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Raum macht den Ton [003]

INHALT

In der dritten Folge unseres Podcasts behandeln wir das Thema „Räume“. Dabei sind die Räumlichkeiten in einem Tonstudio gemeint, die sehr großen Einfluss auf eine Audio-Produktion haben. Unser Audio-Nerd Markus bringt dabei seine Überzeugung auf den Punkt und stellt die These auf, dass gute Räume das größte Kapital eines Studios sind.

Wir reden über „Nachhallzeiten“, „Wohlfühlfaktor“ oder auch „Schallschutz“. Und was Denis und Marcel von Markus' „Räumen“ halten? Hör rein!


SHOWNOTES

Tonstudio-Erfahrungen des Teams:


TRANSKRIPT

Markus: "Reingetackert!” - Hallo und herzlich willkommen zum Audio Podcast des “rurtonproducing”-Teams. Heute mit dem Thema: "Warum gute Räume eben doch ein Faktor im Tonstudio sind." Ja, willkommen, auch heute wieder am Start der Denis.

Denis: Hi Leute!

Markus: Und natürlich auch der Marcel.

Marcel: Hallo!

Markus: Und mich habt ihr schon gehört, der Markus.

Denis: Markus, dann fang doch mal an. Was meinst du denn überhaupt mit "guten Räumen?" Erklär doch mal.

Markus: Ja, stimmt, "gute Räume" ist ein bisschen schwurbelig, ne. Ich hab' halt überlegt, ich möchte mal erklären, was heißt das überhaupt ein "Tonstudio"? Für mich ist es halt so, dass sich ein Tonstudio  über gute Räume definiert. Und damit meine ich halt ganz viele Sachen: Also sowohl wie die Räume klingen, wie die Räume aussehen, wie die Räume angeordnet sind, was noch dazugehört, außer bekannt, Regie und Aufnahmeraum. Natürlich auch die Technik in den Räumen und auch ein bisschen so Ergonomie, also Anordnung von Geräten und so weiter. Und ich finde es halt auch gerade spannend, weil ich merke, dass das immer mehr Thema ist, auch so im "Home Recording". Also man liest ja an jeder Ecke mittlerweile, ich mein ihr seid nicht auf solchen Foren oder so unterwegs, aber das Thema ist mehr in den Köpfen mittlerweile. Also neben, ich brauch die neueste DAW oder ich brauche das und das Mikrofon oder den Wandler, ist es schon ein Thema, ach, ich muss vielleicht doch auch ein bisschen in die Räume investieren, also sei es Module, oder... ja... also einfach ein bisschen mehr als nur ein nackter Raum und ein bisschen Technik reinstellen. Beispiel: alle Sachen, die du irgendwie akustisch aufnehmen möchtest, also ich bin jetzt mal auf der Aufnahmeseite, setzen einen guten Raum voraus. Du kannst natürlich viel wettmachen über 'ne Nahmikrofonierung, also wenn du jetzt irgendwie 'nen Gitarren Amp aufnimmst ist da nicht viel Raum drin, aber nimm mal ein Schlagzeug auf oder ein Cello oder auch Gesang oder Sprache auf. Ein definierter Raum mit einer definierten Nachhallzeit wird zum guten Aufnahmeergebnis führen. Und das ist mehr oder minder sehr aufwändig, das zu machen. Ich beobachte halt immer viele Leute, die sich sehr viel Gedanken um Technikauswahl machen oder sehr viel Gedanken um, ja Möbel oder so für ein Studio und dann auch ganz viel Geld da rein investieren, aber einen Büroraum anmieten, 'nen "nackten" und das da reinstellen und dann ist es ein Tonstudio. Das ist es für mich nicht! Also deswegen hab ich einfach sehr viel Zeit, Arbeit und auch echt Kohle hier in die Räume gesteckt, weil ich finde, das ist für mich das größte Kapital eines Studios. Also klar gehören ganz viele andere Sachen dazu, aber da hat sich über die Jahre auch nicht viel geändert: Also es gibt neue Erkenntnisse, "bla bla blub", aber ich sag mal 50, 60 Jahre lang baut man Studios gleich und da gibt's neue Materialien, mit denen man das erreichen kann. Aber die Definition, "Ich kann in meiner Regie abhören und das über lange Zeit.", "Ich kann das bewerten, was ich aufnehme.", "Ich mache gute Aufnahmen in den Räumen", das hat sich nicht geändert. Also so wie der Rechner alle zwei Jahre rausfliegt, weil es 'nen neueren, geileren gibt, so ist das bei der Akustik irgendwie sehr definiert und althergebracht. Mikrofonie übrigens auch. Ja, was ist euch denn wichtig? Also ich mein, erlebt ihr das irgendwie auch, jetzt gar nicht nur aufs rurtonstudio bezogen, hier auf unsere Arbeit, sondern wie nehmt ihr das wahr, wenn andere über "Tonstudio" sprechen, was definiert das für andere und was definiert das für euch? Und was ist euch vielleicht da wichtig?

