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Vorstellrunde - Markus “Audio-Nerd mit Organisationstalent” [006]

INHALT

In dieser Folge stellen wir den Chef im Hause “rurton” vor, nämlich Markus Wimmer. Wir gehen seinem Sinn für Organisation auf den Grund, warum er WhatsApp verweigert und MeisterTask “der Shit” ist. Wir schauen auf seinen Werdegang von der SAE, über die Torus bis zu seiner Entscheidung das rurtonstudio zu bauen.
Wir reden über Markus ansteckendes, positives Mindset und die für ihn wichtige Ruhe bzw. den Überblick am Arbeitsplatz. Denn irgendwie liegt in der Ruhe nicht nur die Kraft, sondern auch der Markus ;)


SHOWNOTES


TRANSKRIPT

Marcel: „Reingetackert!“ - Willkommen zu einer echten Nerdfolge diese Woche und dazu haben wir einen ganz besonderen Gast für euch, nämlich: Markus Wimmer. Eigentlich ja hier der Hausherr dieses Podcast, aber Denis und ich haben uns gedacht, wir übernehmen da heute mal. Markus Wimmer ist vieles: auch ein Technik-Nerd, aber das reicht bei weitem nicht aus, um ihn zu beschreiben. Audio Engineer mit jahrelanger Historie bei der “Torus” in Köln - ich glaube da war er fast zehn Jahre dauerhaft Mitarbeiter an unzähligen Produktionen und Kinofilmen (Lammbock; Whale Rider; Wüstenblume; Lauras Stern; Kleiner Eisbär sind ein paar Namen die vielleicht sicherlich der eine oder andere kennt), Berater und Software-Tester für Salzbrenner Media, unter anderem ein Hersteller für Audio-Technik - das macht der Markus auch. Events wie „Rock an der Olef“ oder „Viel Klang“, jetzt auch Booking und Management für unser neues Projekt „Vierdafür“, (also auch schon ganz viele Überschneidungspunkte mit Denis und mir in der Vergangenheit) Organisationsgott und als MeisterTask-Expert Partner der App „MeisterTask“. Er coacht mittlerweile schon sogar Bands und Musiker. Und zwar dabei nicht den Überblick zu verlieren und ich glaube, das ist auch so ein bisschen das Kernthema von heute. Den Kurs hat er dazu übrigens auch schon erstellt. www.rurton.de/meistertask. Da könnt ihr Musiker oder Interessierte auf jeden Fall mal reinschauen. Mit rurton hat Markus da eine super Plattform gefunden. Er ist auch Inhaber des rurtonstudio, wo eigentlich all unsere Projekte stattfinden. Und zweifacher Vater. Markus, was hilft dir denn bei all den Sachen nicht den Überblick zu verlieren?

Markus: Hallo erstmal. Das war ja mal ein Monolog, Marcel. Das war ja schon eher unangenehm. Also - den Überblick, wo fange ich da an? Was ich auf jeden Fall gemerkt habe, ist, nicht überall sein zu wollen. Ich glaube, das kennt ihr beiden ja auch. Also ich glaube, man muss sich seine Zeiten setzen am Tag oder grundsätzlich in der Woche, wo man wofür da ist. Man kann nicht, während man für die Familie da ist, auch gleichzeitig seinen Job machen und umgekehrt. Das ist bei mir echt eine eiserne Regel, die ich auch bitter lernen musste, weil ich das früher nicht so gemacht habe. Ich habe das tatsächlich versucht, mal schnell hier eine Mail oder da einen Anruf anzunehmen, während man am Kochen für die Kinder ist. Das ist eine schlechte Idee, weil du da weder ein guter Vater, noch in deinem Job cool bist. Das ist für mich erst einmal das Wichtigste in meinem Selbstmanagement.

Denis: Wenn ich da mal kurz einhaken darf, das heißt, du trennst das wirklich strikt? Jetzt wirklich als Beispiel: Ich mache jetzt zwei Stunden MeisterTask-Orga und danach kümmere ich mich um die Kinder?

