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Wir brauchen Bass-(Producing) [008]

INHALT

In unserer achten Folge haben wir Bassist*innen für unseren Podcast gewinnen können, die aus ihren Erfahrungen berichten und jede Menge Input zu unserem Thema Bass-Producing liefern. Katja Stoffels (Yasi Hofer/ The Black Sheep), Tobias Görtzen (Kontrollverlust) und Sebastian Wagner (Kasalla/ The Intersphere) plaudern aus dem “Bassisten-Kästchen” und wir unterstreichen ihre Meinungen, zumindest meistens ;) Eins steht aber auf jeden Fall fest: Alle drei haben Timing, Groove und Ton, aber eben auf ihre eigene Weise.

Und worauf unsere Gäste noch Wert legen? Homerecording oder doch lieber live im Tonstudio einspielen? Effekte und Technik oder eher Persönlichkeit? Hört einfach rein!


SHOWNOTES


TRANSKRIPT

Markus: Hallo und herzlich willkommen zum Rurton-Audio-Podcast „Reingetackert!“. Wir sitzen hier zusammen und wer ist “wir”? Mir gegenüber sitzt der liebe…?

Marcel: Marcel, hallo!

Markus: Und zu meiner rechten der…?

Denis: Denis - Ich freu mich!

Markus: Ja cool. Und heute haben wir das Thema „Bass-Producing“ auf dem Schirm. Heute geht es alles nur um den Bass.

Marcel: Denis, das wichtigste Instrument, oder? Bass - auf jeden Fall, oder?

Markus: Kurz nach dem Schlagzeug.

Denis: Ja. Es gibt nichts Schöneres, als wenn der Bass einsetzt, glaube mir.

Marcel: Absolut. Bass nimmt auch ganz schön Einfluss auf Produktionen ein und damit haben wir uns beschäftigt. Ich habe mir ein paar Bassisten rausgesucht, tolle Gäste haben wir heute und da haben wir gemeinsam ein paar Fragen entwickelt und ihr könnt euch auf jeden Fall auf ein bisschen Diskurs freuen und ein paar spannende Themen! Unsere Gäste stellen sich jetzt am besten mal ganz kurz vor. Wir fangen mit der Frau in der Runde an.

Katja Stoffels: Hi, ich bin Katja. Ich bin Instrumentalistin und spiele hauptsächlich Bass und ich definiere mich auch gerne darüber, weil ich dieses Instrument sehr liebe.

Marcel: Das war Katja Stoffels - übrigens meine Schwester - und hervorragende Bassisten und hat gleich noch einiges zu sagen. Wir machen weiter mit dem nächsten Bassisten in unserer Runde. Er ist ein alter Bekannter, der schon ganz viele Jahre mit uns zusammen auf Tour war. Denis spielt immer noch mit ihm bei „Kontrollverlust“ in der Band. Hier ist für euch…

Tobias Görtzen: Ich bin Tobias Görtzen. Ich bin der Bassist von der Band „Kontrollverlust“, habe Bass-Gitarre in Arnheim studiert und vorher in diversen anderen Bands gespielt.

Marcel: Tobias Görtzen - unser alter Band-Buddy. Stimmt’s Denis?

Denis: Genauso sieht es aus.

Marcel: Und der Dritte im Bunde - freuen wir uns ganz besonders, dass er heute dabei ist, weil wir auch große Fans von „The Intersphere“ sind, alle drei, glaube ich - stimmt das so?

Markus: Auf jeden Fall!

Denis: Das kann man so sagen.

Marcel: Schön. Denis, dich habe ich auch selten so staunen gesehen. Wir waren ja letztes Jahr noch kurz da und konnten die, bevor das alles losging, noch sehen.

Denis: Das war vom ersten Ton an ein krasses Erlebnis „The Intersphere“.

Marcel: Das war kurz vor dem Lockdown, oder?

Markus: Auf jeden Fall in dem Winter.

Marcel: Hier ist für euch auf jeden Fall unser dritter Gast Sebi Wagner.

Sebastian Wagner: Hallo - hier ist Sebastian Wagner und ich bin Bassist bei „Kasalla“.

Marcel: Ach bei „Kasalla“, habe ich mich vertan. Ich weiß nicht, ob er sich noch daran erinnert. Ich erinnere mich an eine lustige Szene. Ich war in Köln FC gucken und hatte über eine Bekannte da so ein Sonderticket bekommen und war dann hinten im VIP-Bereich. Da standen die „Kasalla“-Jungs rum und natürlich rennen dann ab und zu immer ein paar Leute hin und haben die halt angequatscht. Dann bin ich halt mitten in die Band rein und habe gesagt: „Ey, du bist doch der Bassist von „The Intersphere!“ Und Basti Campmann hat halt richtig locker reagiert und meinte: „Wie? Du hast noch eine Band?“ Das war eine echt coole Situation. Weil ihn halt jeder damit identifiziert, bin ich halt dann da hingegangen.

Denis: Das ist ja auch das interessante irgendwie, dass er bei „Kasalla“ gelandet ist und auch geile Sachen macht.

Marcel: Absolut, keine Frage! Ist halt dieses Phänomen „Musiker-Musik“. Also wir hören „The Intersphere“ super gerne. Wir haben uns ein paar Fragen rausgesucht und gehen mal reihum und gucken mal, was Katja so mit „Bass-Recording“ und „Bass-Producing“ zu tun hat.

Katja Stoffels: Mit „Bass-Producing und Recording“ habe ich zu tun, wenn mich jemand anruft und sagt: „Du, das ist ein Genre - da brauche ich dich oder ich möchte unbedingt deinen Ton!“. Dann war ich in diversen Studios, im „Cream Studios“ in Frankfurt - da haben wir ein Band-Recording gemacht mit einem Künstler der heißt “Walle”. Sehr geil. Dann waren wir in Walldorf in den “Liner Studios” - ich weiß nicht, mittlerweile sagt das vielleicht dem einen oder anderem was, da durfte ich bei Joachim Schneiss echt alles lernen, was ich kann, glaube ich. Da habe ich mich sehr viel mit Mikro-Timing beschäftigt - das war so ein bisschen meine Sternstunde, was die Studio-Zeit angeht. Da bin ich sehr dankbar für, das ist nicht selbstverständlich, dass ich so eine Plattform gehabt habe und das weiß ich jetzt erst. „Hafenklang-Studios“ war ich letztes Jahr im Sommer, da hat mich eine Künstlerin angerufen, die macht so Polit-Pop. “Schwessi” heißt die. Die hat mich dann einfach gebucht und ich habe das eingespielt, was sie von mir wollte. „The Black Sheep“ war eher so ein Home-Recording-Ding, da hatten wir auch so einen Multi-Instrumentalisten wie Marcel am Start, die Charlie Klauser. Die hat auch alles selber zu Hause aufgenommen und später haben wir das dann in einem Studio nochmal fertig gemacht. Da war aber schon alles rund. Ich durfte dann nochmal Bass „reintackern“. Das war auch so, dass die Charlie das auch gut hätte selber machen können, aber verstanden hat, dass ich dem Ganzen nochmal Energie, Druck und meine Note aufdrücken will, weil ich da als Bassist meinen Job machen möchte und das ist dann alles letztendlich auch geschehen. Und natürlich im „rurtonstudio" zum “rurtonsession Teaser” - den könnt ihr euch ansehen auf YouTube, da haben wir mal was „reingetackert“. Ich finde dieses Wort so cool. Da durfte ich natürlich mit Denis Sarp spielen. Das ist für mich auch purer Luxus. So einen Drummer auf diesem Niveau neben mir zu haben, das ist für einen Bassisten natürlich unfassbar wichtig. Das sind so meine Berührungspunkte. Im „rurtonstudio“ fühle ich mich immer super abgeholt. Ich gehe zu dieser Tür rein und ich fühle mich wie früher, wenn man ins “Phantasialand” gegangen ist. Man darf nochmal ganz das sein, warum man das überhaupt gemacht hat und warum man sich überhaupt mal ein Instrument gekauft hat. Da darf man in der Küche sein Blödsinn labern, seinen Kaffee trinken und geht mit einem Lächeln in den Aufnahmeraum. Da ist schon alles vorbereitet, perfekter Service - du setzt den Kopfhörer auf und kümmerst dich um nichts, als deine Leistung. Das ist für mich purer Luxus und das schönste Geschenk einfach nur Instrumentalist sein dürfen. Wir reden jetzt nicht von einem Kreativprozess des Songwritings. Es ist für mich einfach wie so ein Rennfahrer, der sich ins Auto setzen darf und losfährt. Und das Boxen-Team steht dann bereit. Im Bestfall ist das so im Studio. Natürlich habe ich da auch einiges mitzubringen dann, damit das so ist. Ich glaube, am meisten liegt es dann immer an Energien und wenn man das schafft, irgendwie im Team zusammen geile Vibes zu haben, dann kann man auch so miteinander arbeiten. Das ist einfach bombe.