Denis: Naja, also ich als Schlagzeuger habe da auch schon diverse Erlebnisse gehabt in verschiedenen Räumen, großen Studios, kleinen Studios und dementsprechend auch großen Räumen und kleinen Räumen. Das Interessante beim Schlagzeug ist halt, wenn du in 'nen Raum kommst, also egal jetzt welcher Raum, das Drumset klingt in jeder Ecke eines Raums eigentlich verschieden - da kannst du vielleicht auch nochmal näher darauf eingehen, das ist sehr interessant - das heißt, wenn ich jetzt 'ne Snare positioniere mitten im Raum und die anspiele, dann klingt die anders, als wenn ich sie irgendwie in eine Ecke stelle oder an eine andere Position. Da fällt mir immer wieder auf, da muss man ja, wenn man in so einem Raum ist, auch die richtige Position erst einmal finden, wo das Drumset akustisch am besten klingt. Man muss darauf auch irgendwie reagieren, weil die Stimmung der Trommeln muss, je nachdem, dann angepasst werden. Es ist immer anders. Egal wo du hinkommst. Ist ja auch auf Bühnen so, zum Beispiel wenn du jetzt in einem Zelt spielst oder Open Air Bühne klingt das Set immer anders. Auch wenn es eigentlich komplett quasi in der Stimmung von einer anderen Location war und du stellst es dann da hin und denkst, "Okay, was ist das denn hier?" Es klingt komplett anders und das ist in Studios auch so und da muss man aus meiner Erfahrung dann immer Anpassungen vornehmen. Checken mit dem Engineer, okay wo positionieren wir, wie stimmen wir, wo klingt es wie am besten, et cetera. Und natürlich sollte jetzt ein Aufnahmeraum, kein Glaskasten am liebsten sein, damit die Becken jetzt nicht überall von jeder Ecke reflektieren. Das ist natürlich sehr schwierig, dann damit umzugehen. Das sind jetzt so die wichtigsten Erfahrungen von mir, die ich gesammelt habe. Natürlich ist es schön, wenn man in einem großen Aufnahmeraum ist und nicht irgendwie eingepfercht.

Markus: Also für Drums ja auch soundmäßig cool, ne.

Denis: Ja, genau soundmäßig...

Markus: Muss natürlich immer zur Stilistik passen.

Denis: Absolut, genau.

Markus: Genau, um mal darauf einzugehen, was du meinst mit dass das überall anders ist: natürlich wenn du was näher hörst oder die Bassdrum dann in einer Ecke steht, zum Beispiel, dann staut sich das halt da. Dann hast du da so einen Druckstau und dann wird es da lauter an der Stelle als wenn du weit weg bis von den Wänden. Es hat ja immer was mit der Laufzeit zu tun und ob sich das dann gerade aufaddiert oder ob es dann da ein bisschen was wegnimmt. Das Ding ist halt so, mein Studio ist so gebaut, dass es halt eine Nachhallzeit hat, die jetzt nicht optimiert ist nur auf Drum Aufnahmen oder nur auf Gesang, sondern die das da halt eben alles möglich machen soll, also eine relativ kurze Nachhallzeit, so dass ich auch keine Stellwände oder sowas brauche bei Gesangsaufnahmen und es ist ja auch kein großer Raum, nur knapp 30 Quadratmeter. Aber gerade die machen ja mehr Probleme. Also wenn du 'nen normalen Raum, also einen Büroraum, der 30 Quadratmeter hat, und er wurde nicht daraufhin optimiert, hast du viele Probleme! Viele gerade im Bereich der Mitten, das heißt, du wirst viele Sachen überbetont haben. Marcel, was ist dir wichtig? Oder wie hast du das so erlebt? Gute Räume in Tonstudios?

