er vor dir und sagte, du, sag mal, du kannst doch Englisch.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Mehr als one, two, three, four.

    Jenny: Das war witzig. Da habe ich echt gedacht, hä? Ja, da kam der Anruf. Ich saß noch im Auto und dann kam der Anruf von Marcel, der da sagte, hey, du kannst doch Englisch, hast du nicht Bock, Texte mit mir zu schreiben? Und ich habe gedacht, hä? Ja, ich glaube, ich habe zu dir gesagt, ja, ich weiß nicht, ob ich das kann, aber ja, ja, lass mal probieren.

    Marcel: Ja, ich muss zugeben, ich hatte das anfangs hier in Bitburg nie so ganz verstanden, weil ich ja nicht ursprünglich von hier komme, aber hier gibt's halt super viele Amerikaner wegen dieser Airbase. Und ich hatte dich dann auch immer in diese Native Speaker amerikanische Ecke irgendwie reingestellt, weil du auch, wie viele andere hier, halt so einen Namen hast… hattest, der halt sehr amerikanisch klingt. Und daher kam halt dieser Rückschluss, ha, Moment mal, wenn, dann kann die das. Du hast in Amerika gelebt.

    Jenny: Ja. Ja, ich habe eine Weile in Amerika gelebt und habe dann auf… also in den Niederlanden auf Englisch studiert und durfte dann auch zwischendurch in Südkorea Englisch unterrichten und habe dann in…

    Marcel: Bitte?

    Jenny: Ja, und habe dann in Wales auch zwischendurch gearbeitet, also von daher ist mein Englisch schon nicht Native Speaker, aber schon nahe dran, würde ich sagen.

    Marcel: Da habe ich doch schon so viele Stunden mit dir zusammengesessen und habe davon nie gehört. Spreek jij dan ook Nederlands?

    Jenny: Nee.

    Marcel: Nee, das nicht?

    Jenny: Nee, Venlo, ich weiss nicht… Zählt das zu Holland?

    Marcel: Ja, doch. Das Deutsch ist platt auch. Ach, wie cool! Ja, und dann haben wir dann so ein bisschen rum überlegt. Und gibt's denn für dich – jetzt nur mal so eine rein technische Frage, vielleicht auch irgendwie langweilig für dich, weiß ich nicht – aber gibt's für dich als jemand, der viele Sprachen spricht und der halt Englisch sehr gut beherrscht, gibt's denn da Unterschiede? Also, gerade was Musiktexte angeht, würdest du sagen, da gibt's einen großen Unterschied zwischen Deutsch und Englisch?

    Jenny: Ja, finde ich schon. Also, einmal natürlich vom… von, ich denke, ich glaube Phonetik nennt man das, wie sich das… wie das fließt, wie sich das… wie sich das anhört, ist Englisch natürlich viel weicher als die harte deutsche Sprache, und auch in den deutschen Texten ist es halt meistens sehr konkret. Es gibt so vereinzelte Künstler, finde ich, die schaffen das ganz gut auch mit der deutschen Sprache zu spielen. Ich würde aber… also, für mich persönlich würde ich aber auch behaupten, dass es auf Deutsch viel schwieriger ist. Also, ich finde, im Englischen kann man so viel mit der Sprache spielen, mit Wörtern, die auf verschiedensten Arten ausgelegt werden können, verschiedene Bedeutungen haben. Also, ich würde sagen, dass es auf Englisch leichter ist, diese Art.

    Marcel: Wie ist das, wenn Bands englische Texte schreiben und man die wirklich versteht?

    Jenny: Ja.

    Marcel: Ist da viel Quatsch dabei, oder ist es gar nicht so groß? Kann man Englisch einfach besser handeln?

    Jenny: Da ist ja auch viel Quatsch dabei, aber da ist auch… da sind doch einfach viele… viele schöne und lustige Texte, die man so nicht richtig wahrnimmt, weil die wenigsten ja auf die Texte tatsächlich achten, weil das Englisch vielleicht doch nicht ausreicht, oder selbst wenn, achtet man ja nicht so ganz genau meistens auf den Text. Ich habe das mal letztens in der Akustikformation in einer Probe aus Spaß einfach gemacht, weil das alles so nicht Englischsprecher sind, und wir haben dann die Songs eingespielt, weil wir aus 50er-60er viele Songs machen.

    Marcel: Okay.

    Jenny: Und habe dann die gespielt und die einfach auf Deutsch gesungen. Und das war so witzig, was dabei teilweise rauskam, weil die halt gar nicht wussten, worum die Lieder eigentlich gehen, die wir spielen, und das war schon echt mega witzig. Oh ja, da ist auch viel Quatsch dabei.

    Marcel: Ja, das glaube ich. Und ja, in Deutsch… also, es ist so… vielleicht kannst du den Gedanken teilen, oder vielleicht siehst du es anders. Würde mich einfach mal interessieren. Ich habe so das Gefühl, auf Deutsch enttarnt man sich leichter. Also, ein schlechter Songtext auf Deutsch ist sehr schnell irgendwie schlecht und dann das hat ja… also, so er enttarnt sich halt relativ schnell im Vergleich zu einem Englischen. Also, wenn ein Deutscher Englisch hört, dann, wie du schon sagtest, wir hören dann halt meistens auch gar nicht so direkt zu. Und man hat doch manchmal das Gefühl, auf Deutsch ist es so, die sind, wie wir ja auch schon eben festgestellt haben, recht konkret oft. Und durch diese fehlende Bildsprache fehlen auch manchmal so ein paar Interpretationsansätze, habe ich manchmal so den Eindruck. Also, wenn ich so einen englischen Text höre, sagen wir mal irgendeinen Foo-Fighters-Song oder so, und ich weiß vielleicht wirklich nicht, worum es geht, aber er gibt mir total Drive beim Laufen oder so, es gibt so viele unterschiedliche Sachen. Aber wenn du auf Deutsch halt weißt – deswegen finde ich auch Englisch so interessant – wenn du auf Deutsch halt weißt, wovon handelt der Song jetzt, dann ist es auch irgendwie ein entzaubert. Weißt du, was ich meine?

    Jenny: Ja, ja, ja.