Marcel: Katja haben wir auch immer wahnsinnig gerne hier im „rurtonstudio“. Hören wir uns mal den nächsten Gast an. Paar seiner Erfahrungen dürften wir noch aus der Vergangenheit kennen, Denis. Tobias Görtzen!

Tobias Görtzen: In allen meinen Projekten haben wir immer im Tonstudio gearbeitet, Songs produziert und diese veröffentlicht. In meinem aktuellen Projekt „Kontrollverlust“ veröffentlichen wir jede Woche einen neuen Song, dementsprechend müssen wir sehr viele Bass-Aufnahmen machen.

Marcel: Sagt Tobias Görtzen zum Thema „Bass und Producing“. Denis wird da sicherlich gleich auch noch was zu eurer Kampagne und den ganzen Recordings kommentieren können, die ihr da gerade so macht. Sebi Wagner, hat folgendes mit „Bass-Recording“ zu tun.

Sebastian Wagner: Ich bin seit Ende der 90er Bassist. Also ich spiele quasi über 20 Jahre schon Bass und habe damals in der Eifel angefangen, weil ich keinen Bock mehr auf Keyboard hatte. Ich hatte Klavierunterricht in meiner Jugend und war Keyboarder in einer Schulband und habe irgendwie zum Bass gefunden. Ich glaube, es lag daran, dass ich vorne stehen konnte. Letztendlich habe ich natürlich in den 20 Jahren auch eine Menge Berührungspunkte mit „Producing“ gehabt. Mein Weg ging von diversen Cover-Bands in der Eifel, wo ich dann in diesem Alter schon recht viel an den Wochenenden gespielt habe und eigene Bands, wo wir immer eigene Songs quasi produziert und geschrieben haben. Dann ging es über den Conservatorium de la Musique Luxemburg, wo ich zwei Jahre Vorbereitung auf Aufnahmeprüfung gemacht habe und einen “Premier Prix” erworben habe. Dann über die Pop-Akademie in Mannheim, wo ich meinen “Bachelor of Arts” gemacht habe im ersten Jahrgang. Ich glaube, es war 2003 bis 2006. Danach noch eine Weile in Mannheim und dann bin ich in Köln gelandet. Als Bands habe ich damals bei „Peilomat“ gespielt und dann bei der Band „The Intersphere“, Alternative Rock. “Peilomat” war mit dem “Flo Peil” ein wenig der Vorläufer von „Kasalla“, wenn man so will. So bin ich halt auch über den Flo bei „Kasalla“ gelandet. Bei „The Intersphere“ habe ich auch von 2005 bis 2015 - zehn Jahre lang gespielt und meine Erfahrungen in sehr unterschiedlichen Richtungen da gesammelt. Ich hatte parallel auch noch eine Hip-Hop-Band und habe bei “Pop Meets Classic” Sachen mitgemacht und viele, viele diverse andere Jobs gemacht.

Marcel: Ja, unsere Gäste haben alle ihre Geschichte und wir sind schon total gespannt, was ihr so dazu denkt. In dieser heutigen Folge geht es ein bisschen darum, was Bass-Recording und -Producing ausmacht. Worum geht es am Instrument und dahinter und wir schauen uns dazu mal die nächste Frage an, und die war an die Drei nämlich: Wie hat sich der klassische Studio-Bassist verändert? #homerecording #budget. Da haben wir die Drei mal dazu befragt und da kamen ganz interessante Antworten. Hört mal rein.

Katja Stoffels: Es wird halt weniger gebraucht. Das liegt aber einfach daran, dass gerade vorwiegend die Pop-Musik im Moment einfach nicht die mega Bass-Expertise nötig hat. Sagen wir es mal so. Eine Karnevalsproduktion, wie es bis jetzt auch bei uns ein riesiges Thema ist, es ist ja ein riesiger Markt. Das ist alles irgendwie so simpel gestaltet, sag ich mal so, dass der Produzent halt, nachher auch einfach fett was dran machen kann, wenn eben mal der eine, der ein Saiten-Instrument beherrscht, ein Gitarrist oder so, um den Bass reinzumachen. Von daher glaube ich, dass es leider nicht mehr so viel gebraucht wird, es sei denn, man macht eine „Bruno Mars“-Platte und man braucht ein festes Funk-Riff oder so und der Multi-Instrumentalist, der vor Ort ist. Im “rurtonstudio” ist es ja Marcel, zum Beispiel. Mein Bruder übrigens. Wenn er das nicht grade slappen kann, dann braucht man vielleicht ein “Slap-Bass”. Oder man braucht vielleicht mal ein Kontra-Bassist, der einen “Fretless Bass” mitbringt. Sowas denke ich, braucht man dann doch. Es gibt halt wenig Budget. Deshalb ist es total verständlich, dass da so Instrumentalisten wie ich, als reine Experten am E-Bass jetzt für Pop-, Jazz-, Funk- und Soul-Sachen einfach vielleicht auch nicht mehr so oft gebucht werden. Ich verstehe das total, wenn man dann im Home-Recording selber den Bass “rein zimmert”.

Marcel: Bezieht sich natürlich auch immer auf unterschiedliche Kontexte. In einer professionellen Produktion, wenn das dann so gebucht wird,” da sollte dann natürlich das Budget dann geben. Aber es gibt ja auch den “Band-Kontext. Wenn du zum Beispiel jetzt irgendwie in einem Band-Projekt bist. Lass uns mal darüber sprechen, was sie sagt.

Markus: Ich finde es jetzt ein bisschen schade, dass sie es so sieht oder, dass sie das jetzt so rauszieht. Denn ich denke, dass es das Gegenteil ist. Jeder Musiker in einer Produktion bringt wieder neuen Input und eine neue Sichtweise. Solange das Budget da ist, sollte das auch immer so gesehen werden. Klar, haben wir hier vielleicht den Multi-Instrumentalisten Marcel. Aber auch da entscheiden wir uns ja trotzdem nach der Vorproduktion dafür, dass wir trotzdem einen Bassisten brauchen, der sein Spiel da hinzugibt. Wie siehst du das Denis?

Denis: Derjenige der hier ankommt - in unserem speziellen Fall Katja - da freue ich mich übrigens immer sehr darauf, wenn sie hier bei uns ist - das ist nochmal ein ganz anderes Level, auf das ein Song oder eine Produktion gebracht werden kann. In den Punkten Feeling und musikalischer Background, da sind wir auf einer Welle würde ich sagen, da kann das Ganze in ganz andere Sphären gebracht werden, wenn eine Katja dann zum Beispiel dann da ist.

Markus: Und was sie glaube ich komplett außer Acht gelassen hat, ist der “Live-Produktions-Faktor”. Weil Marcel gibt es nur einmal. Das ist schade - aber er kann halt bei einer Live-Produktion nicht alle Instrumente bedienen. Nein, quatsch, also ich meine das ganz Ernst. Also, wenn du eben dieses Live-Feeling einfangen willst, brauchst du ja einfach viele Musiker, die das dann eben spielen. Und da gibt es auch gar kein drumherum. Ich glaube, es gibt verschiedene Sichtweisen. Die Band, da brauche ich halt die verschiedenen Musiker. Wenn ich jetzt ein Produzent bin, der halt alles einspielt, gut, dann brauchst du ihn nicht. Aber, er hat seine komplette Daseins-Berechtigung. Ich finde, das ist nicht weniger wichtig, wie ein anderes Instrument.

Marcel: Ich finde, es ist eine sehr coole und ehrliche Antwort und finde auch den Kontext interessant. Nun ist Sebastian zum Beispiel oder Tobi hat das große Glück seit über einem Jahrzehnt eine Band mit dir zu haben, die sehr aktiv auch wirtschaftlich ist und versucht halt Sachen zu machen. Für so eine Session-Bassistin Katja, spielt viel hier und dort, ist der Blickwinkel bestimmt auch nochmal spezieller. Das kann man glaube ich schon so sagen. Ja, cool. Hören wir uns doch mal an, was Tobi dazu sagt.