Markus: Es ist eher so, dass ich tatsächlich meine Woche sehr klar eingeteilt habe, in den Zeiten, wo ich für „rurton“ arbeiten kann. Das kann natürlich immer mal geändert werden, aber das versuche ich erst einmal einzuhalten. Das ist so ein bisschen diktiert auch von diesem Familienlebens-Alltag: wann sind die Kinder in der Schule, wann kommen sie nach Hause - das schreibt es so ein bisschen vor. Das funktioniert aber auch sehr gut. Dazu gehört aber halt auch sich selber Routinen zu setzen - nicht nur für den Job, auch wann ich was Gutes für mich tun muss. Ich bin tatsächlich so ein Planungsnerd und ich brauche das auch. Wenn ich das nicht mache, dann geht es mir nicht gut. Das heißt, um über das alles so ein bisschen den Überblick zu behalten und auch die Ruhe zu bleiben, in Projekten, also, für diese innere Ruhe, brauche ich diese Routinen und die festen Zeiten. Das sind auf jeden Fall die zwei großen Säulen, glaube ich. Was mir auch geholfen hat, ist tatsächlich - und da habe ich Marcel glaube ich auch angesteckt; bei Denis bin ich noch nicht so weit - ich bin halt voll der „WhatsApp-Verweigerer“. Da geht es eigentlich nicht so um WhatsApp, sondern grundsätzlich um Instant Messaging. Weil es halt, genau dem entgegenspricht, was ich möchte: Denn ich möchte nicht, zu jeder Zeit auf alles reagieren. Dieses „aus-speichern“ in Chats oder in Gruppen ist anstrengend. Das ist privat vielleicht noch ganz cool, aber wenn das in deine Projekte mit reinläuft, dann wird das irgendwann sehr unübersichtlich. Das hat auf jeden Fall sehr geholfen einfach zu sagen: Ich habe kein WhatsApp! Und die Leute sehen ja auch, dass es meine Nummer da nicht gibt und da habe ich alle so um mich herum ein wenig umerzogen. Sowohl job-mäßig, als auch mein privates Umfeld.

Marcel: Das kann ich total nachvollziehen, ich habe auch kein WhatsApp und ich vermute mal, Ruhe, Überblick, Zuverlässigkeit sind keine Eigenschaften, die irgendwie zufällig da waren, sondern für die du so ein bisschen etwas tust. WhatsApp-Erfahrungen habe ich auch ein paar. Ich bin auch so ein rigoroser „Sprachnachrichten-Verweigerer“. Das nimmt tatsächlich ganz viel Commitment bei uns in den Jobs weg. So gehst du halt permanent in alle Baustellen rein. Denis, das wäre nichts für uns, oder? So komplett „nicht-hot“ arbeiten können wir nicht bei Ideen, oder?

Denis: Du hast schon recht, was das angeht, kann ich noch einiges von dir lernen Markus. Bei mir herrscht halt immer dieses latente, kreative Chaos. Das heißt, irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich das als Kreativer brauche. Ich habe sogar einmal in der Studie gelesen, dass das wohl so ist, das Kreative, das so ein bisschen brauchen - was nicht heißt, dass ich jetzt komplett unorganisiert bin. Das ist echt interessant, das ist auch ein totaler Gegensatz zwischen uns.

Markus: Ich glaube, es gibt da auch keine Regeln. Das ist total Typ-Sache. Bei mir ist das tatsächlich so, dass mich das stresst. Mich stresst es, ständig auf verschiedene Themen reagieren zu müssen. Mir hilft es sehr zu wissen, dass ich zwei-drei Stunden Zeit habe, was Unangenehmes zu tun, wie beispielsweise Buchhaltung: Rechnungen zu schreiben und zu bezahlen, Sachen abzuheften. Dafür brauche ich einfach einen festen Tag, weil ich das auch nicht gerne mache. Das ist nicht anders, als bei anderen. Aber dadurch, dass ich weiß, dass ich es zu diesem Zeitpunkt in der Woche mache, dann setz ich mich dann auch hin, mach mir einen Kaffee und dann arbeite ich das ab. Ich verstehe total, dass das nicht für kreative Dinge geht. Das kann man bestimmt nicht einfach so anknipsen, aber ich suche mir einfach meine Spots und versuche dann die Dinge zu tun.