Marcel: Ja, es gab große und kleine. Das ist, glaube ich, erst einmal ein Faktor für den Sänger, dass man sich überhaupt schon mal ein bisschen wohlfühlt. Es gab irgendwie schlecht beleuchtete, also ich meine jetzt ganz helle, sterile Räume... Bei dir kann man ja auch irgendwie die Beleuchtung so ein bisschen anpassen.

Markus: So dieses Stimmungs-Ding, das man so ein gutes Gefühl hat, ne. Da hilft Licht natürlich auch.

Marcel: Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Rock-Produktion, wo ich ziemlich laute, derbe Vocals gemacht hab. Und ich musste immer zum Abhören durch den Aufenthaltsraum. Da waren mehrere Studios und das war für mich super befremdlich dass da Leute saßen und die Mittagspause hatten und quasi durch eine kleine Tür von mir getrennt waren, und ja, überhaupt nichts mit dem Prozess zu tun hatten.

Markus: Theke und Billardtisch.

Marcel: Theke und Billardtisch, genau.

Markus: Was ja cool ist, prinzipiell, aber eben nicht so, wenn man da durchlaufen muss. Da wäre so ein Flur dazwischen, oder der direkte Weg zur Regie natürlich cooler.

Marcel: Ja, genau, die Regietür stand dann auch noch auf und die Vocals wurden verhältnismäßig laut abgehört. Das ist dann... "nackter" geht halt dann nicht. Dann hätte ich mich auch ausziehen können und eine Webcam da reinstellen können. Ja, also insofern verschiedenste Erfahrungen mit Räumen. Ich selber habe allerdings nicht so viel Ahnung von Raum, Klang und Zeiten und habe natürlich als Sänger auch nur minimale Berührung damit, anders als jetzt ein Schlagzeuger.

Markus: Auch ein ein großes Thema ist, finde ich, dass wenn du professionell Arbeiten anbieten möchtest, also so wie wir das tun für Lehrbücher und Schulbücher, und du über lange Zeit daran arbeiten musst, dann musst du auch einfach Räume haben, in denen du das tun kannst: das heißt zu jeder Uhrzeit, das heißt auch abends um 10 oder nachts um drei oder auch einfach ohne dass Leute von außen dich stören oder du Leute nach außen störst. Genauso, wie dass du lange am Stück daran arbeiten kannst. Das ist alles etwas anders, wenn man das mal eben so macht, wenn das ein Hobby ist, aber nicht, wenn man das als einen Job anbietet. Deswegen war mir das sehr wichtig so etwas zu schaffen.

Denis: Ich kann da mal kurz was zu sagen, weil ich da so eine Erfahrung hatte, also lange an einem Stück in einem Studio arbeiten: Ich hab mal in einem Studio aufgenommen, wo quasi Raum in Raum, so eine Drumkabine quasi rein gesetzt wurde, wo ich dann aufnehmen musste. Und das konntest du halt keine halbe Stunde aushalten, ne. Weil es hat sich einfach total aufgeheizt da drin - "Hashtag Stimmung" - was du gerade angesprochen hast ist tatsächlich auch sehr wichtig. Also klar, du kannst da eine halbe Stunde dann ausrasten, aber dann ist halt Ende und dann brauchst du erstmal eine Pause und musst das Ding durchlüften. Also da gibt's schon Dinge, die dann wirklich nicht so optimal sind.