Tobias Görtzen: Als ich angefangen habe im Studio zu arbeiten, hat sich die Welt schon sehr stark verändert, da die Studios immer kleiner geworden sind und immer mehr Möglichkeiten im Bereich Homerecording funktioniert. Ich selber habe in den ersten Jahren eigentlich ausschließlich in Tonstudios gearbeitet und dort mit meinem Bass meine Parts eingespielt. Heutzutage gibt es die Möglichkeit, die Vorproduktion schon so gutzumachen und die Bass-Spuren so gut einzuspielen, dass die schon für den Rest der Band reichen, um zu arbeiten und meistens auch sogar schon für die finale Produktion reichen. Diese Veränderung ist erst einmal besser, da man unglaublich viel Geld sparen kann, da man intensiver an sich selbst arbeiten kann, wenn man das möchte. Für Leute, die lieber auch Input von außen benötigen, ist diese Entwicklung eher nicht gut. Wenn man aber sehr genau weiß, was man machen möchte, hat man im Homerecording einfach alle Zeit der Welt und kann viele Dinge ausprobieren.

Marcel: Finde ich auch total spannend, weil der Kontext aus dem Tobi denkt und wie er diese Frage beantwortet, ist ja wieder völlig ein anderer. Tobi war, zu Zeiten als wir drei noch zusammen bei „Die Versenker“ waren, gab es ja so dieses Konzept, dass diese Band, die eigene Musik gemacht hat, sich durch die Cover-Jobs ja refinanziert hat. Das war ja ein ziemlich cleveres Konzept, was er sich da überlegt hat. Und Tobi war ja auch so ein bisschen der “Betriebswirt” von uns.

Denis: Quasi der Manager.

Marcel: Genau, Manager, der das Ganze am Laufen gehalten hat. Er hat ja auch in die Kunst und Kulturmanagement-Richtung spezialisiert. Total spannend. Er schaut halt aus dem wirtschaftlichen Aspekt da drauf. Ich bin absolut seiner Meinung und das hat auch alles seine Vor- und Nachteile und seine Daseins-Berechtigung. Ich habe immer so ein bisschen das Gefühl - was mir so ein bisschen verloren geht und was ich zuletzt bei meiner eigenen EP-Produktion nochmal sehr genossen habe, ist, dass Bands zusammen im Aufnahmeraum stehen und sich gegenseitig Energien geben. Ich finde, am langen Ende hört man das auch. Ist vielleicht meine persönliche Meinung dazu und ist auch, wie gesagt, eher stets gegenüber den wirtschaftlichen Faktoren. Wie siehst du das?

Denis: Das sehe ich genauso. Hat beides seine Daseins-Berechtigung sozusagen dieser Luxus, dass du hier Leute einlädst sozusagen und das quasi Musik zusammen entsteht. Das ist eigentlich mit nichts zu vergleichen. Als wenn da einer zu Hause sitzt und auf ein paar Tasten sozusagen irgendeinen Song einprügelt…

Markus: Ich denke, das merken gerade auch viele in den “Corona-Zeiten”. Da erleben glaube ich viele das halt Musik machbar ist und dass jeder sein Stück gibt. Aber das zusammen erarbeiten und zusammen in einem Aufnahmeraum zu stehen, ist glaube ich nochmal was anderes.

Marcel: Eine große Freude. Wir befinden uns zeitlich übrigens gerade im zweiten Lockdown. Nur falls das für später mal relevant ist. Sebi wollen wir jetzt zu dieser Frage auch noch hören.

Sebastian Wagner: Bezüglich Homerecording bin ich wahrscheinlich nicht der Fachmann, aber ich finde es großartig, dass man heutzutage mit kleinen Mitteln unfassbar viel zu Hause machen kann. Ich habe ja eine kleine Ableton-Anlage und habe bisher nur im Ansatz gelernt, was man da alles machen kann. Aber da sind schon unfassbar gute Sounds drauf. Wie gesagt, ich bin großer Freund davon, auch wenn elektronische Dinge benutzt werden, dass man das nutzen sollte und dass das total cool ist. Aber immer im Blick darauf, dass das es nicht nur darum geht, irgendwelche Dinge zu machen, die seelenlos sind. Also in dem Fall, auch da finde ich es wichtig, die persönliche Note mit rein zu bringen. Dazu gehört natürlich auch beim Bass spielen, Melodie und Verbindungen von Akkorden, wie bringt man die zusammen. Das finde ich häufig spannend. Da kann es durchaus sein, wenn jetzt jemand gar keine Erfahrungen an einem Instrument hat und das elektronisch macht - das vielleicht eben diese Dinge manchmal hier und da so ein bisschen fehlen. Allerdings können sie auch durch andere Instrumente ergänzt werden oder im Song nicht unbedingt gebraucht werden. In meiner Welt ist das so, dass ich das sehr gerne nutze und da natürlich auch jetzt 20 Jahren Erfahrung mitbringe.

Marcel: Ich hab den Bassist/innen eine Frage gestellt und diese sollten sie mit nur einem einzigen Wort beantworten. Mal gucken, ob das geklappt hat. Ich habe nämlich gefragt, was ist das allerwichtigste beim Bass-Recording oder beim Bass-Producing ist.

Katja Stoffels: Ton

Tobias Görtzen: Sound

Sebastian Wagner: Groove

Marcel: Ich habe die Jungs und das Mädel gefragt, wann man am besten den Bass einspielt. Weil ich das selber eine ziemlich spannende Angelegenheit finde.

Markus: Du meinst rein den Zeitpunkt in der Produktion?

Marcel: Genau. Ich bin einfach mal gespannt, was sie dazu sagen. Ich meine, es gibt natürlich die Situation eines Live-Recording, wo man irgendwie Bass und Drums zusammen einfangen will. Vorteile wären da zum Beispiel?

Denis: Wenn man zusammen einspielt, meinst du? Das ist natürlich direkter Kontakt, Feeling, intuitives Spielen, grooven…

Markus: Sound abstimmen. Finde ich auch sehr cool.

Marcel: Kreativität. Genau. Aber hier reden wir jetzt grad mal über eine Produktion und da schauen wir uns mal an, was Katja so dazu sagt. Wann spielt man am besten den Bass ein?

Katja Stoffels: Bass sollte man unbedingt nach den Drums einspielen oder live mit den Drums. Absolut. Bei mir funktioniert das so. Weil ich die Energie von dem Drummer mit aufnehme - ich bin vielleicht nicht der mega Crack, aber ich bin auf jeden Fall ein sehr sensibler Bassist. Ich kann dieselben vier Töne dann nochmal komplett anders spielen - das hat man mir auch schon öfters gesagt und da ist es oft nicht gewünscht, dass ich es danach nochmal spiele, weil es dann tatsächlich immer eigentlich nur schlechter wird. Also, es ist halt, für mich komplett das Ding, wenn ich es so malen würde, wenn Denis da sitzt und ich sitze da oder irgendein anderer Drummer auch, mit dem ich gerne gespielt habe, dann sehe ich das immer so ein bisschen einen bunten Bogen zwischen den beiden Köpfen, der sich so verbindet, und da passiert dann vom Kopf her einfach ganz viel Verbindung, meiner Meinung nach.

Marcel: Ich denke, das ist der klassische gängige Weg. Den Bass einfach nach den Drums. Wenn man weiß, wo es langgeht, ist es auch von Vorteil, wenn man es dann macht…

Markus: Vor allem glaube ich, wichtig ist immer, wenn man da Overdubs macht, dass die Drums fix sind an der Stelle. Weil sonst verlagerst du ein Problem. Wenn du, glaube ich, noch Fills ändern würdest oder aus einem anderen Part oder Take am Schlagzeug - dass sollte alles schon vorher… Komplettes Editing, Entscheidungen sollte klar sein. Für den Drum Take. Wenn man Overdubs acht, dann sollte das vorher klar sein.

Marcel: Hängt natürlich auch extrem mit dem Arrangement zusammen. Wenn du nachher eine Trevor Horn - Robbie Williams-Produktion hast, dann kann es gut sein, dass der Bass nachher Sachen macht, die sämtlichen anderen Instrumenten oder manchen anderen Instrumenten wirklich in die Parade reinfahren.