    Marcel: Und das finde ich auch irgendwie ein bisschen schön an Englisch, dass das bleibt so ein, für mich auch, so ein Ticken noch, so ein Mysterium. Ich find’s einfach cool. Ich kann mich auch manchmal zurücknehmen und nicht versuchen, das zu verstehen, und halt auch mich einfach von dem Gefühl mal tragen lassen.

    Jenny: Ja, ich glaube, als Nichtmuttersprachler lässt man sich auch viel mehr auf die… einfach das Gefühl und auf die Musik ein als halt auf den Text.

    Marcel: Und es hat ja noch mal Phonetikunterschiede so für Sänger. Also, ich fand es auf jeden Fall super spannend. Ja, dann haben wir uns getroffen.

    Jenny: Dann haben wir uns getroffen.

    Marcel: Oje, jetzt nimmt die verrückte Geschichte ihren Lauf. Jetzt will ich mal aus deiner Perspektive hören, wie du das erlebt hast. Das muss ja furchtbar gewesen sein, mit so einem Abstract-Schwurbler wie mir.

    Jenny: Also, es war auf jeden Fall… erstmal, ich wusste ja überhaupt nicht, was auf mich zukommt. Wir haben ja nur gesagt, oder beziehungsweise du hast gesagt, ja, komm da, lass mal, wir treffen uns mal und dann gucken wir mal. Und ich wusste ja überhaupt nicht, was da jetzt passiert. Und, ich meine, wir haben uns ein paar Mal in den Gesangscoachings gesehen und mehr ja auch nicht. Und dann haben wir uns da getroffen und, ja, dann fingst du halt an, von diesem Herzensding zu erzählen, von diesem Riesenprojekt, die… dein Herzensprojekt. Man hat sofort gemerkt, dass dir das unfassbar wichtig ist und dass da was ganz Besonderes kommt. Und da wurde halt viel gesagt, sehr viel gesagt. Jeder, der dich so ein bisschen kennt, weist, dass sehr viel gesagt wird.

    Marcel: Oh ja!

    Jenny: Und das hat auch ein bisschen gedauert bis ich so ein bisschen gecheckt habe, was jetzt eigentlich… worauf wir hinauswollen. Es wurde ja auch, weil wir ja auch relativ schnell ins Schreiben kommen wollten, wurde es auch sehr, sehr schnell sehr, sehr, sehr persönlich.

    Marcel: Oh ja!

    Jenny: Und da weiß ich noch, da habe ich gedacht, krass, dass du dich das traust, krass, dass du dich traust, jemand total fremden, dich so schnell so weit zu öffnen. Weil, ich meine, klar, wenn wir authentische, ehrliche Texte schreiben wollen, die marcel and the Mess beschreiben, dann müssen das ja auch Marcels Texte und die Dinge sein, die Marcel bewegen. Und natürlich muss man sich da öffnen, aber ich weiß noch, ich habe gedacht, wow, das… ja, krass…

    Marcel: Für uns beide ja krass.

    Jenny: Diesen Mut zu haben.

    Marcel: Ich meine, du musst es auch… wenn… ich versuche mich gerade in deine Position reinzusetzen… zu versetzen und find’s auch total witzig. Ja, viele Worte gab's da wahrscheinlich. Und das musst du ja auch erstmal verarbeiten können und wollen und diese Fähigkeit auch haben – und die hast du, meiner Meinung nach – total dich in diese Gedanken rein zu begeben und einfach zu sagen, ja, okay, was macht das jetzt hier. Und dann stellst du ja Fragen.

    Jenny: Genau.

    Marcel: Das tust du ja wirklich ganz oft.

    Jenny: Was ich ja sowieso so gerne mache, also habe ich wieder den richtigen Job hier gefunden, einmal in meinem anderen Job mit den Fragen stellen, und bei dir mache ich ja genau das gleiche. Also, du sagst viel, worum… was… wie es dir gerade geht, oder was dich beschäftigt, welche Themen dich generell beschäftigen. Das sind ja auch nicht nur Kleinigkeiten. Das sind ja meistens wirklich große Fragen, so große Themen, die… wo sich ganz viele Menschen mitidentifizieren können. Und um aber diesen Text schreiben zu können, müssen wir ja immer wieder hinterfragen, okay, aber was wollen wir sagen, was willst du sagen, was empfindest du, was. Und das ist auch für mich eine unfassbar spannende Arbeit, eine sehr aufräumende Arbeit, weil die Gedanken und die Themen, die dich beschäftigen, beschäftigen ja viele, viele Menschen und so auch mich. Es gibt ganz viele Themen, mit denen kann auch ich mich identifizieren. Und dann dieses Hinterfragen und dann auch noch schriftlich festhalten räumt ja auch sehr viel auf. Deswegen schreiben ja auch viele zum Beispiel Tagebuch und so. Und also die Tatsache, dass ich quasi für dich Texte schreibe oder mit dir deine Gedanken versuche zu sortieren und mit dir gemeinsam diese Texte schreibe, räumt auch bei mir selber viel auf. Und das ist eine sehr, sehr schöne Art, finde ich, aus Nichts diese Songs und diese Lieder zu erschaffen.

    Marcel: Ja, du hast zu mir mal irgendwann gesagt – das fand ich total spannend – dass du, wenn du die geschrieben hast, du dir auch auf eine gewisse eine Weise irgendwie so direkt so…

    Jenny: Weg.

    Marcel: Erase, delete…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Weg.

    Jenny: Ja, tatsächlich. Wir haben nachhinein dann auch noch mal über Texte sprechen da muss ich immer noch mal selber noch mal reingucken und lesen.

    Marcel: Ja.

    Jenny: Weil die wirklich weg sind. Also, wir beschäftigen uns dann sehr intensiv und, ja, auch emotional mit diesen…

    Marcel: Ja.

    Jenny: Themen, die wir bearbeiten wollen, und versuchen, die zu sortieren und zu strukturieren und schreiben. Und dann ist das wie so einen… wie so… weg...

    Marcel: Ja.

    Jenny: Danach, wie losgelassen, irgendwie verarbeitet, fertig, und dann ist das raus aus dem Kopf.

