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Sonja Redelberger im Gespräch mit Marcel [018]

INHALT

Das ist also Sonja! Marcel‘s miserables Wortspiel sie manchmal mit Son(g)ja anzusprechen ist gleichermaßen witzig wie zutreffend, ist Sonja doch ein Teil des Teams hinter dem Team! Soll heißen:

Sie schreibt im Kreativteam hinter dem rurtonproducingteam Songtexte, und das macht sie fast wie am Fließband! Was Kreativität und Meditation miteinander zu tun haben? Oder warum es Sinn macht sich seine Texte aus anderen Perspektiven anzuschauen? Was motiviert sie? Und warum überhaupt ausgerechnet Songtexte?

Marcel ist der Sache mal auf die Spur gegangen und unterhält sich ne gute Stunde mit ihr.

Sonja hat was zu sagen. Und Sie ist vor allem eins: ein tiefenentspannter und echt cooler Mensch.

Hört mal rein, lasst euch inspirieren! 


SHOWNOTES


TRANSKRIPT

Marcel: Hallo und herzlich willkommen zum rurtonproducing-Podcast „Reingetackert!“. Liebe Audio-Nerds, auch heute geht's weiter und zwar mit einem ganz besonderen Gast, nämlich eines unserer erweiterten Teammitglieder, was ihr vielleicht auch schon mal auf Instagram entdeckt habt, mit Sonja Redelberger. Ja, in der heutigen Folge reden wir über Kreativität, Songtexten und alles was so dazugehört. Sonja, 31, aus Wilsecker – nicht zu verwechseln mit Wildecker, haha – aus Bitburg, Kreativkopf, Meditationsguru und Songtexterin, gehört, wie gesagt, zu unserem Umfeld. Sonja und ich haben uns vor einigen Jahren kennengelernt. Da erzählen wir euch bestimmt gleich noch mal kurz was zu ebenso zu unseren ersten Releases. Hallo und herzlich willkommen, Sonja! Wie geht's dir?

Sonja: Hallöchen! Wunderbar, vielen Dank. Und dir?

Marcel: Ja, mir geht’s auch gut. Hier war ja einiges…

Sonja: Super!

Marcel: Los bei uns in der Eifel. Ich sage ja… ich sag mal #Hochwasser. Man findet so langsam wieder in den Alltag, aber das hast du ja bei dir in der Umgebung auch erlebt, richtig?

Sonja: Leider ja, ja. Bei uns selber zwar jetzt ein paar weniger, aber in den umliegenden Ortschaften war schon ganz schon viel los, ja.

Marcel: Die Welt ist im Wandel und nichts ist unkomplizierter mit einem Satz runterzubrechen, denke ich. So ist es doch auch beim Songtexten…

Sonja: So ist es.

Marcel: Oder?

Sonja: Ganz genau.

Marcel: Sonja, wir haben uns damals kennengelernt und zwar im Gesangsunterricht tatsächlich. Und als so diese Korona-Zeit losging, weiß ich noch, kamst du mit deinem ersten Songtext auf mich zu. Der war sehr persönlicher Natur. Wenn du was sagen möchtest dazu, kannst du das gerne tun, ansonsten kannst du das auch gerne lassen. Ich möchte dich da nicht zu irgendwas zwingen, aber dieser Text war der Auslöser. Wofür? Da ist ja ganz schön viel passiert danach.

Sonja: Ja, auf jeden Fall, also ja, ging dann alles hopplahopp. Also, der Text war ursprünglich... Also, oder was heißt ursprünglich? Ist er immer noch. Für meinen verstorbenen Vater. Und, ja, da habe ich das Ganze so ein bisschen drin verarbeitet und, ja, ein paar Gefühle ausgedrückt und war schon sehr emotional alles und, ja, aber auch wunderschön auf eine Ebene, genau.

Marcel: Total! Ich habe heute noch einen Podcast gehört und zwar war das... Wie heißt er denn noch mal? „Apokalypse und Filterkaffee“. Ich weiß nicht, ob den kennst. Sehr cool! Hatten da über Bücherschreiben, Annalena Baerbock und dass man seine Bücher allein schreibt und so. Also, ich will gar nicht auf das Thema eingehen, aber interessant war, was er dazu sagte, nämlich man kann sich nichts von der Seele schreiben. Finde ich total interessant diese These. Also, man kann das anfangen zu verarbeiten, man kann die Dinge irgendwie auf einer gewissen Ebene loslassen, aber es bleibt auf der Seele. Würdest du das bestätigen?

Sonja: Ja, auf jeden Fall. Also, es hilft sicherlich, um über verschiedene Themen, gerade jetzt so Trauer und so, ein bisschen hinwegzukommen, aber das bleibt für immer ein Teil von einem. Also, davon bin ich überzeugt. Also, das kann man nicht… Ja, wie soll ich das sagen? Ausspeichern und dann damit abschließen. Also, es hilft halt ungemein und ist halt schön, sowas, ja, auch wachsen zu sehen und damit dann halt umzugehen und selber auch an sowas dann zu wachsen, sich selber mit seinen, ja, Emotionen auch auseinanderzusetzen, was man ja vielleicht im Alltag eher so ein bisschen, ja, wie soll ich es sagen, verdrängt.

Marcel: Ja, beziehungsweise vielleicht auch an den falschen Stellen macht. Dieser Begriff „ausspeichern“ wird im Rurton-Umfeld sehr oft benutzt, deswegen wir machen untereinander ja herzlich wenige Sprachnachrichten. Und ich frage mich so, ob genau das so ein bisschen der Punkt ist. Es ist halt vielleicht mal die richtige Adresse, um kurzfristig Gefühle auch mal in etwas zulassen, also Malen, ein Tagebuch schreiben, einen Songtext. Ist das... ist schon eine Verarbeitungsstrategie oder auch Motivation für dich?

Sonja: Ja, schon auch. Also, ja… ja, man wächst halt an der ganzen Geschichte und man verarbeitet eigene Emotionen natürlich jetzt in jegliche Hinsicht. Und über das Schreiben kommt man tatsächlich auch auf verschiedene Rückschlüsse, ja, persönliche Rückschlüsse, oder auch für andere Leute, auf die man vielleicht gar nicht gekommen wäre, wenn man sich damit nicht so intensiv auseinandergesetzt hätte.

Marcel: Ja, ich kann das total unterschreiben. Für mich ist ein Song zu schreiben, oder einen Text zu schreiben, was ganz besonderes und es entspringt eigentlich immer der eigenen Erfahrung, es sei denn es ist irgendwie ein Auftrag und wir müssen irgendwas Thematisches texten. Das kennen wir zwei ja auch schon…

Sonja: Ja.

Marcel: Als Team. Aber für mich bleibt es einfach was sehr Individuelles. Das heißt nicht, dass ich nicht… Wir checken unsere Texte ja untereinander auch gern...

Sonja: Genau, genau.

Marcel: Um uns halt auf Logikfallen und sowas aufmerksam zu machen. Aber ich finde es doch extrem wichtig für mich persönlich, wenn ich Texte schreibe, nicht nach etwas zu suchen, ja, weiß ich nicht, was jetzt irgendwie funktioniert im Sinne von ein Thema was funktioniert. Also, ich sage mal, ganz offensichtlich wäre jetzt in der Corona-Zeit einen Viren-Song zu schreiben und nach der Überflutung einen über Zusammenhalt und Überflutung zu schreiben, wahrscheinlich noch mit dem…

Sonja: Ja.

Marcel: Mit der Metapher „Wasser“ und zusammen segeln…

Sonja: Ja.

Marcel: Oder so, also... sondern ich denke schon ja, dass der Motivator sowas zu machen, doch schon immer die eigene Geschichte ist, zumindest ist es irgendwie bei mir so. Ist das für dich auch so?

Sonja: Ja, ja, kann ich auf jeden Fall unterschreiben. Also, wie du schon gesagt hast, wenn natürlich ein Auftrag kommt mit einer konkreten Vorgabe, klar, dann hält man sich halt daran. Aber selbst in diesen Texten, ja, bringt man ja was Persönliches mit rein, also die persönlichen Erfahrungen, weiß ich nicht, was man halt mit dem jeweiligen Thema verbindet. Aber, klar, diese Texte, die jetzt der eigenen Fehler entspringen und auch an den eigenen Gedanken einfach entspringen, ja, die sind natürlich super persönlich und... ja, also das ist immer mit der eigenen Erfahrung gekoppelt, würde ich sagen, also jeder Song eigentlich.