Markus: Da hilft es natürlich auch, wenn es eine Vorproduktion gibt, dass die immer schon da ist. Damit sich der Bassist so ein bisschen da orientieren kann.

Marcel: Ganz spontan und ganz plakativ würde ich sagen: wenige Instrumente, Rockband, dann “Go for it!” Dann ist es ein cooler Zeitpunkt direkt nach den Drums.

Denis: Ja, absolut. Ich weiß nicht, was Tobi dazu sagt oder gesagt hat, aber was er auch sehr gerne macht ist, in der ersten Phase den Bass - klar nach den Drums - einspielen, aber erstmal auch als „Drecks-spur“. Und dann ganz am Ende noch mal, wenn wirklich alles darauf ist. Dass er da nochmal seinen Platz sozusagen sucht.

Marcel: Habe ich auch oft mitbekommen. Hat er auch bei „Die Versenker“ früher noch so gemacht. Total gängiger Weg. Und bei uns dreien machte es auch vollkommen Sinn: Wir hatten nur drei Instrumente und wir mussten das maximalste daraus holen. Das heißt, Kontra-Melodien, Gesang gegen Optionstöne, Bass, wenn Gitarre Powerchord. War dann schon eine spannende Wahl. Für uns sehr wichtig, weil sonst wäre es immer weiter nur „Green Day“ gewesen. Also ich meine dann wären wir auf drei, vier, fünf Akkorden gelandet und hätten immer Powerchords gehabt. So haben wir halt versucht das harmonische Material im Bass auszubreiten. Ja spannend. Also: Bass nach den Drums, wenige Instrumente, Spontan-Antwort von uns. Aber da sind wir da natürlich d'accord mit Katja! Hören wir doch mal kurz, was Tobi denn da antwortet.

Tobias Görtzen: Beim Bass-Recording ist mir wichtig, dass am Ende der ganze Song eine Einheit hört. Ich muss mit meinen Bass-Tracks gucken, mich irgendwo zwischen der Komposition und dem Groove zu bewegen und optimaler Weise verbinde ich diese beiden Parts.

Markus: Eigentlich genau das, was Denis eben angesprochen hat. Das Tobi halt versucht, seinen Platz zu finden und das wahrscheinlich auch schonmal so macht, dass er es eben erstmal so macht, wie er denkt, wo Platz ist und wie man sich da einordnen kann und das vielleicht nachher dann nochmal anpasst, wenn dann alles da ist. Die Gesangsmelodie, die anderen Instrumenten und so. Ist eigentlich das, was Denis eigentlich angesprochen hat.

Marcel: Und ich glaube, da fällt mir auch gerade nochmal auf - ich musste gerade selber nochmal drüber nachdenken - Gesang, Bass und Kontra-Melodien. Ich glaube, es hat schon ein bisschen was mit dem Komplexitätsgrad der Musik zu tun. Wenn ich so darüber nachdenke, ist ja das, was ich selber so präferieren würde, immer so einen relativ “Basic-spielender” Bass. Der halt nicht viel macht und der Stimmungs-noten spielt. Irgendwie durch eine Optionsnote dann mal einen ganz besonderen Spot irgendwie setzt. Ich glaube, wenn man da Arrangement-mäßig in die Tiefe geht, was sicherlich auch nochmal interessant wäre, jemanden zu hören, wie jetzt sagen wir mal Markus Page, der ganz viel Streicher arranged, wie da nochmal die ganze Sicht zu der ganzen Sache ist, weil ich glaube schon, dass es mit der Komplexitätsgrad von der Produktion auch zu tun.

Denis: Mir fällt gerade auf jeden Fall ein, dass der Bass - für mich - in die Musik gehört. Mir fiel grade “Fuck the Bassplayer Records” ein. Das ist so eine Platte, die nur aus Gitarre, Schlagzeug und Gesang besteht und da einfach kein Bass darauf ist. Und du wartest einfach die ganze Zeit, wann er denn kommt? Wann setzt er endlich ein? Fiel mir nur so gerade als schöne Anekdote ein.

Markus: Sollten wir verlinken, da können alle mal reinhören.

Marcel: Fuck the Bassplayer Records”! Sebi Wagner, was sagt der dazu? Wann spielt man Bass ein?

Sebastian Wagner: Ich spiele am allerliebsten mit dem Schlagzeuger ein. Das habe ich eigentlich fast immer gemacht. Bei „The Intersphere“ haben wir immer komplett Live mit der Band eingespielt - auch um Kosten zu sparen, wir haben sehr lange geprobt, bis alles saß und haben dann versucht diese Energie, die wir Live hatten, einzufangen. Und bei „Peilomat“ und „Kasalla“ ist es so, dass wir eigentlich schon immer Schlagzeug-Bass zusammen eingespielt haben. Das fühlt sich dann auch irgendwie so lebendig an. Man hat ja doch schon im Gefühl, was man entwickelt mit dem Schlagzeuger, mit dem man Tagein Tagaus spielt über lange Zeit und über lange Jahre und das ist auch ein Teil von dieser besonderen Note. Klar kann man heutzutage auch viel mit “in the box” machen und sehr coole Sachen machen (manchmal auch bessere als Live-Musiker), aber es geht ja auch darum, diese eigene Note drauf zupacken.

Marcel: Mega abgefahren mit „The Intersphere“, dass die diesen unfassbar komplexen Kram live spielen. Also ich denke, Denis, wir sind jetzt schon recht Studio Erfahrene Musiker und aus meiner Perspektive ist das noch Wahnsinn. Es muss eine Kraftleistung gewesen sein von der Band. Unfassbar.

Denis: Ich glaube eine krasse Vorbereitungs-Leistung. Das heißt, die haben wahrscheinlich ziemlich viel geprobt vorher, um das dann wirklich in dem Moment, wenn dann der Record-Knopf läuft, dass dann abzuliefern, weil da kannst du nicht mal eben…

Markus: Aber das hätte ich auch nicht erwartet. Hättest du dir das vorstellen können? Also ich jetzt nicht. Also, wenn man die Platten hört. Klar, ich konnte mir vorstellen, dass man vielleicht Teile zusammen einspielt, aber, dass das komplett… Das ist verrückt.

Denis: Nein!

Marcel: Ich muss ganz ehrlich sagen, ich hätte das Projekt oder ich hätte die „The Intersphere“ für viel konstruierter gehalten. Wir haben einen Chorus zu dem Song, den Schnipsel und jetzt gucken wir mal. Ich glaube, die haben das wirklich so gemacht, wie wir alles lieben und am liebsten tun würden. Die haben sich einfach den Arsch im Proberaum abgespielt.

Markus: Cool gemacht, oder?

Marcel: Denk ich schon.

Markus: Da ist man direkt noch mehr Fan.

Marcel: Ja, wahnsinn.

Denis: Aber wie gesagt, wir haben es ja live erlebt. Diese Talente in dieser Band haben wir live erlebt, oder?

Markus: Diese Energie auch, die da rüberkommt fand ich einfach unfassbar. Also selbst in einem kleinen Ding, wo wir da waren, das hatte so eine Energie und so einen Impact.

Marcel: Wir waren im Musikbunker, oder?

Markus: Ja in Aachen, genau.

Marcel: Sehr cool. Da war Sebi schon nicht mehr mit dabei aber Ich habe „The Intersphere“ noch mit Sebi gesehen. In Köln. Haben wir auch mal gespielt...

Markus: Luxor?

Marcel: Einer von diesen berühmt-berücksichtigen Underground-Clubs.

Markus: Ist auf jeden Fall schon ein paar Jahre her. War auch eine sau coole Show. Wahnsinn.

Marcel: Aber ich erinnere mich auch an einen Moment, Markus, den wir zusammen erlebt haben. Wir haben Sebi nämlich auch mal mit „Kasalla“ gesehen. In Zülpich am See. Da muss ich auch sagen - großen Respekt auch an dieser Stelle, ich habe selten sowas zu Ende gedachtes gehört. Wie Flo und Sebi im Klangbild da miteinander live, also ganz Klasse.

Denis: Ja, ich denke, da kommt auch dieser Background dann, das kann er dann natürlich dann da sogar bei einer Karnevals- oder kölschen Band. Das ist halt ein ganz anderes Niveau, was die da abliefern sozusagen.