Marcel: Es ist eine Sache, die wir drei ja auch über eine Zeit lang entwickeln und voneinander gelernt haben. Und ich finde, je länger wir drei zusammenarbeiten, umso mehr kristallisiert sich auch raus, was Punkte sind, wo wir uns „hot“ verbinden müssen, also auf die schnelle reagieren müssen und was sind Punkte, die wir ganz deutlich ablegen können und wo wir viel Überblick haben. Keiner von uns verweigert dem anderen einen „Schnell-Kontakt“. Ich glaube, da haben wir alle einen Schritt aufeinander zu gemacht. Ich kann ja sagen, ich erreiche Dich auch schonmal am Kochtopf.

Makus: Ja, genau. Das ist ja auch, wenn du oder Denis anrufst, ist es was anderes. Ich würde tatsächlich nicht unbedingt rangehen, wenn ein Kunde von mir oder von uns da dran ist. Weil ich auch weiß, in dem Moment kannst du vielleicht auch gar nicht richtig antworten, weil du die Sachen gerade nicht vor dir hast oder kannst nicht richtig reagieren. Da nehme ich mir die Nummer mit und setze sie mir auf die Liste und rufe halt wieder an, wenn ich wieder den Kopf dafür habe.

Marcel: Was ich absolut von dir gelernt habe, zu schauen, wann kann man die Sachen wirklich mit Ruhe bearbeiten. Da sind wir auch bei dem nächsten Punkt: Überblick - auch sicherlich einer deiner größten Stärken. Woher kommt der ganze Überblick? Wie funktioniert das Gehirn des Markus Wimmer?

Markus: Ich habe gar kein anderes Gehirn oder mehr Überblick als andere. Ich habe halt immer schon gerne Sachen organisiert. Ich bin ja immer gerne in die Mitte des Kreises gesprungen und vorgeschlagen, dass ich mich darum kümmere - egal, was es ist. Im Freundeskreis, Familie oder eben auch im Job. Daher kommt auch dieses „Konzerte organisieren“, was ich früher gemacht habe. Man denkt erstmal, das ist ja cool, so ein paar Bands auf die Bühne bringen, aber im Hintergrund passieren natürlich viele Dinge und das habe ich immer gerne gemacht. In den letzten Jahren hilft mir dabei extrem das MeisterTask-Tool. Ich möchte jetzt gerade nicht super viel Werbung dafür machen, aber habe dazu nicht so viele Alternativen gefunden. Ich habe mit „Trello“ angefangen, das war eigentlich so ein bisschen das Gleiche. Das ist auch so ein „Kanban-Board-Prinzip“, kann auch schon relativ viel, dazu gibt es auch eine kostenlose Version - ist aber von der Optik und dem Handling sehr angestaubt. MeisterTask ist da meiner Meinung nach extrem voraus. Ich finde, wenn man es einmal geblickt hat, ist es sehr intuitiv zu bedienen, kann sehr individuell eingerichtet werden und mir hilft es überall - nicht nur im Job, tatsächlich regle ich damit auch meine privaten Dinge, die ich irgendwie plane.

Denis: Kannst du mal kurz einen Überblick erklären? Viele kennen es vielleicht nicht.

Markus: MeisterTask ist ein Kanban-Board und arbeitet nach dem Kanban-Prinzip und bedeutet, dass man in der einfachsten Version drei Spalten hat, die man in To-do, Doing und Done aufteilt und in diese Spalten quasi Karten platzieren kann. Das heißt, erst einmal sammelt man, was man machen möchte und das wird dann quasi in den jeweiligen Status verschoben, um dann daran zu arbeiten und es abzuschließen. Das ist die aller einfachste Basis und das kann man natürlich ausweiten. So ein Board kann natürlich viel größer werden, man kann andere Menschen dazu einladen und Teams aufbauen, die gemeinsam an diesem Board arbeiten können, was eigentlich das tollste Tool und die größte Funktion von MeisterTask ist. Ich kann dann auch meine ganzen Informationen drin sammeln, das heißt, ich kann da meine Kommunikationen mit diesem Team drin führen, meine Informationen, wie Video-Files …

Marcel: Mach doch mal ein Beispiel mit Do-with-MeisterTask und Don’t-with-MeisterTask. Was ist jetzt zum Beispiel der Vorteil gegenüber von „WhatsApp-Gruppe XY“?