Marcel: Würdest du sagen, dass dir handwerkliche Skills helfen, das zu verdeutlichen? Weil ich glaube, das ist die Krux an der Sache. Du nimmst eine persönliche Erfahrung und du nimmst das Handwerkliche, um es zu verdeutlichen, damit Leute das adaptieren können. Ist das richtig?

Sonja: Ja, ja, auf jeden Fall. Also, da gibt es den… es gibt ja viele… Ja, man muss das Ganze auf wirklich wenige Zeile runterbrechen, sagen wir mal das so. Und das ist natürlich auch immer eine Schwierigkeit. Und durch dieses Herunterbrechen kommt man sich auch selber… kommt man der eigenen Emotion ja dann wieder selber auch näher in der Hoffnung natürlich, dass das eine Emotion ist, die anderen Leute auch erreicht, weil davon geht’s ja letztendlich auch, dass halt andere Leute sich mit so einem Song auch identifizieren können.

Marcel: Wow! Ja, das ist cool. Also, das ist eine schöne Motivation. Wir beide haben die ersten Releases. Ich habe es noch mal nachgeschaut, die kommen alle noch interessanter Weise schon in drei unterschiedlichen Projekten. Den Kindersong für Maikes Rappelkiste „Schön, Dass Es Dich Gibt“ wird tatsächlich in... von jetzt, Stand jetzt betrachtet, in ein paar Monaten releaset. Dann haben wir ja zusammen im Kontext eines Hochzeitssängerinnenprojektes den wunderschönen Song „Zwei Leben, Zwei Herzen, Ein Wort“ geschrieben, der übrigens vor ein paar Tage seine Live-Premiere hatte.

Sonja: Ja.

Marcel: Und zu guter Letzt haben wir auch für eine Hamburger Kinderliedersängerin „Eine Schneeflocke“, ein wunderschönes Schneeflockenlied geschrieben, dass wir auch... was einen echten coolen Text hat. Und da finde ich, ist es uns auch mal wieder gelungen, doch dass das irgendwie einen Kinder- oder familienschlagerartiger Song ist, eine Botschaft unterzubringen, nämlich die Schneeflocken, die da ja stellvertretend für die vielen Menschen, für die vielen Geschichten stehen, die sich irgendwo einen.

Sonja: Genau, genau, ja.

Marcel: Ich glaube, so war es doch. Ja, super schön. Und ich erinnere mich auch noch daran, dass du das Buch von Tobias Reitz und Edith Jeske gelesen hast, was ich gerade so interessant finde, weil Stand jetzt, wo wir diesen Podcast aufnehmen, es ist heute der 5. August und genau morgen kommt die Folge mit Tobias Reitz tatsächlich. Was hat das Buch geändert?

Sonja: Oh ja, das Buch hat einiges geändert. Also, erstmal, ja, hat’s mir die Augen auf vielen Ebenen geöffnet und man hört natürlich dann auch Songs ganz anders, wenn man mal gelesen hat, was so dahintersteckt, weil ich bin ja tatsächlich als Quereinsteiger komplett unbedarft in die Geschichte reingegangen. Und ja, man stellt sich das dann schon anfangs so ein bisschen einfacher vor als es dann letztlich ist.

Marcel: Also, quasi das romantische Narrativ, ein Gedanke plumpst mir aus dem Kopf auf den... auf das Blatt Papier, ich nehme meine Gitarre und singe einen Song und dann war ich Ed Sheeran.

Sonja: Genau, genau. Das ist so, glaube ich, das was viele Menschen denken und vielleicht auch ein Stück weit... Ja, also mir war schon klar, dass das nicht so einfach ist, aber, klar, man hat ja schon Geschichten gehört, keine Ahnung, wie du gerade beschrieben hast, also Sachen plumpsen da einfach mal aus mir raus und da ist es dann. So einfach ist es nicht ganz. Also, klar, die Kreativität muss halt da sein, der Gedanke muss auch da sein, aber dann sind doch drumherum einige, ja, Sachen, die man beachten muss, also sprachlich, Metrum, und das ist doch schon einiges, was da zu beachten ist.

Marcel: Absolut! So, und wie kriegen wir diese Diskrepanz gelöst? Wie stehst du dazu? Es gibt auf der einen Seite die pure Emotion, also quasi der Motivator ist... ja, der ist irgendwie unkontrollierbar. Kreativität, Inspiration, Emotion, irgendwas ist da. Und auf der anderen Seite, deiner Gleichung, das muss ja auch in dir drin eine Diskrepanz sein zwischen Herz, Bauch und Kopf. Wir haben ja dasselbe Buch gelesen, deswegen muss ich gerade lachen bei diesen drei Bestandteilen. Gibt's da eine Diskrepanz, wie du das… weil auf der anderen Seite ist ja das Handwerkliche, das, sage ich mal, das grei-... also, insofern man greifbar sein kann, das greifbare Ergebnis eines Textes, also dass es jemand verstehen kann.

Sonja: Ja. Also, natürlich ist schon schwierig. Manchmal, muss ich sagen, weise ich dann so ein bisschen von diesen Regeln ab, die es da so gibt, weil, ja, es ist halt schwer. Manche Gedanken kannst du halt nicht mehr regeln, formen. Das ist immer so ein bisschen schwieriger. Also, das fordert schon sehr viel Zeit, das Ganze in eine Form zu kriegen, die halt dann noch später ein Song sein kann. Es soll ja irgendwie eine Geschichte sein, ein Song sein. Ja, und manchmal muss ich dann gestehen, gehe ich dann doch einfach nach meinem Herzen und, ja, schalte dann so ein bisschen den Kopf aus und ein bisschen das Regelwerk aus.

Marcel: Ja, finde ich schön. So soll es doch auch sein. Und ich glaube, es gibt doch wirklich unterschiedliche Herangehensweisen oder, sagen wir mal, Texter oder Songwriter unterschiedlicher Ausprägungen. Und vielleicht ist es auch so, dass man mal das eine oder mal das andere braucht. Aber mal ganz auf den Menschen runtergebrochen, ist das abstrakt und konkret manchmal? Ist es das?

Sonja: Ja, ich würde sagen, ja. Also, es gibt halt die Leute, die so ganz konkret schreiben. Da ist dann quasi jedes Wort geprüft und da passt dann wirklich eins zum anderen, also da gibt’s… das ist eine Art. Also, das Thema ist dann 100% sicher. Also, da kann keiner dazwischen grätschen und sagen, hier stimmt aber irgendwas nicht. Und ja, dann gibt's halt die hier so ein bisschen abstrakter schreiben. Da ist halt das... ja, die Interpretation ist ein bisschen freier. Also, da kann quasi der Hörer ein bisschen mehr reininterpretieren. So würde ich das jetzt einfach mal beschreiben, was natürlich dann die Gefahr birgt, dass es auch falsch verstanden werden kann oder eben der rote Faden vielleicht ein bisschen bleibt.

Marcel: Ich find's total witzig und auch total schön, weil wir in diesem Podcast immer wieder auf Typen kommen, also wie sie sich unterscheiden. Keine Ahnung, es fing an, oder es gibt Schlagzeuger, die spielen so prägnant, wie sie als... so konkret, wie sie als Menschen auch sind, oder wie sie denken. Es gab eine Folge mit Karo Fruhner, wo wir professionelle Musiker so ein bisschen typisiert haben, weil sie die immer kategorisiert in, ich glaube, Entertainer, auf der einen Seite, Wissenschaftler und Storyteller, also völlig unterschiedliche Typen. Und ich glaube halt auch, dass die Charaktere der einzelnen Menschen da immer hinter stecken, und das soll ja auch so sein. Wir müssen, glaube ich mal, für unsere Hörer noch ein bisschen aufdröseln, beziehungsweise noch einmal darauf hinweisen, dass es hier, wenn wir von solchen Diskrepanzen reden, meistens darum geht, dass wir in einem Team, oder auch in unterschiedlichen Teams, agieren und auch für unterschiedliche Interpreten schreiben. Das ist, glaube ich, eine wichtige Seiteninfo, weil es ist ja so, wenn ich für mich selber einen Song schreibe, dann will ich zwar, dass den jemand prüft, aber dann bleibe ich natürlich weitestgehend bei mir. Und dann ist halt auch... stellt sich auch wieder die Frage, ist mir das vielleicht am Ende des Tages einfach egal, weil’s meine Gedanken sind und weil’s mein Gefühl ist und weil ich einfach, ja, auf gut Deutsch gesagt, weil’s mir einfach wumpe ist, ob’s jemand versteht? Es kann mein Argument sein? Ich finde, es sollte kein Argument für eine schlechte Technik sein, aber das ist natürlich eine andere Herausgehens-... Herangehensweise. Herausgehensweiße ist auch schön. Eine andere Herangehensweise als jetzt irgendwie zu versuchen, einen Pitch-Song irgendwo unterzubringen. Dann muss der Text natürlich oft auch diesen Regeln entsprechen.