Markus: Ich glaube, es ist auf dem Punkt bei jedem einzelnen von ihm, das was „Kasalla“ eben ausmacht. Das einfach jeder so einen krassen Blick darauf hat und das, was er da rein gibt, eben was ganz anderes ist, als wenn du einen Songwriter hast, der dir einen Song schreibt, aber die ganzen Charaktere nicht kennt. Also das, was er eben sagte, dieses live spielen und ich glaube auch heute noch dass sie das live einspielen und das machen glaube ich die wenigsten.

Marcel: Geht aber bei ihm aber noch eine Ebene drüber, finde ich. Oder bei eigentlich allen Bassisten, die wir jetzt hier gehört haben und das ist eigentlich auch ehrlich gesagt etwas, was so sein sollte bei einem professionellen Musiker. Was man aber heute, durch diese Art und Weise, wie das abläuft oder das es Budget-Einschränkungen gibt, halt nicht mehr so oft erlebt. Wenn man jetzt zum Beispiel „Kasalla“ und „The Intersphere“ zum Beispiel gegenübergestellt, dann sieht man auch das intelligente “Play” von den Musikern. Gerade am Beispiel Sebi kannst du ja sehen, dass er sich einfach in diese komplett andere Musik wieder einfügt. Der hat ja auch ganz andere Bodentreter dann dabei wahrscheinlich. Soundmäßig ist es ja auch, glaube ich, unglaublich divers, was da von ihm angeboten wird. Das macht ja auch einen sehr intelligenten Bassisten aus.

Markus: Aber da sind wir wieder so ein bisschen wie, als wir auch beim Drum-Producing waren, das ist eben dieser Klassiker finde ich, das man sein Handwerk kann oder ein Handwerk erlernt und das dann erstmal abrufen kann.

Marcel: Und den Kontext versteht. Entschuldige, dass ich dir da reingrätsche. Dass finde ich noch viel wichtiger. Das du, klar handwerkliche Grundfähigkeiten…

Markus: Ja, aber die müssen da sein, damit du das tun kannst, was du meinst, finde ich.

Marcel: Ja, aber du gehst einen Schritt weiter. Du musst es analysieren, du musst verstehen, ob du jetzt in dem Kontext wie bei “The Intersphere”, da sind ja auch ganz andere Harmonien.

Denis: Ja genau. Erstmal das zu einem und zum anderen kommt dann wieder, was auch immer das Besondere ist, und das ist bei allen auch so, die wir hier als Beispiel haben: die Persönlichkeit.

Marcel: Absolut!

Denis: Die Persönlichkeit kommt da rein. Das heißt, wenn du das Intro von „Stadt mit K“ hörst, dann kannst du dir schon vorstellen, dass es Sebi gespielt hat.

Marcel: Genau das ist das Ding. Stimmt, da ist natürlich klar. Das ist auch ein Charakter. Ganz klar. Ja schön. Interessante Antworten von euch dreien. Wir gehen einfach mal weiter zur nächsten Frage. Wie nimmt der Bass Einfluss auf einen Song? Das finde ich nämlich ganz spannend, wie die drei das beantwortet haben.

Katja Stoffels: Der Bass kann dem Song auch ja nochmal eine komplette Wendung geben. Ich glaube „Say Something“ von Justin Timberlake ist ein gutes Beispiel, wo es sich dann harmonisch verändert. Das ist sicherlich die Bassbewegung die Dominante und das ist der Gänsehaut-Effekt, der da passiert. Das kann man sich ja mal anhören. Bass kann alles ändern. Stimmung, Energie, ich kann den oben spielen, sobald ich runter gehe, “brate” ich halt volles “Brett” alles weg... das Stück ist halt energetisch auch super beeinflussbar dadurch - ähnlich wie bei den Drums. Drums sind da natürlich noch viel krasser. Bei den Gitarren ist es so, da musst du nochmal eine Spur drauf knallen und musst halt das Riff noch ein bisschen krasser gestalten. Musst du viel arrangieren und viel mit dem Sound arbeiten. Und der Bass sagt einfach „Ok, ich bleibe jetzt nicht in der oberen Lage, jetzt gehe ich nach unten, weil an dieser Stelle möchte ich das.“ Und da kann halt einiges passieren...

Denis: Kann ich nur unterstreichen, was sie da gesagt hat. Für mich ist das immer dieser „Aha-Effekt“ - ich liebe es zum Beispiel, wenn die Gitarre halt irgendwie ein Lick spielt. Sagen wir mal sie ist alleine und der Bass spielt erstmal einen Grundton. Das Lick läuft aber weiter. Plötzlich ändert der Bass das komplette Feeling und du denkst dann nur ‚Danke!‘. Ich glaube, das ist so ein bisschen die Richtung, die sie meint, dass der Bass Wendung hereinbringen kann. Kann ich komplett verstehen und liebe es auch.

Marcel: Absolut. Ich glaube, es gibt auch kaum ein Instrument, was so ausschlaggebend ist für stilistische Veränderungen und für Stimmungsveränderungen. Ich glaube, es ist auch ein stark wichtiges Instrument, was man aber nicht so offensichtlich hört, wenn man kein Musikkenner ist. Das meine ich.

Markus: Genau. Es ist eher etwas Unterschwelliges. Ich glaube, dass jeder, der so normale Pop-Musik konsumiert, das nicht so bewusst beschreiben könnte.

Denis: Kurze Zwischenfrage: Also ich mache es so, wenn ich Musik raushöre - Bass zuerst, also Grundtöne. Machst du das auch so oder gehst du woanders hin? Wenn du zum ersten Mal ein Stück hörst, was du etwas heraushören möchtest.

Marcel: Ich habe das so gefressen, als Gesangslehrer in vielen Tonarten ja auch zu denken und zu spielen. Dieses relative System, das ich echt ganz schnell in verschiedenen Stimmungen denke.

Markus: Das heißt, du hörst und weißt eine Akkord, die Tonhöhe und von da kannst du dich dann zurecht denken.

Marcel: Völlig, ja. Das sind auch irgendwie - weiß ich nicht, klingt jetzt ein bisschen abgefahren - es sind Farben einfach.

Markus: Aber das, was du sagen wolltest - dir hilft dann der Bass.

Denis: Ja genau. Mir hilft der Bass total.

Markus: Geht hoch, geht runter. Das kann ich nachvollziehen. Bin ich natürlich bei weitem nicht so wie Marcel, aber das kann ich voll nachvollziehen.

Marcel: Bass ist doch spannend.

Markus: Dann hören wir uns doch mal an was Tobi dazu zu sagen hat.

Tobias Görtzen: Die letzten Jahre habe ich immer gemeinsam mit unserem Drummer aufgenommen. Und wir haben extrem darauf geachtet, dass wir wirkliche Full-Takes jeweils von unseren Songs gemacht haben. Das Problem ist, dass man noch nicht so hundertprozentig weiss, während man nur auf die trockenen Drums aufnimmt, wie die wirklich am Ende aussehen werden und ob da wirklich der Platz für das Bass-Fill dann da ist. Wie schon erwähnt, ist der Bass für mich die Brücke zwischen allem. Der Bass gibt die Harmonie vor, der Bass gibt das Timing, den Groove vor. Deshalb nimmt der Bass meiner Meinung nach den wichtigsten Einfluss auf den Song. Aber das wird natürlich jeder Instrumentalist immer von sich selbst behaupten.

Marcel: Deckt sich ziemlich mit dem, was wir eben so ein bisschen besprochen haben.

Markus: Genau. Als hätten sie sich abgesprochen. Oder als hätten wir uns abgesprochen.

Marcel: Die haben bestimmt so eine “TelKo”gehabt.

Markus: Ich glaube auch. Die haben erstmal eine Zoom-Konferenz gemacht …

Denis: Aber tatsächlich ist so, was er zu Groove gesagt hat, das Schlagzeug und Bass der Motor der Band ist und da muss es natürlich knallen. Da muss es grooven. Und dann läuft der Rest in Anführungsstrichen von alleine.

Marcel: Absolut. Ja cool. Kommen wir zum letzten Punkt. Was ist denn der spielerische Fokus für euch? Das haben wir die drei gefragt. Wo hängt ihr mit dem Kopf oder mit dem Herz in dem Moment, wo ihr einspielt?

