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Vorstellrunde - Marcel "Herz hörbar machen" [004]

INHALT

In der vierten “Reingetackert!”-Folge nehmen wir unser Teammitglied Marcel Stoffels unter die Lupe. Wir sprechen über seinen Spagat als Multi-Instrumentalist, über seine Leader-Fähigkeiten bis hin zu seinem Credo “Herz hörbar machen”. Neben seinen Kern-Themen Sinnhaftigkeit, Fokus und Organisation, geht es für ihn auch um Produktivität, Routinen, Reflektion, Dankbarkeit und das man auch mal sein “Ego hinten anstellen” muss.


SHOWNOTES


TRANSKRIPT DER EPISODE

Markus: „Reingetackert!“ - Hallo und herzlich willkommen zum „rurtonproducing“-Podcast. Heute haben wir als Thema: Marcel - Sänger, Songwriter, Multi-Instrumentalist, Studio-Musiker, Projektinitiator. Marcel würde wahrscheinlich über sich selber sagen: „Ich bin ein vollorganisierter Teilzeit-Chaot und spinnen ist mein Job.“ Na ja, sagen wir mal so, er nimmt sich auf keinen Fall sehr ernst und die Musik bestimmt schon sein Leben. Marcel, ist dieser Allrounder in dir eigentlich Fluch oder Segen?

Marcel: Da kommst du direkt mit so einem Hammer um die Ecke, Markus. Ich würde sagen: beides! Denn das führt ja dazu, eigentlich viele Bereiche abzudecken, dass man sich nicht in einer Sache spezialisiert und das kann auch hin und wieder schon mal schwierig sein. Bei mir ist es zum Beispiel der Fall: Ich kann halt gut Gitarre spielen, aber natürlich bin ich kein Virtuose an dem Instrument. Aber es reicht halt eben auch in vielen Bereichen, um immer auf das 80% Ziel zu kommen. Da können wir vielleicht darauf eingehen, wie wir so als Team agieren. Also ich würde sagen, es ist Fluch und Segen und macht mir viele Sachen möglich, aber manchmal auch viele Sachen zur Hölle.

Markus: Genau, da könnt ihr auch direkt nochmal anschließen. Ich glaube, es ist ja auch nicht so einfach oder ich erlebe das auch immer wieder, wie schwer es doch ist, „Buddy“ von Projekt-Beteiligten oder anderen Musikern zu sein, aber genauso in die Rolle des Leaders oder des Team-Anführer in einem Projekt zu schlüpfen. Ich glaube, das verschiebt sich ja immer wieder und damit bist du ja immer wieder konfrontiert. Das ist, glaube ich, mit das Schwerste, oder?

Marcel: Nicht schön manchmal. Mir kommt tatsächlich erstaunlich selten die Rolle des geliebten Teammitglied zu sein. Ein Beispiel war zum Beispiel auch mal eine musikalische Leitung bei einem Musical. Du hast halt die ganze Zeit mit voller Leidenschaft an sowas gearbeitet, aber dir wird natürlich auch die Rolle zuteil zu gucken, dass so ein Cast zusammenbleibt, dass die ihre Aufgaben auch erledigen - das steht natürlich im direkten Konflikt dazu, dass du irgendwie nicht so viel Blödsinn mit den Leuten machst. Wenn dann mal gefeiert wird, kann es auch schon mal sein, dass du nicht im Kern der Sache immer dabei bist. Aber das gehört, glaube ich, auch so ein bisschen zum Fluch der Sache. Auf der anderen Seite macht es auch einfach total Spaß, zu sehen, wie Leute aneinander und miteinander ihre Kräfte entfalten können. Aber einer, der mit mir ganz lange unterwegs war und der mich sicherlich auch besser kennt, als meine Partnerin, der ist ja auch hier mit in der Runde und hat jahrelang mit mir im Auto verbracht, das ist der Denis.

Denis: Ja absolut, ich möchte da auch nochmal anschließen. Solche riesigen Projekte, von denen du gerade gesprochen hast, ist ja auch immer einfach eine riesige Energieleistung. Immer die Leute beisammen zu halten und die Laune hochzuhalten - das ist einfach Wahnsinn. Wie ist das für dich Marcel, was treibt dich da an und was sind deine Ziele darüber hinaus?