Sonja: Ja.

Marcel: Und das ist natürlich auch, ja, ein bisschen was ein Stück weit was kultiviert ist in unserer Musik- und Radiolandschaft, denkst du nicht?

Sonja: Ja, auf jeden Fall. Also, ist ganz richtig, was du gesagt hast. Also, es kommt immer drauf an, wer das Ganze macht, also für wen es sein soll, wen es erreichen soll. Muss man ja auch immer überlegen, soll das jetzt die breite Masse erreichen oder gibt's eine bestimmte Zielgruppe, wo ich sage, ja, die möchte ich erreichen und die anderen spielen jetzt für mich nicht so die große Rolle? Ja, also ich glaube, dass das Allerwichtigste ist... Also, ich meine, es gibt ja kein Richtig oder Falsch.

Marcel: Genau

Sonja: So würde ich das jetzt einfach mal sagen. Also, es gibt halt verschiedene Schreibstile und, ja, verschiedene Menschen, die das halt auch hören. Der eine wird das super gut finden und der andere sagt, nee, es ist gar nicht so mein Ding, da kann ich einfach gar nichts mit anfangen. Und so muss man halt, denke ich, als Texter auch agieren, immer in dem Wissen, dass man halt nicht jeden erreichen wird.

Marcel: Ich finde immer so... Ich mache immer Fußballbeispiele und werde dafür ja auch ordentlich gescholten im Team. Ich finde, das ist so ein bisschen wie so ein Freestyle-Straßenkicker und Mannschaftsspieler.

Sonja: Ja.

Marcel: Weil der Freestyle-Straßenkicker kann halt krasse Tricks irgendwie, macht Dinge, und ihm ist es einfach egal, was er gerade macht. Er hat doch keine Regeln. Also, der darf den Ball, weiß ich nicht, vielleicht mit der Hand berühren, oder ich sage jetzt irgendwas, wohingegen sich ein Teamplayer oder jemand, der in einem Kollektiv funktionieren muss, natürlich gewissen Regeln unterwerfen muss. Und die Freiheit innerhalb eines Reglements sozusagen ist natürlich schon mal auch ein bisschen beschränkt dann, weil zum Beispiel... Wir nehmen ein ganz einfaches Beispiel, Sonja – Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Refrain, vielleicht noch eine Bridge. Reicht!

Sonja: Ja.

Marcel: Wir schreiben ja keine zwölf Minuten Songs. Das ist ja schon ein…

Sonja: Genau.

Marcel: Reglement an das wir uns zum Beispiel halten. Und diese Einschränkungen, die sozusagen kultiviert sind, dass ein Radio-Song so und so lang ist und dass man in gewissen Genres nur das und das und das in etwa sagen darf, finde ich schon recht interessant, wenn man das mal so gegenüberstellt.

Sonja: Ja, auf jeden Fall. Also, ich meine, das ist ja das, was wir sagen. Also, wenn du jetzt zum Beispiel ins Radio möchtest, oder wie auch immer, dann hast du halt auch eine gewisse Zeitvorgabe und da musst du dich schon halt einfach dranhalten. Wenn du natürlich jetzt sagst, ist mir alles egal, ich möchte hier für mich jetzt einen Song schreiben, man darf ja natürlich auch 10 Minuten gehen. Aber dann weiß man halt auch, der wird natürlich im Radio nicht gespielt werden.

Marcel: Ja, das stimmt schon. Ich will mit dir mal versuchen, so ein klein bisschen aufzudröseln, wie du denkst und wie du arbeitest, ganz einfach aus der Hoffnung heraus, dass das Leuten, Hörern, vielleicht auch Unerfahrenen, wie vielleicht auch Leuten, einen neuen Anstoß geben kann. Bleiben wir mal bei so ein paar Grundpunkten, die wir vielleicht auch so ein bisschen umrissen haben. Sonja, persönliche Geschichten – Wie gehst du davor? Ich meine, meditierst du darüber? Schreibst du einen Tagebucheintrag? Wie kommt das? Also, woher kommt der Wunsch, diese eine konkrete Geschichte jetzt zu Papier zu bringen und was passiert vor dem eigentlichen Texten?

Sonja: Ist ganz unterschiedlich. Also, manchmal sitze ich im Auto und denke an irgendwas, oder manchmal sind es auch tatsächlich andere Songs, die einen so an ein Gefühl erinnern, was man vielleicht selber auch schon oft erlebt hat, oder einen speziellen Zusammenhang erlebt hat. Keine Ahnung, manchmal steht unter der Dusche und hat eine Eingebung.

Marcel: Das finde ich saulustig, weil meine nächste Frage wäre gewesen, was ist eigentlich dein kreativster Ort? Dann hätte ich gesagt, bei mir ist es die Dusche. Also, bei dir auch. Da funkt’s bei mir immer irgendwie.

Sonja: Tatsächlich, ja?

Marcel: Hat das...

Sonja: Tatsächlich, ja.

Marcel: Hat das nicht Steve Jobs... Ich meine schon. Irgendwer von den App-Jungs oder so, irgendwer hat gesagt, die krassesten Ideen fallen ihm ein, wenn er die Dusche von heiß auf kalt stellt.

Sonja: Boah, dann müssen wir das auf jeden Fall jetzt ständig machen.

Marcel: Nee, weiß ich nicht. Also, das kann ich nicht beschreiben. Ich bin eher ja gemütlich da beim Ideenfinden. Das kalt mache ich auch jedes Mal, aber ich kann nicht sagen, dass mich das besonders inspiriert.

Sonja: Nee, das kann ich jetzt auch nicht bestätigen.

Marcel: Ja, schon, so viel zum Ort. Wie ist es... Was bedeuten in deinen Texten, oder in deinen Gedanken, Austausch und Konsens finden?

Sonja: Also, es ist ganz, ganz wichtig. Also, sagen wir mal so, wir haben jetzt die Idee dann und, ja, dann muss man sich erstmal damit auseinandersetzen. Dann bringe ich das halt so ein bisschen auf Papier und, ja, schicke das dann ganz gerne einem von euch zu und bin dann erstmal immer gespannt, was da für ein Feedback kommt, was… wie wird das verstanden, ist überhaupt irgendwas verständlich, was ich da geschrieben habe, oder ist das nur in meinem Kopf jetzt verständlich? Und es kommt dann schon mal vor, dass was ganz anderes dann darumkommt, dass der andere dann was ganz anderes denkt und…

Marcel: Oder sieht.

Sonja: Oder sieht, ja.

Marcel: Das ist so…

Sonja: Genau.

Marcel: Der erste Schritt. Wir sind noch vorm Songtext. Das finde ich wichtig. Das finde ich auch immer cool, weil ich mit dir auch gerade viel Austausch habe und dir auch gern schon mal zwei Zeilen in einer SMS schicke und sage, kannst du damit was anfangen mit dem Gedanken?

Sonja: Genau, genau. Das ist halt immer einfach mal der Grundgedanke, mal gucken, ob da überhaupt jemand anderes antworten kann oder ob das jetzt einfach nur irgendwas ist, was in meinem Kopf passiert und auch immer dableiben muss.

Marcel: Cool! Also, ist ja doch die Reflexion außen oder, sage ich mal, der Austausch mit den Menschen in deiner Textenphilosophie, in deiner Welt, schon von zentraler Bedeutung. Also, du versuchst schon herauszufinden, hey, can anyone relate to that?

Sonja: Ja, auf jeden Fall. Also, ich finde, das ist sogar mit das Wichtigste, denn wenn ich jetzt… Also, klar, ich kann jetzt einfach irgendwas schreiben und sagen, so ist das, so sehe ich das, so empfinde ich das, und Song fertig. Aber ich möchte ja schon, dass ein anderer auch was damit anfangen kann. Das Ziel ist ja letztlich schon, doch Leute zu erreichen, eventuell auch zu bewegen, oder jemanden vielleicht dazu zu bringen, sich auch mal zu hinterfragen oder vielleicht dieses Gefühl auch, ja, in Angriff zu nehmen, sage ich jetzt mal. Das ist so... für mich ist das ganz, ganz wichtig. Also, für mich käme Alleineschreiben jetzt nicht so in Frage, also ohne…

Marcel: Finde ich...

Sonja: Nee, das käme nicht in Frage.