Markus: Ja, aber das finde ich auch eine schöne Überleitung zu, was gehört denn noch dazu zu? Wir haben schon ein paar Sachen angesprochen, es ist eben neben Akustik, der Schallschutz. Das ist das, was ich eben meinte. Also das heißt, ich höre nicht die Bahn, die draußen vorbei kracht oder das Auto, das ist ein Riesen Thema. Ich hab auch schon in Studios gearbeitet, wo es wirklich so war wenn draußen viel Verkehr war, die Regie war in der Nähe zur Straße, das heißt, ich musste das eh immer schon ausblenden, war das gar nicht gut gedämmt, sondern man hörte das immer von draußen. Aber wenn es halt richtig viel war, dann ging es auch bis in den Aufnahmeraum und ich musste die Aufnahme wegschmeißen. Und das nicht nur einmal.

Denis: Äh, Markus... Ich hab gehört, dass die jetzt da in Dedenborn wollen die jetzt so eine ICE Strecke bauen...

Markus: Okay, da muss dann mein Schallschutz nochmal überdacht werden. Nein, aber ich meine, Schallschutz muss ja nicht für den ICE sein. Es reicht ja auch, wie hier in unserem Studio, das Wohnhaus hier drüber, wir hören das nicht! Also meine Familie nicht oder was da oben passiert und genauso umgekehrt. Also ich kann halt hier auch nachts laut abhören, mischen und aufnehmen, ohne die zu stören. Also Schallschutz ist schon ein Riesen Thema. So und auch zwischen den Räumen. Wir sind es so gewohnt, denke ich mal, aber das ist gar nicht so trivial, dass man zwischen Aufnahmeraum und Regie einen hohen Schallschutz hat.

Denis: Wie war das eigentlich nochmal bei dir jetzt? Du hast drei Meter Beton dazwischen. Glaub ich, hast du mal erzählt? Zwischen Studio und Wohnraum? Richtig?

Markus: Drei Meter Beton? Stahlbetonbunker! Also drei Meter wären schon ein bisschen viel!? Dann wär das Haus auch ein bisschen höher... Nein, das sind schon viele Sachen aber der Schallschutz besteht erst einmal darin, dass es einfach kein Treppenhaus gibt. Dann hättest du nämlich schon mal ein Loch, was gar nicht gut ist für die Schallübertragung. Und ja, die Decke ist tatsächlich doppelt so dick wie eine normale Kellerdecke. Also die ist, glaube ich, 45 Zentimeter dick. Das ist ein Schallschutz Ding und naja und alle Außenwände sind halt Vollbeton. Also es ist nicht gemauert, sondern es sind wirklich Betonwände, sehr dick. Die sind auch 30 Zentimeter dick. Und der Spaß zwischen den Räumen ist halt gemacht mit KS Steinen mit hoher Rohdichte, so nennt man das. Das sind halt sehr sehr schwere Steine und das ganze ist aber auch entkoppelt, also das heißt selbst die Rohwände, also die Trennwand zwischen Regie und Aufnahmeraum ist entkoppelt. Das heißt, die schwingt frei, obwohl sie statisch tragend ist für das Haus, also die muss quasi oben auch wieder das Haus mittragen, aber trotzdem schwingt sie frei. Also das ist eigentlich das Grund-Ding beim Schallschutz und das nächste ist natürlich das Raum-in-Raum Prinzip, worüber ja immer jeder redet. Naja, aber was hast du für einen Raum-in-Raum, da könnte ich alle schon eine Stunde drüber erzählen, wie man das halt ordentlich macht. Und da ist hier der Schallschutz wieder, das in diesem "Raum-in-Raum"-Prinzip alles weder dreifach beplankt ist und jede Ebene verspachtelt. Und ja, es ist sehr viel Arbeit, aber es lohnt sich halt. Also wir erleben es ja jeden Tag. Wir haben gar keine Übertragung von Körperschall oder einfach eine sehr geringe. Man kann sehr leise abhören, obwohl der Denis nebenan Schlagzeug spielt.

Denis: So laut spiel ich ja gar nicht Schlagzeug...