    Marcel: Kann ich total verstehen, was du da sagst. Das ist für mich dann so, wenn der Song irgendwie draußen ist.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Dann habe ich so eine… also, wenn es dann mein Song ist, dann habe ich so eine Phase, wo ich es voll abfeiere, und dann kann ich es irgendwann…

    Jenny: Geil, na klar!

    Marcel: Nicht mehr hören. Und dann kommt das dann so langsam wieder, weil ich muss ja… bin ja dann auch gezwungen, das technisch zu hören und immer wieder… und kann man das jetzt so pressen. Wir haben ja so lustige Sachen, wie jetzt durch die Kassette, die wir jetzt machen.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Unsere erste vier Songs kommen ja auf Kassette raus. Ich hätte nie darüber nachgedacht, dass die beiden Songs auf der ersten Seite länger sein müssen wie die beiden Songs auf der zweiten Seite, weil du sonst, wenn du die Kassette umdrehst, mitten im ersten Song drin bist und so Sachen.

    Jenny: Ach so? Wie geil!

    Marcel: Super lustig einfach.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Und das sind halt die Sachen, die dann noch mal so hinterherkommen, die viel Entscheidungen und sowas dann mehr abverlangen, wo ich mir manchmal wünschen würde, ich hätte diese Rolle nicht, weil ich wäre dann… würde dann so im Fühlen kleben bleiben, ja?

    Jenny: Ja.

    Marcel: Oder halt auch im Loslassen.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Deswegen das finde ich total schön. Ja, also ich kann aus meiner Perspektive nur sagen, was ich extrem krass mit dir finde ist, wir tasten uns ja dann daran und du findest ja Worte – das ist ja genau die Schwäche von mir, die ich füllen will – ich kann auf Deutsch gute Songtexte schreiben, aber das hilft mir bei diesen Themen nicht. Und warum sind wir überhaupt auf Englisch gegangen? Da haben wir ja auch beide damals länger drüber geredet. Das war ja auch so ein bisschen diese Themen, glaube ich, diese Sachen. Ich weiß nicht, ob ein deutscher Rock-Pop-Sänger, die in… auf Deutsch singen würde so. Ich denke jetzt…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Mit meinem Herzen.

    Jenny: Ja, ich denke tatsächlich auch, Deutsch ist so eine… also, wir Deutschen sind ja auch eher so ein bisschen emotionsloser.

    Marcel: Richtig.

    Jenny: So, wir versuchen stark zu sein und wir machen jetzt keine riesengroßen Bekundungen so, emotionale Bekundungen. Und im Englischen ist es einfacher und kommt ja auch sehr häufig vor. Wenn man sich so richtig krasse Liebeslieder anhört auf Englisch…

    Marcel: Oh ja!

    Jenny: Und du würdest die übersetzen, also ich muss dann fast kotzen…

    Marcel: Ja.

    Jenny: Weil es so übervoll ist mit Bekundungen und dieser Romantik und diesen… es ist so übermäßig voll.

    Marcel: Ja.

    Jenny: Und so ist es oft mit den Emotionen in englischsprachigen Texten. Also, Emotionen werden immer sehr auch belebt durch diese Texte und viel, viel deutlicher als im Deutschen. Wenn du im Deutschen das sagen würdest, was wir im Englischen sagen, das wäre schon fast lächerlich, glaube ich. Also, ich glaube, ich würde das so empfinden. So, das ist „way too much“.

    Marcel: Ja, kann ich nachvollziehen. Und das macht’s halt… ja, wie ich schon sagte, also diese Botschaften wollte ich einerseits nicht auf Deutsch. Ich wollte an die Essenz der Sachen ran, aber irgendwie war mir das damals auch so ein bisschen zu intim, beziehungsweise ich habe tatsächlich ernsthaft in Frage gestellt, aufgrund der Kultivierung deutscher Songtexte, wie das eben nun mal alles läuft. Wir sind ja auch sehr beschränkt. Ich meine, ich brauche die Klammer jetzt nicht aufmachen, aber es gibt ja auch viele Debatten über, weiß ich nicht, wir hatten ja zuletzt beim Kinderlied das Thema Indianer und so. Da ist viel, was man umgehen sollte, vieles, womit man vielleicht nicht anecken will, vieles, was vielleicht „way too much“ ist, wie du schon sagst, oder einfach auch zu deutlich. Und so wurde es dann halt eben Englisch. Und was du ja perfekt schließt, ist ja genau das, was ich nicht kann. Ich kann Redewendungen auf Deutsch als Deutscher, aber ich kann natürlich keine Redewendungen oder keine cool… kein cooles Alltagsenglisch halt in diesen englischen Texten unterbringen, und das finde ich halt extrem krass. Und in einem Songtext von „One Hundred Sixty Characters“…

    Jenny: Ja?

    Marcel: Das war unsere erste Single. Da gefällt mir das auch besonders gut, wir spielen mal kurz den Chorus an...

    [00:30:07 - 00:30:45 Musik spielt]

    Marcel: Ja, wow, das ist echt ein Monster-Chorus! Also, was ist daran so geil finde, ist die Phonetik, die du auch ganz unbeabsichtigt dann da auch schichtest. Der hat ja ein paar Versionen… hat er hinter sich denn dieser Text und… super cool. Aber erklär uns das doch einfach mal, was ist… was sind „x and os and symbols?“ warum „160 characters“?

    Jenny: Ja, also es geht ja um das Thema, dass man sich, wenn überhaupt, noch eine Nachricht schickt oder so was, oder ein bisschen was postet, dass diese Persönlichkeit verloren geht, oder beziehungsweise Ghosting ist ja auch ein großes Thema. Und „x and os and symbols?“bedeutet, oft, im Englischen, schreibt man unter dem Text, zum Beispiel wenn du jemandem irgendwas schickst, schreibst du so XOXO. Das heißt „hugs and kisses“, oder beziehungsweise früher hat man geschrieben HDL oder so. Ja, und „Symbols“ sind natürlich die einzelnen Zeichen. Und ja, darum geht's ja. Da steht ja auch noch „a heart but no beating one“, also dass man einfach so ein Herzchen schickt, so ein Symbol halt.