Marcel: Finde ich schön. Das ist ja irgendwie dann auch so ein Moment für dich, wo du testen kannst, ob etwas auch irgendwie eine gesellschaftliche Relevanz hat. Da kommen wir irgendwie zu einem Thema, wo wir zwei auch schon oft darüber gesprochen haben, was ich super spannend finde. Ich nenne das immer Nachbarschaftskonformität, weil in dem Moment, wo du anfängst, Dinge zu schreiben, die vielleicht das so deine ersten Gehversuche verlassen... So ging es mir damals als Songwriter als ich angefangen habe zu schreiben oder zu texten. Da habe ich ganz am Anfang als ich so 16-17 Punkrocker war, 35 Themen in einem verwandelt als unerfahrener, junger, leicht linkslastiger, oder heftig linkslastiger, Rage-Against-The-Machine-Hörer, war ja irgendwie alles mein Feindbild in einem Text. Ich glaube, das kann man noch nicht so wirklich ernst nehmen. Aber als so diese Phase so vor der Uni kam, wo ich dann auch dann ja als Songwriter eingeschrieben war, ich glaube da war es bei mir... da kam das das erste Mal so, dass ich halt nicht mehr ganz so wild geschrieben habe, aber doch mich Themen bediente, wo ich dachte, ja, das ist jetzt erstmal so, das kann man jetzt mal machen so. Irgendwie gestorben ist schon mal einer, oder Liebe kennt doch einer, oder eine Trennung kennt doch einer. Und dann habe ich irgendwo was aufgeschnappt und habe einen John-Mayer-Song gehört und habe dann gedacht, gut, jetzt schreibst du auch mal einen Song über Zeitgeist so, und habe das mal versucht. Also, anfangs waren die Themen, sage ich mal, noch sehr, ja, auf eine gewisse Art und Weise doch auch etwas unschuldiger. Kann das sein? Wie war das bei dir?

Sonja: Ja, ja, auf jeden Fall. Ist also ganz genau wie du sagst. Man versucht am Anfang in einem Song am liebsten alles, was man je gehört hat, zu verarbeiten. Ist natürlich sehr interessant. Und da zum Beispiel, um noch mal auf das Buch zurückzukommen, wovon wir eben besprochen haben, da steht halt auch ganz klar drin, man muss sich halt, ja, auf eine Emotion oder ein Thema schon festlegen, weil sonst können die Leute da natürlich auch nicht anlocken und das ist dann auch einfach viel zu breit gefächert. Und mit der Zeit, ja, kommt man einfach zu dem Punkt, dass man das einfach besser runterbrechen, dass man eher einfach die Grundemotion hinter den ganzen Themen vielleicht auch einfach besser versteht, dass man es einfach hinbekommt, die, weiß nicht, wenn du da 35 Themen hast, einfach den einen Nenner zu finden, der all diese Themen halt verbindet. Und das ist… es ist natürlich super schwierig und erfordert auch, finde ich, also sehr viel Kraft, das rauszufinden und…

Marcel: Und…

Sonja: Ja, das ist halt das Wichtige dabei.

Marcel: Knüpft für mich schon direkt an die nächste Kerneigenschaft irgendwie an, nämlich Emotion, denn um diese Arbeit zu machen, wie du gerade meinst, also das anstrengend das auf eine Emotion oder auf einen Punkt runterzubrechen. Und in... ja, in Kunst oder Musik geht es ja nun mal um Emotion oder halt ja etwas beschreiben – das ist ja doch eher relativ selten – aber das ist ja auch eine psychologische, reflektierende Arbeit, oder?

Sonja: Ja, total! Also, ich muss sagen, so die Zeit... also, in der Zeit, wo ich jetzt Texte schreibe, bin ich halt auch in der Hinsicht unglaublich gewachsen. Das muss man schon sagen. So, diese psychologische Komponente ist dann nicht wegzudenken, weil du beschäftigst dich viel mit, natürlich, deinen eigenen Themen, aber auch viel mit anderen Leuten und wie die die Dinge sehen, und hinterfragst viel mehr, reflektierst sehr viel, und das ist also eine hohe psychologische Komponente, würde ich jetzt sagen, und auch eine sehr intime Geschichte. Also, ist schon auch gar nicht so einfach, ja, diese Emotionen und so mit anderen Leuten auch zu teilen. Also, ich finde das ist schon…

Marcel: Ja, weil du da ja wenn du…

Sonja: Ja.

Marcel: Wenn du Richtung... Korrigiere mich, wenn ich es falsch lese jetzt aus deiner Beschreibung. Aber wenn du die Authentizität erreichen willst, verlässt du die Nachbarschaftskonformität. Kann das sein?

Sonja: Ganz genau, ja, ja.

Marcel: So ging es mir.

Sonja: Natürlich, klar.

Marcel: Also, als ich das erste Mal irgendwie einen Song über meine Vergangenheit geschrieben habe, als ich das erste Mal Songs über verflossene Erfahrungen oder sowas irgendwie wirklich... also, „to name it“, also eine Situation irgendwie beschrieben habe, da war mir klar, wenn das derjenige liest, oder wenn das, weiß ich nicht, meine Mutter liest oder so, dann könnte sie gegebenenfalls verstehen, was ich damit meine so. Und da verlässt man so ein bisschen, ich sage mal, dieses Abstraktgeschwurbel.

Sonja: Ja.

Marcel: Also, in dem man sich aufhalten kann in dieser Blase und wo man immer sagt, ja, das bin ja nicht ich, ich frage das für einen Freund, also ich erzähle das auch von dem Freund. Handelt der Song von Depression? Ja, ja, aber nicht von meiner. Also, ich habe da mal jemanden gekannt, der jemanden kennt. Der Vetter vom Fußballtrainer irgendwie von meiner Tochter, der war so. Und das hat ja schon irgendwie was mit Outen, oder?

Sonja: Ja, total! Also, das hast du ganz genau auch gut runtergebrochen. Es ist schon eine Art Outing. Das ist jetzt schon was, was du vielleicht jetzt nicht am Stammtisch auspacken würdest normalerweise, und aber diese Leute werden das natürlich irgendwann alle hören und auf dich dann vielleicht auch zurückführen, und dann ist es auf jeden Fall ein Outing. Also, ich find’s… ja, kann man damit auf jeden Fall vergleichen. Und das Schöne daran ist wenn man es dann natürlich mal ausgespeichert hat, beziehungsweise mal angesprochen hat, ist das auch, ja, eine Art Erleichterung. Und eigentlich sollte man Gefühle und so niemals nicht aussprechen dürfen.

Marcel: Du kriegst eine klare...

Sonja: Also, eigentlich...

Marcel: Du kriegst eine klare Haltung dadurch. Kann das sein? Also…

Sonja: Ja, total.

Marcel: So geht’s mir immer. Also, ich habe das Thema durchgekaut und dann weiß ich, okay, das hat mir nicht gutgetan. Oder…

Sonja: Genau.

Marcel: Nehmen wir mal, wenn wir auch Kindersongs schreiben. Wir texten ja gerade an einem Kindersong „Menschen Sind Bunt“, was ich ja einfach eine super schöne Aussage finde. Und es ist cool, dass es... dass das so ist. Und das ist ja auch ein Bekenntnis irgendwie als Team, oder als Freunde, als Writing-Partner, zu einem gewissen Wertesystem.

Sonja: Ja, auf jeden Fall. Also, ist… ja, das ist ganz richtig. Du stehst halt, du kriegst dann Haltung und stehst halt auch dazu. Und andere Leute kriegen das natürlich auch mit und in der Hoffnung natürlich, dass wir ganz, ganz vielen Leute damit erreichen und, ja, dass viele Menschen auch anfangen zu reflektieren. Also, das ist so… würde ich halt wunderbar finden, wenn man schon diesen Schritt wagt und sich dann quasi aus seiner Komfortzone rausbegibt und offen ist, dass… ja, dass wir erreichen können, dass vielleicht ganz viele andere Menschen das auch machen.

Marcel: Ich finde... Ich zeichne mir hier gerade so ein paar Notizen mit, einfach nur um zu versuchen zu verhindern, dass wir zwei Songtexter zu viel schwurbeln, oder ich zumindest, und versuche so einen Faden zu folgen. Man tun sich immer weiter Diskrepanzen auf und das ist, glaube ich, auch so ein bisschen ein Kernding beim Songwriting. Also, wenn Inspiration mit Emotion zu tun hat, die authentisch bleiben soll, wie passt das mit Rewriting zusammen, also mit Leuten zusammenschreiben? Und wie passt das zusammen, wenn die Leute nicht dieselben Werte haben? Das kann alles nicht funktionieren. Also, da gibt es sehr viele, sage ich mal, irgendwie sensible Systeme in dem Team, fällt mir da irgendwie gerade noch mal auf. Werte sind doch extrem wichtig zum Songwriting, oder? Oder zum Texten im Allgemeinen.