Marcel: Also ich glaube, für mich ist ein ganz wichtiger Punkt, wo es im Leben für mich hingehen muss. Und das macht, glaube ich einiges ertragbar. Es ist schon so, ich habe ja nicht immer mit so hervorragenden Leuten wie mit euch zu tun. Wir sprechen viel, klar, mal kracht es auch oder wir müssen über Dinge diskutieren, aber wir sind ja immer an einer Lösung orientiert und haben uns nicht umsonst als Team zusammengefunden. Aber du hast halt auch, wie ich gerade bei einem Musical-Cast ansprach, da hast du ja auch mal mit Leuten zu tun, die das nicht kennen, in großen Teams zu agieren. Da sind Ängste, eigene Wünsche, Sachen die gesehen werden wollen und da muss man halt ab und zu auch echt in den Apfel beißen und sein eigenes Ego da immer wieder runterschlucken und wie wir immer so schön lustig sagen, eine fürs Team nehmen. Aber was mich daran antreibt, ist, glaube ich, das Ziel dahinter, denn ich glaube ja daran, dass die Dinge, die wir von Herzen tun, halt irgendwo hinführen. Mir geht es einfach darum: „Herz hörbar machen“. Dieser Leitsatz steht irgendwie für mich hinter allem, was ich tue und ist der Antrieb davon, egal ob Gesangsschüler entwickeln, ob ein Musical auf die Beine stellen, ob eine Weihnachts-CD Produktion mit euch durchzuziehen - das treibt mich an! Weil, ich will, dass was dahinten rauskommt.

Markus: Das heißt, für dich steht also total Sinnhaftigkeit in meinem Fokus, egal, was du tust. Das betrifft bestimmt auch ganz viel die Leute, um dich herum. Also, das werden sie kennenlernen, wenn sie mit dir zusammenarbeiten, oder?

Marcel: Leider. Ich meine, viel habt ihr ja auch dazu beigetragen. Denis und ich sind ja große Fans von Dieter Lange, der so ein super schönes Interview über „Warum nur die Bedeutung zählt, die du den Dingen gibst“ bei „GEDANKENtanken“ gegeben hat. Ich habe irgendwann angefangen, mich damit zu beschäftigen und mir Fragen zu stellen: „Warum bin ich hier?“. Und ich bin hier, oder zumindest ist es mein Anspruch, dass die Menschen oder die Umgebung, in die ich reingesetzt wurde, von Gott, dem Universum oder wovon auch immer, einen positiven Impact zu verleihen. Ich glaube, das ist ganz wichtig für mich. Und da kommt ja auch Markus ins Spiel. Ich musste dann tatsächlich für mich den Weg finden, dass Sinnhaftigkeit alleine nicht reicht, sondern auch der Fokus auf die ganzen Sachen sehr wichtig sind. Auch du hast mir da diesen Weg zu Lars Bobach und Meistertask und „Mach dein Ding“ eröffnet, vielleicht kannst du dazu noch paar Takte sagen.

Markus: Liegt schon ein bisschen zurück, aber das ist schon etwas, wo wir uns jeden Tag dran entlang hangeln oder was uns im Alltag total hilft, dass wir unseren Fokus nicht verlieren. Wir haben nicht nur Tools dafür und Apps für unsere Projektverwaltung, die uns dazu helfen (die sind natürlich auch ganz wichtig), sondern auch was unsere Einstellung ist und wie wir an Sachen rangehen.

Ich nehme mal so ein Beispiel: Wir beide sind so totale „WhatsApp-Hasser“. Aber nicht, wegen dem Tool, sondern weil wir einfach festgestellt haben, dass die Kommunikation in so einem Chat so unverbindlich ist. Das haben wir gemerkt und wollten es nicht in unseren Projekten haben. Das ist ok, wenn man das mit seinen Kumpels macht, aber das hat uns einfach viel Produktivität geklaut. Dann haben wir einfach eine Grundregel erschaffen, dass wenn es um Projekte geht zu telefonieren und zu reden und keine Sachen rauszuschreiben. Aber das ist ein großes Ganzes, wo wir uns hin manövriert haben.