    Marcel: Ja, total cool. Du hättest nur noch einen drauflegen können, wenn es wirklich 160 Zeichen gewesen wären. Aber ansonsten…

    Jenny: Ja… okay, ja, stimmt.

    Marcel: Aber ansonsten ist da nicht viel zu verbessern.

    Jenny: Damn, da habe ich gar nicht drüber nachgedacht!

    Marcel: Das hat wirklich…

    Jenny: Das wäre geil gewesen.

    Marcel: Ein Freund von mir hat das wirklich geschrieben. Er hat gesagt…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Du, ich habe eben mal gezählt; sind leider ein bisschen mehr irgendwie, aber… oder ein bisschen weniger.

    Jenny: Ja, ja.

    Marcel: Ich weiß es gar nicht mehr. Aber auch geil, womit Leute sich dann...

    Jenny: Hammer!

    Marcel: Auseiander-... Er ist natürlich Programmierer, klar.

    Jenny: Ja, okay.

    Marcel: Und das erste, was er dachte, 160, muss ich zählen.

    Jenny: Erstmal gucken, ja. Ist das so? Ist das so?

    Marcel: Ja, voll cool war dieser Refrain. Und der haut ja auch emotional, finde ich, ganz schön rein und hat auch so eine coole, abstrakte Bildsprache. Und ich finde so schön – das ist hier sinnbildlich, finde ich – diese Phonetik halt, diese offenen Vowels, die es halt im Deutsch auch manchmal nicht gibt, die du auch sehr schwer finden kannst. Und das ist halt auch so typisch für den Sänger halt. Also, ich meine, du musst halt gucken, wer klingt mit was gut.

    Jenny: Ja, ja.

    Marcel: Und ich mag halt diese offenen Sachen voll gerne. Jenny, jetzt musst du uns mal gerade abholen. Also, es gab viel Gerede, viele Treffen, viele Fragezeichen. Wann nahm das Ganze dann mal für dich irgendwie Form an? Wo war der erste Moment, wo du dann dachtest, oh, die meinen es doch ernst mit dem Musik machen, da kommt doch irgendwie am Ende ein Lied raus.

    Jenny: Oh, da gibt’s mehrere Momente. Das war wie so eine Achterbahn, so hoch, runter, hoch, runter. So, und immer gab es zwischendurch so Momente, wo ich dachte, Scheiße, der meint das ernst. Und das erste war, das ging ja mega schnell. Wir haben uns… am Anfang Oktober kam der Anruf von dir, äh, äh, du kannst ja Englisch, hast du Bock? Ende Oktober war der erste Text. Weißt du das?

    Marcel: Ja.

    Jenny: Ende Oktober schon war der erste Text. Wir haben uns dann mal getroffen, dann hatten wir auf einmal schon Text und haben gedacht, äh, Scheiße, das fluppt, das geht ja voll gut, was los. Ja, und dann das war so der erste Moment, wo ich das allererste Mal mit dir gemeinsam den Text mir angeschaut habe und überraschenderweise positives Feedback bekommen habe, weil davon bin ich nicht ausgegangen, weil ich ja noch nie einen Text geschrieben hatte. Und das war so das erste, wo ich gemerkt habe, wie geil du das fandest, und habe mich natürlich auch mega anstecken lassen da, so Pingpong-Emotion. Und das was so das erste Mal, wo ich dachte, geil, boah, das wird richtig geil. Ich war direkt total angefixt, weil ich auch…

    Marcel: Und dann dauerte das immer zwischendurch.

    Jenny: Genau. Und dann dauerte das und dauerte das. Und dann haben wir uns wieder getroffen, haben noch ein paar Texte rausgehauen, und dann ist wieder eine Zeitlang nichts passiert. Dann waren zwischendurch immer mal Gespräche, wie machen wir das überhaupt, wie soll es jetzt weitergehen.

    Marcel: Du hast…

    Jenny: Für mich auch total… ich war dann immer so, ja, was gehört eigentlich dazu, was braucht man eigentlich alles, um das weiterzumachen. Ich hatte ja gar keine Ahnung davon. Und dann auf einmal kam Corona. Dann war es ja auch wieder schwierig, sich irgendwie überhaupt zu treffen.

    Marcel: Ja, und ich glaube in dieser Phase wurdest du auch stark von meiner Verunsicherung… du wurdest auch mit der konfrontiert.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Ich erinnere mich an ein Gespräch. Ich finde das auch schön. Also, es sind Momente für dich dankbar bin, weil wir sie immer wieder überwinden konnten. Da saßt du mal vor mir und meintest, ja, ich weiß eigentlich gerade nicht, was du von mir willst, weil wir haben jetzt ein paar Texte geschrieben, wie geht's jetzt weiter, so und so und so. Und ich kann das total nachvollziehen aus jetziger Sicht. Du hast natürlich auch einen Prozess in mir erlebt, wo wir ja uns auch dann später öfter noch drüber unterhalten haben, wo es auch dann Richtung Release und das Magazin ging und so weiter, in den ich einfach selbst nicht wusste, ist das jetzt richtig, was muss ich tun, wie finde ich da… wie finde ich… Ich habe mir selber auch wahnsinnigen Druck gemacht. Diese so geilen Texte, ich wollte halt unbedingt, dass das jetzt zu was führt, weil sich das… zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl gehabt, das ist „one hundred percent“ das, was ich sagen will. Und daraus… das war ja fast wie so ein… ich habe das am Ende immer so… vor der ersten Single war ich so nervös, bevor die releaset wurde. Das war wie so ein Outing, weißt du?

    Jenny: Ja, ja.

    Marcel: Als würde man irgendwie sagen so, ja, ihr wisst das vielleicht nicht, aber ich bin homosexuell, nicht, dass ich damit jetzt irgendwie irgendwo ein Thema hätte, Blödsinn, aber so fühlte sich das alles, als hätte man irgendwas zu beichten, so auf einmal ist man ganz nackt, auf einmal können alle hören, was du wirklich sagst. Da ist auch irgendwie keine Band. Marcel and the Mess ist irgendwie keine Band. Das heißt, das sind nicht irgendwie die Gedanken von fünf Jungs, sondern das ist einfach Marcel, auch wenn es natürlich wir zwei sind.