Sonja: 100% ja. Also ich glaube, wenn man... du kannst nicht mit Leuten zusammenschreiben, die nicht dieselben Werte vertreten. Also, ich glaube, das ist schon so was... Ich glaube, wenn sich ein Team so findet, dann ist das… hat das schon was mit Werten zu tun. Also, ich meine, du kannst... du kannst nicht mit jemandem zusammenschreiben, der komplett anders denkt als du. Das ist sehr, sehr schwer.

Marcel: Okay, aber…

Sonja: Also...

Marcel: Auf dich persönlich bezogen, hast du deine Werte... also, hast… wie haben die sich ver-... haben die sich verändert? Sind die klarer geworden, oder hast du sie zum Teil auch da in den Prozess entwickelt?

Sonja: Ja, total. Also, über das Schreiben haben sich viele mei-... viele Werte natürlich klarer dargestellt, also nochmals intensiviert, und manche sind tatsächlich auch… haben sich verändert. Also, ja, durch das... durch das Beschäftigen einfach mit diesen ganzen Themen, mit Emotionen, mit Menschen, haben sich meine Werte schon sehr verändert oder gefestigt, wie nachdem worum es dann halt eben geht. Also, mir ist es sehr, sehr wichtig geworden, ja, Gefühle von anderen Menschen ernst zu nehmen zum Beispiel jetzt mal. So, das festigt sich halt immer mehr. Also, Empathie ist unglaublich wichtig. War mir schon immer wichtig, aber ist halt... hat sich dann noch mal gefestigt. Das auf jeden Fall, ja.

Marcel: Wie schön! Also, ist doch wirklich ein schöner Grund, Songs zu schreiben einfach, sich als Mensch einfach sich und sein Wertesystem, seine Empathie, weiterzuentwickeln. Kommen wir noch mal, um’s zu konkretisieren, auf zwei-drei Unterpunkte zurück. Inspiration – wenn du jemandem raten wollen würdest, der vielleicht jetzt gerade keine Inspiration hat, was... Du hast eben schon mal ein paar Sachen angerissen. Wo... Wie findest du deine Inspiration? Unterm Apfelbaum, beim Meditieren? Was machst du? Was sind deine Tools? Hast du einen Notizblock immer dabei? Plaudere uns doch mal und unseren HörerInnen ein bisschen aus dem Nähkästchen.

Sonja: Gerne. Also, ich habe… Also, ich meditiere relativ viel und dadurch kommen natürlich einige Inspirationen hoch. Ich mache Yoga, was ja auch so mit, ja, In-sich-gehen halt zu tun hat, und ich gehe viel laufen, also Natur ist für mich so ein ganz großes Ding. Einfach mal zur Ruhe kommen ist halt ganz, ganz wichtig, weil so im Alltagstrubel da kann man keine Inspi-... also, wenig Inspiration bekommen. Es ist einfach so, man muss zur Ruhe kommen, also Meditieren, Yoga, Sport. Ich sitze immer ganz gerne in meinem Musikzimmerchen hier, wie jetzt auch gerade, im meinem roten Sesselchen, und schaue einfach mal so in der Gegend rum oder, ja, höre tatsächlich auch andere Musik, um mich ein bisschen inspirieren zu lassen. Ja, das ist eigentlich schon relativ viel.

Marcel: Ja, total! Finde ich super spannend. Und ich finde, da tut sich leider auch wieder also eine Nebenstrecke auf. Also, sorry, dass ich da noch mal drauf zurückkommen muss, aber dann gehen wir auch wieder Richtung Emotion. Ich habe tatsächlich in einem Buch gelesen... Ich lese auch sehr viel, wie du, über Psychologie. Wir hören ja auch gerne Podcasten so. Ich weiß jetzt... Kann dir gerade nicht mehr sagen, wo ich es herhabe, aber es ging um das Entwickeln von Emotion. Das heißt, These war, dass viele Menschen, die das jetzt nicht machen permanent, alles klassifizieren in körperliche Schmerzen. Also, die sagen, wenn du ihnen... wie geht's dir, oder sagen sie, wie sie sich heute fühlen, dann sagen die, ja, ich habe Kopfschmerzen und ich bin bisschen aufgeregt. Und die erkennen noch nicht zum Teil – denn darum ging’s so ein bisschen – dass es irgendwie Trauer, Wut, Scham, Ekel, allerlei Emotionen hinter sich hat. Mal ganz ehrlich, auch mal anders Herz und für die HörerInnen, Emotion ist ja ein ganz wesentlicher Bestandteil von deinen Texten. Wie... Du sprachst eben beim Yoga und beim Meditieren von „nach innen gehen“.

Sonja: Ja.

Marcel: Wie sieht's da mit dieser Reise aus? Hast du Emotionen zu benennen gelernt? Was für Bücher hast du gelesen? Womit hast du dich auseinandergesetzt auf diese Reise?

Sonja: Oh, ja, ist eine gute Frage. Also, Emotion benennen ist, glaube ich, somit das Schwierigste, zumindest für mich, was ich so gelernt habe oder immer noch lerne natürlich. Und das kannst du natürlich nur machen, wenn du dich auch mit dir selber beschäftigst, das heißt, wenn du halt in dich gehst. Da ist zum Beispiel Meditieren ganz, ganz wichtig immer für mich gewesen, oder ist es auch noch, ja, um halt herauszufinden. Man hat doch manchmal, keine Ahnung, einen schlechten Tag oder so, oder man findet irgendwas super doof. Die Frage ist nur warum. Was steckt dahinter? So, und das habe ich zum Beispiel früher weniger hinterfragt, was dahintersteckt, sondern ich fand das vielleicht dann einfach doof. So, und heute versuche ich halt rauszufinden, was ist das, wo kommt das her. Und also, um jetzt mal ein Buch zu benennen, zum Beispiel Stefanie Stahl ist natürlich auch toll, das innere Kind.

Marcel: Da muss ich gerade lachen, weil das... darüber hatten wir was auch in einer Folge, die ich hier vor aufgezeichnet habe. Sehr witzig! Genau, ja, das ist ein cooles Buch, hätte ich auch anfangs gar nicht gedacht so, weil ich irgendwie... ich kam da irgendwie über den Podcast, glaube ich. Ich kam von „Betreutes Fühlen“, glaube ich, in die Thematik.

Sonja: Ja, ich… ich glaube, ich auch. Nee, Moment! Ich kam darauf durch meine Freundin. Genau, sie hatte mir das Buch nämlich ausgeliehen. Sie hat das nämlich zufällig zur selben Zeit gelesen als das auch in dem Podcast-Thema war und das hat sie mir dann ausgeliehen und, ja, das hat mir doch in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet.

Marcel: Ja, ja, das... also, „Betreutes Fühlen“. Wir verlinken es euch mal in den Shownotes. Ja, das... da habe ich mich auch in der Tat viel mitbeschäftigt. Und einer meiner wichtigen Punkte für mich als Selbstständiger war auch Haben oder Sein.

Sonja: Oh, ja! Stimmt, ja.

Marcel: Erich Fromm, schon ein paar Jahrzehnte alt, ganz anstrengend zu lesendes Buch, wie ich fand also, weil die These wiederholt sich und wird auf vielerlei Be-... also, vielerlei Begriffe angewendet, wie Religion, Beziehung. Aber das hat für mich auch im Kopf so ganz viel aufgeräumt und ganz viel auch geholfen, mir... mich mit dem Thema Sinnhaftigkeit zu beschäftigen und was mich glücklich macht. Und dabei habe ich eigentlich ganz viele auch herausgefunden darüber, dass mich „nicht haben“ glücklich macht. Wenn man das jetzt auf Songwriting überträgt, könnte man zum Beispiel sagen, es ist mir wichtig, einen Nummer-eins-Hit zu schreiben. So, das ist einfach kein Lebensziel von mir.

Sonja: Ja.

Marcel: Ist schön, wenn das... wenn das passiert, also ist „nice to have“, aber ist kein „must-have“. Und das macht natürlich auch was mit der... mit deiner Psyche, mit deiner Motivation, ja? Und durch… auch gerade durch das Buch habe ich auch viel so über mich selber herausgefunden, dass mir doch viel wichtiger ist, ja, so Spuren zu hinterlassen. Da, glaube ich, matchen wir zwei auch ganz gut, wenn es aus der Emotion rausschreiben, wenn es irgendwie so um diese Thematik geht. Gab’s ein krasses, einschneidendes, positives, hoffentlich nicht zu privates – diese Frage bitte dann sonst ignorieren – aber ein einschneidendes Erlebnis, wo du irgendwie sagst so, boah, das war so ein Punkt, da wurde ich mit Emotion konfrontiert und habe einfach auch wirklich mal dann wirklich angefangen zu reflektieren und da konnte ich ganz viel für mich aufräumen?