Tobias Görtzen: Mein Fokus liegt auf vielen Punkten. Ganz besonders auf Sound, aber auch sehr viel auf Länge/Kürze. Das heißt, wirklich zu gucken, wie lang ist jeder angespielte Ton. Ist es ein Achtel, Viertel, Sechzehntel, ist es abgedämpft, ist es nicht abgedämpft, ist es mit einem Plektrum ist es nicht mit nem Plektrum, muss ich mit dem Daumen lieber die Saite anschlagen, schlage ich diese Saite bei dem Ton lieber auf den Pick ab, welchen Bass nutze ich für welchen Part im Song. Im Tonstudio gönne ich mir auch den Luxus, dass ich auch Part für Part teilweise mir überlege die Bässe zu wechseln, das kann ich jetzt live logischerweise nicht mitten im Song machen. Aber all diese ganzen Fragen, teilweise sogar bis ins Tuning hinein. Es gibt so ein/zwei Parts, die machen einfach mehr Sinn in einem anderen Tuning, weil das dann etwas anders klingt, weil man eine Leerseite auf bestimmten Tönen anders nutzen kann. Fragen über Fragen, die man im Fokus beim „Bass-Recording“ sich immer überlegen sollte. Was spiele ich gerade? Wie soll das klingen? Wie lange soll der Ton sein? Ist es nach vorne gespielt? Ist es sehr steady? Ist es laid-back gespielt? Das ist auch so ein bisschen meine Philosophie beim „Bass-Recording“.

Sebastian Wagner: Ich versuche sehr viele Techniken zu nutzen. Ich nutze durchaus Daumen, Plek und Fingerspiel. Natürlich auch irgendwie dieses Wärmere, wenn man jetzt am Hals spielt, oder das mittigere am Hals. Allerdings je nachdem was halt auch der Sound braucht. Bei „Kasalla“ ist es so, dass es eigentlich keinen festen Sound gibt, sondern dass da sehr viel verschiedene Sound-Möglichkeiten gefragt sind. Bei mir ist das so ungefähr so 50 / 50 mit Fingern und Plek. Ich finde es sinnvoll, sich alles offen zuhalten und immer zu schauen, was ein Song braucht. Ich arbeite durchaus auch mit Effekten. Ich habe jetzt mein board hier nicht dabei, aber ich nutze vor allem Preamps und Verzerrer und ab und zu auch Octaver und Kompressoren, um den Sound so ein bisschen nach vorne zu bringen. Wichtig ist allerdings, dass das mit den Fingern auch erstmal funktioniert. Und das da der Sound so ist, wie man es sich ungefähr vorstellt. Da gibt es halt heutzutage tausende Möglichkeiten. Ich will auch nicht sagen, dass ist richtig und das ist falsch. Ich finde, da muss jeder für sich ausprobieren, womit er sich wohlfühlt. Weil der Wohlfühl-Faktor ist immens wichtig. Also ich habe das wirklich erlebt. Ich habe mal einen Shootout gemacht mit Kompressoren mit unserem Techniker. Da hatten wir so acht bis zehn Kompressoren und sind die einfach so durchgegangen und es war wirklich so, dass ich am Ende einen gefunden hatte, wo ich einfach gesagt habe, dass es sich gut anfühlt in allen Lagen und auch mit allen verschiedenen Instrumenten, die ich da nutze. Und auch bei den verschiedenen Songs und Stimmungen. Wenn man dann live auf die Bühne geht und sich dann wohler fühlt oder im Studio ist und den Sound im Studio nutzen kann, den man auch live nutzt, ist es viel wert. Und das ist das, was ich versuche zu machen. Dass ich mit dem Sound, den ich live wähle, auch gut im Studio überleben kann. Genau.

Denis: Ja, ich würde sagen, das ist einfach auch eine Sache der Erfahrung. Da hat er jetzt ganz viele Punkte angesprochen. Wenn du dich jahrelang damit beschäftigt hast, dann weißt du in gewissen Situationen welchen Sound du brauchst.

Markus: So ähnlich wie beim Kochen.

Denis: Natürlich probierst du viel aus. Aber du hast dann sozusagen die handwerklichen Möglichkeiten.

Marcel: Also wir fassen nochmal ganz grob zusammen: das handwerkliche ist für euch da sehr wichtig und natürlich wie Denis gerade schon sagte, die unglaubliche Erfahrung macht da halt so eine klare Sicht darauf. Ich glaube, wenn du jetzt Leute mit unterschiedlichem Niveau solche Fragen stellst, und natürlich kommt da der Kontext wieder dazu, da bekommst du wahrscheinlich ganz viele verschiedene Antworten auch. Aber die beiden sind so Studio erfahren.

Markus: Was ich zu Eingang meinte, dass dir das eben hilft, wenn du jetzt einen Musiker buchst, mit seinen Erfahrungen und mit seinen Skills, er bringt halt einfach was Neues in die Produktion rein.

Marcel: Genau.

Markus: Das ist ja genau das, was die alle gerade beschrieben haben. Das die das Wissen haben und das einschätzen können, was sie wann abrufen können, in welchem Kontext.

Denis: Man darf auch nicht vergessen, alle drei haben ziemlich krassen musikalischen Background einfach. Das ist nicht nur ihr Instrument der Bass, sondern auch andere Instrumente. Das ist ja bei dir Marcel auch so. Wie ist das als Multi-Instrumentalist? Multi-Instrumentalist - Wir nennen das gerne so, der verschiedene Instrumente auf hohem Niveau spielen kann und du spielst ja auch oft den Bass ein. Wie ist das für dich dann?

Marcel: Ich finde das ganz wichtig, was du eingangs gesagt hattest. Denn die drei, die wir gerade gehört haben, sind Künstler an ihrem Instrument. Und das ist auch der Unterschied zu mir. Ich schaue aus einer anderen Perspektive darauf. Ich will damit gar nicht sagen, dass ich nichts kann. Das meine ich gar nicht. Nur ich schaue einfach aus einer Arrangeur/Produzenten-Perspektive darauf. Und ziehe mir halt sozusagen mit meinen Skills, die ich dann habe, die mit Sicherheit nicht an die drei ran reichen können, das daraus, was ich brauche für den Song. Das heißt, ich bin im Grunde genommen, während ich meinen Bass spiele, mein eigener Produzent.

Denis: Das heißt, wahrscheinlich würdest du jetzt selber nicht hingehen und sagen, „Ich mache jetzt hier krass abgefahrene “Victor Wooten”-Nummer, weil ich den Bass dafür gar nicht einspielen kann.

Marcel: Nein, erstens kann ich das nicht. Und zweitens, wir haben ja hier gerade über Individualität und Handschriften und so gesprochen. Wir haben ja auch eine Produktionshandschrift. Bin schon gespannt, wie ihr das so seht. Ich bin ja auch so ein großer Fan vom Foo Fighters-Bassist. Ich höre mir super gerne abgefahrene Bassisten an, aber gerade bei den Foo Fighters fällt mir immer wieder auf, dass der Bass auch ganz viel in dem Kontext bleibt, wo er genau, aus meiner Perspektive, für meine Prämisse, wo er genau sein soll. Und der fällt halt ganz oft auch gar nicht auf bei den. Vielleicht ist das eine interessante Frage, wie ich zu diesem Schluss komme. Vielleicht ist es der Skill, der darüber entscheidet, dass ich so denke? Das kann gut sein. Dass ich halt aus der Not heraus - Singer/Songwriter zu sein und viele Projekte vordenken zu müssen oder viele Layouts machen zu müssen. Das mag gut und gerne sein, dass mich das im Denken einschränkt, aber andersrum würde ich behaupten, Bass betrachte ich als Arrangeur. Ich gucke von oben darauf.

Denis: Ja. Ich glaube, das ist ein Skill, der die ganze Arbeit hier unter uns auch ausmacht, wenn wir wirklich was zu dritt produzieren und auch alles quasi selber am Ende spielen. Das ist bei Marcel, das wird Markus mir bestätigen, da ist, halt diese unglaubliche Song-Dienlichkeit, von der man da immer spricht, die ist da ganz weit vorne, glaube ich.

Marcel: Und das kann man glaube ich auch ganz gut trennen von anderen Sachen. Ich mache mal ein Beispiel, die Live-Recording zu meiner letzten EP. Vielleicht können wir ein Stück reinblenden.