    Jenny: Ja, ich kann das total nachvollziehen, weil, guck mal, du bist ja nicht nur der Frontmann, oder nicht nur der Sänger, oder du bist nicht nur der, der die Texte schreibt, oder der, der die Ideen für die Texte hat, sondern das bist ja du, und zwar diese ganzen Facetten von dem Gedankenchaos aus dem die Texte entspringen und die Inspiration für die Musik und das wo nachher mit umgesetzt wird und dann nachher performt. Du bist ja alles, und das meinte ich auch eben mit diesem Mut, diesen Mut zu haben, sich selbst authentisch preiszugeben. Und ich hätte… ich glaube nicht, dass ich das könnte. Und ich fand das von Anfang an so mutig, wie du dich mir geöffnet hast, und dass du das dann auch noch der ganzen Welt preisgibst, das ist schon eine harte Nummer, Marcel.

    Marcel: Ja, ich… jeder so, wie er kann. Also, danke. Finde ich süß von dir. Ich glaube tatsächlich, dass das ganz wichtig ist, um die Konformität so ein bisschen zu verlassen und, ja, irgendwie zu der Essenz zu kommen, was man wirklich selber zu sagen hat. Und dabei hast du mir wahnsinnig geholfen, also haben wir gut gemacht, würde ich sagen.

    Jenny: Würd ich auch sagen.

    Marcel: Und bisher kann ich nur zurückmelden. Ich gebe dir ja auch oft, so oft es geht, irgendwie Feedback auch weiter. Es wird total belohnt. Also, es ist echt Wahnsinn. Also, ich kriege wirklich Nachrichten. Also, gerade bei „One Hundred Sixty Characters“ waren mehrere Sachen, wo irgendwie Leute sich in ihren Geschichten da wieder gefunden haben und gesagt haben, ja, genau das ist mir auch passiert und…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Irgendwie habe ich mich so… so ein cooles Lied und wie… Na, wir haben ja so eine traurige… wir kommen ja eigentlich auf ein trauriges Ende, „so close the door with a fake smile and God bless“.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Weil dir einfach nichts anderes übrigbleibt. Und das… also das mal zu benennen, hat anscheinend zwei-drei-vier-fünf, was weiß ich, Leuten echt geholfen, und das am ganz Anfang dieses Projektes, wo…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Einfach gerade mal 1000 Klicks auf unserem Video.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Aber ist doch cool.

    Jenny: Es ist toll. Das ist so toll, ja.

    Marcel: Und ich finde es so schön, dass wir die auch nicht dahin… ja, weißt du, dass wir die… dass wir nicht so aktiv Leute auf unsere Facebook-Seite einladen, guck mal hier, blablabla, sondern alle, die zu unseren Songs kommen, kommen weil sie dahin kommen wollen…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Oder weil sie irgendwie mitgekriegt haben, irgendwas macht… macht er da, da ist irgendetwas Neues. Bei „Learn To Forgive“ schrieb mir jemand wortwörtlich, so eine wichtige Botschaft ist so unglaublich wichtig. Ging mir auch durch den Kopf. Dann habe ich eine Sprachnachricht bekommen von der anderen Jenny, die übrigens im Video vorkommt. Die hatte angehalten als sie den Song das erste Mal gehört hat und musste weinen. Und genau in dem Moment hat sie mir eine Sprachnachricht geschickt, weil sie einfach sagte, ich will, dass du diese Emotionen jetzt mal ganz ungefiltert mitkriegst.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Und das ist doch…

    Jenny: Wow!

    Marcel: Ich finde wirklich, dass es darum geht. Und dieser Mut hat sich total gelohnt, aber ich kann dir wirklich sagen, ich habe Blut und Wasser geschwitzt. Und du kannst dir nicht vorstellen, wie oft ich diese Lieder gehört habe und wie oft ich versucht habe, mich in dieses Setting reinzuversetzen, verdammt, bald stehst du auf einer Bühne und dann musst du das transportieren. Dann haben wir all diese Arbeit gemacht. Die darf nicht umsonst gewesen sein. Oh, muss man hier noch mal was ändern? Muss ich vielleicht doch den kompletten Gesang neu aufnehmen? Ist mein Englisch gut genug? Erkennt man mich als Deutscher? All solche…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Fragen habe ich mir gestellt. What about Jenny? Reden wir… gehen wir öffentlich in die Kommunikation, dass du ein Co-writer hast, werden Leuten wieder nicht verstehen, dass ganz viele Interpreten ihre Songtexte noch nicht mehr ansatzweise selber schreiben. All mit solchen Fragen habe ich mich auf- und abbeschäftigt. Und ich finde es so schön, dass wir da angekommen sind, dass Marcel and the Mess ist für mich zu so einem Sinnbild von Konsens von coolen Leuten geworden.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Und auch wenn du sie wegen Corona noch nicht alle kennenlernen durftest, ein paar kennst du ja.

    Jenny: Ja, ja.

    Marcel: Produzent, den ersten Vocalcoach, die die ersten beiden Singles quasi produziert hat mit mir. Markus kennst du natürlich.

    Jenny: Ja, ja.

    Marcel: Aber da sind so verdammt coole Leute dabei gewesen, und ich habe immer so dieses… ich fand es immer so schön, dass etwas gegeben wird für dieses Projekt…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Und dass es nicht immer nur hinterherrennen und sagen, müssen wir anders machen oder… sondern auch halt eben, dass sich verschiedene Perspektiven da irgendwie auch treffen können. Und das finde ich super spannend. Das hast du auch mal zu mir gesagt. Da möchte ich hier auch noch ganz kurz…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Noch mal zu löchern, weil das hat mich sehr, sehr froh gemacht als du mal gesagt hast, ja klar, gut, du kommst dann mit dem Gedanken um die Ecke, ich frage mich durch, wir kommen an diese Geschichte ran, aber in dem Moment, wo ich die Geschichte aufgegriffen habe, es ist häufig auch so, dass ich ein Thema darin entdecke, was ich vielleicht entweder von einer anderen Perspektive kenne oder halt tatsächlich selber habe.

    Jenny: Ja, ist so. Ja, gut.

    Marcel: Punkt.