Sonja: Das ist eine gute Frage. Also, da gibt’s… gab's schon ganz viele Sachen…

Marcel: Oder war da irgendwo…

Sonja: Glaube ich.

Marcel: Ich meine so ein bisschen den Antrieb. Was hat eigentlich… Was war der ausschlaggebende Punkt? Weil dass das jetzt ein Kernbestandteil deines Songwritings ist, es kommt ja irgendwoher. Und woher kam diese Reflektionen mit dir selber und den eigenen Gefühlen? Also, was war der Auslöser? Interessiert mich einfach als jemand, der selber diese Reise irgendwann angefangen hat.

Sonja: Also, ganz, ganz krass war es dann als die Corona-Zeit anfing tatsächlich. Also, ich habe vorhin schon so ein bisschen gelesen und gemacht und getan, aber ich war halt ziemlich, ja, „busy“ immer so, gestresst, und hätt viel mehr darüber nachdenken können, weil ich einfach vermeintlich keine Zeit hatte, zumindest habe ich mir das immer eingeredet, dass ich keine Zeit dafür hatte. Ja, und Korona hat tatsächlich mein Geschäft dann auch erstmal lahmgelegt, wodurch ich zwangsläufig zur Ruhe kam.

Marcel: Wie witzig!

Sonja: Und ich kam halt Jahre vorher nie wirklich zur Ruhe, also immer... immer viel gearbeitet, immer, dass… dass, weiß ich, Arbeit war halt, ja, überall. Immer arbeiten, arbeiten, arbeiten und immer hier sein und da sein nur so. Dadurch blieb mir gar keine Zeit, irgendwie viel zu reflektieren. Und Korona hat mich tatsächlich dazu gebracht, mal über alles ein bisschen mehr nachzudenken, ja, einfach die Zeit zu nutzen, eben richtig zu meditieren. Da habe ich auch so richtig mit Yoga angefangen. Ich habe das vorher ja auch schon mal gemacht, aber halt nicht so intensiv. Heute mache ich es jeden Tag und finde auch immer die Zeit dafür. Also, mein Geschäft läuft natürlich jetzt auch wieder weiter, wie vorher, und trotzdem habe ich aber jetzt viel mehr Zeit, ja, für mich vielmehr... oder nehme mir einfach die Zeit. Es hat ziemlich viel in mir... mit mir gemacht, ja. Und ja, und Musik im Allgemeinen halt bringt einen auch, oder brachte mich zumindest, auch krass zum Reflektieren. Allein der Gesangsunterricht zum Beispiel, das mal anzuführen. Die Atmung – fangen wir also ganz, ganz simpel – ist ja im Singen super wichtig und da habe ich mich vorher nicht so richtig mitbeschäftigt. Und alleine dieses Runterkommen und diese Atem-Techniken, ja, bringen einen schon, ja, in so eine Richtung auf jeden Fall, wenn man es dann zulässt.

Marcel: Ja, ich musste gerade so lachen, deswegen sagte ich auch witzig, dass du das Wort „busy“ benennst so, weil aus dem Kontext etwas... ja, ich habe… Ich habe mich noch etwas weiter gegen die Wand gefahren noch ein paar Jahre. Ich hatte keine Koro-... Leider gab keine Korona-Welle, wo ich mal kurz auf mich zurückgeworfen wurde, aber das war… beschrieb auch so meinen Punkt, wo... der dann dazu führte, dass ich die Reißleine ziehen musste, wo ich nicht mit diesen Dingen beschäftigte. Und heute merke ich immer, immer mehr, dass Menschen, die so „busy“ sind, ja, dass die halt... ja, die kollidieren natürlich irgendwo innerlich mit mir, weil ich dann immer denke so, ja, gut, du kannst jetzt machen, kannst aber auch lassen, räum halt mal auf. So, das ist so die Antwort. Ich meine, die will ich natürlich so gar nicht geben. Das ist so die Antwort von meinem inneren, sage ich mal, etwas jüngeren Ich. Klar gibt es Menschen, die wahnsinnig viel um die Ohren haben, aber es kann ja nicht – oder das war zumindest für mich mal der ausschlaggebende Punkt – das kann ja nicht kein Lebensinhalt sein oder es kann ja nicht lebensbestimmend sein, immer „busy“ zu sein. Also, immer, wenn dich jemand fragt, hey, wie geht's dir? Ach, gerade viel, ist gerade einfach viel, es ist sehr viel. So, und wenn’s immer viel ist und du nie Zeit hast und keine Langeweile erlebst… Ich finde Langeweile ist etwas Wunderbares, wenn man zum Beispiel irgendwann mal im Restaurant auf jemanden wartet, dann vielleicht mal das Handy drin lässt und einfach mal ein paar Augenblicke dem Gehirn gönnt…

Sonja: Ja.

Marcel: Wo es einfach mal dasitzen kann und mal rausschaut und sich denkt, ja, ist eigentlich cool, hier zu sitzen und gleich was Leckeres zu essen, jemanden treffen und ein cooles Gespräch führen. Und…

Sonja: Ja.

Marcel: Wenn man das nie erlebt, dann schließt das doch gewisse Wege zu Emotionen, Authentizität und Inspiration aus, oder?

Sonja: Ja, total. Du kannst dich ja mit Sachen gar nicht beschäftigen, wenn du, wie du eben schon gesagt hast, immer „busy“ bist. Also, wenn du immer getrieben bist und du hast immer irgendwas vor und kannst eben mal nicht mal fünf Minuten warten, oder viele Leute... für die ist das ja schon zu viel. Oder mal zwei Minuten an der Ampel stehen, dann sind ja schon manche Köpfe, die explodieren ja schon. Das ist ja… Ja, und wie du schon sagst, man nutzt die Zeit, man kann die Zeit doch nutzen, um einfach mal herum zu dümpeln, sich vielleicht mal gerade irgendwas zu fragen, oder mal zu überlegen, warum werde ich denn überhaupt zum Beispiel so sauer. Das sind halt so Sachen. Ja, und das… und immer getrieben sein, schließt Inspiration total aus. Du kannst dann... hast du deinen Kopf ja gar nicht dafür frei. Also, ich glaube, das ist auch so ein kleines Ego-Ding manchmal auch. Wenn man halt immer wichtig ist…

Marcel: Ja, man merkt’s nicht, glaube ich. Also, ich glaube wir sind... ich glaube wir sind ein bisschen antrainiert so. Also, ich glaube, dass bei ganz vielen Menschen 0,0 Böses dahintersteckt, aber wenn du jemanden triffst, der immer „busy ist, dann ich schließe daraus immer, okay, es gibt zwei Möglichkeiten – entweder du findest mich doof und willst nichts mit mir zu tun haben, und das ist okay, aber dann sag's einfach, oder... ja, oder du solltest mal dringend... Ja, denke ich dann so persönlich. Fahr mal runter und komm mit Dir klar.

Sonja: Ja. Also, ich glaube, in den meisten Fällen… ja, in den meisten Fällen ist es eher so ein… so ein unbewusster Impuls, dass die Leute… Wie gesagt, ich muss auch manchmal lachen, man nimmt sich halt selber dann gerne auch so wichtig. So, ich habe jetzt keine Zeit, ich bin wichtig und ich kann jetzt hier nicht so, es geht jetzt nicht so. Das muss man vielleicht einfach ein bisschen ablegen. Und das ist jetzt auch... habe ich ja selber auch immer so… Also, was heißt immer? Aber auch selber... auch eine Zeitlang so gehabt. Das heißt, es soll jetzt hier keine Belehrung sein oder so.

Marcel: Nein, das... da sind wir doch…

Sonja: Aber vielleicht eine Inspiration für jemanden…

Marcel: Ja.

Sonja: Sich mal zu hinterfragen.

Marcel: Absolut! Du hast gerade das Wort „Bewusstsein“ verwendet, eins, was ich im Vocalcoaching übrigens auch sehr oft benutzt habe. Ich habe sehr oft mit diesen Worten rumgespielt, sich selbst bewusst sein und selbst bewusst sein oder bewusst sein. Also, da stecken ja ganz viele Spielchen drin, die man so drehen kann. Und ich glaube, das ist schon einer der wesentlichen Punkte irgendwie. Das glaube ich auch. Also, da bin ich komplett bei dir. Wenn du mit anderen zusammenschreibst, erklär vielleicht für unsere HörerInnen noch mal, was wir mit Rewriting meinen, warum wir das tun, noch mal konkret, und warum das einer deiner Haupttipps ist.