Markus: Ein schönes Anwendungsbeispiel, welches ich habe, ist, dass ich mal eine Band gecoacht habe und denen geholfen habe, MeisterTask einzuführen und die hatten den Prozess das quasi auf ihrer Homepage ein Kontaktformular gab, wo man sich mit dem Wunsch einer Videobotschaft eintragen konnte. Die Band bekam dann eine Mail. Einer aus der Band hat dann diese Mail genommen und hat sie in ein Postfach gelegt. Als er dann Zeit hatte, hat er dieses Postfach abgearbeitet, die Videos gedreht und auf einen Ordner auf dem Rechner gesammelt. Das ging dann so weiter. Und das wurde sehr unübersichtlich. Um diese Videos von seinen Bandkollegen zu bekommen, musste er dann in WhatsApp-Gruppen tippen. Im Prinzip, hatte er dann fünf bis sieben Baustellen, eigentlich nur um diesen einzigen Task abzuarbeiten, nämlich dem Fan nachher das Video zurückzuschicken. Das haben wir dann mit dem MeisterTask optimiert. Das heißt, wenn du dich für das Kontaktformular eingetragen hast, wurde automatisch eine Karte in einem Board angelegt und da konnte man alles drin sammeln. Er konnte dort die Videos sammeln, die Kommunikation und das Versenden regeln, und das alles war an einem Ort gebündelt und das hat ihn ziemlich glücklich gemacht, weil das dann kein Stress mehr war.

Denis: Das ist einfach unglaublich, das habe ich auch gemerkt. Ich habe die ganze Sache erst so ein bisschen verweigert, aber heute kann ich auch nicht ohne leben. Dieses Bündeln von den Informationen, die wirklich zu einem Thema dazu gehören, dass man da alles ablegt und nicht die Informationen aus einer Mail, WhatsApp und überall herausholen muss. Diese Funktion ist einfach super wichtig.

Markus: Deshalb war mir die Kommunikationssachen wichtig, wenn man an einem Thema mit verschiedenen Leuten spricht, vielleicht mit dem Kunden und mit seinem Team, dass man das da ablegt. Zumindest die „hard facts“. Man muss nicht - das ist eine Sache, wie man sie definiert oder wie man es händelt - aber zumindest jeder aus dem Team, der an dem Thema arbeitet, immer verstehen kann, wo gerade der Stand ist. Wenn ich da mal eine Woche nicht hineingeschaut habe, dann gucke ich da rein und sehe genau, was besprochen worden ist und weiß, wo ich es weiterbearbeiten kann. Das ist einfach unheimlich cool und damit wird man einfach viel produktiver. Also man kann innerhalb kürzerer Zeit mehr Sachen erreichen. Dateien in Ordnern auf einem Computer zu sortieren - ich bin ein „Ordnungs nerd“ - aber das wäre das Letzte, worauf ich Lust habe. Weil das einfach auch nichts bringt. Ich muss dann am Ende wieder wissen, wo jetzt diese Datei in welchem Ordner liegt. Es macht eigentlich keinen Sinn. Ich sehe auch Leute die 80 Postfächer in ihrem Mailprogramm haben - da frage ich mich einfach nur: „Warum? Guckst du da jemals wieder rein?“ Das ist verschenkte Lebenszeit.

Denis: Es hat uns auch absolut bei unserem neusten Projekt „Vierdafür“ geholfen, für das Album „Dezemberzeilen“ alle Informationen im Vierer-Team zu sammeln und die Karten anzulegen, wer was macht.

Markus: Ich glaube, sobald man mit zwei Leuten an etwas arbeitet, bringt es einen nach vorne. Wenn jeder einfach seine Gedanken reingeben kann und dann kann man immer gucken, was der andere gerade macht, was er denkt oder auf welchem Stand man ist, dann kommt man wieder weiter. Das schließt natürlich nicht Kommunikation auf der Ebene aus, dass man sich nicht treffen und sprechen muss - auf keinen Fall - aber es übernimmt alle Formen wie Instant Messaging oder sich untereinander Mails hin und her zu schicken. Und das übernimmt das alles. Wer da Interesse dran hat, ich möchte hier auch nicht zu viel hier über MeisterTask reden. Ich habe da auch ein Kurs angelegt, der speziell für Musiker ausgerichtet ist. Habt ihr da Interesse dran, geht einfach mal bei mir auf meine Seite: rurton.de/meistertask. Kann ich euch auf jeden Fall ans Herz legen und ist auch nicht sehr teuer, kostet 49,- € und es ist echt „In-Depth“ mit ganz vielen Praxistipps, wie ihr das für euch nutzen könnt.