    Jenny: Ja, genau. So, das war’s.

    Marcel: War ein ziemlich geschlossene Frage.

    Jenny: Kurz und knackig, jo. Ja, also ich… du bist ja auch jemand, der sich viel mit innerer Arbeit beschäftigt und Meditation und sich alle möglichen Infos, Bücher, Podcast dazu anhört. Und auch ich beschäftige mich ja sehr mit dem Inneren und Weiterentwicklung und so. Und da stößt man automatisch auf viele Themen, Themen, die jeden irgendwie betreffen, ob es… ist, dass man durch bestimmte Situationen oder Leute getriggert wird, oder ob es schwierige Situationen gibt, wo man durchmuss, oder ob es auch so, ich sag mal, diese Erleuchtungen, die man manchmal kriegt, so ein Aha-Moment. „Erleuchtung“ hört sich zu krass an, aber so ein… so ein ach ja, jetzt habe ich doch was verstanden. Und diese Phasen durchläuft irgendwie auch jeder. Und wenn man sich sowieso mit sich selber beschäftigt…

    Marcel: Hoffentlich.

    Jenny: Hoffentlich, ja. Und wenn man sich sowieso mit sich selbst beschäftigt und dann kommt da jemand, der genau diese Themen auch gerade hat, und das ist häufig, wenn man mit anderen spricht, die das auch machen, mit dieser inneren Arbeit, Meditation, wir treffen alle irgendwie auf ähnliche Themen und ähnliche Probleme und ähnliches Potential und was man… wo man auch raus möchte. Und im Prinzip ist es ja so ziemlich genau das, was wir auch tun. Wir treffen uns, oder du schickst mir, ich nenne es mal so, kleine Briefe oder sowas, also E-Mails oder so, wo wir im Prinzip uns ja über genau solche Dinge unterhalten. Und ich finde das so eine schöne Analogie, weil das ist in den meisten Fällen wie so ein Gespräch und zwischen zwei guten Freunden, die sich einfach austauschen. Und wie geht's dir und… weil das ist es ja. Wie geht's dir? Was machst du durch? Und wo stehst du gerade? Und was sind so die Hürden, die du siehst, und wie können wir die beseitigen? Und wie können wir da durch? Und was haben wir davon gelernt? Und wollen wir dieses Wissen weitergeben? Und manchmal ist es auch, ja, ich hatte eine kurze Aha-Moment und bin dann doch wieder in mein altes Muster gefallen. Aber überhaupt das zu erkennen, ist ja auch schon so wertvoll.

    Marcel: Ja, Wahnsinn!

    Jenny: Und das sind so viele schöne Dinge, die man in diese Texte packt. Und jetzt habe ich das sehr abstrakt, glaube ich, ausgedrückt.

    Marcel: Nee, nee, nee! Ich bin voll bei dir. Ich bin… du hast mich komplett.

    Jenny: Gut.

    Marcel: Also, das ist manchmal sogar ein bisschen Psychotherapie.

    Jenny: Ja, tatsächlich, ja.

    Marcel: Also, ich empfinde… ich sage auch immer zu… bei uns im Team habe ich immer gesagt, so Marcel and the Mess, das… was ich so darin… was ich mir wünsche, ist so… ist wie betreutes Fühlen hören an diesen Podcast. So, denn man geht halt einfach durch diese Themen, die einen da beschäftigen, total durch. Und ich finde es doch wirklich verrückt, und ich muss es an dieser Stelle einfach mal sagen, wenn man sowas macht, wenn man zusammen schreibt, ist es einfach unfassbar intim.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Und du kennst dich im Grunde genommen auf gewissen Ebenen mehr als, weiß ich nicht, manchmal sogar deine Freunde, und das finde ich echt abgefahren. und doch lässt man… ich glaube das ist so manchmal so ein bisschen Kompensation in so kreativ Teams, dass man so manche Ebenen, die lässt man so außen vor.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Also, man hat so ganz tiefe und… ja, weil dann würde ja… ich glaube, man würde verrückt. Stelle dir vor, wir werden… wir würden uns über alle Bereiche unseres Lebens so unterhalten.

    Jenny: Ja, gut, da würden wir zwei aber auch nie fertig werden.

    Marcel: Nee! Das stimmt, da müssten wir ganz viel reden und du müsstest wahrscheinlich mehr zuhören als ich, weil ich einfach verdammt viel reden kann. Ach, Gott! Wie ist das für dich, weiß ich nicht, in Bezug auf dieses Projekt, vielleicht auch nicht in Bezug auf dieses Projekt? Und du bist ja ein Teil, ein Zahnrad in dem Getriebe vom marcel and the mess, wenn auch ein extrem wichtiges, aber du stehst ja selber nicht auf der Bühne. Macht das was mit dir? Wie ist das? Oder ist es dadurch, dass du beide Seiten so ein bisschen erlebst in deinem Musiker-Dasein? Würde mich einfach mal interessieren.

    Jenny: Ja. Also, ich persönlich bin jemand, der sehr ungern im Mittelpunkt steht und auch nicht gerne im Rampenlicht. Vielleicht bin ich auch deswegen Bassist geworden, weil ich unglaublich gerne Musik machen würde, ich möchte aber nicht im Rampenlicht stehen, und so darf ich mich schön zurückhalten. Von daher, für mich ist das eigentlich total schön, weil ich so eine… ich mag diese Beobachter-Rolle und ich mag so ein bisschen diese Hintergrundrolle und trotzdem darf ich aber, ja, sagen, was ich sagen will in Verbindung mit dir. Also, wird mir sagen ja, was wir sagen wollen…

    Marcel: Ist geil, oder?

    Jenny: Und das darf ich machen und ich muss aber nicht diejenige sein, die es sagt, die es vorträgt, die sich öffnet, sondern ich darf das so mitwirken und dir dann dabei zugucken, wie du das in die Welt trägst. Und ich persönlich finde das sehr, sehr schön. Also, ich habe da überhaupt gar kein Bedürfnis, da mit auf die Bühne zu gehen. Aber, wie ich auch vorher schon mal gesagt habe, mir würde tatsächlich auch der Mut dafür fehlen. Ich habe mal angefangen und dann, nachdem wir uns dann getroffen haben und die ersten Texte geschrieben haben, habe ich mal angefangen, einfach mal so „just for fun“ zu gucken, ob ich für mich selber Texte schreiben kann. Und ich möchte tatsächlich nicht, dass sie irgendjemand zu Gesicht kriegt, weil mir das zu persönlich ist. Also, ich hätte Angst, das so zu offenbaren, wer ich bin und was in mir vorgeht. Und deswegen finde ich das so, für mich persönlich ist das perfekt.