Markus: Nein, nein, stimmt, genau.... Aber was gehört noch dazu? Also Schallschutz haben wir jetzt. Akustik, Lüftung... Lüftung ist halt auch ein Riesen Thema. Da kann man auch so viel Geld versenken wie für den gesamten Studiobau. Klimatechnik gehört auch dazu. Hier im Studio ist es ja so, dass wir tatsächlich nur eine Lüftung haben in den Räumen, aber keine Klimatechnik in der Regie und Aufnahme, sondern nur für die Technik. Ist ja auch wichtiger als für uns, ne.., einfach aus Kostengründen. Also wenn Geld keine Rolle gespielt hätte, dann gäbe es ja auch eine Klimaanlage in der Lüftung. Aber wir können hier quasi nur frische Luft zuführen. Was ich aber auch wichtig finde. Also es gehört auch zum Faktor, kann man lange da arbeiten oder müssen wir ständig irgendwie Pausen machen? Licht, hat Marcel eben schon gesagt, ist auch Thema, ein riesen Thema, finde ich gerade in einem Studio, wenn man keine keine Fenster hat, auch für den Wohlfühlfaktor allgemein. Oder was wählt man für Farben? Wie fühlt sich das Studio an. Gibt's auch ein bisschen Holz oder ist irgendwie alles nur weiß oder alles nur grau? Ja, find ich auch nicht so zu unterschätzen.

Denis: Mmh, das macht Spaß! Kann ich nur empfehlen. Was ich dich auch nochmal fragen wollte, ich habe mal gehört, dass die bei einer Silbermond Produktion einen anderen Raum mit Mikros ausgestattet haben, ich glaube irgendwie auf einer Toilette oder so, um dann den den Raum-Sound von da nochmal zu nehmen. Sowas ähnliches machen wir ja auch, glaub ich, ne?!

Markus: Genau, das machen wir fast regelmäßig. Zumindest bei Schlagzeugaufnahmen, weil ja eben, wie gesagt, mein Raum relativ klein ist mit 30 Quadratmetern. Da knallt das Schlagzeug nicht besonders. Wir lassen dann immer die Türen auf zum Flur, der direkt angrenzt und genau da stellen wir auch Mikrofone rein und haben dann eben einen schönen großen Raum, den man dazu mischen kann. Das funktioniert sehr gut. Kann man so ein bisschen variieren, was man für Mikrofone nimmt, ob man da Bändchen nimmt, Kleinmembran oder Großmembran, klingt dann eben auch anders. Oder wie man sie ausrichtet? In welche Richtung? Weg vom Aufnahmeraum oder hin zum Aufnahmeraum? Wir nehmen aber auch den Raum auf, aber der Aufnahmeraum selbst ist schon sehr kurz. Wie nehmt ihr denn so wahr, wenn andere über Tonstudios sprechen? Seht ihr das genauso, dass über das, was wir jetzt gesprochen haben, ein Tonstudio definiert?

Marcel: Also ich glaube, dass viele Leute das jetzt auf vielen Ebenen nicht mehr verstehen. Das gilt mit Sicherheit auch für mich vor ein paar Jahren. Da wäre mir jetzt irgendwie nicht klar gewesen was an einem Tonstudio jetzt wirklich ausschlaggebend ist. Als Songwriter komme ich natürlich mit einem Audio Interface, einem Midi Keyboard und einer Gitarre und einem Mikro erst einmal recht weit und kann da sehr viel meiner Ideen relativ frei abbilden. Aber zu einem Tonstudio gehört ja auch mehr. Wenn man z.B. einmal die Personale Komponente nimmt, ne. Also du kommst irgendwo hin, es passiert eine Reflektion von dem Material, was du irgendwie geschrieben hast. Es passiert eine Entwicklung, ein Prozess. Das ist ja auch bei dir im Tonstudio immer so. Ich hab sofort alle Sachen verfügbar. Das hat auch mit Erfahrung zu tun, wann Leute sich mal zurücknehmen und du mir vielleicht nicht jedes Mikrofon, jeden Schalter da erklärst zwischen Denkprozessen. Aber andererseits auch jeden Sound irgendwo zur Verfügung stellen kannst.