Denis: Ja Markus, wir haben jetzt über deine Eigenschaften Ruhe und Überblick behalten und so gesprochen. Was auf jeden Fall noch eine Eigenschaft von Markus ist, ist Zuverlässigkeit und Zuversichtlichkeit. Dieses Positiv bleiben, für ein Projekt, brennt, auch wenn die Stimmung mal schlecht ist. Kann man doch so sagen, oder Markus?

Markus: Das stimmt, also das versuche ich zumindest immer. Ich weiß nicht, ob mir das immer glückt, aber ich versuche immer nach vorne zu schauen und irgendwie zu gucken, was man dafür tun kann, damit es weitergeht und dass wir das erreichen, was wir am Anfang festgelegt haben. Und auch alle immer mitzunehmen. Man muss es nicht immer jedem recht machen, aber ich finde in einem Team ist es schon mein Ziel, keinem auf die Füße zu treten und dass es allen irgendwie gut geht. Das finde ich extrem wichtig. Nach außen hin finde ich darf man auch gerne mal zeigen, was man möchte und was man vorhat. Ich finde, da ist es gar nicht so mein Ziel alle glücklich zu machen, weil dann ist man selber oder das Team am Ende nicht mehr glücklich.

Marcel: Markus, gib unseren Hörern doch mal einen kleinen Überblick: Was sind die Lebensstationen von dir?

Markus: Ich habe nach dem Abitur noch mal kurz Zivildienst leisten müssen - das kennen die meisten nicht mehr. Und danach hat es mich direkt nach Köln gezogen. Da habe ich an der SAE in Köln den „Audio Engineer“ gemacht, das ist jetzt schon über 20 Jahre her. Danach habe ich einige Praktika in Kölner Studios absolviert - unter anderem im „Soundstudio N“, was es heute auch nicht mehr gibt. Dann bin ich tatsächlich aus der Musikrichtung raus, rein in die gesamte Tonpostproduktions-welt und da bin ich bei der „Torus“ hängen geblieben. Ich war dann zwölf Jahre bei der „Torus“ und bin das heutzutage immer noch ab und zu als freier Mitarbeiter. Dort habe ich an einigen echt coolen Projekten im Bereich Film und Fernsehen arbeiten dürfen. War aber da immer so ein bisschen im Bereich der Aufnahme, also ich habe erst im Bereich der Geräusche die Aufnahmen mit dem Foley Artist gemacht, nachher dann die ADR- und Synchronaufnahmen - also alles, was um das Aufnehmen ging und auch viel IT und Technik betreut und auch mit geplant. Das waren so meine Baustellen da. Ich durfte da in der Zeit auch ein neues Studio mitbauen. Das war 2006. Das hat mir ultra geholfen mein eigenes Studio später hier zu bauen. Im Wissen, wie man sowas plant und auch natürlich mit den Menschen, die das geplant haben und mir auch hier geholfen haben, war ein riesiger Gewinn. In der Zeit, wo ich bei der „Torus“ war, habe ich auch noch ganz viele Musikjobs noch nebenher gemacht. Ich habe live für einige Veranstaltungstechnikfirmen und Sportveranstaltungen gemischt. Und dann am Ende bin ich dann quasi hier im „rurton“ gelandet. Das mache ich jetzt auch schon sieben Jahre und das war auch eine spannende Zeit von Köln nach hier zu finden - wieder zurück in die Eifel, aber bin glücklich hier zu sein und würde tatsächlich sagen, dass“rurton“ meine Plattform geworden ist. Hier kann ich mich austoben, auch mit euch beiden.

Denis: Du hast ja sicher viele coole und auch schöne Erfahrungen in der Zeit erlebt. Aber rollen wir das ganze doch mal von der anderen Seite auf. Was war denn deine schlimmste Erfahrung oder irgendetwas, was nicht so cool war?