Denis: Auch dieser Spagat ist für einen Kreativen einfach schwierig, diese Struktur hineinzubringen. Das ist ja glaube ich auch so ein Ding, wo du Marcel, in den letzten Monaten und Jahren dran gearbeitet hast. Diesen Spagat zu schaffen, ist nicht einfach, oder?

Marcel: Wir beide haben das ja in der Zeit zusammen in der Band erlebt, in der wir sowohl vorankommen wollten, als auch einfach Musiker sein. Und das ist glaube ich Luxus, der sich ein professioneller Musiker tatsächlich gar nicht leisten kann. Du kannst nicht sagen, dass du einfach nur Musik machen möchtest - das ist eine schöne romantische Vorstellung, aber auf dem Papier funktioniert das nicht. Auf Projekte und auf WhatsApp bezogen, was Markus gerade sagte, ist ja auch das ein großes Problem: Verbindlichkeiten zwischen Musikern. Da sind ja viele Ängste, jetzt haben wir Corona…

Markus: Ich glaube, das ist echt ein Gesellschaftsproblem. Dieses nicht-verbindlich zu sein, überall mal mitzusprechen oder mitzumachen, aber eigentlich nicht konkret. Aber wenn es mal konkret wird, auszusteigen.

Marcel: Ja, ich glaube, das ist, meiner Meinung nach, eine Sache die wirklich im Argen liegt, die mich tatsächlich persönlich auch sehr oft ärgert und wir untereinander unsere Teams ganz gut im Griff haben und ich bin super froh, dass wir nicht so agieren. Verbindlichkeit kostet ja Kraft und das ist glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt. Es frisst ganz viel von der Energie auf, Leuten hinterherzurennen, für Dinge, für die sie nicht brennen. Um da nochmal auf Meistertask zurückzukommen und das, was du eingangs gesagt hattest, Markus hatte sich ja da sehr viel mit Lars Bobach Selbstmanagement und sowas beschäftigt und ich dann durch Markus auch. Und es hat mir unglaublich viel geholfen, zu definieren, wer will ich am Ende des Tages oder sogar am Ende des Lebens sein. Stichwort: Grabesrede, Löffelliste, also die Dinge, die man erleben will, bevor man den Löffel abgibt oder halt, was sind unsere kurzfristigen und langfristigen Ziele. Ohne die Struktur, die ich dann auch von Markus gelernt habe, hätte ich nicht so viel Fokus auf meine kurzfristigen Ziele gesetzt und meinen Output erhöht hat..

Denis: Wie sieht so ein Tagesablauf bei dir aus? Womit beginnst du den Tag? Bist du erst einmal kreativ oder machst du erstmal Struktur - arbeitest du Sachen ab? Lass uns mal kurz bei dir rein blicken.

Marcel: Es gibt natürlich durch diese unterschiedlichen Ausrichtungen, unterschiedliche Tage. Es gibt ja Studio-Tage und es gibt Coachings- und Organisations-Tage. Die Studio-Tage fordern mich kreativ stark, aber da habe ich eine Autofahrt, wo ich ein bisschen Podcast hören kann und dann irgendwie gut ankomme. Aber oft ist es so, dass ich ein unglaublicher Frühaufsteher bin und ich früh ins Bett gehe und das erste, was ich mache, ist tatsächlich Morgenroutine. Meditation ist in meinem Alltag drin, kein Social-Media vor Punkt X, ich beschäftige mich mit „was ich am Tag erreichen möchte“, ich nehme mir Dinge vor und strukturiere sie neu. Und zu diesen Routinen gehört halt das Meditieren und gucken, das es mir gut geht, Sport, dass ich genug Trinke - alles solche Sachen, auf die ich sehr achte.

Markus: Ich muss nochmal reingrätschen. Hätte dir vor zehn Jahren das jemand erzählt, dass das ein guter Weg „to go“ ist, was hättest du dann gedacht? Was hättest du dann von demjenigen gedacht?