Markus: Die Tools sind da und abrufbar, stehen aber nicht im Vordergrund.

Marcel: Genau. Technik sollte nicht im Vordergrund stehen, genau wie es auch beim Singen ist. Warum sollte man Technik haben beim Singen? Dann werden die Gehirnkapazitäten frei für Interpretation. Also man hat einfach viel mehr Freiheiten was zu erzählen. Aber man sucht ja eigentlich nur nach einem Weg, ich sag jetzt mal übertrieben, hin zur Authentizität. Du willst ja irgendwo da ankommen, das transportieren zu können, was du fühlst. Und ich finde, das ist auch irgendwie ein Tonstudio für mich als Musiker so, Technik rückt in den Hintergrund. Das heißt aber überhaupt nicht, dass derjenige, der die Technik bedient oder für die Sachen sorgt, da irgendwie nicht wichtig sind. Ganz, ganz, ganz im Gegenteil. Denn es wird ja ganz viel aufgefangen auf Ebenen, die man nicht direkt mitkriegt.

Markus: Da gibt es ein lustiges Zitat. Ganz früh, tatsächlich in einem Praktikum nach meiner Ausbildung, hat mir mal einer den Spruch gesagt: "Du musst an den Punkt kommen, dass die ganze Technik irgendwie in den Hintergrund rückt und die einfach da ist und du die bedienen kannst aber alles andere wichtiger wird."

Da hab ich mir immer gedacht, krasse Ansage wenn du vor so einer SSL Konsole sitzt, denn da hat mich die Technik immer noch total eingenommen. Wenn du anfängst, du wußtest dann alles theoretisch, aber du warst halt total drin und hast überlegt, Routing und wo kommt das Signal her... Du musstest 1000 mal mehr mit deinen Gedanken bei der Technik sein als bei dem, was du aufnimmst. Und das muss sich über die Jahre wandeln und das hat es auch getan. Also heute ist das so. Mir fällt dieser Spruch immer wieder ein wenn Leuten ins Studio kommen und sagen, "Das sind aber viele Knöpfe, kennst du da jeden?" Jeder kennt diesen Spruch und dann denke ich immer so, "Ja, ich kenne jeden Knopf!" Ich hinterfrage dass alles gar nicht mehr.

Marcel: Ja, übrigens auch so ein Ding: wenn ein Gitarrist 22 000 Euro Equipment ausbreitet im Tonstudio oder Markus, was ich meine schlägt ja in dieselbe Kerbe. Das sind alles auch Ablenkungen, die manchmal gar nichts damit zu tun haben, wo es eigentlich hingehen soll. Ist ja genau wie ein Musiker, der nachdenkt. Ich meine, ich erlebe es ja selber ständig, noch am Denken, was er da spielt. Da kann er nicht darin eintauchen.

Markus: Man hat dann das Wichtige vergessen oder was man da eigentlich tut. Ja, aber eben Skills gehören dazu und Erfahrung. Du kriegst erst diese Ruhe und alles tritt in den Hintergrund wenn du halt Erfahrung hast, dann kannst du das loslassen, so finde ich. Ja, aber auch das gehört eben zum Studio, finde ich, dass da jemand ist, der das so kann oder dass da Leute sind, die das können.

Denis: Ja, Markus, jetzt haben wir ja in unserer Unterhaltung erfahren, was das, was das wirklich ausmacht, diese ganze Geschichte mit den Räumen und so weiter. Und es ist halt ein unglaubliches Investment, auch deinerseits gewesen, das Ganze selber wirklich in die Hand zu nehmen und selber zu bauen. Und das Warum, sozusagen das haben wir jetzt so ein bisschen ja auch dargelegt. Und jetzt die Frage an dich, weil das ja auch ein riesen Kostenapparat und ja, ein riesen Rattenschwanz hinter sich herzieht, jetzt die Frage an dich: "Würdest du es wieder so tun?"