Markus: Da brauche ich eigentlich gar nicht so lange darüber nachzudenken. Also auf jeden Fall war es die verrückteste Erfahrung. Ich nenn das immer mein „persönliches Waterloo“. Ich erzähle es immer noch gerne. Das ist schon sehr, sehr lange her, und zwar in der Zeit bei der „Torus“, wo ich eigentlich jeden Tag wechselnde Schauspieler im Aufnahmebereich hatte und ich in der Regie saß. Da gab es eine Aufnahme Woche mit einer sehr bekannten Schauspielerin - ich möchte den Namen nicht nennen - auf jeden Fall ist die Geschichte auch relativ kurz erzählt: Es ging um eine Tierdokumentation für die BBC, ein Kinofilm, der hier in Deutschland in das Kino kam, und sie sollte hierfür die Voice-Over-Stimme leihen. Es waren drei oder vier Tage Aufnahme mit ihr für die Voice-Over angesetzt und da ging innerhalb der ersten zwei-drei Stunden alles schief, was nur schiefgehen kann. Es war der Wahnsinn. Man hatte mich schon in meinem Team vorgewarnt, dass es nicht so einfach mit ihr ist; deshalb war ich schon etwas vorbelastet, aber ich dachte mir, so schlimm könnte es schon nicht sein. Die Sammlung der Sprüche, was ich mir da anhören musste, würde ein Buch füllen. Es ging damit los, dass unsere Praktikantin erst einmal lang gemacht wurde, dass der Kaffee nicht so richtig war, wie sie den haben wollte. Dann hat sie den Regisseur, der auch gleichzeitig der deutsche Drehbuchautor war, lang gemacht, dass das Buch unverschämt wäre. Der beste Spruch oder das Highlight aus dieser Aufnahmesession und das hat sie nicht nur einmal gesagt, war - wenn ihr irgendetwas anderes nicht passte: „Dieser Kopfhörer ist eine Waffe!“ Dann hat sie immer zu mir geguckt und ich habe glaube ich ungelogen zehn verschiedene Kopfhörer bei ihr ausprobiert, weil ich natürlich immer positiv geblieben war. Ich weiß nicht wie oft sie dann in die Regie rübergekommen ist und mich gefragt hat: „Und das finden Sie gut, ja? Das, was sie aufgenommen haben, finden Sie gut so?“ Ich weiß nicht, wie es euch so gehen würde, wenn euch das jemand fragen würde. Natürlich sagt man dann: „Na klar, finde ich das gut!“. Und so ging das halt die ganze Zeit - das war sehr verrückt.

Denis: Ich glaube daher hast du deine Ruhe, kann das sein?

Markus: Es waren sehr verrückte Tage, vor allem nach dem sie dann in den ersten Stunden auch den Regisseur langgemacht hatte und ihm unmissverständlich klargemacht hatte, dass dieser Text einfach totaler Quatsch wäre - wahr das natürlich eine super Basis noch drei-vier Tage weiter aufzunehmen. Und am Ende mussten wir auch noch, das war der Abschluss dieser Aufnahme, ein EB-Team empfangen, was wir noch für das Making-Of drehen musste. Das heißt, das ist ja eh immer schon „spooky“, wenn man im Tonstudio für ein Making-Of so ein bisschen schauspielern muss und sie hat das dann alles torpediert: „Nein, so war das ja nicht - Ne, das geht ja nicht!“. Also ich glaube, ich habe noch nie in meinem Job Tage erlebt, wo ich froh war, dass es vorbei ist. Ich war echt froh, dass dann alles im Kasten war und das habe ich so auch nur einmal erlebt. Aber es stimmt, das hat mich vielleicht dahin gebracht, entspannt zu bleiben. Weil es bringt ja auch nichts es eskalieren zu lassen. Sie musste es sprechen und wir mussten es aufnehmen.

Marcel: Markus, du sagst ja immer: Technik ist Technik und Technik kann mal ausfallen. Als Musiker kenne ich das so ein bisschen, wenn mal irgendwie etwas nicht funktioniert und du musst spielen oder man hat irgendwie ein kleines Set-Up und irgendwas läuft nicht, dann schwitze ich Blut und Wasser, muss ich zugeben. Ich erinnere mich an eine Geschichte, die auch mit einem großen Technikding zu tun hat, die du schon mal gerne erzählst. Ich finde, die solltest du uns unseren Hörern nicht vorenthalten! Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn ich das höre, da schwitze ich schon Blut und Wasser beim Zuhören.