Sonja: Genau. Also, Rewriting ist super wichtig, denn wenn ich jetzt was zu Papier gebracht habe, sind das ja… ist das ja erstmal meine Sicht der Dinge und ich muss erstmal herausfinden, ob ein anderer da überhaupt was mit anfangen kann. Also, sagen wir mal, ich habe jetzt etwas geschrieben, du liest das und du guckst mich an und sagst, häh, verstehe ich nicht. So, da und da sind ein paar Fehler oder Denkfehler vielleicht drin. Da muss man es ein bisschen konkretisieren, oder man hinterfragt halt diese Texte. Dann sagt, was meinst du jetzt genau damit? Und dann spricht man darüber und sagt man, keine Ahnung, ich meine das und das und… ja.

Marcel: Erinnerst du dich an diesen Text? Ich weiß gerade nicht mehr, welcher es war, aber den haben wir bestimmt drei oder vier Mal umgeschrieben, weil wir immer wieder ping-pong-artig uns... also, wir haben eigentlich immer weiter sozusagen gefiltert, was die Kernaussage ist. Ich meine, das hatte…

Sonja: Ja.

Marcel: Irgendwas mit Gegenwind ganz am Anfang zu tun. Es ging um einen Dialog zwischen zwei Menschen. Der eine kann den anderen nicht verstehen. Egal wie laut er schreit, das Bild war der Wind, also um Gegenwind…

Sonja: Genau.

Marcel: Und ich erinnere mich daran, dass wir diesen Text also immer weiter gefiltert haben und dass da dann schlussendlich was ganz anderes rauskam.

Sonja: Ja. Ja, und dann wären wir ja wieder beim Thema von eben. Du hast halt manchmal, ja, Ideen, oder du hast Sachen vielleicht erlebt und du fühlst dich dann nicht ganz wohl oder schlecht damit und weißt vielleicht gar nicht, was das Kernthema ist. Warum fühlst du dich jetzt eigentlich so? Und aus so einem Text muss man halt manchmal wirklich vier-fünf Mal rausfiltern, was willst du überhaupt sagen. Ja, und diese Emotionen benennen, wie wir eben schon gesagt haben. Das ist... ich glaube, das ist ein ganz, ganz… ist immer wieder dieser wesentliche Bestandteil. Du schreibst was auf und was willst du dem anderen damit sagen, oder was kann der andere mitnehmen aus diesem Text? Ist ja auch wichtig, dass da jetzt eine Botschaft dahintersteckt, oder der andere irgendwas da mitnehmen kann, oder sich vielleicht damit identifizieren kann.

Marcel: Ja, 100% d’accord. Und wie ist das mit... Es gibt ja das weit verbreitete, sage ich mal, Denken, dass… Wir haben ja oft diese romantische Vorstellung, ich bin jetzt Ed Sheeran, mir fällt ein Text ins Gehirn, den kotze ich auf meinem Blatt, nehme meine Gitarre, singe dazu und dann war ich einfach da. Wie siehst du das? Also, wie lange brauchst du... Wie die wie lange dauert ein Text von dir erstmal überhaupt bis er fertig ist, so schätzungsweise im Durchschnitt?

Sonja: Das ist eine gute Frage. Also, bis er… du meinst, bis er Komplette fertig ist.

Marcel: Ich rede… ja, ich rede jetzt sowohl vom Zeitraum als auch von Arbeitsstunden, die du für einen Text, also Pi mal Daumen.

Sonja: Okay.

Marcel: Einfach mal für unsere Hörer.

Sonja: Pi mal Daumen. Also, sogar viele Stunden auf jeden Fall. Ich muss jetzt mal überlegen, keine Ahnung, vielleicht 50 Stunden oder so.

Marcel: Ja.

Sonja: Ich weiß nicht. Also, ich glaube, das ist schon realistisch.

Marcel: Wenn du alles…

Sonja: Also…

Marcel: Denken und jede Dusche miteinzählst…

Sonja: Ja. Ja, schon, also das ist schon realistisch. Also, oder jede Pause, die du mal kurz hast, wo du noch mal reinguckst und noch eine Inspiration hast.

Marcel: Auf jeden Fall!

Sonja: Oder... Also, ich glaube schon, dass das eine realistische Zahl ist, jetzt nur für den Text.

Marcel: Ja.

Sonja: Also, dann… da ist noch keine Musik mit drin. Also, eine Melodie im Kopf vielleicht, aber kein…

Marcel: Interessant.

Sonja: Keine Musik gespielt oder so.

Marcel: Finde ich Hammer interessant, weil heißt ja 50 Stunden... also, ist ja eine Arbeitswoche, die eigentlich an einem Text gesessen wird mit Kommunikation. Ihr dürft ja nicht vergessen, wenn man im Team was schreibt und davon – zumindest das ist unser Berührungspunkt – dann es gibt ja nicht nur Meinungen. Bei uns ist es ja so, wir haben ja auch ein Diskurs darüber und wir versuchen ja... Ein Teil unserer Wertestruktur ist ja schon Authentizität zu generieren. So, die muss ich ja mir durch den Konsens abholen. Das heißt ich muss auch immer abfragen, sieht das nicht nur Sonia so, sondern sieht das vielleicht der Marcel auch so? Und kann er sich das vorstellen, das zu komponieren, oder… Und ich finde das so spannend, weil es ist ja schon eine äußerst komplexe Angelegenheit. Und bis dann so ein Songtext von dir veröffentlicht wird, das dauert dann Monate.

Sonja: Ja, auf jeden Fall. Ja, dann musst du erstmal die Musik… da muss man sich erstmal einig werden, wie hören wir eigentlich das Lied. Also, hören wir das schnell, hören wir das langsam, hören wir das... Es ist eine Ballade, oder ist vielleicht doch was ganz anderes? Da muss man sich erstmal darüber einig werden. Auch da ist manchmal, dass man am Anfang vielleicht denkt, es ist so, und nachher denkt man, so ist eigentlich auch cool, also es wird ja auch ständig dann noch mal umgestellt und, ja, das dauert halt alles seine Zeit.

Marcel: Ja, du arbeitest ja mit einem Komponisten zusammen.

Sonja: Ja, Gott sei Dank.

Marcel: Dann musst du... musst du ja wahrscheinlich auch eine Songwriting-Floskel sehr beherzigen – „Kill Your Darlings“.

Sonja: Oh, ja!

Marcel: Das bezieht sich nicht nur auf...

Sonja: Das Schwierigste.

Marcel: Mich übrigens, aber du hast natürlich auch ein Bild im Kopf. Das meine ich damit, genauso wie, wenn ich einen Songtext schreibe, ich auch ein Bild im Kopf haben und man halt manchmal dann wirklich Dinge über Bord werfen muss.

Sonja: Ja und das ist auch also super wichtig beim Songwriting, dass man ja kritikfähig ist, würde ich jetzt einfach mal sagen, und halt nichts zu persönlich nimmt, denn im Prinzip hilft mir ja jede Kritik weiter, also insofern sie dann, ja, angebracht ist, sage ich mal, oder nett verpackt ist. Naja, aber das ist bei uns ein Nebenproblem. Aber manchmal hat man ja auch irgendwie so eine wahnwitzige Vorstellung, die einfach nicht funktioniert und dann ist, wie du sagst, das „Kill Your Darlings“ ist dann schon schwierig manchmal, weil man hat dann vielleicht irgendwie eine Zeile mit der man total... ja, wo man einfach sagt, die ist so cool, aber die passt manchmal halt einfach nicht in den Song.

Marcel: Ja oder man kämpft dafür und es gibt ein Diskurs.

Sonja: Ja.

Marcel: Weil das...

Sonja: Das gibt’s auch.

Marcel: Wir glauben ja auch beide – bin ich mir zumindest ziemlich sicher – Zusammenschreiben befruchtet auch gegenseitig. Also, man hat ja was davon. Es geht ja… Also, ich glaube, wir sind alle autark überlebensfähig. Wir können anderen Texte schreiben und Songs schreiben. Das Ding ist einfach nur, ich sehe darin Mehrwert. Also, ich sehe in Austausch und eine Addition von Talenten sehe ich ein Mehrwert. Und deswegen finde ich das in diesem Kontext so wichtig. Und dann heißt es halt, eben auch persönlich zurückstecken und, ja, die Darlings killen.