Markus: Das kann ich erstmal mit einem ganz kurzen "Ja" beantworten. Definitiv. Weil mich das echt jeden Tag bestätigt, indem ich im Studio arbeite, bekomme ich die Bestätigung dafür, dass das eine richtige Entscheidung war. Und na ja, also das hat sich ja dahin entwickelt. Also hinzugehen zum Studioplaner oder zu einem der Studios baut und zu sagen, "Bau mir ein Studio!" das hätte ich mir auch nie leisten können. Es gab halt viele Treffen und viele Leute, die ich kennenlernen durfte bei meiner Arbeit in der Torus in Köln. Und die haben ja auch einen Neubau gemacht, einen ziemlich großen, mit einigen Regien und einer großen Kinomischung. Da durfte ich dabei sein und eben Planer, Ausführende und so weiter kennenlernen. Und das noch kombiniert mit meinem Bruder, der Bauingenieur ist und sich um den Schallschutz gekümmert hat waren da natürlich auch Leute um mich herum, die mir dabei geholfen haben. Und dann blieb eigentlich "nur noch das Ausführen". Ja, das dachte ich am Anfang auch, dass ich das mehr abgeben würde, das wäre aber auch nicht mehr finanzierbar gewesen, deswegen hab ich das tatsächlich, bis auf wenige Kleinigkeiten, selber gemacht. So würde ich es aber auch wieder machen, weil anders ist es gar nicht finanzierbar. Also das wird so schnell, so utopisch teuer.

Denis: Wie lange hast du nochmal gebraucht dafür?

Markus: Der Rohbau für das Studio hat ein halbes Jahr gedauert, also quasi der Betonbau, das war ein halbes Jahr. Vom Ausschachten, bis das dann hier so ein "Betonbunker" im Boden lag und der Ausbau dann nochmal ein ganzes Jahr also für Klimatechnik, Raum in Raum, Dämmung, Schallschutz, Elektrik, Tontechnik, Beleuchtung, Fliesen, Parkett, keine Ahnung, alles halt. Das war dann nochmal ein Jahr. Also man kann sagen, eineinhalb jahre hat es gedauert, das zu bauen. Planung nicht mit eingerechnet. Planung ging schon sehr viel früher los und ich habe das auch eben immer wieder umgeworfen. Es gab mal den Plan, das Studio oberirdisch zu bauen, neben meinem Haus ein zweites Gebäude. Da wurde mir dann aber ganz schnell klar, dass das sehr utopisch teuer würde, weil ich alles hätte doppelt bauen müssen. Also Sachen wie Heizung, Elektrik, ein Dach. Keine Ahnung, so ein ganzes Haus nochmal. Weil ich einfach mal dachte, naja, ein Keller ist teuer, sagt dir ja auch jeder... Naja, auf jeden Fall ist das schon so gut, wie es jetzt ist und ich würde es wieder so machen. Also mir geht das so. Jeder Tag in meiner Regie, jeder Tag im Aufnahmeraum bei der Aufnahme bestätigt mich darin. Und wie gesagt, das werde ich auch nicht mehr ändern. Also das ist was, was ich jetzt geschaffen habe. Das ist gebaut. Da kann ich die nächsten Jahre noch von zehren. Der Rechner oder die Plugins, die ich jetzt hab, weiß ich nicht, ob ich sie fünf Jahre noch benutze.

Denis: Das gute ist, wenn man bei dir reinkommt, dann denkt man ja, das wäre gestern gebaut. Also da sieht es ja immer noch aus wie neu, das ist schon hammer....

Marcel: Stimmt.

Markus: Cool. Ich denke, dann kommen wir zum Ende der heutigen Folge. Ich hoffe, ihr konntet was mitnehmen. Wir würden uns auch tierisch darüber freuen, wenn ihr eure Eindrücke uns mal in die Kommentare hauen würdet.

Ja, lasst ein Abo da für unseren Podcast "Reingetackert", abonniert den auf iTunes oder Spotify. Schaut auch mal auf rurtonproducing.de vorbei, unsere Homepage, und wir freuen uns, wenn ihr beim nächsten Mal wieder zuhört. Dann würde ich sagen. 3…2…1…

Alle: "Reingetackert!”

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