Markus: Ja stimmt, das ist eine andere Geschichte, die könnte man auch erzählen, als „das Schlimmste, was einem passiert ist“. Aber es ging, glaube ich, nicht so lang, deswegen hat das nicht so einen „Impact“ bei mir hinterlassen. Ich habe die Stadion-Beschallung für die Weltreiterspiele in Aachen gemacht und durfte da am Pult sitzen. Da war viel los, das heißt, da gab es sehr viele Ausspielwege auf meinem Pult. Ich musste sehr viele Ü-Wagen bedienen. Diese Vorbereitung für den großen Eröffnungs-Gig und der Eröffnungsshow mit der Bundeskanzlerin und mit dem ZDF-Moderatoren ging eine ganze Woche lang. Es war ein riesiges, großes Set-Up. Es lief auch alles gut in der Woche und wir hatten ein ganz neues und modernes Mischpult - den Hersteller möchte ich nicht nennen. Es hat total Spaß gemacht, weil das damit alles super einfach war zu händeln und ich habe schon Plug-Ins damals eingebunden, das ist schon über zehn Jahre her, und es ging aber alles super damit. Man muss sich vorstellen, wenn man da Ü-Wagen stehen hat in einem Hof, wo dann 20-30 Länder sind und die bekommen quasi alle von dir Pegeltöne. Das heißt, die hören die ganze Zeit: „Ach, da ist alles Safe und alles super!“. Dann war es eine Stunde vor der Eröffnungsshow und ich saß an meinem Pult und ich wollte noch mal ein bisschen gucken. Das Stadion war voll. Ich weiß nicht, wieviele Leute da waren, vielleicht 20.000 Leute sitzend. Und dann merkte ich das die Fader plötzlich nicht mehr reagierten - Audio funktionierte, alles lief, alle Pegeltöne gingen raus, aber die Fader bewegten sich immer auf den Punkt zurück wo sie vorher standen. Ich dachte mir, ja gut, einmal den Controller zurücksetzen. Same thing: alle Displays und alle Touchscreens reagierten nicht mehr - Audio funktionierte, alle in den Ü-Wagen waren noch entspannt. Ich war nicht mehr ganz so entspannt, denn ich wusste, dass ich so nicht mehr mischen konnte. Ok, was soll ich jetzt tun? Nochmal zurückgesetzt. In dem Moment war schon der Chef wie wild am Telefonieren, weil er noch versuchte ein neues Pult zu organisieren, was nicht so einfach war, weil wir in Aachen waren und in der ganzen Umgebung bis Düsseldorf hoch und auch im Ausland, Belgien und Niederlande, gab es dieses Pult nicht noch einmal. Es war halt noch ziemlich frisch auf dem Markt, war vorher noch auf Tour mit Rammstein und es gab kein Austausch. Wir haben dann sogar noch den Hersteller angerufen, damit wir es mal schnell tauschen können aber wir hatten keine Chance. Dann gab es eine halbe Stunde vor Showbeginn die Ansage, dass es im LKW noch eine alte Analog-Konsole gibt. Ich habe erst gedacht, dass das nicht wahr ist. Dann wurde es sehr schnell, sehr hektisch und wir haben wirklich innerhalb von einer Viertelstunde die nötigsten Signale umgesteckt. Ihr könnt euch ja vorstellen, was da los ist, wenn dann auf einmal nach einer Woche die Pegeltöne abbrechen bei den Ü-Wagen. Am Ende musste ich quasi in diese Fernseher-Live-Übertragung gehen mit keinem einzigen gepegelten Handsender und mit keinem gepegelten Zuspieler - es war einfach nichts gepegelt. Ja - war ein gutes Gefühl...

Marcel: Das wollte ich gerade fragen: Wie hast du dich gefühlt, musstest du danach duschen oder bist du danach trinken gegangen?

Markus: Oh ja, danach sind wir trinken gegangen! Das weiß ich noch, es gab danach eine große Party im Innenhof bei den Ü-Wagen und ja, da haben wir gut getrunken! Das war schon ein negatives Highlight - auch, für den Hersteller des Pultes. Das war etwas, was wir nicht noch einmal brauchen.

Marcel: Markus, eine Hörerfrage, ganz wichtig, bevor ich sie vergesse: Es gibt ein legendäres Markus Wimmer Zitat: „Dann war da auf einmal Musik!“ Woher kommt dieses Zitat und was hat es damit auf sich?

Markus: Wir haben ja letztes Jahr angefangen Live-Recording-Sessions zu produzieren.