Marcel: Ich hätte gedacht, du spinnst doch. Ich habe das damals in mir drin auch alles anders erlebt. Musik machen war auch Fluch und Segen. Es war Freude, aber auch pure Anstrengung für mich. Ich glaube, das hat auch nochmal ganz viel mit dem individuellen und mit dem privaten Weg zu tun. Die Musik ist für mich auch tatsächlich ein ganz großer Fluchtanker in einer gewissen schlechten Zeit in meinem Leben gewesen, als ich noch sehr jung war. Was mich natürlich noch maßgeblich beeinflusst hat, ist, was Musik oder Arbeiten für mich bedeutet. An der größten Sache, die es eigentlich gibt - diese Aspekte darf man natürlich nicht außen vorlassen, weil die ja dazu gehören (das ich gewisse Sachen zu diesem Zeitpunkt damals nicht sehen konnte) - es ist ein Weg. Das Beschäftigen mit mir selber, diese Entscheidung irgendwann in meinem Keller hereinzugehen und zu gucken, was da los ist - warum reagierst du so und so, warum hast du das gemacht, warum hast du jenes Projekt abgefuckt, warum verhältst du dich hier so und so - das ist eine Entscheidung, die man als Mensch trifft und für mich ist es einer der größten Bereicherungen im Leben gewesen, weil ich dadurch erkannt habe, wer ich bin, aber auch weil ich dadurch erkannt habe, was ich kann oder auch, was ich nicht kann. Das hat glaube ich einfach nach und nach dazu geführt, dass ich festgestellt habe: Leben, aber auch musikalisches Leben, sowie auch Kreativität und Arbeit, hat für mich persönlich viel mit Sinnhaftigkeit zu tun und auch damit, wie ich mich fühle. Und wie ich mich fühle, kann ich zu gewissen Zeiten (Morgenroutine) und gewissen Punkten tatsächlich beeinflussen. So sehe ich das jetzt.

Markus: Kannst du uns so eine Gewichtung geben? Du hast gerade gesagt, dass du drei Teilbereiche hast - Studio, Coaching und Büro. Kannst du grob sagen, was du mehr machst? Mehr Organisationssachen? Und was macht dir am meisten Spaß?

Marcel: Organisation macht mir tatsächlich viel Spaß, weil wir halt viel zu dritt machen und weil ich wirklich sehe, dass Dinge räumen. Man kriegt viel mit, das andere auch was tun und was ein riesiger Motivator für mich ist. Die Gewichtung schwankt natürlich von Projekt zu Projekt. Wenn wir für „Dezemberzeilen“ am Schreiben sind, sind Denis und ich wochenlang, fast jeden Morgen, den es irgendwie möglich ist, in Skype-Sessions am Texten und sind kreativ. Was sehr harte Arbeit ist, weil wir unglaublich viel rewriten und versuchen, einfach auf ein besseres Niveau zu kommen. Da sagt Denis vielleicht auch nochmal was zu. Aber ich bin so gefühlt zwei Tage die Woche Vokalcoach, drei Tage die Woche Studio-Musiker und Kreativ-Kopf und ich war unglaublich viel Live unterwegs, aber momentan so gut wie gar nicht auf Bühnen zu sehen. Jetzt haben wir natürlich auch gerade Corona und es ist einfach so, dass große Projekte hinter mir liegen, „Kontrollverlust“, „Die Versenker“ mit Denis zusammen, die auch in meiner Historie eine von vielen Stationen in der Live-Branche waren, von der ich mich auch mal eine Zeit lang zurückgezogen habe und mich davon zu „gesunden“ und auch einfach zu kapieren, wo ich hin will.

Denis: Das ist schon interessant. Du hast ja damals noch in jungen Jahren Touren gemacht mit „Pencilcase“, auch im Ausland. Ich kenn dich ja schon sehr lange und das hat sich auch schon leicht verschoben von dieser Tour/Bühnen-Geschichte, die du natürlich weiterhin immer noch machst, aber nicht mehr in diesem Umfang und dann kamen andere Sachen hinzu. War das irgendwie ein Switch im Kopf oder was war da los sozusagen?