“Silence my thoughts” - Intended Mess

Marcel: Das ist ein Produktionsstand. Der ist noch nicht fertig. Das ist einfach nur ein Mixdown von einer Live-Session, die hat hier so stattgefunden mit Denis, Katja und Marc Rohles am Rhodes. Wir haben einfach nur versucht, die Tracks einzufangen. Sowas kann ich gar nicht bieten, auf Band-Basis. Wenn man die Nummer zu Ende hört, sieht man auch sehr schön, wie der Bass manchmal mit Denis anzuschieben. Das ist eine Finesse, die habe ich nicht. Ich bin Auftrag Bassist. Wenn wir Popmusik machen, wenn wir Kinder-Musik machen, wenn wir im rurtonproducing-Team arbeiten und das kann ich irgendwie alles auch auf dem Niveau dann vielleicht ganz gut bieten, aber es ist sicherlich nicht künstlerisch oder technisch extravagant.

Denis: Ich erinnere mich bei der Session auch, ihr zwei wart ja quasi auch in der Regie und habt euch das dann reingezogen. Das sind halt die Momente. Ihr könnt das eigentlich mal besser beschreiben, wie sich das dann darstellt.

Marcel: Magie.

Markus: Ich habe da immer riesigen Spaß bei. Das ist dann halt Musik machen! Klar gibt es einen festen Rahmen. Es gibt eine Vorproduktion. Es gibt die Idee von dem Song. Aber trotzdem, was dann passiert, wenn du dann einfach Musiker miteinander das Spielen lässt, das ist einfach toll.

Marcel: Da kommen Faktoren, die, wie du schon eben öfters gesagt hast, das Handwerkliche. Beim Coachen zum Beispiel, du hast ja früher auch mal Schlagzeug-Unterricht gegeben oder beim Gesangsunterricht, ist das genau dasselbe. Es werden ja eigentlich nur Ressourcen frei, für den “Next-Level-Shit”. Wenn das Handwerkliche funktioniert, dann fängst du erst an zu “leaden”, sozusagen. Weil das Ding ist ja, was diese Leute auf diesem Niveau machen, ist, dass die einander zuhören. Und das ist ein ganz wichtiger Faktor. Dafür, dass solche Dinge überhaupt passieren. Es geht, bei den dreien, in dieser Live-Session, die ich jetzt mal einfach Mal exemplarisch nehme, da geht es ja längst nicht mehr um ein Ego oder “Habt ihr gehört, was ich da spiele?” oder?

Markus: Nö.

Denis: Was ich mir gerade geil vorstelle - nehmen wir die Drei mal als Beispiel. Wenn ich hier als Drummer säße und du an einem anderen Instrument, Gitarre oder Piano, und du dann jeden einzelnen mal dann hier rein holst. Und was dann so entsteht und was am Ende dann dabei rauskommt. Eine hochinteressante Sache.

Marcel: Das ist ein tolles Experiment. Das ist eine geniale Idee. Du würdest dann die Charaktere abgebildet bekommen.

Denis: Sollten wir mal im Hinterkopf behalten...

Markus: Was ich noch gerade zu dem Thema liefern wollte, ist, ich habe so das Gefühl, beim Recorden, ähnliches Thema, weil, wenn du einfach Musiker auf einem hohen Niveau hast und du bekommst einfach tolle Signale, dann wird meine Arbeit auch immer einfacher. Man bekommt den Kopf frei für coole Dinge zu tun. Man muss nicht Probleme lösen oder Frequenzen suchen, die ich herausziehen muss. Dieses i-Tüpfelchen ist eigentlich immer das coole. Du ziehst die Fader hoch, pegelst das mal und dann hörst du erstmal, das alles schon geil ist. Dann kannst du halt mit Salz und Pfeffer noch coole Dinge machen beim Recording. Das macht eben auch auf meiner Seite dann eben noch mehr Spaß wenn man mit coolen Musikern zusammenarbeitet.

Marcel: Und was macht den rurton-Bass-Sound aus?

Markus: Das ist eine gute Frage. Wir bekommen mal zurückgespielt, dass, wenn man so eine Produktion von uns durchhört, dass es einen uniquen Sound gibt. Man kann glaube ich zusammenfassend, dass wir nie Bass irgendwie über einen wirklich Amp spielen, weil wir einfach gar keine hier haben, also keinen Bass Amp. Das heißt, wir sind immer irgendwie virtuell unterwegs oder dann halt über einen Kemper. Das ist aber glaube ich erstmal nicht so wichtig. Was wir halt immer versuchen, ist dann eben den richtigen Sound zu finden, der zum Schlagzeug und zum Song passt. Da haben wir im Kopf immer diesen Gedanken, Marcel und ich zusammen, das könnte der sein, der uns da hilft, oder der Bodentreter. Haben auch verschiedene und versuchen dann einfach mit vielen verschiedenen Komponenten, den richtigen Sound zu bekommen. Das ist eigentlich ein bisschen ähnlich wie alle drei das eben gerade erklärt haben, dass sie aus ihrem Repertoir und aus ihrer Hardware, die sie vielleicht zur Verfügung und eben ihre Skills, und so machen wir das eben auch.

Denis: Ich glaube das Unique an der rurton - Geschichte ist am Ende eigentlich der Song. Der Song an sich. Wenn Marcel und ich dann gemeinsam eine Sache produzieren, mit allen Instrumenten, dann, glaube ich, kann man da gewisse Sachen raushören - als Außenstehender. Könnte man schon vermuten, das müssen die gemacht haben. Also ich kann Marcel auf jeden Fall raushören. Und auch alle drei, die wir da heute gehört haben, würde ich glaube ich auch unterscheiden können.

Marcel: Wir fummeln ja auch immer mit Spielweisen und so rum. Das passiert halt auch nur bei mir, auf einer total fast kindischen, experimentellen Art und Weise. Weil ich das natürlich einfach nicht gelernt habe und ich komme einfach nicht schnell an das Ergebnis.

Markus: Aber wir erreichen gemeinsam das Ergebnis.

Markus: Aber ich glaube, es reicht schon das Bewusstsein zu haben, dass eben vor der Aufnahme eben ganz viel entscheidend ist. Was wir schon alles gesagt haben, da ist halt ganz viel halt und das ist viel wichtiger, welche Saiten und was für ein Bass, was hat er gekostet.

Denis: Ich möchte das gar nicht entwerten. Ich sage es einfach mal mit den Worten, die Denis oft benutzt. Ich glaube, unser größtes Gut an dieser Stelle ist der “Film im Kopf”. Wir wissen wo es hingehen soll. Und wenn du das weißt und im Kopf einen Plan hast, wie das klingen soll…

Markus: …Kriegst du das auf allen Ebenen gelöst. Mit dem Wissen, was man hat. Man weiß, wo die Reise hingehen soll. Oder sich das merkt oder sich vielleicht genau in dem Moment dahin entwickelt - gemeinsam.

Denis: Und da können wir wieder den Kreis zu unseren Jungs und dem Mädchen schließen. Am Ende, genau was Marcel sagt, “Film im Kopf”, wen brauchen wir dafür? Brauchen wir vielleicht diesen und diesen Bassisten, weil er diese und diese Sache bedienen kann oder weil er genau das richtige für diesen Song tut. Und dann haben wir es wieder.

Marcel: Und das schließt ja auch den Kreis für uns beide Kreativköpfe wieder auf Song- und Projektebene. Wie auch immer du denken willst. Letztlich ist der Film im Kopf ja das Entscheidendste. Die Richtung sollte klar sein, darum geht es ja beim Musik machen und das wäre auch schön so. Wir erleben ja auch Schüler, Praktikanten und ich glaube das wäre was, was ich mir vorstellen könnte, was vielleicht ein Tipp sein könnte, den man so in dieser Homerecording-Welt geben würde, dass man halt einfach mehr dahin kommt und weniger beim Equipment ist. Weniger denken, wenn ich dieses oder jenes Kabel habe oder den und den Kompressor, dann ist aber geil.

Markus: Wenn ich das Plug-In noch habe, dann wird's gut.

Marcel: Ich glaube, die Auseinandersetzung mit dir als Künstler und mit deinen Fähigkeiten und da, wo du hinwillst, ist das wichtige.

Markus: Und sollte der Hauptmerkmale bleiben oder werden.