    Marcel: Wie witzig! Dann haben wir beide was davon.

    Jenny: Auf jeden Fall!

    Marcel: Also, ich habe auf jeden Fall eine ganze Menge davon. Cool! Ja, jetzt haben wir mal eben sind wir kurz ausgebrochen. Das liegt natürlich auch an dem Abstract-Denker Marcel wahrscheinlich. Ich bin da mit einer anderen Frage zwischen gegrätscht. Chronologisch waren wir ja gerade mal bei der ersten Demo, glaube ich.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Nachdem wir die ersten Texte hatten, ich weiß das noch ganz genau, das war nämlich im Lockdown, und ich habe das deswegen so präsent, weil ich parallel „Dezemberzeilen“ produzierte und weil ich parallel extrem in dieser kurzen Phase darunter gelitten habe, dass, ja, Corona gerade war und alle meine Team Members hatten Familien, Kinder.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Und die waren sofort raus durch diese Kinderbetreuungsnummer…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Und durch die Lockdown… durch den ersten Lockdown. Und da weiß ich noch, hatte ich so ein Moment als die Learn-To-Forgive-Demo fertig wurde. Die habe ich dann echt immer weiter „on repeat“ gehört auf dem Weg nach Bitburg und könnte jetzt noch den Himmel aufmalen, wenn ich malen könnte, aber das war so ein ganz schöner Moment. Da, glaube ich, muss so der nächste Moment gewesen sein, wo wir ein Stück weit mehr Realität in unser Projekt bringen konnten.

    Jenny: Ja, auf jeden Fall. Also, für mich wurde dann das natürlich auch da noch mal sehr real, erstens, als ich die ersten… immer wieder, wenn du mir diese kleinen Ausschnitte geschickt hast mit Musikproduktion. Das war dann jedes Mal so ein „das wird geil“. Das war jedes Mal so ein…

    Marcel: Schön!

    Jenny: Wow, nicht dein Ernst! Wie geil wird das, bitte? Und einfach da natürlich, da ist so viel… so viel Arbeit und so viel was da dran hängt, das kann man sich ja kaum vorstellen, wenn man da nicht selber mal dran beteiligt war. Und auch da war dann immer wieder zwischendurch, wenn ich eine Weile nichts gehört habe, war das immer wieder so ein hey und jetzt…

    Marcel: Was macht er denn jetzt?

    Jenny: Was… was macht er denn? Und dann ging’s wieder weiter. Und dann war ein ganz, ganz krasser Moment für mich als ich mit ins Studio kommen durfte. Und da durfte ich ja auch den Produzenten, Fabi, kennenlernen und…

    Marcel: Richtig.

    Jenny: Die Mirjam war auch dabei, und Markus natürlich, und das war so ein richtig krasser Moment für mich. Das war so, so schön, das zu hören, zu sehen, wie diese Texte Leben bekommen, wie das gemacht wird, wie das eingesungen wird. Das war unglaublich.

    Marcel: Boah, es war für mich die pure Überforderung. Es war wahnsinnig. Ich weiß auch nicht, wieso ich so ein Talent habe mich immer in solche Situationen rein zu manövrieren. Mehr Couches hätten in die Regie nicht gepasst. Nee, aber das war auch schön, dass du daran teilgenommen hast. Und für mich war da noch mal so einen Moment. Ich bin mir nicht sicher, ich glaube, ich habe da auf dem Weg irgendwo auf dem Parkplatz angehalten und du hattest gerade dein zweites Kind entbunden, oder standst unmittelbar davor, und da konnte ich dir dann endlich den ersten Mix unter die Nase…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Reiben. Da habe ich mich auch irrsinnig gefreut, weil ich habe es einfach Hammer abgefeiert als es dann fertig wurde…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Und ich dann merkte, was Fabi alles noch für Sachen gemacht hat. Und, ja, ich hatte so richtig Puls als ich dir das geschickt habe.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Das weiß ich noch. Ich habe gedacht, oh, Scheiße, jetzt kommt’s drauf an, wenn sie es jetzt nicht mag, dann war das unser erster Song.

    Jenny: Ja, aber super unbegründet.

    Marcel: Ja, wirklich.

    Jenny: Das war einfach geil, wirklich geil. Und was für mich auch noch mal ein ganz, ganz krasser Moment war, weil das kam so aus dem Nichts, da war irgendwie da… ich meine, du warst ja dann auch mal busy mit Videoproduktion und Musikproduktion und allem, und dann hatten wir eine Weile wieder nicht voneinander gehört und dann kommt auf einmal das Video. Da kriege ich auf einmal so ein Video geschickt. What?

    Marcel: Ja, das war auch krass.

    Jenny: „One Hundred Sixty Characters“ – das hast du mir halt vorab dann mal so gezeigt. Hast mir das geschickt und ich habe zuerst gedacht, was schickt er mir jetzt für ein Video Ich hatte das überhaupt nicht am Schirm. Und habe geguckt und gesagt, oh, mein Gott, ist unser Song. Fast ausgerastet.

    Marcel: Ja, ich konnte da, weiß ich auch noch, dass es auch sehr unvermittelt kam. Das war ja genau… also, der Videodreh war ein Tag vor dieser Flut.

    Jenny: Oh, ja, stimmt!

    Marcel: Total krass!

    Jenny: Ja.

    Marcel: Also, dieser Platz wurde dann auch überflutet und ich war dann wegen Freunden… ich hatte selber ein bisschen… ich hatte selber großes Glück. Also, mein Elternhaus und so, das war alles nicht betroffen, aber ich war dann wochenlang nur noch im Matsch irgendwie da.

    Jenny: Ja, klar!