Marcel: Da kommt auf jeden Fall noch mal ein großer Bruch hinzu, den du ja miterlebt hast. Bei mir war irgendwann richtig die Puste raus - auch persönlich in mir drin. Dinge, die ich jetzt gar nicht infrage stelle, wie „Warum kommen so wenig Leute zu meinem Live-Konzert? Hat es dem und dem gefallen?“, Dinge, die man als Frontmann auf der Bühne so denkt oder denken könnte, die interessieren mich überhaupt nicht mehr. Aber diese Stimmen in mir drin wurden damals immer lauter. Was ja dann so weit ging, dass ich irgendwann dann angefangen habe, da auch gar nicht mehr so richtig nüchtern auf die Bühne zu gehen. Da war für mich so ein Punkt erreicht, wo ich dachte, warum ich das alles mache? Ich hatte natürlich ganz viel mit mir selber zu tun. Und ich glaube, dadurch hat sich das Ganze krass verschoben, dass ich einfach eine Zeit lang nicht mehr auf die Bühne wollte.

Denis: Ich spüre das ja in unserer Team-Arbeit, dass sich das wahnsinnig krass gewandelt hat. Du auch als Mensch dahinter - hinter dieser ganzen Musikgeschichte und als Teammitglied und Partner. Es ist richtig krass, was du für einen Fokus mittlerweile an den Tag legst und wie strukturiert das ganze abläuft. Das wäre vor zehn Jahren oder so undenkbar gewesen. Das ist schon krass.

Marcel: Absolut. Das ist, glaube ich, auch so ein bisschen gut gewesen. Im richtigen Moment wurde Zeit frei, dass ich mit Markus da ein bisschen zusammenwachsen konnte. Da war ich in einem geschützten Umfeld als Kreativer gefragt, indem ich aber trotzdem was leisten musste, aber eben auch die Sachen machen konnte, mit den ich mich dann gut fühle.

Markus: Was inspiriert dich? Jetzt haben wir soviel über Fokus und Ziele gesprochen und am Ende geht es ja eigentlich darum, irgendwie kreativ zu sein und ein Output zu haben. Was hilft dir denn da?

Marcel: Gespräche und Menschen. Ich bin jemand, der unglaublich gerne Leute trifft - Frauen, wie Männer - Abendessen, Kaffee trinken, spazieren gehen. Geschichten und Nachrichten, ich schaue mir wahnsinnig gerne Satire an und bin ein großer Fan von „Die Anstalt“ oder anderen Sendungen. Umso ein bisschen das Weltgeschehen aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Weil ich kann das gar nicht so in mich hineinschütten, wenn ich morgens irgendwie Nachrichten lesen würde, um zu verstehen, was in der Welt los ist, dann würde es meinem Herzen sehr schlecht gehen und ich würde sehr düstere Songs schreiben. Deswegen brauche ich manchmal die humorvolle Aufarbeitung mit den großen Themen unserer Zeit. Was auf jeden Fall, glaube ich, interessant ist, ich werde da auch häufig gefragt, warum ich das nicht alleine mache. Aber ich glaube, das kann Denis auch gut bestätigen: Ich bin tatsächlich ein Teamplayer. Ich brauche Reflexionen von außen. Ich halte das für immens wichtig. Ich würde meinem Ich von damals mit auf dem Weg geben: „Sei doch nicht so ein Hornochse. Lass deine Sichten und Texte doch rewriten und lasse jemanden rüber gucken, der das versteht.“ Aus meiner Perspektive: Viele junge Künstler verstehen das oft nicht. Beim Gesangsunterricht, da sage ich immer: „Du kannst einen Eimer Farbe an die Wand schmeißen und kannst sagen, guck mal, das ist moderne Kunst! Das kannst du machen. Du kannst sagen und schreiben, was du willst. Die Frage ist nur, wer das verstehen soll.“ Da kommt eigentlich Denis, als großer Reflektor und Mentor um die Ecke, der auch dann den Adressaten darstellt. Denis, dieses Wort ist doch total krass in den Fokus bei uns als Songtexter und Songschreiber gerückt, oder?