Sonja: Richtig. Manchmal schwer, aber am Ende zählt ja auch so ein bisschen dann das Ergebnis und das war ja bisher immer cool.

Marcel: Total! Sonja, ich möchte mit dir ganz kurz versuchen auf so ein Ergebnis zu kommen. Ich glaube, das Ergebnis ist, es gibt kein Ergebnis. Kann das sein? Wie würdest du sagen, wie ist das mit diesen unterschiedlichen Typen, mit diesen unterschiedlichen Anforderungen und Ergebnissen von Songs? Was... Gibt’s eine Wahrheit?

Sonja: Nee, also ich glaube, da gibt’s keine absolute Wahrheit. Also, es gibt halt verschiedene Songwriter-Typen, wie es auch verschiedene Menschen gibt, und da gibt's kein richtig und kein falsch. Im besten Fall arbeiten alle zusammen. Im besten Fall, wie du gerade schon gesagt hast, befruchten sich halt alle und, ja, finden halt einen gemeinsamen Nenner. Aber es ist halt auch... ist halt auch Kunst ein Stück weit und da kannst... du kannst ja nicht sagen, irgendwas ist richtig oder falsch. Also, da bin ich auf jeden Fall auch auf deiner Seite. Ich sehe da keine... keine absolute Wahrheit.

Marcel: Also, es gilt sozusagen, eine Authentizität und eine Wertestruktur irgendwie zu erreichen und auch irgendwie, sagen wir mal, das Ganze dann handwerklich, weil den Anspruch hast du ja schon auch...

Sonja: Ja.

Marcel: Handwerklich in eine Verpackung zu stecken, sodass man es verstehen kann.

Sonja: Genau, so kann man es auf jeden Fall zusammenfassen.

Marcel: Ach, total interessant! Für unsere Hörerinnen und Hörer würde ich mir noch wünschen, dass du mal kurz über drei deiner Top-Tipps nachdenkst. Ich weiß nicht, du hast eine Menge interessanten Stoff geliefert. Wenn du jungen Songwriterinnen und Songwritern etwas raten würdest, was wäre das? Was wären so deine deine „favourite“, wirklich wichtigen Dinge bezüglich Inspiration, Authentizität, Zusammenschreiben, whatever?

Sonja: Ja, also ganz wichtig ist schon, dass man eine Struktur auch hat, dass man sich vielleicht überlegt, was schreibe ich, für wen schreibe ich und warum überhaupt. Also, es sind, finde ich, ganz, ganz wichtige Fragen.

Marcel: Also, man klärt sozusagen…

Sonja: Ja, ich...

Marcel: Die Modalitäten mal zuerst, also mal...

Sonja: Genau.

Marcel: Gucken…

Sonja: Genau.

Marcel: Ist das hier ein Gefühl, ist das eine konkrete Geschichte, ist das jetzt... Ich mache mal… Also, ein krasses Beispiel, das ist ein Kindersong oder ein Erwachsenen-Song, weil dann ändert sich die Sprache und dann vielleicht…

Sonja: Genau.

Marcel: Noch mal auf der Emotionsebene, ist es für mich selber und beschreibt meine tiefste innerste Überzeugung und Emotion, oder ist es konkret... wird es konkret benötigt, so dass es maximal viele Leute begreifen auch direkt und adaptieren können?

Sonja: Genau, genau. Also, das finde ich das Allerwichtigste und…

Marcel: Okay.

Sonja: Ja, das wäre so mein erster Tipp. Der zweite Tipp – auf jeden Fall jeden Tag schreiben, jeden Tag irgendwas aufschreiben, was mir gerade so in den Sinn kommt, vielleicht ein iPad oder ein Notizbuch, wie auch immer, also womit man halt am besten klarkommt, oder irgendwie Notiz im Handy...

Marcel: Zählt da auch…

Sonja: Was weiß ich.

Marcel: Im Kopf schreiben? Weil sonst…

Sonja: Das schreibe...

Marcel: Sonst beherzige ich...

Sonja: Das schreibe ich ständig.

Marcel: Das beherzige ich diesen Trick nämlich auf jeden Fall nicht immer. Also, das stimmt, das habe ich schon öfter gelesen. Das glaube ich dir. Und ich schreibe wirklich oft, aber so täglich, boah, das schaffe ich nicht auch so.

Sonja: Das…

Marcel: Man soll… man soll ja wirklich ein Gedanke...

Sonja: Das könnte eine Ausgabe sein.

Marcel: Ja, wirklich, so ein Gedanke oder ein Gefühl runterschreiben in einem Satz.

Sonja: Ja, einfach es muss ja nicht viel sein. Wenn’s nur fünf oder zehn Minuten sind, wenn man natürlich mehr Zeit hat, wunderbar, aber…

Marcel: Gute Routine!

Sonja: Manchmal reichen ja auch... Genau, einfach so eine Routine manchmal reicht es ja auch. Keine Ahnung, man hat jetzt… man sagt, ich habe jetzt ein paar Minuten meditiert und jetzt bin ich frisch im Kopf und schreibe jetzt irgendwas auf fünf oder zehn Minuten und lasse es dann einfach noch mal liegen und schaue vielleicht später noch mal drauf, vielleicht fallen mir noch ein paar…

Marcel: Cool!

Sonja: Mehr Sachen dazu ein. Das wäre so mein zweiter Tipp.

Marcel: Den werde ich auf jeden Fall direkt schon mal mit nach Hause nehmen. Habe schon was aus unserem eigenen Podcast rausgenommen. Cool! Ich meine, das tue ich immer.

Sonja: Sehr gut!

Marcel: Also, der Austausch ist mir sowieso das größte Ziel dieser ganzen Sache.

Sonja: Sehr gut! Ja, das Dritte ist also mit anderen zusammenschreiben, würde ich sagen. Ist halt einfach so das… das ist super wichtig – Feedback einholen, offen sein vor allen Dingen für andere Meinungen auch. Das heißt jetzt nicht, dass man jede Meinung auch vertreten muss, aber man sollte auf jeden Fall offen sein für Kritik, für Anregungen. Vielleicht kann man irgendwo eine Weiterbildung machen, oder wie auch immer, so vielleicht erreicht man auch mal jemanden, der was erfahrener ist. Das Glück hatte ich ja jetzt wohl auch mit euch.

Marcel: Cool!

Sonja: Und das bringt halt einen unglaublich weiter. Dieser Austausch, das ist eigentlich für mich das Aller-allerwichtigste.

Marcel: Wow! Das ist doch ein schöner Schlusssatz. Also, schlussendlich kommen wir auf Kommunikation, kommen wir auf Austausch und…

Sonja: Ja.

Marcel: Das ist doch wirklich was Schönes. Hey, Sonja, vielen lieben Dank! Ich freue mich, dass du da warst, und es war wirklich mal cool, mit dir darüber zu reden und vor allem dich mal vorzustellen.

Sonja: Vielen Dank für die Einladung.

Marcel: Ja, das war unser Podcast „Reingetackert!“ mit Sonja Redelberger. Und das fand ich jetzt echt mal cool, euch die mal vorzustellen, weil sie schon das eine oder das andere so im Hintergrund bewirkt. Und in so einer Maschinerie von Interpreten gibt es halt auch ein paar kleinere und größere Zahnräder, die da ganz schön viel für Inspiration und Richtungen sorgen. Und ein Songtexter oder eine Songtexterin kann genau das sein. Ja, heute bin ich ganz alleine, deswegen muss ich da jetzt durch und zähle mir selber runter

... 3… 2... ist schon nicht ganz so cool wie sonst... 1… 

Reingetackert! 

Das war's von uns, ihr Lieben, und damit geben wir für heute zurück ins Studio. Ja, du findest uns unter www.rurtonproducing.de und auf reingetackert.de und natürlich auch immer auf Insta oder Facebook. Feedback, Kritik und Vorschläge und Austausch bitte alles an reingetackert@rurton.de. Wir freuen uns da wirklich drüber. Wenn ihr jemanden kennt, wo ihr sagt, Mensch, mit dem, oder ihr zwei, ihr sollt euch unbedingt mal unterhalten, dann ran damit. Das finden wir mega spannend, weil wir sind immer für offenen Austausch. Wir freuen uns auf ein Abo oder Kommentare. Das wisst ihr ja. Das hilft unserem Podcast und der Sichtbarkeit. Und wenn du unterstützen willst, paypal@rurton.de. An dieser Stelle sei auch noch mal gesagt, ganz herzlichen Dank an all diejenigen, die das eh schon in unserem Umfeld mit unserer Musik oder auch mit unserem Podcast tun. Hey, vielen Dank und bis bald!

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