    Marcel: Und das war auch sehr wichtig. Und dann war irgendwie so… da kam das und dann konnte ich das in dem Moment auch gar nicht verarbeiten. Und irgendwie das war ja so der nächste Schritt. Jetzt musst du noch so…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Optisch da rein.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Und ich weiß noch, der Regisseur, beziehungsweise Video-Mensch, der Enis Gülmen ist ja gerade 23 geworden. Das muss man sich mal vorstellen. Ist allerdings ja mit seiner Band TIL schon wahnsinnig lange unterwegs, auch auf großen Bühnen, also der ist schon ein sehr, sehr aufgewecktes Kerlchen, so Wahnsinn. Aber der hat mich fertig gemacht bei diesem Videodreh. Ich meine, es ging ja um diese Ghosting nun mal.

    Jenny: Ja, klar!

    Marcel: Du musst dir vorstellen, ich war auf diesem Lost Place und ich dachte so, ja, cool, ein bisschen Kaugummi kauen und performen so im karierten Rocker-Hemd, so Dave-Grohl-mäßig.

    Jenny: Mega!

    Marcel: Und irgendwann hing ich dann an so einer verrosteten Wanne in so… war so ein bisschen Industrie war da und ich sollte dann an diese Wanne so kratzen mit verbundenen Augen und habe mich da entlang getastet. Und meinen Song singen war ja schon eine große Überwindung, meinen Song zu produzieren. Als er dann fertig wurde, war schon wieder so der nächste Schritt, dann das Video überhaupt zu drehen. Wow, krass! Ich im Video? Oh, Gott! Wie wird das wohl aussehen? So, aber dann halt mit verschlossenen Augen diesen Refrain singen, während Leute um mich rumstehen und Licht und alles auf mich drauf halten…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Das war so, wie so… ich weiß nicht gar nicht, wie ich das beschreiben soll… so… so professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt oder so.

    Jenny: Ach ja!

    Marcel: Du bist der Situation einfach ausgeliefert. Du kannst nichts tun.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Und ich glaube, das war der Moment, wo ich den Song verstanden hatte, also so, weißt du, wo ich das… da hatte ich so einen ähnlichen Loslass-Moment…

    Jenny: Oh, ja!

    Marcel: Weil ich einfach in dem Moment durch die Emotionen durch war. Ich hatte jetzt verstanden durch das Spielen noch mal… Ich bin ja kein Schauspieler, ich habe da ja keine Ahnung von das. Es war für mich die totale Konfrontationstherapie. Aber ich musste auch schreien in dem Raum dann. Ich musste laut schreien.

    Jenny: Krass!

    Marcel: Ich musste mich so an Kopf packen und…

    Jenny: Ja.

    Marcel: Und so und wütend sein und so. Die haben dann auch immer ganz gut gestichelt. Und er sagte immer, Mann, du musst mehr abgeben, und diese Bewegungen sind cool so, aber das ist noch zu klein, das wird nachher im Video ist das alles… Ich musste so Sachen machen wie den Text in doppelter Geschwindigkeit singen, also den Song auf 200%.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Weil das einfach dann irgendwie als Bildeffekte gemacht wurde und so. Und dieser Tag, ich weiß das noch, die Meike war bei uns im Team. Die hatte diesen Lost Place da organisiert.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Und die fragte mich am nächsten Tag, wie war’s, und ich war einfach völlig… ich war völlig fertig von diesem Tag, ja?

    Jenny: Ja.

    Marcel: Weil das war noch mal so eine ganz neue Dimension an Emotion, die dazukam. Und die Jenny Rizzo, die ja selber auch Sängerin ist und die Schauspielernummer da gemacht hat, also die Darstellerin gespielt hat, wir kannten uns gar nicht.

    Jenny: Ja.

    Marcel: Wir haben uns an dem Tag kennengelernt, aber dadurch, dass sie so cool ist, so offen und so offenherzig – und feiert auch den Song und die Mucke.

    Jenny: Sehr schön!

    Marcel: Es war so wirklich ein Volltreffer. Und dadurch konnte ich so ein bisschen, wow, okay, du bist nicht alleine hier und jemand hat verstanden, dass du absolutes Greenhorn vor der Kamera bist.

    Jenny: Ja, ja.

    Marcel: Das war… ich dachte, das war was. Ja, Mensch, Jenny, ich wünsche mir für unsere Zukunft ganz viele Texte. Wir haben in den letzten Wochen ja auch wieder wahnsinnig viele Baustellen angeschmissen und ich wünsche mir ehrlich gesagt, dass wir ein ganzes Album zusammen machen und dass wir, wenn dieser COVID-Mist mal vorbei ist, dass wir marcel and the mess vielleicht auch endlich mal auf der Bühne genießen dürfen und eine coole Band finden...

    Jenny: Ja, geil!

    Marcel: Um das nach draußen zu tragen.

    Jenny: Und ich wünsche mir noch viel, viel mehrere Sessions mit Geschwurbel von Marcel, ganz viel Gedankenchaos, das wir aufräumen dürfen für marcel and the mess.

    Marcel: Ja, das ist doch schön. Und cool ist es doch an so ein Gespräch, das auch noch mal aufzuarbeiten, oder?

    Jenny: Ja, sich nochmal erinnern.

    Marcel: Ja.

    Jenny: Und so, geil, ja.

    Marcel: Das erlebe ich öfter im Podcast, dass man irgendwie so… man ist dann so ein bisschen neu verliebt noch mal.

    Jenny: Ja, na klar, die ganzen Emotionen kommen immer hoch und so.

    Marcel: Vom Baby…

    Jenny: Hörst du auch Geigen? Siehst du auch Herzchen?

    Marcel: Ja, total. Überall! Es ist wie als die Herzchen bei Instagram-Filter über dein Gesicht.

    Jenny: Oh, ja!

    Marcel: Okay, ich glaube, wir hören auf. Genug Geschwurbel von zwei Abstract-Köpfen. Du kennst unsere Tradition. Markus macht das normalerweise immer. Jetzt muss ich es machen. Wir zählen runter, rufen reingetackert.

    Jenny: Okay.

    Marcel: Also, drei… zwei… eins…

    Beide: Reingetackert!

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