Denis: Ja, absolut. So, wie du es halt schon angesetzt hast. Die Reflexion eines Textes einfach nochmal drüber schauen und nochmal neu drüber nachdenken, ob es auch wirklich das ist, was ich sagen wollte - als Beispiel. Es ist auch, wie du vorhin sagtest, so ein bisschen dieses Ego-Ding, ein bisschen nach hinten stellen dann manchmal…

Marcel: Und das sind Inspirationen für mich. Markus kam ja dann auch vor eineinhalb Jahren um die Ecke und hat gesagt… Ich glaube, das erzählst du mal lieber selber.

Markus: Der Anfang war eigentlich mal, der Gedanke, dadurch das man halt Familienvater ist und man gemerkt hat, dass es echt wenige Weihnachtslieder gibt, dass man vielleicht ein Weihnachtsalbum macht. Dann dachte ich, wie das ablaufen könnte - Marcel schreibt vielleicht Songs und wir könnten mal Gastmusiker einladen; war aber alles noch nicht spruchreif und war nur so ein erster Gedanke. Und wo sind wir jetzt gelandet? Fast zwei Jahre später von diesem ersten Gedanken bei etwas ziemlich coolem, aber auch eigentlich was ganz anderem. Das ist natürlich auch durch ein Team entstanden und durch ganz viel Input. Und nicht zuletzt durch eure Kreativität.

Denis: Diese Sache ist auch einfach gefundenes Fressen für Marcel.

Markus: Worauf kommt es denn bei einem guten Team an?

Marcel: Das ist auch eine interessante Frage. Wir haben uns da ja viel zu unserer Uni Zeit mit den Fragen beschäftigt. Ich glaube, da könnte Denis wahrscheinlich auch Anekdoten zu erzählen, über „es formieren sich im ersten Jahr die extrovertierten Starken zu einem Team“, so ein bisschen dieser „wir machen jetzt mal eine Champions League Mannschaft“ - Gedanke war so zu der Uni Zeit in meinem Kopf total extrem - und das ist er jetzt gar nicht mehr. Ein gutes Team macht für mich aus, dass die Leute ein gemeinsames Ziel haben - ganz, ganz wichtig und dass sie definieren und festhalten, gerne auch schriftlich. Und ein gutes Team, aus meiner Perspektive, braucht eine gewisse Demut und Dankbarkeit vor großen Projekten und die umsetzen zu wollen, das erfordert halt, wie Denis schon sagt, viel Kraft. Und ich denke auch das Teams absolut nur dann funktionieren können, wenn die Egos halt mal draußen am Kleiderhaken abgehangen werden. Man braucht halt einfach paar gut reflektierte Leute um dich herum.

Markus: Da sind wir auch schon wieder beim Thema Sinnhaftigkeit und Fokus. Das spielt alles immer ein bisschen zusammen, weil das lebst du ja auch mit deinen anderen Projekten. Ich nenn mal nur „Viel Klang“ oder auch wenn wir nur mal kurz bei der Weihnachts-CD „Dezemberzeilen“ bleiben wollen, dass wir da eben auch Leute mit ins Boot geholt haben, denen wir da die Chance geben wollten, dabei zu sein und das wir einfach coole Leute uns ins Team holen, um was Cooles zu erschaffen.

Marcel: Ja, schau dir das an, da sind wir wieder: Ich bin ja Vocalcoach und paar von unseren Sängern singen auf unserer Weihnachts-CD, ein Rapper vom „Viel Klang“, das ist ja die Talentbühne die Markus, Patrick Pahlke und ich paar Jahre lang im Landkreis Aachen gemacht haben, eine wertungsfreie Livebühne mit ganz vielen tollen Musiker, Denis hat auch schon da gespielt, viele tolle Musiker waren vor Ort, um die Begleitbands zu geben, das partizipiert ja alles. Das verknotet sich ja alles ja fast so ein bisschen. Und da kommen wir ja eigentlich zu diesem Leitsatz „Herz hörbar machen“. Es geht einfach darum! Ich würde mir einfach wünschen, dass Menschen wieder mehr mit Demut an die Sache rangehen und wieder ein bisschen mehr mit Gemeinschaftsgedanke zusammen etwas erreichen.