Denis: Und auch, wenn wir jetzt mal nochmal kurz zum Abschluss in der Moderne, sage ich mal, bleiben. Heutzutage hat viel elektronische Musik Platz gefunden in der Welt - was mir da immer einfällt, ist Calvin Harris und Zedd. Das sind zwei Produzenten, die haben aber einen krassen musikalischen Background, die können Instrumente spielen. Der Zedd, der hat sogar einen Preis für Drumming irgendwo hier in Deutschland gehabt, der kann geil Klavier spielen. Die machen auch nicht so einfach auf „Ich hau auf irgendwelchen Tasten rum und dann ist der Song fertig“. Das darf man nie vergessen. Das hat schon einen krassen Hintergrund oft.

Marcel: Das finde ich auch total faszinierend, wenn Leute aus diesem Kontext raussuchen können. Spannend. Wir haben die drei noch abschließend gefragt: Was sind ihre Berührungspunkte mit dem rurtonstudio? Und damit wollen wir diese Folge dann auch abschließen. Wir bedanken uns echt für euren tollen Input, das war super spannend diese Folge aufzunehmen. Wie gesagt, sie ist in der “Corona-Zeit” entstanden, das heißt, wir konnten die Interview-Gäste leider nicht live hier einladen, was vermutlich nochmal zu so ein bisschen mehr Diskurs geführt hätte. Aber trotzdem sehr spannende Antworten von euch, Katja, Sebi und Tobi - wir bedanken uns bei euch und hören mal, was habt ihr denn eigentlich so, falls überhaupt schon passiert, mit dem rurtonstudio zu tun?

Katja Stoffels: Es war großartig. Also ich kann das nicht anders sagen und das klingt jetzt immer so, als hätte man das wegen des Podcast gesagt, aber das stimmt einfach. Es ist halt, wie gesagt, für mich einfach so, man geht zu dieser Tür rein und man hat das Gefühl, jetzt darf ich “Ich” sein. Jetzt darf ich nur Bassist sein. Das ist so ein Luxus heutzutage und sowohl organisatorisch, als auch von den Energien und von der Sympathie. Beispielsweise jetzt, ich erlebe halt zum Beispiel Markus immer als absoluten Ruhepool. Das klingt ein bisschen esoterisch, aber ich mag es Menschen in Farben zu beschreiben. Und er ist einfach immer so ein ruhiger Naturton, der dann einfach so auf einen zu schwingt, aber auch so ein bisschen wie ein Sonnenaufgang. Dann guckt man durch diese Scheibe und denkt sich „Das ist gut so“ und dann gibt es natürlich noch den Marcel, der dann irgendwie immer - je nachdem was es für ein Projekt war - für das ich spielen durfte, einfach alles im Blick hatte. Wie klingt jetzt was, was macht der Bass, was nimmt er für eine Position ein, wo hätte ich gerne dieses und jenes. Was könnte man noch verändern. Gebe ich auch genug Raum. Das sind dann glaube ich so die Fragen, die ihn dann immer im Kopf sind und ich glaube, er hat da immer sehr viel auf einmal im Kopf und ich kenne das von mir und versuche das so ein bisschen mir abzugewöhnen. Mich auf eine Sache zu fokussieren, aber das ist ja dann der Luxus, als Instrumentalist, den ich dann im rurtonstudio habe. Das ist natürlich als Initiator oder Teamleiter oder Produzent oder so, oft nicht möglich. Dann muss man an vieles gleichzeitig denken.

Marcel: Vielen Dank für diese “warme Dusche”, Katja. Und für so viele nette Worte. Wir haben dich auch immer wahnsinnig gerne hier. Dass Markus ein warmer Naturton ist, das würde ich definitiv so unterschreiben. Das macht die Atmosphäre hier auch aus. Man muss das auch schonmal sagen, wir treten hier zwar zu dritt auf, aber Markus hat das Studio ja gebaut in einer unfassbar akribischen Feinstarbeit und wer noch nicht hier war, sollte das vielleicht mal machen oder wirft einfach mal einen Blick auf unsere Seite rurton.de und es gibt auch ein paar Bilder, da könnt ihr euch auch mal wirklich ein Bild machen und es ist einfach großartig hier zu arbeiten. Möchte ich einfach auch mal unterstreichen. Denis, Markus, geiler Typ, oder?

Denis: Super geil.

Marcel: Ihr seht ihn natürlich nicht, aber wir sitzen hier Corona-Konform zusammen und er wird gerade Rot.

Markus: Mit 1,5 Meter.

Marcel: Eigentlich aber auch so ein Natur-Rot.

Tobias Görtzen: Ich habe häufig im rurtonstudio zusammengearbeitet. Das lief immer reibungslos und war klasse. Am meisten kann ich es empfehlen, sich Zeit dort zu nehmen. Die Aussicht ist wunderschön. Wir hatten, bei einer Albumproduktion für „Die Versenker“ das Album „Wertlos“ die Möglichkeit, den Wohnwagen neben das Ton-Studio zu stellen und konnten jeden Morgen mit einer wunderschönen Aussicht aufwachen und konnten uns zwei Wochen ganz konkret jeden Tag intensiv nur mit dem Album beschäftigen.

Marcel: Ja mit Tobi haben wir natürlich auch eine lange Historie hier und viele coole und lustige Stunden erlebt. Und viele Fifa-Battles übrigens.

Denis: Erinnere mich nicht daran! Ich bin ein absoluter Verlierer.

Marcel: Denis, aber mit Tobi auf Tour und wenn es irgendetwas gab, was wir gezockt haben oder so, da ist er ja so krass.

Denis: Das liegt glaube ich in der Familie, seine Brüder sind auch irgendwie - einer war im europäischen Kartenspiel…

Marcel: Und einer ist doch ein Magic-Champion. Der kriegt schon Geld nur fürs Anreisen.

Marcel: Irgendwas machen wir falsch.

Markus: Aber Fifa ist natürlich der einzige Grund, warum es hier eine XBox gibt. Was anderes hat meine X-Box noch nie gesehen.

Denis: Also, kommt mal rum zum Fifa-Battle.

Markus: Aber nicht mit Marcel, das macht einfach keinen Spaß. Lieber gegen Denis oder mich, da kann man gewinnen.

Marcel: Aber wenigstens stell ich nicht die Schiedsrichter infrage.

Markus: Stimmt, du hast auch Mitleid mit uns. Sagen wir es mal so. Du lässt uns auch schonmal gewinnen.

Marcel: Tobi ist natürlich auch Schiedsrichter. Das muss man hier in dem Kontext sagen, weil wir hier Insider-Witze raushauen. Vielen Dank an euch beide. Hat super Spaß gemacht mit euch. Sebi Wagner, auch MeisterTask zählt als Rurton-Berührung. Mal gucken, was er dazu sagt.

Sebastian Wagner: Mit dem rurtonstudio kam ich in Kontakt tatsächlich über den André Lehner. Das ist unser Produktionsleiter von „Kasalla“. Der hatte uns den Kontakt tatsächlich gegeben zum „rurtonstudio" im Zuge einer Erweiterung, die wir brauchten - da ging es um MeisterTask. Das ist ein Online-Tool, mit dem wir mittlerweile arbeiten und versuchen unseren Alltag zu gestalten und uns zu vernetzen. Damit nicht mehr tausende WhatsApp-Nachrichten oder Mails hin- und hergehen. Genau. Das war so der Kontakt und ich glaube, dass der Markus und der André seit langer Zeit aus der Eifel kennen.

Marcel: Ja, die haben nämlich schon ganz schön viele Festivals und alles Mögliche zusammen gemacht. Andre und Markus kennen sich lange. Sebi, vielen Dank für deinen ganzen Input. Wir mussten regelmäßig lachen. Denis hat gerade gesagt, er will auch mal Geräusche machen im Hintergrund und meinte, es klingt wie bei einer Kochsendung bei dir. Super lustig. Super cool. Sehr interessante Antworten von dir.

Marcel: Das war unsere Folge zum „Bass-Recording“. Wenn ihr Fragen, Input oder sonst irgendetwas habt, dann schreibt uns und meldet euch in irgendeiner Form bei uns. Wir freuen uns auf euer Feedback. Hat uns mal wieder sehr viel Spaß gemacht, so viele interessante Sichtweisen und Philosophien. Dann geht es bald weiter mit einer Gitarren-Folge. Ich gebe ab an den Hausherren - den “naturfarbenen Markus.

Markus: 3…2…1…

Alle: Reingetackert!

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