Marcel: Du meinst, bevor Corona kam?

Markus: Ja genau, bevor dieses Corona kam. Wir haben es ja nicht live übertragen, sondern wir haben es Live produziert. Wir haben quasi live aufgezeichnet und haben es dann nachher auf YouTube gestellt. Da kam dieses Zitat mal von mir, weil das mein Gefühl ist, wenn ich eine Live-Session „recorde“. Wie soll ich das beschreiben? Du hast quasi da eine tolle Band oder tolle Musiker in deinem Aufnahmeraum stehen und da merke ich so ein bisschen, wie unwichtig die Technik wird. Klar, die muss funktionieren und klar, muss man einen guten Raum und gute Mikrofone haben, das setze ich mal voraus, aber im Prinzip passiert dann diese Musik oder es passiert dann dieses Gefühl zwischen den Musikern und du kannst es nur festhalten. Das ist ein echt schöner Moment, finde ich, in der Regie zu sitzen und zu hören, wie es passiert. Das ist für mich dann ein Highlight. Das passiert ja Gott sei Dank auch mal öfters - also, immer dann, wenn man so eine Live-Recording-Session hat. Das ist dann #plötzlichwardamusik. Das fühlt sich super gut an und das macht unheimlich Spaß und setzt das so wieder in das Verhältnis, wieviel du als Techniker da tust, weil du kannst halt deine Mikrofone aufstellen, ein bisschen pegeln, dies und das Outboard, ja, aber am Ende passiert eben Musik. Und das ist auch schön. Ich finde, das ist einfach ein toller Moment. Das gehört glaube ich zu den immer positiven Erlebnissen im Studio.

Denis: Wahrscheinlich hast du für solche Momente auch so ein bisschen deinen Lebenstraum wahr gemacht - damit du diese Momente in deinem eigenen Tonstudio erleben darfst.

Markus: Das stimmt. Das war auf jeden Fall nicht unwichtig. Warum ich das Studio gebaut habe, kann ich bestimmt auch noch ein paar Worte zu sagen. Also, es war natürlich immer mein Traum so ein eigenes Studio um die Ecke zu haben, wo man schnell hin kann, wo man dann arbeiten kann, seiner Arbeit nachgehen kann, aber ich habe eben auch gelernt, innerhalb der Zeit, wo ich in Köln gearbeitet habe, dass gute Räume nicht ersetzbar sind und die auch begründet sind, dass das cool ist. Da kann man lange drin arbeiten, man weiß, was man hört, es wird nicht verfälscht, was man aufnimmt - ich finde, es hat einen großen Anteil an der Produktion. Deswegen war mir das wichtig ein Studio zu bauen.

Marcel: Markus, wir drei unterhalten uns sowieso gerne über solche Dinge und über Ziele und wo wir so hin wollen im Leben. Was treibt dich an und was ist das Ziel hinter deinem Tun? Was ist das große Ziel von Markus Wimmer?

Markus: Das ist eine gute Frage, aber ich glaube, hinter allem steht so ein bisschen Content und Sachen zu hinterlassen, die man vielleicht positiv mit mir oder mit dem Studio verbindet. Musikproduktionen zu starten, die irgendwie bleiben. Mein Ziel ist es nicht unbedingt kommerziell erfolgreich zu sein, dann hätte ich mir bestimmt auch eine andere Sparte suchen müssen, sondern es geht einfach darum, etwas zu hinterlassen. Frei nach Steve Jobs eine kleine Kerbe in das Universum zu hauen und etwas Bleibendes zu schaffen, sodass man irgendwann darauf zurückblicken kann und das Andere mit „rurton“ und meinem Namen verbinden oder auch natürlich mit unserem Team. Das ist eins meiner großen Ziele. Jede Produktion, die wir abschließen und mit der wir zufrieden sind, bringt uns, glaube ich, ein Stück weiter in diese Richtung und das stimmt mich glücklich.

Denis: Ja cool, vielen Dank Markus. Alle weiteren Infos zu Markus und zum Studio findet ihr unter rurton.de, auf Instagram und auf Facebook. Einfach Rurton eingeben, da könnt ihr nichts verpassen. Vielen Dank, das war’s für heute und dann würde ich sagen, mache ich heute mal den Abschluss: 3…2…1…

Alle: Reingetackert! 

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