Markus: Das ist ja schon fast ein Schluss-Statement von Marcel. Eine Frage hätte ich aber noch, die du uns noch beantworten musst: Was macht für dich einen guten Song aus?

Marcel: Da gibt es natürlich zwölf Sichtweisen eines Musikers. Ich kann mir einen Helene Fischer Song anhören, wenn ich den Background-Chor geil finde, dann ist es einfach cool produziert. Deswegen kam ja mal eine ähnliche Frage, da hatte einer bei diesem Interview mit Waldemar Vogel gefragt, was seine Lieblings-Produktion sei. Und ich konnte diese Frage überhaupt nicht auf den Punkt bringen. Weil ich dann dachte „Rage against the machine“ erstes Album, ist für mich einfach ein Paradebeispiel für. Die haben Energie im Studio eingefangen. Wenn du dir anguckst, wie das passiert ist, dass die Freunde von denen auf der Couch einfach abgegangen sind und wahrscheinlich Bier getrunken und Tüten geraucht haben, während die Jungs drinnen am Zocken gewesen waren, dann ist das für mich eine gute Produktion, weil sie einfach das Gefühl eingefangen hat. Ich kann aber eben auch so eine Trevor Horn - Robbie Williams-Produktion total abfeiern, wo einfach 300.000 Spuren sind. So - zurück zum Song: Für mich persönlich ist ein guter Song, wenn etwas rüberkommt. Ich mach das nicht so sehr am Text fest, wie Denis, glaube ich - aber, am Gefühl: Wenn ich spüre, dass da was ist, dass da was fliegt und es etwas in mir bewegt. Ich mach mal ein Beispiel: Wenn ich ein „Foo Fighters“ Song höre, „No Way Back“ oder so - da laufe ich gefühlt einfach 3 km/h schneller, nur weil dieser Song läuft. Ich finde, ein Song muss etwas mit einem machen. Wenn ein Songwriter diese Frage gestellt hat, dann stell dir die Frage, ob da eine Aussage drin ist und ob du wirklich ein Gefühl dazu hast. Und dann weißt du auch ganz schnell, ob du das was du dir da gerade kreativ aus dem Gehirn drückst, irgendwie jemanden erreichen kann.

Denis: Und das ist doch auch das, was du mit deinen eigenen Songs machst oder mit den Sachen, die wir zusammen machen - genau das wollen wir ja eigentlich auch erreichen.

Marcel: Genau. Dass es jemanden berührt.

Denis: Richtig. Das Herz - da ist es wieder.

Markus: Marcel, dann würde ich glaube ich dir die Schlussfrage stellen. Was wünschst du dir von der Zukunft und was kannst du den Leuten mit auf dem Weg, für ihr Leben, für ihre Ziele oder ihren Fokus mitgeben?

Marcel: Demut und Dankbarkeit wünsche ich mir wieder mehr bei den Menschen. Dass wir irgendwie nochmal erkennen, dass es einfach um Gemeinschaft geht und um etwas, zu erreichen. Das ist glaube ich auch das was ich KünstlerInnen, Songwriter, Musikern und ihren weiblichen Pendants mit auf dem Weg geben wollen würde, sofern ich mich überhaupt schon in der Lage sehen würde, das zu können. Macht was gemeinsam, trefft mehr Entscheidungen und versucht weniger den Fuß überall drin zu haben. Findet heraus, wer ihr seid und was euch wirklich glücklich macht. Ich glaube, wenn man das beantwortet (ja, das ist ein Prozess und ich hab das mit Sicherheit noch nicht in Vollendung für mich herausgefunden), aber wenn man schon ein bisschen grob weiß, warum man hier ist, ich glaube, dann ergibt sich ganz viel Antrieb daraus und dann entstehen Dinge.

Markus: Danke. Das war ein cooles Schlussstatement. Ich glaube Denis, wir haben ganz gut eingefangen bekommen, um was es Marcel so geht und euch Marcel mal so ein bisschen vorzustellen. Das war eine coole Runde heute. Und ich glaube, es ist schon wieder so weit: 3…2…1…

Alle: Reingetackert! 


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